Bachelorarbeit, 2006
56 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Ortsnamen und die onomastische Waffe
2.1 Ortsnamen und Ortsnamenwechsel
2.2 Die onomastische Waffe
3. Die Provinz Posen zwischen 1815 und 1918
3.1 Die polnische Frage
3.2 Ortsnamenpolitik in Posen
4. Die Woiwodschaft Pozna zwischen 1918 und 1939
4.1 Der neue polnische Staat
4.2 Ortsnamenpolitik
5. Das Reichsgau Wartheland von 1939 bis 1945
5.1 Die nationalsozialistische Siedlungspolitik
5.2 Ortsnamenpolitik im Reichsgau Wartheland
6. Polnische Ortsnamenänderungen nach 1945
6.1 Die polnische Westverschiebung
6.2 Ortsnamenpolitik in den ‚wiedergewonnenen Gebieten’
7. Ortsnamenwechsel im Vergleich
7.1 Vergleich der Machthaber
7.2 Änderungen im Kreis Schrimm
8. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ortsnamenpolitik im Posener Gebiet im Zeitraum von 1815 bis 1945 als Instrument der ideologischen Machtausübung. Dabei wird analysiert, wie verschiedene Machthaber durch gezielte Ortsnamenänderungen versuchten, eine neue Identität und Legitimation in der Region zu etablieren, und welche Rolle das Konzept der "onomastischen Waffe" dabei spielte.
Die onomastische Waffe
Da Ortsnamenwechsel nicht den Ort im materiellen Sinne, sondern die Assoziationsfelder der Menschen betreffen, sind politisch motivierte Änderungen nicht auf die territoriale, sondern auf die geistige Aneignung eines Gebietes gerichtet. Hierbei kann es sich um einen konstruktiven oder einen destruktiven Prozess handeln, denn Änderungen können die Identitäten bestärken oder schwächen, je nachdem, ob der Schwerpunkt der Wechsel auf der Ablösung oder der Einführung von Ortsnamen liegt. In der nationalsozialistischen Literatur werden die Namen in den annektierten Gebieten damit zur Waffe im ‚Volkstumskampf’ und zur Waffe der fremden Ortsnamen, welche die deutsche Sprache ‚bedrohen’ können und daher ‚bekämpft’ werden müssen.
Der Begriff der ‚onomastischen Waffe’ ist aus Berings (1990) Analyse der nationalsozialistischen Namenpolemik gegenüber dem preußischen Innenminister Albert Grzesinski entnommen. Seine Person wird von den Nationalsozialisten mittels semantischer Destruktion seines Namens angegriffen, wogegen dieser einen regen (juristischen) Abwehrkampf führt, was Bering (1990) zu der Aussage bringt, dass die onomastische Waffe vom preußischen Innenminister für „gefährlich und massenwirksam [...] gehalten wurde“. Durch die Namenpolemik wurde nämlich nicht nur „die Legitimität, die Unantastbarkeit und die Würde“ des Innenministers, sondern auch der Weimarer Republik angegriffen. Dem Gedanken Berings entsprechend sei für die onomastische Waffe in Posen vermutet, dass mit der Destruktion der ‚fremden’ Siedlungsnamen nicht nur die Menschen als geistige Namenträger betroffen sind, sondern ebenso die Legitimation der vorherigen Herrschaft angegriffen wird, um eine eigene zu installieren.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Ortsnamenpolitik als Instrument nationaler Identitätsbildung ein und stellt die Forschungsfrage nach der Wirkung der "onomastischen Waffe" in Posen.
2. Ortsnamen und die onomastische Waffe: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen von Ortsnamen als soziale Symbole und definiert den Begriff der onomastischen Waffe im politischen Kontext.
3. Die Provinz Posen zwischen 1815 und 1918: Die historische Entwicklung der Provinz Posen unter preußischer Herrschaft wird beleuchtet, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen polnischer Frage und den Anfängen deutscher Ortsnamenpolitik liegt.
4. Die Woiwodschaft Pozna zwischen 1918 und 1939: Es wird die polnische Ortsnamenpolitik nach der Staatsgründung beschrieben, die auf eine Repolonisierung des Gebiets abzielte.
5. Das Reichsgau Wartheland von 1939 bis 1945: Dieses Kapitel analysiert die radikale nationalsozialistische Ortsnamenpolitik im Warthegau zur Schaffung eines deutschen Lebensraumes.
6. Polnische Ortsnamenänderungen nach 1945: Der Fokus liegt hier auf der Neuordnung der Gebiete nach dem Zweiten Weltkrieg und der polnischen Politik in den sogenannten wiedergewonnenen Gebieten.
7. Ortsnamenwechsel im Vergleich: Die verschiedenen politischen Strategien der Machthaber werden gegenübergestellt und anhand eines Fallbeispiels im Kreis Schrimm konkretisiert.
8. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Wirksamkeit von Ortsnamenpolitik als Identitätskonstrukt und der kritischen Reflexion über den Erfolg der onomastischen Waffe.
Ortsnamen, Onomastik, Ortsnamenpolitik, Posen, Wartheland, Identität, Germanisierung, Polonisierung, Siedlungspolitik, onomastische Waffe, Preußen, Nationalsozialismus, Kreis Schrimm, Kulturkampf, Legitimation
Die Arbeit untersucht, wie Ortsnamen in der Region Posen zwischen 1815 und 1945 als politisches Instrument zur kulturellen und territorialen Aneignung eingesetzt wurden.
Zentrale Themen sind die Geschichte der Provinz Posen, die Siedlungs- und Sprachpolitik verschiedener Machthaber, die Konstruktion nationaler Identitäten und die Analyse von Ortsnamen als symbolische Machtmittel.
Das Hauptziel ist es, die Idee der "onomastischen Waffe" zu bewerten: Inwieweit konnten durch die gezielte Änderung von Ortsnamen fremde Identitäten gelöscht und eigene Ansprüche auf die Region legitimiert werden?
Die Arbeit nutzt eine historische Analyse der politischen Rahmenbedingungen sowie einen systematischen Vergleich von Ortsnamenverzeichnissen verschiedener Epochen, ergänzt durch eine Fallstudie im Kreis Schrimm.
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Analysen der preußischen Zeit, der polnischen Zwischenkriegszeit, der nationalsozialistischen Okkupation und der Zeit nach 1945, wobei die jeweilige Verwaltungspraxis untersucht wird.
Neben dem zentralen Begriff der onomastischen Waffe prägen Begriffe wie Germanisierung, Polonisierung, Identitätsbildung und symbolische Herrschaftsausübung die Arbeit.
Die Analyse im Kreis Schrimm zeigt, dass Ortsnamenänderungen oft nicht flächendeckend waren und eine hohe Beständigkeit von Städtenamen im Vergleich zu kleineren Ortschaften bestand.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Versuch, eine "urdeutsche" Namenlandschaft zu konstruieren, aufgrund von Verwaltungsengpässen und der historischen Realität oft scheiterte oder nur oberflächlich blieb.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

