Masterarbeit, 2016
30 Seiten, Note: Distinction (72%)
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Einleitung
I.1. Das Haus
I.2. Das Haus als Hölle
I.3. Die Bewohner
I.4. Die Reise
I.4.1. Die Stadt Dis
1.4.2. Der Innerste Kreis
II. Der Fremde
II.1. Der Fremde als Opfer von Kriegsverbrechen
II.2. Der Fremde als Terrorist
II.3. Der Fremde als Frau
II.4. Der Fremde als Symbol
III. Die Erinnerung
IV. Die persönliche Verantwortung
Schlussfolgerung
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die vielschichtigen Metaphern und Symboliken in Inka Pareis Roman „Was Dunkelheit war“ zu analysieren, um das komplexe Verhältnis zwischen persönlicher Schuld, nationaler Identität und dem Prozess des Erinnerns in der Bundesrepublik Deutschland der 1970er Jahre zu beleuchten.
I.1. Das Haus
Das Haus eignet sich zur Verbildlichung komplexer persönlicher und gesellschaftlicher Zusammenhänge. Wenn es sich wie bei dem Haus in Was Dunkelheit war um ein Gebäude handelt, in dem mehrere Parteien mit verschiedenen Funktionen wohnen und arbeiten, eignet es sich als Metapher für ein Staatsgefüge. So können bestimmte Baubestandteile bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse darstellen: Innentüren regeln die Distanz der Bewohner innerhalb der Einheit, Fenster den Zugang zur Außenwelt aber auch ihren Einlass, Fassaden die Präsentation zur Außenwelt, usw.
Das Bild des Hauses kann sehr wirkungsvoll sein. In Schlinks Der Vorleser wird der Erzähler von dem ‘Haus Deutschland‘ mit blinden Fenstern, in dessen Nähe Totenstille herrscht und nichts zu sehen und nichts zu hören ist und kein Vogel singt, im Traum auf der ganzen Welt verfolgt.9 ‚These houses trace, shape and mirror biographies, but more importantly they act as windows onto the world, as a mode that can allow for insight, learning and moral choices […]thus warrant as much consideration as the varied histories of the tenants and their life stories embedded in their homes. Das Haus mit seinen verschiedene Ebenen, die mehr oder weniger zugänglich sind, eignet sich ebenso als Metapher für das Gedächtnis, da das Gehirn Informationen in mehr oder weniger zugänglichen Orten speichert. Der alte Mann macht den selben Fehler wie der Architekt in Jenny Erpenbecks Heimsuchung, ‚he has failed to consider the importance of time, which, in addition to hight, width and depth, constitutes the all important fourth dimension.‘ 10 Zur Veranschaulichung dieses Problems ist Parei in der Bildlichkeit des Hauses über seine räumliche Struktur hinausgegangen. So wie sich ein Mensch gedanklich in der gelebten Zeit bewegen kann, bewegt sich ihre Hauptfigur innerhalb des statischen Hauses nach unten zum Keller hin, um so das Zurückgehen in die Vergangenheit zu verdeutlichen .
Einleitung: Einführung in die Thematik der Erinnerungsarbeit im Kontext von Pareis Roman und die Zielsetzung der Analyse.
I.1. Das Haus: Erläuterung der Metapher des Hauses als Abbild für gesellschaftliche Strukturen und individuelle Gedächtnisräume.
I.2. Das Haus als Hölle: Untersuchung der symbolischen Übertragung des Höllenbegriffs auf die geographische und soziale Umgebung des Hauses.
I.3. Die Bewohner: Analyse der Bewohnerfiguren als Allegorien für die Zustände in der Bundesrepublik der 1970er Jahre.
I.4. Die Reise: Darstellung des physischen und mentalen Abstiegs des Protagonisten durch die verschiedenen Ebenen des Hauses.
I.4.1. Die Stadt Dis: Vergleich der räumlichen Barrieren und Hitzemotive im Roman mit Dantes Höllenstrukturen.
I.4.2. Der Innerste Kreis: Untersuchung des tiefsten Kellerbereichs als Ort der Konfrontation mit unterdrückten traumatischen Erinnerungen.
II. Der Fremde: Einführung in die Identitätsproblematik der Fremdenfigur als Bindeglied zur nationalen Geschichte.
II.1. Der Fremde als Opfer von Kriegsverbrechen: Kontextualisierung der Fremdenfigur im Licht der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik.
II.2. Der Fremde als Terrorist: Analyse der Verbindung zwischen 68er-Bewegung, RAF-Terrorismus und dem generationellen Konflikt.
II.3. Der Fremde als Frau: Untersuchung der Geschlechterrollen und der Situation der Frau in der Gesellschaft der 70er Jahre.
II.4. Der Fremde als Symbol: Deutung der Fremdenfigur als personifiziertes Gutes und Erzengel-Motiv.
III. Die Erinnerung: Wissenschaftliche und psychologische Einordnung der traumatischen Erinnerungsmuster des Protagonisten.
IV. Die persönliche Verantwortung: Diskussion der moralischen Pflicht zur Schuldübernahme und der inneren Freiheit bei der Erinnerungsarbeit.
Schlussfolgerung: Synthese der Ergebnisse über die Notwendigkeit aktiver Vergangenheitsbewältigung für zukünftige Generationen.
Inka Parei, Was Dunkelheit war, kollektive Erinnerung, individuelle Schuld, Metaphorik, Hölle, Dante Alighieri, Nationalsozialismus, RAF, Generationenkonflikt, Trauma, Zeitgeschichte, Symbolik, Identität, Vergangenheitsbewältigung.
Die Arbeit analysiert Inka Pareis Roman „Was Dunkelheit war“ hinsichtlich seiner metaphorischen und symbolischen Ebene, um die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit im Kontext der 1970er Jahre zu untersuchen.
Die zentralen Themen sind das kollektive und individuelle Gedächtnis, die Last nationalsozialistischer Schuld, die Auseinandersetzung der 68er-Generation mit den Eltern und die symbolische Bedeutung des Hauses als Hölle.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Parei historische und politische Zusammenhänge durch Metaphern visualisiert, um die moralische Verantwortung des Individuums gegenüber der Geschichte zu bewerten.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die intertextuelle Bezüge (wie zu Dante) mit historisch-politischen Kontexten und psychologischen Forschungsergebnissen zum Thema Trauma verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Metapher des Hauses, die Deutung der Bewohnerfiguren, die Reise des Protagonisten in seine Vergangenheit und die vielschichtige Symbolik der Fremdenfigur.
Wichtige Begriffe sind Erinnerungskultur, Tätertrauma, Metaphorik des Bösen, 1977, Generationenwechsel und moralische Verantwortung.
Das Haus dient als Metapher für das Staatsgefüge und das menschliche Gehirn, wobei die Ebenen (insbesondere der Keller) den Zugang zu verdrängten, dunklen Schichten der Vergangenheit darstellen.
Der Fremde wird als vielschichtiges Symbol gedeutet, das je nach Perspektive als Opfer des Krieges, als Terrorist der RAF oder als religiöses Motiv im Sinne des Erzengels Michael fungiert.
Die 1970er Jahre bilden den konkreten gesellschaftlichen Rahmen, in dem das verdrängte Erbe des Nationalsozialismus auf das politische Klima der RAF-Ära trifft und den generationellen Konflikt verschärft.
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