Hausarbeit, 2020
114 Seiten, Note: 1,5
1 Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung
2 Begriffsdefinitionen
2.1 Etikettierung
2.2 Stigmatisierung
2.3 Der Stigma- und Etikettierungsansatz
3 Stigmatisierung – vom Makel zum sozialen Prozess
3.1 Zur Entstehung von Stigmata
3.2 Unterteilung von Stigmata (nach Goffmann)
3.3 Mögliche Ursachen und Funktionen von Stigmatisierung
3.4 Stufen der Stigmatisierung
3.4.1 Darstellung nach Hensle
3.4.2 Darstellung nach Link und Phelan
4 Auftretende Probleme bei Betroffenen
4.1 Auswirkung der Stigmatisierung auf die sozialen Rollen und die Identität
4.2 Störungen der Interaktion nach Goffmann
4.3 Selbstkonzept, Selbstwertgefühl und Identität
4.3.1 Die beschädigte Identität
5 Vom Makel zum sozialen Prozess
5.1 Die Schule als Instanz sozialer Kontrolle und als anomische Struktur
5.2 Etikettierungs- und Stigmatisierungsprozesse in der Schule
5.3 Erwartungen der Lehrkräfte
5.4 Stereotypbildung – Einteilung der Lernenden durch Lehrkräfte
5.5 Zuschreibungen durch die Klassengemeinschaft
6 Zusammenfassung der Ergebnisse
6.1 Forschungsleitende Fragestellungen
7 Empirische Untersuchung
7.1 Forschungsmethodisches Vorgehen
7.2 Forschungszielgruppe, Feldzugang und Interviewte
7.3 Befragung der Lehrkräfte
7.4 Befragung der Schülerinnen und Schüler
7.4.1 Auswertungsmethode: Qualitative Inhaltsanalyse
7.4.2 Möglichkeiten und Grenzen des Interviews
8 Einschätzung der Situation der Schülerinnen und Schüler im G-Niveau
8.1 Die Transkription
8.1.1 Sprachliche Deutung
8.2 Bildung des Kategorienschemas
8.2.1 Anwendung des Kategorienschemas
8.2.2 Folgen der Stigmatisierung für den Einzelnen
8.3 Analyse des Datenmaterials
8.3.1 Die Analyse der Interviews
8.4 Beantwortung der forschungsleitenden Fragestellungen
8.4.1 Inwieweit finden Stigmatisierungsprozesse in und durch die Schule statt?
8.4.2 Wie wirken sich Stigmatisierungen auf die sozialen Rollen und die Identität von Betroffenen aus?
8.4.3 Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es um bestehende Stigmata abzubauen?
8.4.4 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
8.4.5 Weitere mögliche Forschungsfelder
9 Abbau von Vorurteilen und Präventionsmaßnahmen
9.1 Haltung der Lehrkräfte
9.2 Aufklärung und Thematisierung in den Klassen
9.2.1 Soziales Lernen im Rollenspiel
9.2.2 Klassenübergreifende Projekte
9.3 Wegweiser Schulprogramm
10 Abschlussdiskussion und Ausblick
11 Literaturverzeichnis
Die Arbeit untersucht die Phänomene Etikettierung und Stigmatisierung im schulischen Kontext. Das primäre Ziel ist es, die Auswirkungen dieser Prozesse auf die Identitätsentwicklung und das Selbstkonzept von Schülern in G-Niveau-Klassen zu beleuchten, um daraus Möglichkeiten zur Prävention und zum Abbau von Vorurteilen abzuleiten.
3.1 Zur Entstehung von Stigmata
Um Stigmatisierungsprozesse zu erklären, bietet sich Goffmans Auslegung von Stigmatisierungsprozessen an, die den Gesetzmäßigkeiten der Attributionstheorie folgt (vgl. Groß 2000, S.18). In Abgrenzung zu dieser ist es sinnvoll, auch auf einige Aspekte des Labeling Approach einzugehen. Die Attributionstheorie kann den kognitiven Theorien zugeordnet werden, da sie das Verhalten der Menschen in Situationen als Produkt von Kognitionen sieht. Groß führt aus, dass Kognitionen wie Denken, Sprache und Problemlöseverhalten den Menschen befähigen, seine Innen- und Außenwelt zu strukturieren. Der Mensch nimmt Situationen subjektiv wahr, definiert sie und richtet an seiner Einschätzung der Situation sein Verhalten aus. Diese Deutungsprozesse von Situationen, die das Verhalten des Menschen beeinflussen, sind Teil der Attributionstheorie. Die Zuschreibung von Attributen (Eigenschaften) ist ein fester Bestandteil des täglichen Lebens. Attribute dienen der Vereinfachung der Wahrnehmung und ermöglichen eine Vorhersage über Verhaltensweisen anderer Personen.
Wie diese Hypothesen und Urteile über die Umwelt und andere Menschen entstehen bzw. wie es zur Zuschreibung internaler Attribute wie Eigenschaften, Motiven oder Wertehaltungen kommt, wird durch Goffman, dessen Stigmatisierungsansatz auf dem symbolischen Interaktionismus basiert, erklärt (vgl. Groß 2000, S. 18ff). Goffman stellt den Interaktionsprozess folgendermaßen dar: Treten zwei sich fremde Menschen miteinander in Interaktion, so machen sie sich in den ersten Sekunden bereits ein Bild bzw. formen die „virtuale soziale Identität“ ihres Interaktionspartners (vgl. Goffman 1998, S. 10).
Die virtuale soziale Identität bzw. das Bild entsteht durch die Wahrnehmung weniger, herausstechender, oberflächlicher Merkmale, die es ermöglichen, das Gegenüber, ohne es näher zu kennen, einem bestimmten Typ Mensch zuzuordnen (Typifikation). Auf Basis der Typifikation werden einer Person bestimmte Attribute zugeschrieben (vgl. Goffman 1998, S. 10f). Diese Attribute sind mit positiven oder negativen Wertungen verbunden und führen im Falle einer negativen Wertung zu einer Zuordnung zu nicht akzeptablen Gruppen bzw. zu einer Etikettierung der Person. Mit einer solchen Etikettierung wird eine soziale Distanz zu dem anderen aufgebaut (vgl. Groß 2000, S.19f).
1 Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung: Einführung in die Problematik von Etikettierung und Stigmatisierung im schulischen Kontext und Skizzierung des Forschungsziels.
2 Begriffsdefinitionen: Definition und Abgrenzung der Begriffe Etikettierung und Stigmatisierung unter Berücksichtigung theoretischer Ansätze.
3 Stigmatisierung – vom Makel zum sozialen Prozess: Analyse der Entstehung von Stigmatisierung sowie deren Unterteilung und Funktionen aus soziologischer Sicht.
4 Auftretende Probleme bei Betroffenen: Untersuchung der Auswirkungen von Stigmatisierung auf soziale Rollen, Identität und Interaktionsprozesse.
5 Vom Makel zum sozialen Prozess: Beleuchtung der Schule als Kontrollinstanz und der Prozesse, durch die Schüler etikettiert werden.
6 Zusammenfassung der Ergebnisse: Resümee des theoretischen Teils und Ableitung der forschungsleitenden Fragestellungen.
7 Empirische Untersuchung: Darstellung des methodischen Vorgehens bei der Befragung von Lehrkräften und Schülern.
8 Einschätzung der Situation der Schülerinnen und Schüler im G-Niveau: Analyse und Auswertung des empirischen Datenmaterials.
9 Abbau von Vorurteilen und Präventionsmaßnahmen: Entwicklung von Strategien und Maßnahmen zur Prävention und zum Abbau von Stigmata im schulischen Umfeld.
10 Abschlussdiskussion und Ausblick: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Forschungsnotwendigkeiten.
Stigmatisierung, Etikettierung, Schule, Identität, Soziale Kontrolle, Rollenverhalten, Labeling Approach, Vorurteile, G-Niveau, Schulalltag, Selbstbild, Attributionstheorie, Pädagogik, Diskriminierung, Prävention
Die Arbeit analysiert die Prozesse der Etikettierung und Stigmatisierung von Schülern in Realschulen in Baden-Württemberg, insbesondere im Kontext der Einführung von G- und M-Niveaus.
Im Mittelpunkt stehen die Entstehung von Stigmata, deren Auswirkungen auf die Identität betroffener Schüler, die Rolle der Lehrkräfte sowie mögliche präventive Strategien zur Verbesserung des Schulklimas.
Das Ziel ist es, die subjektiven Erfahrungen von Schülern in G-Niveau-Klassen zu erfassen und zu verstehen, inwieweit institutionelle Rahmenbedingungen Stigmatisierungsprozesse fördern oder behindern.
Die Arbeit nutzt einen qualitativen Forschungsansatz, basierend auf problemzentrierten Einzelinterviews mit Schülern sowie einer schriftlichen Expertenbefragung von Lehrkräften.
Neben der theoretischen Fundierung durch soziologische Ansätze wie den Labeling Approach analysiert die Arbeit die Wahrnehmung von Schülern hinsichtlich ihrer Klassenzugehörigkeit und die damit verbundenen Erwartungen der Lehrkräfte.
Zentrale Begriffe sind Stigmatisierung, Etikettierung, soziale Identität, pädagogische Interaktion und Schulentwicklung.
Die Untersuchung zeigt, dass die Einteilung häufig als institutionelle Etikettierung wahrgenommen wird, die mit negativen Zuschreibungen (z.B. "dumm" oder "leistungsschwach") verknüpft ist und das Selbstwertgefühl der Schüler belastet.
Die Arbeit schlägt kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen vor, darunter die Verkleinerung von Klassengrößen, Teamteaching, gezielte Fortbildungen für Lehrkräfte zur Reflexion eigener Erwartungshaltungen sowie die Stärkung der Schulsozialarbeit.
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