Examensarbeit, 1997
131 Seiten, Note: Sehr gut (1)
Vorwort
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Inhalt und Gliederung
Kapitel I: Begriffsdefinitionen und eine geschichtliche Einführung
1. Wichtige Begriffe kurz erläutert
2. Einige Hinweise zur Geographie und Demographie Norwegens
3. Eine kursorische Schilderung der politischen ‘Frühgeschichte’ Norwegens
a) Der Unabhängigkeit entgegen: Die Zeit bis zum 17. Mai 1814
b) Der Nation entgegen: Die Zeit bis 1905:
Kapitel II: Kulturgeschichtliche Charakteristika Norwegens
1. Darstellung und Analyse der Entstehungsgeschichte nationaler Identität
a) Einige Anmerkungen zu den Ereignissen im Jahr 1814
b) Die Entstehung der nationalen Identität und der Nationalismus im 19. Jahrhundert:
c) Über die Kunst, sich auf das Wesentliche zu beschränken
2. Kulturgeschichtliche Charakteristika Norwegens
a) Das große Dorf Norwegen
b) Feindbild Union
c) Schaler Nationalismus
3. Zwischenresümee
Kapitel III: Kulturgeographische Charakteristika Norwegens
1. „Litt om motsetninga mellom austlandet og vestlandet“
2. Die Gegenkulturen
a) Die Sprachbewegung und das Nynorsk/ Landsmål
b) Religion, Pietismus und nationale Identität
c) Die Abstinenzbewegung
d) Zwischenresümee
3. Die extreme Peripherie: Nordnorwegen
Kapitel IV: Sozioökonomische Charakteristika Norwegens
1. Die Bauernbewegung, Nei til EU und die Distriktspolitik
a) Über den direkten Einfluß der Landwirte
b) Über die Motivation und den indirekten Einfluß der Landwirte
2. Die Frauenbewegung
a) Überblick über die jüngere Geschichte
b) Zahlen über den Stand der Bemühungen
c) Motivationen für den Widerstand
d) Über den politischen Einfluß der Frauen in den Jahren 1972 und 1994
3. Zwischenresümee
Schlußbemerkungen
1. Rekapitulation und Problematisierung der Aufgabenstellung
2. Zusammenfassung
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die tieferliegenden Hintergründe für die Distanz Norwegens gegenüber dem europäischen Integrationsprozess (insbesondere bezogen auf die EU) aufzuklären. Dabei wird untersucht, inwiefern die norwegische nationale Identität im Konflikt mit einer EU-Mitgliedschaft steht und welche sozioökonomischen und kulturgeschichtlichen Gruppen den Widerstand gegen den Beitritt maßgeblich geprägt haben.
Die Gegenkulturen
Nachdem die Bauern ihren Einfluß schon in den dreißiger Jahren verstärkt hatten, entwickelte sich ab den fünfziger Jahren der Widerstand gegen die dänisch geprägte Beamtenherrschaft. Er fand in den ‘Gegenkulturen’ [„Motkulturene“] seinen Ausdruck. Ein verbessertes Schulwesen — und damit geringerer Analphabetismus — und der Ausbau des Kommunikationssystems bildeten die Grundlage für verschiedene Bewegungen der „Gegenkultur“.
Die ‘Volkshochschulbewegung’ [„folkehøyskolebevegelse“] nahm sich der Aufgabe an, „nationale, kulturelle, religiöse und menschliche Werte“ zu vermitteln, und legte dabei besonderes Gewicht auf altnordische Mythologie, Geschichte, die norwegische Sprache, sowie auf „Vaterlands- und Volkslieder“. Sie half ferner das Nynorsk [Neunorwegisch] zu verbreiten, war also ein Teil der gegenkulturellen Sprachbewegung. Das Nynorsk war von Ivar Aasen aus verschiedenen Dialekten mit dem Ziel konstruiert worden, eine auf der ländlichen Kultur beruhende rein norwegische Sprache zu schaffen. Sie sollte sich möglichst stark vom Bokmål [also der Buchsprache], der aus dem dänischen entstandenen Schriftsprache der Elite, abgrenzen. Aasen betrachtete die Sprache der Bauern als Erbe aus der Zeit vor der dänisch-norwegischen Union, weil sie sich weitgehend ohne dänische Einflüsse direkt aus der Sprache des mittelalterlichen Norwegens entwickelt hatte.
Kapitel I: Begriffsdefinitionen und eine geschichtliche Einführung: Das Kapitel legt die theoretische Basis durch Definitionen zentraler Begriffe wie Identität, Nation und Nationalismus und gibt einen historischen Abriss bis 1905.
Kapitel II: Kulturgeschichtliche Charakteristika Norwegens: Es wird die Entstehung der nationalen Identität analysiert und aufgezeigt, wie kulturelle Traditionen und Symbole das Selbstbild der Norweger prägen.
Kapitel III: Kulturgeographische Charakteristika Norwegens: Dieses Kapitel beleuchtet den Konflikt zwischen Zentrum und Peripherie sowie die Rolle der Gegenkulturen für die regionale politische Stimmung.
Kapitel IV: Sozioökonomische Charakteristika Norwegens: Der Fokus liegt auf der Rolle von Bauern- und Frauenbewegungen bei der Mobilisierung gegen den EU-Beitritt und deren sozioökonomischen Hintergründen.
Norwegen, Europäische Union, Nationale Identität, Gegenkultur, Zentrum-Peripherie-Konflikt, Landwirtschaft, Frauenbewegung, Sprachbewegung, Nynorsk, Abstimmungsverhalten, Distriktspolitik, Nationalismus, Souveränität, Storting, Politische Soziologie.
Die Arbeit untersucht die Hintergründe der norwegischen Skepsis gegenüber einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union unter Berücksichtigung historischer, kultureller und sozioökonomischer Faktoren.
Die Analyse konzentriert sich auf die Entstehung der nationalen Identität, die Bedeutung der ländlichen „Gegenkulturen“ und das Machtverhältnis zwischen Zentrum und Peripherie.
Das Ziel ist es, aufzuklären, warum Norwegen trotz seiner engen europäischen Anbindung das EU-Projekt zweimal mehrheitlich abgelehnt hat.
Die Arbeit nutzt einen politikwissenschaftlich-soziologischen Ansatz, kombiniert mit historischen Analysen und der Auswertung von Statistiken zu Abstimmungsverhalten und regionalen Strukturen.
Der Hauptteil behandelt die historische Frühgeschichte, die kulturgeschichtlichen Charakteristika, die kulturgeographischen Scheidelinien sowie die sozioökonomische Bedeutung von Interessengruppen.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie nationale Identität, Gegenkultur, Zentrum-Peripherie-Konflikt und Distriktspolitik geprägt.
Die Entwicklung des Nynorsk als „Gegenkultur“ zur dänisch geprägten Elite-Sprache diente dazu, eine eigene norwegische nationale Identität auf Basis der ländlichen Kultur zu festigen.
Die Landwirte nutzten ihre starken Verbände und die Distriktspolitik, um vor der Gefahr einer EU-Integration zu warnen, und mobilisierten erfolgreich gegen den Beitritt.
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