Diplomarbeit, 2007
93 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1.1. Gegenstand der Untersuchung und Fragestellung
1.2. Forschungsstand
1.3. Aufbau der Arbeit
2. Methode
2.1. Definition des Begriffs Föderalstaat
2.2. Forschungsstrategie, Variablen und Fallauswahl
2.3. Untersuchungszeitraum und verwendete Daten
3. Analyserahmen
3.1. Bedingungen für Wandel des wahrgenommenen Reformbedarfs
3.2. Bedingungen für tatsächliche Reformpolitik
4. Die Bundesrepublik Deutschland
4.1. Institutioneller Entwicklungspfad: Exekutivföderalismus mit ausgeprägtem Hang zur Verflechtung
4.2. Die föderale Ordnung der Bundesrepublik Deutschland 1955: Ein unitarischer Bundesstaat
4.3. Reformabschnitte
4.3.1. 1955 – 76: Verflechtungseuphorie und Fortschritt auf dem Pfad der Unitarisierung
4.3.2. 1980 – dato: Langwieriges Loslösen vom Pfad der Verflechtung mit heftigen Rückfällen
4.4. Fazit
5. Die Schweizerische Eidgenossenschaft
5.1. Institutioneller Entwicklungspfad: Von der Konföderation souveräner Kantone zum mäßig verflochtenen Bundesstaat
5.2. Die föderale Ordnung der schweizerischen Eidgenossenschaft 1964: Funktionale Aufgabenteilung unter Beibehaltung dualer Strukturen
5.3. Reformabschnitte
5.3.1. 1964 – 1978: Keine Chance für institutionalisierte Verflechtung
5.3.2. 1978 – 2004: Zähe Dezentralisierungs-Debatte führt zu ambivalenter Reform
5.4. Fazit
6. Die Vereinigten Staaten von Amerika
6.1. Institutioneller Entwicklungspfad: Gleichzeitiges Entstehen der bundesstaatlichen Ebenen und flexibler Föderalismus
6.2. Die föderale Ordnung der USA 1963: Nominell duales System mit informeller Aufgaben- und Ressourcenverflechtung
6.3. Reformabschnitte
6.3.1. 1963 – 1981: Johnsons „Creative Federalism“ und Nixons „New Federalism“ – ambivalente Reformpolitik und zunehmende Verflechtung
6.3.2. 1981 – 2001: Reagan, Bush, Clinton: Zwei Jahrzehnte bescheidener Dezentralisierung
6.4. Fazit
7. Reformbedarf und Reformpolitik im Vergleich: Die Dominanz endogener Faktoren über internationale Trends und die Bedeutung von Entwicklungspfaden, Institutionen und Akteuren
Ziel der Arbeit ist es zu untersuchen, warum es in den drei Föderalstaaten Deutschland, Schweiz und USA trotz ähnlich wahrgenommenem Reformbedarf zu unterschiedlicher Reformpolitik kommt, wobei insbesondere die Bedeutung endogener Faktoren wie Entwicklungspfade, Institutionen und Akteure analysiert wird.
1.1. Gegenstand der Untersuchung und Fragestellung
Die Zitate stammen aus drei klassischen Bundesstaaten und widerspiegeln doch ganz unterschiedliche Ziele, die mit dem Föderalismus erreicht werden sollen. Bundesstaat ist also nicht gleich Bundesstaat, und die Entscheidung für die föderale Ordnung kann offenbar verschiedene Gründe haben. Es wird noch genauer darauf zurückzukommen sein, was überhaupt Föderalismus ist und wodurch genau föderale Staatsorganisation sich kennzeichnet. Bei aller Diskussion ist sämtlichen Definitionsversuchen jedoch eines gemeinsam: Als föderal gelten nur Staaten, die mindestens zwei Regierungsebenen kennen, welche jeweils über ein gewisses Maß an Unabhängigkeit verfügen (z.B. Reagan 1972: 3; Schultze 1991: 157; Wheare 1951: 11). Diese doppelte Staatlichkeit provoziert zwangsläufig mehr Konflikte und erfordert häufiger Verhandlungen, als dies in zentralistischen Staaten der Fall ist.
In den meisten Föderalstaaten besteht also eine ständige Diskussion darüber, wie genau die bundesstaatliche Ordnung ausgestaltet werden solle (vgl. Renzsch 2005: 91). Diese Debatte findet nicht nur zwischen Vertretern der Gliedstaaten und Repräsentanten der Bundesebene statt, sondern auch in der wissenschaftlichen Literatur. Die Rechts-, Wirtschafts- und Politikwissenschaften sind in besonderem Maße daran beteiligt, Reformbedarf aufzuzeigen und Lösungen zu diskutieren. Ein Ziel der vorliegenden Arbeit ist es zu untersuchen, wodurch in konkreten Fällen Reformbedarf ausgelöst wird, welche Lösungen diskutiert werden und warum womöglich unterschiedliche Ergebnisse zustande kommen.
1. Einleitung: Darstellung des Forschungsgegenstands, des aktuellen Forschungsstands und des Aufbaus der Arbeit.
2. Methode: Definition des Begriffs Föderalstaat und Darlegung der forschungsstrategischen Grundlagen für den Vergleich.
3. Analyserahmen: Erarbeitung eines zweistufigen Analyserahmens zur Untersuchung des Reformbedarfs und der tatsächlichen Reformpolitik.
4. Die Bundesrepublik Deutschland: Empirische Untersuchung der historischen Entwicklung und der Reformabschnitte des deutschen Föderalismus.
5. Die Schweizerische Eidgenossenschaft: Analyse der schweizerischen föderalen Ordnung sowie der dortigen Reformversuche und deren Ergebnisse.
6. Die Vereinigten Staaten von Amerika: Empirische Analyse der Entwicklung und Reformen des amerikanischen Föderalismus.
7. Reformbedarf und Reformpolitik im Vergleich: Die Dominanz endogener Faktoren über internationale Trends und die Bedeutung von Entwicklungspfaden, Institutionen und Akteuren: Synthese der Einzelergebnisse und Beantwortung der zentralen Forschungsfrage.
Föderalismus, Reformbedarf, Reformpolitik, Bundesstaat, Deutschland, Schweiz, USA, Institutionen, Pfadabhängigkeit, Politikverflechtung, Dezentralisierung, Reformkommission, Akteurzentrierter Institutionalismus, Verfassungsordnung, Finanzausgleich.
Die Arbeit untersucht vergleichend, wie drei föderale Staaten – Deutschland, die Schweiz und die USA – mit Reformbedarf in ihrer bundesstaatlichen Ordnung umgehen.
Die zentralen Themen sind die Entwicklung des Föderalismus, der Einfluss von internationalen Trends auf Reformdebatten sowie die Bedeutung nationaler Institutionen und Akteure für tatsächliche Reformen.
Die Forschungsfrage lautet: Warum kommt es in den drei Föderalstaaten trotz ähnlich wahrgenommenem Reformbedarf zu unterschiedlicher Reformpolitik?
Es wird eine qualitative vergleichende Methode angewandt, die auf dem historischen und akteurzentrierten Institutionalismus basiert.
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Analyse der historischen Entwicklungspfade, der institutionellen Ordnungen und der Reformabschnitte in Deutschland, der Schweiz und den USA.
Wichtige Schlüsselwörter sind unter anderem Föderalismus, Reformbedarf, Pfadabhängigkeit, Politikverflechtung und Dezentralisierung.
Die Arbeit führt dies auf unterschiedliche institutionelle Entwicklungspfade und die verschiedenen Akteurskonstellationen zurück: Deutschland weist einen stärkeren Unitarisierungstrend und Verflechtungsdrang auf, während die Schweiz durch Konsenszwang und kantonale Autonomie geprägt ist.
Der Supreme Court hat eine zentrale Rolle, da er durch seine Rechtsprechung – insbesondere zur Interpretation der Verfassung – den Spielraum für Reformen maßgeblich definiert und anpassen kann.
Solche Gelegenheitsfenster, wie etwa die Wiedervereinigung, boten zwar theoretisch Raum für umfassende Reformen, führten in Deutschland aber oft nur zu inkrementellen Anpassungen, da der bestehende Verflechtungs-Pfad dominiert.
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