Magisterarbeit, 2007
83 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Frauenerwerbstätigkeit in Spanien im europäischen Vergleich
2.1 Frauenbeschäftigung, Arbeitslosigkeit und ökonomische Inaktivität
2.2 Arbeitszeitregimes
2.3 Frauenerwerbsverlaufskurven
2.4 Zusammenfassung
3. Das ‚adult worker’-Modell als Modell für Europa
3.1 Frauenerwerbstätigkeit in der Europäischen Beschäftigungsstrategie
3.2 Die Nachhaltigkeit sozialer Sicherungssysteme
3.3 Beschäftigungswachstum und steigende Geburtenraten
3.4 Vermeidung von Kinder- und Familienarmut
3.5 Zusammenfassung
4. Spaniens Wohlfahrtsstaat und das Verschwinden der ‚supermujeres’
4.1 Bildung
4.1.1 Bildungsgrad und Frauenbeschäftigungsquoten
4.1.2 Eine Frage des Alters
4.1.3 Zusammenfassung
4.2 Die geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes
4.2.1 Die vierfache Segmentierung des spanischen Arbeitsmarktes
4.2.2 Die sektorale und berufsspezifische Segregation
4.2.3 Zusammenfassung
4.3 Frauenerwerbstätigkeit und Wohlfahrtsstaat
4.3.1 ‚Defamilisierung’ als Schlüssel zur Frauenerwerbstätigkeit
4.3.2 Frauenerwerbstätigkeit aus wohlfahrtsstaatstheoretischer Perspektive
4.3.3 Der spanische Wohlfahrtsstaat: ‚rudimentär’ und familistisch
4.3.4 Zusammenfassung
4.4 Vereinbarkeitsproblematiken im spanischen Wohlfahrtsstaat
4.4.1 Kinderbetreuungsmöglichkeiten und flexible Arbeitszeiten
4.4.2 Mutterschafts-, Vaterschafts- und Elternurlaub
4.4.3 Steuern und finanzielle Leistungen
4.4.4 Zusammenfassung
4.5. Kultur und Frauenerwerbstätigkeit
4.5.1 Soziale Normen und Leitbilder
4.5.2 Geschlechterkultur in Spanien
4.5.3 Zusammenfassung
5. Todavía son ‚supermujeres’?
Die Arbeit analysiert die Situation der Frauenerwerbstätigkeit in Spanien im Kontext postindustrieller Wohlfahrtsstaaten und untersucht die institutionellen, strukturellen und kulturellen Rahmenbedingungen, die eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen hemmen. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich die zukünftige Arbeitsmarktpartizipation spanischer Frauen angesichts des sich auflösenden Typus der "supermujeres" gestalten wird.
1. Einleitung
Die Erwerbstätigkeit von Frauen ist in den letzten Dekaden nicht nur zunehmend zur sozialen Realität geworden, sondern gilt mittlerweile als strategisches Schlüsselelement für das Gleichgewicht postindustrieller Wohlfahrtsstaaten (Esping-Andersen et al. 2002). So sollen Frauen mit ihrer Erwerbstätigkeit dazu beitragen, soziale Ausgrenzung zu verringern, das wirtschaftliche Wachstum zu steigern und die Gesamtbeschäftigtenzahlen zu erhöhen (EC 2000a). Angesichts dieser wichtigen Funktionen hat die Europäische Union (EU) ihre Mitgliedstaaten aufgefordert, Müttern bis 2010 ein ausreichendes Kinderbetreuungsangebot zur Verfügung zu stellen und auch sonstige Hemmnisse zu beseitigen, die einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen entgegenstehen (EC 2001). Seitens der EU wird damit seit wenigen Jahren ein Leitbild vertreten, dass Annesley (2007) als ein „Europe-wide, adult worker model“ mit schwedischen Charakteristika identifiziert hat.
Tatsächlich lohnt sich beim Thema Frauenerwerbstätigkeit ein Blick nach Skandinavien, wo mit Dänemark, Finnland und Schweden die Länder mit den höchsten Frauenbeschäftigungsquoten vereint sind (Eurostat 2007). In dieser Arbeit allerdings steht ein Land im Fokus, das über das Geographische hinaus besonders weit von Skandinavien entfernt ist: Spanien. Denn Spanien zählt traditionell zu den EU-Mitgliedstaaten mit einer der niedrigsten Frauenbeschäftigungsquoten und ist nach Esping-Andersen (2002) ein „worst case benchmark“ (ebenda: 60), was die Teilhabe von Frauen am Erwerbsleben betrifft. Esping-Andersens’ Verdikt wird dadurch unterstützt, dass erwerbstätige Frauen in Spanien oftmals ‚supermujeres’ sein müssen, wollen sie Familie und Beruf miteinander vereinbaren. Dass ihre Töchter weniger ‚super’, dafür aber mehr ‚individualista’ sein wollen, kündigt jedoch an, dass der Typus der ‚supermujeres’ bald der Vergangenheit angehören wird (Moreno 2004).
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der steigenden Bedeutung der Frauenerwerbstätigkeit für Wohlfahrtsstaaten ein und stellt die spezifische Ausgangslage Spaniens als Land mit historisch niedriger Erwerbsquote von Frauen vor.
2. Frauenerwerbstätigkeit in Spanien im europäischen Vergleich: Hier wird die spanische Situation anhand von Beschäftigungsquoten, Arbeitslosenraten und Arbeitszeitregimes im Vergleich zu anderen EU-15 Staaten eingeordnet.
3. Das ‚adult worker’-Modell als Modell für Europa: Es wird analysiert, wie die EU das Modell des "adult worker" als Antwort auf wirtschaftliche und demographische Herausforderungen fördert.
4. Spaniens Wohlfahrtsstaat und das Verschwinden der ‚supermujeres’: Dieses zentrale Kapitel untersucht die Determinanten der weiblichen Erwerbstätigkeit anhand von Bildung, Segregation des Arbeitsmarktes, wohlfahrtsstaatlichen Strukturen und kulturellen Normen.
5. Todavía son ‚supermujeres’?: Das Schlusskapitel verdichtet die Analysen zu einer Antwort auf die Frage nach der Zukunft des "supermujeres"-Typus im spanischen Kontext.
Frauenerwerbstätigkeit, Spanien, Wohlfahrtsstaat, Supermujeres, Adult-worker-Modell, Arbeitsmarktsegregation, Geschlechterkultur, Vereinbarkeit, Familienpolitik, Bildung, Humankapital, Defamilisierung, Teilzeitarbeit, Erwerbsbiographien, Gender-gap.
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Frauenerwerbstätigkeit in Spanien und analysiert, warum das Land im Vergleich zu anderen europäischen Wohlfahrtsstaaten eine besonders geringe Erwerbsbeteiligung von Frauen aufweist.
Die zentralen Themen sind der europäische Vergleich, die Rolle des Wohlfahrtsstaates, die Auswirkungen von Bildung, die geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes sowie kulturelle Normen und Leitbilder.
Das Ziel ist es, Erklärungsfaktoren für die niedrige Arbeitsmarktpartizipation spanischer Frauen zu identifizieren und die zukünftige Entwicklung nach der Ära der sogenannten "supermujeres" zu bewerten.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretisch geleitete Analyse, die verschiedene Thesen (Bildungshypothese, Arbeitsmarktsegregation, wohlfahrtsstaatliche Analyse, Kulturansatz) anhand empirischer Daten aus EU-Statistiken und spezialisierten Studien vergleichend untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in vier Thesen: eine Bildungshypothese, eine These zur Arbeitsmarktsegregation, eine Analyse des spanischen Wohlfahrtsstaates im Hinblick auf Familienpolitik sowie eine Untersuchung der kulturellen Dimension und Geschlechterkultur.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Frauenerwerbstätigkeit, Spanien, Wohlfahrtsstaat, Supermujeres, Geschlechterkultur und Defamilisierung charakterisiert.
Der Begriff beschreibt erwerbstätige spanische Frauen, die versuchen, Familie und Beruf unter den Bedingungen eines traditionellen, wenig unterstützenden Wohlfahrtsstaates durch "doppelte Präsenz" (doble presencia) zu vereinen.
Es zeigt sich ein klarer Zusammenhang: Frauen mit hohem Bildungsgrad weisen eine deutlich höhere Erwerbskontinuität und Partizipationsrate auf. Dennoch reicht Bildung allein nicht aus, um die enormen geschlechtsspezifischen Unterschiede zu erklären, da auch bei steigendem Bildungsniveau strukturelle Barrieren bestehen bleiben.
Die spanische Familienpolitik wird als "rudimentär" und "familistisch" charakterisiert, da sie kaum institutionelle Unterstützung (wie flächendeckende Kinderbetreuung) bietet und die Last der Sorgearbeit weiterhin primär der Familie und damit den Frauen auflädt.
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