Bachelorarbeit, 2018
43 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Pluralismus – die Versöhnung mit dem Westen?
2.1 Knowledge: das kritischste Gebiet der chinesischen Verwundbarkeit gegenüber dem Westen
2.2 Die Moderne: ein unvollendetes Projekt
2.3 Die Neue Philosophenschule bietet ein neues Verständnis von Tradition und Moderne
2.3.1 Paradigmenwechsel
2.3.2 Konstruktive Kulturreform: Anerkennung der kulturellen Einzigartigkeit
3. Neues Selbstbewusstsein: Rückbesinnung auf die Substanz des chinesischen Lernens
3.1 Aufbruch zu neuen Horizonten: Rising China
3.2 Die von Komplexität geprägte, kulturelle Umgebung der Moderne
3.3 Die Neue Philosophenschule: Ausweg aus der kulturellen Unselbstständigkeit Chinas?
3.3.1 Neues Verständnis von ‚neu‘ und ‚alt‘
3.3.2. Neues Verständnis von Chineseness
4. Die beständige Idee der Erneuerung
4.1 Die traditionelle Sonderstellung des Gelehrtenstands
4.2 Die ideologische Leitlinie: Chinese Dream
4.3 Die Notwendigkeit einer Neuerfindung der chinesischen Geschichte
4.4 Die Neue Philosophenschule: Lösung für das soziale ‚Wertevakuum’?
4.4.1 Aufklärung chinesischer Art
4.4.2 Aktuelle Verbreitung
5. Fazit
Diese Bachelorarbeit analysiert die Faktoren der kulturellen und nationalen Identitätsbildung in China vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, wobei der Fokus auf der 2012 entstandenen "Neuen Philosophenschule" liegt. Ziel ist es, zu untersuchen, wie diese Schule durch eine Neuerfindung chinesischer Selbstbeschreibung und ein neues Verständnis von Tradition und Moderne auf westliche Einflüsse reagiert und versucht, das soziale "Wertevakuum" durch eine Rückbesinnung auf indigene Gelehrsamkeit zu füllen.
2.1 Knowledge: das kritischste Gebiet der chinesischen Verwundbarkeit gegenüber dem Westen
Seit dem frühen 20. Jahrhundert wurde ‘Wissen’ (knowledge) von chinesischen Reformatoren als das kritischste Gebiet der chinesischen Verwundbarkeit gegenüber dem Westen bezeichnet. Obwohl eine Reihe von Kampagnen zur Aufklärung der Bevölkerung (kai minzhi ) eine Welle ins Rollen brachten, die die konfuzianische Schule durch Schulen im westlichen Stil zu ersetzen suchten, besteht das Dilemma von zeitgenössischen chinesischen Intellektuellen darin, in einer Zeit der Reformen und der Globalisierung eine passende und korrekte Definition von ‘allumfassendem’ und ‘legitimem’ Wissen, sowie die Verbreitung und Institutionalisierung dieses Wissens, zu finden.
Die Einführung von ausländischen wissenschaftlichen Modellen und Ideen anfangs des 20. Jahrhunderts in die chinesische Gedankenwelt wurde mit der Rechtfertigung vorangetrieben, dass die fremde, beziehungsweise westliche Weltanschauung ‘modern’ oder ‘universell’ im Gegensatz zu den ‘traditionellen’ und lediglich ‘einheimischen’ ideologischen Richtungen Chinas waren. Diese Sichtweise auf China als eine stationäre, unveränderliche Gesellschaft, die der westlichen Wahrnehmung über China seit dem 19. Jahrhundert zugrunde liegt, ist von der Meinung geprägt, dass die Rückständigkeit Chinas - zu Anfang der Auseinandersetzung hauptsächlich gekennzeichnet durch Handelsbeschränkungen, einer autokratischen Regierung und militärischer Schwäche - nur durch das dynamische, kosmopolitische Eingreifen des ‘zivilisierten’ Westens gelöst werden könne.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den Wandel kultureller und nationaler Identität in China und stellt die Neue Philosophenschule als Antwort auf westliche Einflüsse vor.
2. Pluralismus – die Versöhnung mit dem Westen?: Dieses Kapitel beleuchtet das kritische Verhältnis zum Wissen und zur Moderne, wobei der Fokus auf dem Bestreben liegt, das westliche Interpretationsmonopol zu brechen.
3. Neues Selbstbewusstsein: Rückbesinnung auf die Substanz des chinesischen Lernens: Es wird analysiert, wie die Rückbesinnung auf antike Lehrmeister als Mittel zur Identitätsfindung und nationalen Stärke dient.
4. Die beständige Idee der Erneuerung: Dieses Kapitel untersucht die Rolle von Ideologie, den "Chinese Dream" und die Notwendigkeit, Geschichte neu zu definieren, um soziale Probleme zu lösen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Leitmotiv des Nationalismus den Diskurs dominiert und die Neue Philosophenschule versucht, durch ein neues Verständnis von Tradition eine moderne, originelle Identität zu schaffen.
Neue Philosophenschule, Xinzixue, chinesische Identität, Moderne, Tradition, Nationalismus, Chinese Dream, Gelehrtenstand, interkultureller Diskurs, kulturelle Selbstbehauptung, Wissensdiskurs, China, Historiographie, Gelehrsamkeit.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Identitätsbildung in China vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart und analysiert die Entstehung sowie die Ziele der "Neuen Philosophenschule" (Xinzixue).
Zu den Kernbereichen gehören das Spannungsfeld zwischen chinesischer Tradition und westlicher Moderne, die Suche nach kultureller Eigenständigkeit sowie die Bedeutung historischer Narrative für die heutige Identität.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie die Neue Philosophenschule als eine Art Neuerfindung chinesischer Selbstbeschreibung fungiert und ob sie als tragfähiges Modell zur Überwindung kultureller Abhängigkeiten dienen kann.
Die Autorin wählt einen historiographischen Ansatz, der sich an der Arbeit von Q. Edward Wang orientiert, um aktuelle intellektuelle Diskurse in China in einen historischen Kontext zu stellen.
Der Hauptteil analysiert die Definition von "neu" und "alt", die Kritik an der westlichen Moderne, das Konzept der "Chineseness" sowie die Verknüpfung der Neuen Philosophenschule mit staatlichen Ideologien wie dem "Chinese Dream".
Die wichtigsten Begriffe sind Neue Philosophenschule (Xinzixue), chinesische Identität, kulturelle Selbstbehauptung, Moderne, Tradition und der Chinese Dream.
Vertreter der Neuen Philosophenschule kritisieren die aus ihrer Sicht negative Einstellung der Bewegung des Vierten Mai zur chinesischen Tradition und streben stattdessen eine Wiederbelebung pre-Qin-zeitlicher Denkmuster an.
Die Arbeit beleuchtet, wie staatliche Ideologien, insbesondere das Konzept des "Chinese Dream", versuchen, akademische Institutionen zur Unterstützung nationaler Ziele und zur Stärkung der kulturellen Integrität zu mobilisieren.
Das "Wertevakuum" beschreibt die Problematik, dass in der modernen chinesischen Gesellschaft ein Bedarf an ethischen oder moralischen Ankern besteht, den die Neue Philosophenschule durch die Rückbesinnung auf klassische Gelehrsamkeit zu füllen versucht.
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