Diplomarbeit, 2002
95 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Kurze Vorstellung des Werkes
1.2. Zielsetzung und Methodik der Arbeit
1.3. Der Literaturbetrieb in der DDR
1.4. Der Literaturbetrieb in der BRD
2. Die Stellung des Künstlers in der DDR-Gesellschaft
2.1.Die Biermann-Affäre
2.2. „Daß ich nur schreibend über die Dinge komme!“
2.3. Analyse der Kritik
3. Die Wiederentdeckung der Romantik in der DDR
3.1. „Ein Zufall kann es nicht sein“
3.2. Geschichte oder Fiktion?
3.3. Analyse der Kritik
4. Die künstlerische Gestaltung
4.1. Der sozialistische Realismus
4.2. „Alles, was wir aussprechen, muß wahr sein, weil wir es empfinden“
4.3. Analyse der Kritik
5. Im Spannungsfeld von Realität und Utopie
5.1. „Wir sind auf den ganzen Menschen aus und können ihn nicht finden“
5.2. „Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten, bestimmt“
5.3. Analyse der Kritik
6. Schlußbemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche Literaturkritik zu Christa Wolfs Werk „Kein Ort. Nirgends“ in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik, um die divergierenden Schwerpunkte, Werturteile und Begründungen innerhalb der beiden politisch entgegengesetzten Systeme aufzuzeigen.
1.1. Kurze Vorstellung des Werkes
Christa Wolf wurde 1929 in Landsberg/Warthe (im heutigen Polen) geboren. Am Kriegsende wurden sie und ihre Familie vertrieben, und siedelten nach Mecklenburg um. Die traumatischen Erlebnisse des Nationalsozialismus weckten ihr Hoffen auf den vom Sozialismus propagierten „neuen Menschen“: 1949 trat sie der SED aus Überzeugung bei. Nach dem Studium der Germanistik arbeitete sie zunächst als Redakteurin und Lektorin, bis sie 1962 freischaffende Schriftstellerin wurde. Mit dem Erscheinen von Der geteilte Himmel (1963) und vor allem von Nachdenken über Christa T. (1968) wurde sie in Ost- und West-Deutschland bekannt, im Laufe der Jahre avancierte sie zu der DDR-Schriftstellerin schlechthin.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von Kein Ort. Nirgends im Jahre 1979 gehörte Christa Wolf bereits zu den bekanntesten DDR-Schriftstellern. Das Buch erschien zur gleichen Zeit im Luchterhand-Verlag (Darmstadt und Neuwied) und im Aufbau-Verlag (Berlin). Es fand in der Presse eine breite Resonanz und wurde bald zum „Verkaufsschlager“. In diesem Werk entwirft Christa Wolf ein Treffen zwischen zwei Persönlichkeiten der Literaturgeschichte, zwischen Heinrich von Kleist und Karoline von Günderrode - nur wenige Jahre bevor beide freiwillig aus dem Leben scheiden.
1. Einleitung: Einführung in das Werk, die Zielsetzung der Arbeit sowie eine Skizze der literarischen Betriebssysteme in der DDR und BRD.
2. Die Stellung des Künstlers in der DDR-Gesellschaft: Untersuchung der soziopolitischen Lage von Künstlern, fokussiert auf die Auswirkungen der Biermann-Affäre auf das kulturelle Klima.
3. Die Wiederentdeckung der Romantik in der DDR: Analyse des Wandels im Umgang mit dem romantischen Erbe und der spezifischen Interpretation der Epoche durch Christa Wolf.
4. Die künstlerische Gestaltung: Darstellung der ästhetischen Mittel im Werk und die kritische Distanzierung der Autorin von den dogmatischen Regeln des sozialistischen Realismus.
5. Im Spannungsfeld von Realität und Utopie: Untersuchung der zentralen Thematik der Diskrepanz zwischen gesellschaftlicher Realität und dem utopischen Anspruch eines humanen Sozialismus.
6. Schlußbemerkungen: Zusammenfassendes Fazit über die unterschiedlichen Rezensionsweisen im Ost-West-Vergleich.
Christa Wolf, Kein Ort. Nirgends, DDR-Literatur, Literaturkritik, Biermann-Affäre, Sozialistischer Realismus, Romantik, Heinrich von Kleist, Karoline von Günderrode, Utopie, Literaturrezeption, politische Literatur, literarisches Erbe, Subjektivität, DDR-Kulturpolitik.
Die Arbeit analysiert die Rezensionen von Christa Wolfs Erzählung „Kein Ort. Nirgends“ in den politisch konträren Systemen der BRD und der DDR.
Die Schwerpunkte liegen auf der Künstlerproblematik, dem Umgang mit dem literarischen Erbe der Romantik, der Auseinandersetzung mit dem sozialistischen Realismus und dem Verhältnis von Realität und Utopie.
Das primäre Ziel ist es, die unterschiedlichen Schwerpunkte und Werturteile der Kritiker in Ost- und Westdeutschland herauszuarbeiten, ohne bei einer bloßen Gegenüberstellung stehen zu bleiben.
Es wird eine thematisch herangehende Arbeitsweise gewählt, die vier spezifische Kapitel umfasst, um die kritischen Reaktionen in einen fundierten inhaltlichen Kontext zu setzen.
Der Hauptteil gliedert sich in vier inhaltliche Kapitel, welche die Stellung des Künstlers, die Rolle der Romantik, die künstlerische Formgestaltung und das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Wirklichkeit und Utopie diskutieren.
Wichtige Begriffe sind unter anderem DDR-Literatur, Biermann-Affäre, sozialistischer Realismus, subjektive Authentizität und literarische Rezeption.
Die Affäre markiert eine Zäsur, die Christa Wolfs Selbstverständnis als Schriftstellerin sowie ihre spätere Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Rolle von Kunst und Literatur maßgeblich beeinflusste.
Während die westdeutsche Kritik das Werk oft unter dem Aspekt der „verschlüsselten politischen Kritik“ betrachtete und formale Aspekte wie die Montage scharf kritisierte, fiel die ostdeutsche Rezeption insgesamt positiver aus und betonte die „ästhetische Produktivität“ des Textes.
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