Diplomarbeit, 1989
110 Seiten, Note: 1,3
1. Philosophische Hintergründe des Existentialismus Jean-Paul Sartres
1.1. René Descartes und das „cogito“
1.2. Husserl, Heidegger und die Phänomenologie
2. Der Existentialismus Jean-Paul Sartres
2.1. Die Existenz des Anderen: Der Blick
3. Die existentielle Psychoanalyse
3.1. Die Kritik des Sartreschen Existentialismus an der Psychologie und der Freudschen Psychoanalyse
3.1.1. Unreflektiertes Bewusstsein und reflexives Bewusstsein
3.1.2. Die substantialistische Täuschung der Psychologie
3.1.3. Das Unbewusste
3.1.3.1. Die alltagssprachliche Bedeutung des Begriffs „unbewusst“
3.1.3.2. Der Begriff „unbewusst“ im Sprachgebrauch des psychologischen Wortschatzes
3.1.3.3. Das Unbewusste in der Psychoanalyse
3.1.3.4. Anmerkung: Le vécu: Die gelebte Erfahrung
3.1.4. Gewalt als Merkmal der psychoanalytischen Beziehung
3.1.3.1. Anmerkung: Die „zwei“ Psychoanalysen
3.2. Die Schlussfolgerungen des Existentialismus Jean-Paul Sartres für die Psychologie
3.2.1. Das Ziel des Für-sich: Das An-und-für-sich
3.2.2. Die Urwahl oder der Urentwurf
3.2.3. Die objektiven Bedeutungen der Dinge oder: Der ontologische Sinn der Qualitäten
3.2.3.1. Die drei großen Kategorien der konkreten menschlichen Existenz: Tun, Haben und Sein
3.2.3.2. Die Enthüllung des Seins der Dinge durch die Qualität – die Psychoanalyse der Dinge
3.3. Theorie der existentiellen Psychoanalyse
3.3.1. Die Grundgedanken der existentiellen Psychoanalyse
3.3.2. Die Aufgaben der existentiellen Psychoanalyse
3.3.3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der existentiellen Psychoanalyse und der Freudschen Psychoanalyse
3.3.4. Die Biographien: „Der Idiot der Familie“ und „Saint Genet“
4. Anmerkungen: Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der existentiellen Psychoanalyse und anderen Ansätzen aus Psychologie und Psychotherapie
5. Zusammenfassung und Schluss
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Grundlagen und die methodische Vorgehensweise der existentiellen Psychoanalyse auf Basis der Philosophie Jean-Paul Sartres darzustellen, kritisch zu beleuchten und von der klassischen Freudschen Psychoanalyse abzugrenzen. Dabei steht die Frage im Vordergrund, inwiefern eine Existentialpsychologie den Menschen als freies, sich in jedem Moment neu entwerfendes Subjekt begreifen kann, ohne ihn auf biologische oder vergangenheitsdeterminierte Instanzen zu reduzieren.
Die Enthüllung des Seins der Dinge durch die Qualität – die Psychoanalyse der Dinge
Wir alle benutzen in unserem alltäglichen Sprachgebrauch immer wieder zahlreiche Metaphern. Sie dienen uns als Veranschaulichungen von Zusammenhängen, die ohne diese Metaphern weitaus schwieriger und komplizierter in Worte zu fassen wären. Mit Hilfe dieser Metaphern versteht fast jeder, was damit gemeint sein soll. Der „coole“ Typ, ein „dufter“ Kumpel, „knisternde“ Erotik, das Herz, das vor Liebe „schmilzt“, ein Mensch, der wieder „aufblüht“, ein „schmieriger“ Geschäftsmann, jemand, der einen anderen mit Fragen „durchlöchert“, das sind nur wenige Beispiele. Sie haben alle eines gemeinsam: Sie ziehen ihren Gehalt aus den stofflichen und objektiven Bedeutungen der Dinge. Zu der Welt der stofflichen und objektiven Bedeutungen der Dinge gehört beispielsweise, dass der Schnee bei einer bestimmten Temperatur schmilzt, dass Holz anfängt, bei einer bestimmten Temperatur zu brennen, eine blühende Pflanze oder Blume usw. Warum sind diese Metaphern, wie etwa noch „Herz aus Glas“, für fast jeden verständlich? Die Antwort ist einfach: Dieses Herz wird mit Hilfe einer Metapher umschrieben, die auf das An-sich des Glases verweist. Es gehört zum objektiven Wesen des Glases – und damit zu seinem An-sich, dass es zerbrechlich ist. Das Für-sich begegnet dem An-sich der Dinge – und damit ihnen selber – und so seinem geheimen Sinn.
„Hinter dem Phänomen suche ich das Sein des Phänomens zu besitzen.“ Damit ist das objektiv zum Glas gehörende An-sich des Zerbrechlichen gemeint. Glas ist zerbrechlich. Das ist eine objektive Feststellung. Natürlich gehört der menschliche Sinn des Zerbrechlichen – also die menschliche Bedeutung oder das Wesen, das wir dem Zerbrechlichen verleihen – nicht zum An-sich. Wir können aber, wenn wir den ontologischen Sinn der Dinge kennen, und weil wir wissen, dass die menschliche Wirklichkeit Seinswahl ist „und zwar entweder direkt oder durch Aneignung der Welt“, feststellen, dass „jede Sache letztlich … gemäß der Weise, in der sie das Sein wiedergibt, gemäß der Art, in der das Sein auf ihre Oberfläche dringt“ gewählt wird.
1. Philosophische Hintergründe des Existentialismus Jean-Paul Sartres: Erläutert die Grundlagen bei Descartes sowie Husserl und Heidegger, die Sartres Verständnis von Bewusstsein und Phänomenologie prägten.
2. Der Existentialismus Jean-Paul Sartres: Beschreibt das Konzept des Existentialismus, insbesondere das Verhältnis des eigenen Bewusstseins zur Existenz des Anderen durch das Phänomen des „Blicks“.
3. Die existentielle Psychoanalyse: Kernkapitel, das die Kritik am psychologischen Determinismus entfaltet und das Modell der existentiellen Psychoanalyse als Analyse des Urentwurfs entwickelt.
4. Anmerkungen: Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der existentiellen Psychoanalyse und anderen Ansätzen aus Psychologie und Psychotherapie: Vergleicht den existentiellen Ansatz mit modernen therapeutischen Strömungen wie NLP oder Hypnotherapie nach Erickson.
5. Zusammenfassung und Schluss: Reflektiert die gewonnenen Erkenntnisse und unterstreicht die Notwendigkeit, den Menschen als ungeteiltes, freies Wesen in der psychologischen Praxis zu würdigen.
Existentielle Psychoanalyse, Jean-Paul Sartre, Existentialismus, Phänomenologie, Urentwurf, Bewusstsein, Für-sich, An-sich, Freiheit, Unwahrhaftigkeit, Ontologie, Seinsbegierde, Psychologiekritik, Subjektivität, Verantwortung.
Die Arbeit untersucht Sartres Philosophie des Existentialismus und überträgt diese auf psychologische Fragestellungen, um eine alternative Form der Psychoanalyse zu formulieren.
Zentrale Themen sind die Kritik am psychologischen Determinismus, die Struktur des Bewusstseins, das Konzept des „Urentwurfs“ sowie die moralische Verantwortung des Subjekts.
Ziel ist es, eine „existentielle Psychoanalyse“ zu rekonstruieren, die den Menschen als freies, selbstschöpfendes Wesen begreift und die Reduktion auf rein biologische Triebe ablehnt.
Die Arbeit nutzt die phänomenologische Methode, um Erkenntnisse direkt aus dem unmittelbar Erlebbaren zu gewinnen, anstatt sich auf abstrakte, wissenschaftliche Konstrukte zu verlassen.
Der Hauptteil analysiert die Kritik Sartres an Freud und der Psychologie, definiert Begriffe wie „Unbewusstes“, „Tun“, „Haben“ und „Sein“ neu und zeigt deren Anwendung anhand von Fallbeispielen.
Die Arbeit ist geprägt von Begriffen wie Existentialismus, Urentwurf, ontologische Freiheit, radikale Verantwortung und der Ablehnung des psychologischen Instanzenmodells.
Sartre lehnt das „Unbewusste“ als eigenständige Instanz ab und interpretiert menschliches Verhalten stattdessen über das unreflektierte Bewusstsein und die bewusste Entscheidung (Unwahrhaftigkeit).
Die Urwahl ist das irreduzible Fundament, in dem sich die gesamte Seinswahl eines Individuums manifestiert; sie ist der Schlüssel zum Verständnis des gesamten Verhaltens einer Person.
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