Magisterarbeit, 2003
111 Seiten, Note: 1,2
I. EINLEITUNG
1. Methodische Vorgehensweise
2. Forschungsstand
3. Herrschaft zwischen Sittenzucht und Sündenzucht
3.1. Staat und Gesellschaft - Obrigkeit und Untertanen
3.2. Die württembergischen Kirchenkonvente
4. Der Flecken Laichingen im 18. Jahrhundert
4.1. Geschichtliche Entwicklung
4.2. Die Laichinger Pfarrer im 18. Jahrhundert
4.3. Die Kirchenkonventsrichter und die Gemeinde
II. VERHANDLUNGSGEGENSTÄNDE
1. Störung der „öffentlichen“ Ordnung
1.1. Sonn- und Feiertagsheiligung
1.1.1. Obrigkeitliche Norm
1.1.2. Normverstöße
1.2. Schule
1.2.1. Normativer Rahmen
1.2.2. Schulalltag
1.3. Verhalten und Aufführen im „Alltag“
1.3.1. Obrigkeitliche Vorstellungen
1.3.2. Normverstöße
1.4. Ergebnisse
2. Störung der Sexualordnung
2.1. Eheversprechen, Ehe, Ehebruch, nicht-eheliche Schwangerschaften
2.1.1. Die Normen
2.1.2. Die Fälle
2.1.3. Kamm in den Ruf einer unehelichen Schwängerung
2.2. Ergebnisse
3. Störung der häuslichen Ordnung
3.1. Streit im Haus
3.1.1. Vom „ganzen Haus“ zum „guten Hausen“
3.1.2. Normverstöße und Normnutzung
3.1.3. Ergebnisse
4. Sozialfürsorge
4.1. Almosen und Armenregister
4.1.1. Obrigkeitliche Norm
4.1.2. Bitten zwischen Schulgeld und heiligem Laib
4.1.3. Ergebnisse
5. Verwaltung
5.1. Organisation und Selbstverwaltung
5.1.1. Finanzielles: Ämtervergabe, Gehälter und Rechnungen
5.1.2. Verpflichtungen: Spenden, Anordnungen und Ermahnungen
5.1.3. Ergebnisse
6. Exkurs: Lichtstuben, obrigkeitliche Ansichten vs dörfliche Einsichten
III. ERGEBNISSE
IV. AUSBLICK
Diese Arbeit untersucht die Funktionen, Aufgabenbereiche und Interaktionsweisen des Laichinger Kirchenkonvents zwischen 1729 und 1796. Im Zentrum der Forschungsfrage steht die Analyse, inwiefern der Konvent als Instrument der obrigkeitlichen Normdurchsetzung diente und ob sich die Schwerpunkte der Arbeit über den untersuchten Zeitraum hinweg von der Strafjustiz hin zu administrativen Aufgaben und der Sozialfürsorge verschoben haben.
Vorwort
Am Morgen des 24. Dezember 1749 fand der Laichinger Pfarrer Matthias Friedrich Brecht einen anonymen Zettel an seine Tür geheftet. Der Inhalt des Zettels und die darauf folgenden Maßnahmen wurden peinlichst genau in den Kirchenkonventsprotokollen festgehalten.
An den hochgeEhrtesten H. Pfarrer. Bitte Euch umb Gotteswillen, Ihr wollet so gut seyn, und dem gottlosen Sodom und Gomorrha abhelffen, dem schröcklichen, in des Jakob Röschen Haus; Es ist erschröcklich gottlos: mann spihlt alle Nacht [...] gar bis morgens die bettglocken, O! Daß Gott erbarme. Ich habe selbst ein Kind darein gehen; ich bitte den hochgeEhrtesten Hl: Pfarrer, er wolle doch dem gottlosen Haus abhelffen, darf doch der gantze Orte um des Lasters willen gestrafft werde. [...]. Es gehen Buben darein um 14 Jahre, Schüler: auch confirmirte um 15. 16. Jahr. An der heiligen Christnacht stehen sie auff um 12. Uhr. Sie spielen biss morgen, da mann in die Kirche gehet; das ist ja ein Greul vor Gott dem Allmaechtigen.
Mit diesem Zettel, so ist weiter vermerkt, begab sich Pfarrer Brecht umgehend zum Amtmann und hat dort Unterredung gepflegt wie die Sache anzustellen. Beede Vorsteher bescheideten einander Nachts umb 10 Uhr eodem, die ch. 24 xbr: und gingen allein miteinander zu des Jakob Röschen Haus, traffen aber niemand an, war auch kein Mensch auff, nachdem dises fehl geschlagen, ging Pfarrer allein [...] d. 26 xbr: nur sein [...] Sohn den scribanten bey sich habend nachts 3.4tl: auf 9. Uhr dahin. Pfarrer traff eine gantze Stube voll Männer und ledige Purschen an, die Cartenspiehle lagen auf den Tischen; der Personen waren wenigstens 30 sitzende umb 3 Tische war alles gesteckt voll.
I. Einleitung: Erläutert die methodische Vorgehensweise und den Forschungsstand zur historischen Untersuchung württembergischer Kirchenkonvente.
II. Verhandlungsgegenstände: Analysiert systematisch verschiedene Kategorien von Normverstößen wie öffentliche Ordnung, Sexual- und Familienordnung sowie die administrativen und sozialen Aufgaben des Gremiums.
III. Ergebnisse: Zieht Bilanz über die Verlagerung der Schwerpunkte des Kirchenkonvents von der Strafjustiz hin zu Verwaltungsaufgaben im 18. Jahrhundert.
Kirchenkonvent, Laichingen, Württemberg, Frühe Neuzeit, Sittenzucht, Sozialdisziplinierung, Dorfgeschichte, Policey, Sozialfürsorge, Almosenwesen, Kirchenzucht, Mikrohistorie, Normverstöße, Alltagsgeschichte, Gemeindeverwaltung.
Die Arbeit analysiert die Funktion und Tätigkeit des Laichinger Kirchenkonvents als lokale Instanz zur Wahrung obrigkeitlicher Normen und untersucht, wie sich dessen Aufgaben im 18. Jahrhundert entwickelten.
Zentral sind die Störung der öffentlichen Ordnung, die Sexualordnung, die häusliche Ordnung sowie Bereiche der Sozialfürsorge und Verwaltung.
Das Ziel ist es, die tägliche Arbeit des Kirchenkonvents darzustellen, seine Aufgabenschwerpunkte zu identifizieren und zu klären, welche Bevölkerungsgruppen mit ihm in Kontakt kamen und wie diese Interaktionen verliefen.
Es wird eine systematische Analyse der Protokolle in untersuchten Zeitblöcken durchgeführt, ergänzt durch mikrohistorische Ansätze und eine dichte Beschreibung der Einzelfälle.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung normativer Regelverstöße im Alltag, die Ordnung von Ehe und Sexualität sowie die administrative und soziale Rolle des Konvents im Dorfgefüge.
Wichtige Begriffe sind Kirchenzucht, Sittenzucht, Sozialdisziplinierung, Laichingen, frühneuzeitliche Gesellschaft und Policey.
Frauen traten häufig als Klägerinnen auf, insbesondere in Fällen übler Nachrede, und nutzten den Konvent teils als Instanz, um ihre Ehre in einem männlich dominierten Umfeld wiederherzustellen.
Der Konvent wandelte sich zunehmend von einem rein strafenden Gremium hin zu einer Institution, deren Hauptfokus auf der Verwaltung des kirchlichen Vermögens und der Sozialfürsorge für Bedürftige lag.
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