Masterarbeit, 2020
89 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
II. Begriffsklärung und Gewerkschaftstypologie
1. Gewerkschaften: Vereinigungen und Verbände
2. Typologisierung von Gewerkschaften
2.1 Richtungs- und Einheitsgewerkschaften
2.2 Industrie- und Berufsgewerkschaften
3. Zwischenfazit: Aufgabenprofil und Gewerkschaftstypen
III. Die Problemstellungen des deutschen Gewerkschaftswesen
1. Mitgliederrückgang bei Gewerkschaften
1.1 Industriegewerkschaft Metall (IG Metall)
1.2 Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)
1.3 Gewerkschaft der Polizei (GdP)
1.4 Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
2. Zurückgehender Korporatismus
3. Zwischenfazit: Mitgliederentwicklung und Korporatismus
IV. Die aus den Problemstellungen resultierenden Folgen
V. Die Ursachen für den Mitgliederrückgang bei Gewerkschaften
1. Forschungsstand
1.1 Ökonomischer Strukturwandel
1.2 Sozialer Strukturwandel
1.3 Trittbrettfahrer-Problem
1.4 Innergewerkschaftliche Faktoren
2. Zwischenfazit: Rekapitulation des Forschungsstandes
3. Fehlende Identifikation und Solidarität
4. Exkurs: Gewerkschaften und Digitalisierung
VI. Erkenntnisse und Schlussfolgerungen im Hinblick auf die Forschungsfragen
VII. Die Problemlösungsansätze
1. Forschungsstand
1.1 Europäisierung
1.2 Wechsel des Gewerkschaftstypus
1.3 Organizing
1.4 Differenzierung nach Gewerkschaftsmitgliedschaft
2. Handlungsempfehlungen bezüglich der Lösungsansätze
VIII. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen Mitgliederentwicklungstendenzen bei deutschen Gewerkschaften im Zeitraum von 2001 bis 2018. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Typologisierung der Gewerkschaften sowie verschiedene ökonomische und soziale Faktoren als Ursachen für den Mitgliederschwund und die Erosion korporatistischer Strukturen identifiziert werden können.
1.3 Trittbrettfahrer-Problem
Das Trittbrettfahrer-Problem, welches Olson in seiner Schrift Die Logik des kollektiven Handelns beschrieben hat, wird in der Verbandsforschung ebenfalls als eine Ursache für den Mitgliederrückgang angesehen. So formuliert Olson das Trittbrettfahrer-Problem wie folgt: „Gewerkschaften sind für Kollektiv-, nicht für individuelle Verhandlungen da. Das bedeutet, da[ss] die meisten Erfolge einer Gewerkschaft […], für den rationalen Arbeiter keinen Anreiz zum Beitritt darstellen; seine persönlichen Anstrengungen blieben ohne merkliche Wirkung auf das Ergebnis, und die Erfolge würden ihm in jedem Falle zugute kommen, ob er nun die Gewerkschaft unterstützt oder nicht.“ Für die Mitwirkung an einer Gewerkschaft heißt das in concreto: „Ein rational handelnder Arbeiter wird nicht freiwillig in einer (großen) Gewerkschaft mitarbeiten, die einen kollektiven Vorteil bietet, weil er allein die Gewerkschaft nicht merklich stärken würde und er die Vorteile aus allen Leistungen der Gewerkschaft genießen könnte, ob er sie nun unterstützt oder nicht.“ Die Beobachtungen von Olson offenbaren das generelle Problem von Gewerkschaften, nämlich dass sie „öffentliche Güter [produzieren][…], von deren Nutzen auch Arbeitnehmer profitierten, die keine Gewerkschaftsmitglieder sind und sich somit nicht an den Kosten der gewerkschaftlichen Leistungen beteiligen. So gelten z.B. Tarifverträge für Gewerkschaftsmitglieder wie für Nichtmitglieder“.
I. Einleitung: Einführung in die Thematik der Gewerkschaften als Koalitionen und Darstellung der Forschungsfragen hinsichtlich unterschiedlicher Mitgliederentwicklungen.
II. Begriffsklärung und Gewerkschaftstypologie: Definition des Gewerkschaftsbegriffs und Erläuterung der Typologisierung nach politischer Ausrichtung und arbeitsmarktbezogener Struktur.
III. Die Problemstellungen des deutschen Gewerkschaftswesen: Empirische Präsentation des Mitgliederrückgangs bei ausgewählten Gewerkschaften und der Erosion korporatistischer Einbindung.
IV. Die aus den Problemstellungen resultierenden Folgen: Analyse der Auswirkungen der Problematiken auf die Tarifautonomie und die gewerkschaftliche Macht.
V. Die Ursachen für den Mitgliederrückgang bei Gewerkschaften: Erörterung der Forschungsstand-Perspektiven, inklusive Strukturwandel, Trittbrettfahrer-Problem, innergewerkschaftlicher Faktoren sowie Fragen der Identifikation und Digitalisierung.
VI. Erkenntnisse und Schlussfolgerungen im Hinblick auf die Forschungsfragen: Beantwortung der Forschungsfragen anhand einer konzipierten Hierarchie der Einflussphänomene.
VII. Die Problemlösungsansätze: Diskussion theoretischer und praktischer Ansätze zur Stärkung der Gewerkschaften und Handlungsempfehlungen für die Zukunft.
VIII. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die notwendige Revitalisierung durch neue Forschungsansätze und Reformprozesse.
Gewerkschaften, Mitgliederrückgang, Korporatismus, Tarifautonomie, Organisationsmacht, Strukturwandel, Trittbrettfahrer-Problem, Mitbestimmung, Multibranchengewerkschaft, Berufsgruppengewerkschaft, Organizing, Solidarität, Digitalisierung, Mitgliederbindung, Politische Bildung.
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Mitgliederschwunds bei deutschen Gewerkschaften im Zeitraum von 2001 bis 2018 und analysiert die Ursachen sowie die gesellschaftspolitische Relevanz dieser Entwicklung.
Zentrale Themen sind die Mitgliederentwicklung ausgewählter DGB-Gewerkschaften, die Rolle des Korporatismus, der Einfluss des ökonomischen und sozialen Strukturwandels sowie Strategien zur Mitgliederwerbung.
Das Ziel ist es, zu verstehen, warum sich Mitgliederzahlen bei verschiedenen Gewerkschaftstypen (Industrie- vs. Berufsgruppengewerkschaften) unterschiedlich entwickeln und welche Ursachen diesen Trends zugrunde liegen.
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen, die Auswertung empirischer Mitgliederdaten sowie historische Vergleiche, um die Auswirkungen von Strukturwandel und Korporatismus auf die Gewerkschaften zu bestimmen.
Der Hauptteil behandelt die empirische Lage der gewählten Gewerkschaften (IG Metall, ver.di, GdP, GEW), die Ursachenforschung hinsichtlich Strukturwandel und Machtressourcen sowie Lösungsansätze für die Zukunft.
Schlüsselwörter sind Gewerkschaften, Mitgliederrückgang, Korporatismus, Tarifautonomie, Organisationsmacht, Strukturwandel, Organizing und Mitgliederbindung.
Die Arbeit legt nahe, dass die homogeneren Mitgliederstrukturen von Berufsgruppengewerkschaften eine höhere Identifikation und somit eine stärkere Bindungskraft ermöglichen, was zu positiven Mitgliederentwicklungen führt.
Die abnehmende personelle Verflechtung, etwa zwischen der SPD und den Gewerkschaften, wird als Indikator für eine Erosion des klassischen Korporatismus und des politischen Einflusses der Gewerkschaften gedeutet.
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