Magisterarbeit, 2007
104 Seiten, Note: 2,0
I. Einleitung
I.1 Problemstellung
I.2 Zielsetzung
I.3 Vorgehensweise
I.3.1 Irreführende Annahmen
I.3.2 Konzeptionelle Entscheidungen
I.3.3 Definition
I.3.4 Abgrenzung von Nachbarbegriffen
II. Nationaler und internationaler Terrorismus
II.1 Transnationaler Terrorismus
II.2 Transnationale Netzwerkstrukturen
III. Religiös motivierter Terrorismus
III.1 Al Qaida
III.1.1 Der Ursprung im Afghanistankrieg von 1979
III.1.2 Motive und Legitimationen
III.1.3 Organisationsstruktur
III.1.4 Osama bin Laden
III.1.5 Anschläge
III.1.6 Darstellung der zentralen Charakteristika
III.2 Hamas
III.2.1 Die erste Intifada und die Gründung der Hamas
III.2.2 Motive und Legitimationen
III.2.3 Organisationsstruktur
III.2.4 Anschläge
III.2.5 Die Muslimbruderschaft
III.2.5.1 Strukturen der Muslimbruderschaft
III.2.6 Darstellung der zentralen Charakteristika der Hamas
IV. Politisch motivierter Terrorismus
IV.1 Euskadi ta Askatasuna - ETA
IV.1.1 Der baskische Nationalismus bringt die ETA hervor
IV.1.2 Motive und Legitimationen
IV.1.3 Organisationsstruktur
IV.1.4 Anschläge
IV.1.5 Darstellung der zentralen Charakteristika
IV.2 Rote Armee Fraktion - RAF
IV.2.1 Die Gründung der RAF im Kontext der ApO
IV.2.2 Motive und Legitimationen
IV.2.3 Organisationsstruktur
IV.2.4 Anschläge
IV.2.5 Darstellung der zentralen Charakteristika
V. Zusammenfassung
V.1 Religiöse Überhöhung weltlicher Konflikte
V.2 Vermischung politischer und religiöser Motive und Legitimationen
V.3 Erkenntnisgewinn
V.4 Diskussion
V.5 Ausblick
Diese Arbeit untersucht, inwieweit sich der moderne, religiös motivierte Terrorismus islamistischer Prägung tatsächlich von dem als traditionell bezeichneten, politisch motivierten Terrorismus unterscheidet, und hinterfragt die These einer grundlegenden Neuartigkeit.
I.3.1 Irreführende Annahmen
Fünf gängige, aber unzutreffende Annahmen sollen hier dargestellt werden.
Die erste These besagt, Terrorismus sei insbesondere in Ländern der Dritten Welt auf die weit verbreitete Armut zurückzuführen. Ein solcher kausaler Zusammenhang würde die Prozesse durch die Unterstellung einer Monokausalität in ihrer Komplexität verkürzen, aus denen letztlich Terrorismus hervorgeht. Eine positive Korrelation für diesen Zusammenhang, dass eine Bevölkerungsgruppe eher zu terroristischen Aktivitäten neige, je ärmer sie sei, konnte jedoch bisher nicht erwiesen werden. Erkenntnisse, dass sich Terroristen bevorzugt aus höheren und gebildeteren sozialen Schichten rekrutieren, sprechen sogar eher für das Gegenteil. „Auch bei den Selbstmordattentätern der Hamas und anderer palästinensischer Gruppen, die vergleichsweise intensiv untersucht wurden, lässt sich keine Überrepräsentation von Angehörigen der sozialen Unterschicht erkennen.“ Dies schließt aber nicht aus, dass Armut und besonders sozialer Ungleichheit eine indirekte Bedeutung zukommt. Intellektuelle Angehörige der Mittelschicht können diese als so demütigend und empörend empfinden, dass sie bereit sind, terroristische Organisationen zu gründen oder ihnen beizutreten.
Die zweite irreführende Annahme besagt dass Terrorismus eine Art Ersatzkrieg sei, der von Staaten, die sich nicht auf eine erfolgversprechende offene militärische Konfrontation mit den überlegenen Mächten des Westens einlassen können, insbesondere gegen die USA geführt werde. Ein solcher Interpretationsansatz, der jeweils Staaten als eigentliche Anstifter hinter der Mehrzahl der terroristischen Organisationen sieht, greift spätestens seit dem Ende des Kalten Krieges zu kurz. Frei nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund ist jegliche Hilfe von staatlichen Akteuren, sei sie finanziell, waffentechnisch oder durch die Bereitstellung von sicheren Rückzugsräumen, natürlich mehr als willkommen. Dabei ist aber von entscheidender Bedeutung, dass dies die Organisationen nicht davon abhält eines Tages die Hand, die sie füttert, zu beißen, sich also gegen den ursprünglichen Protektor zu wenden. Ideologisch überhöhte Ziele sind in der Regel wichtiger als materielle Gratifikationen.
I. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung des Terrorismus vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart und stellt kritische Fragen zu gängigen Annahmen und Definitionen.
II. Nationaler und internationaler Terrorismus: Das Kapitel analysiert die Unterscheidung zwischen nationalem und internationalem Terrorismus, diskutiert deren Abgrenzung und thematisiert transnationale Netzwerkstrukturen.
III. Religiös motivierter Terrorismus: Hier werden die ideologischen Grundlagen, Strukturen und Anschläge von Al Qaida und der Hamas als zentrale Beispiele für religiös motivierten Terrorismus untersucht.
IV. Politisch motivierter Terrorismus: Dieses Kapitel analysiert anhand der ETA und der RAF die Motivationen, Organisationsstrukturen und Zielsetzungen des politisch motivierten Terrorismus.
V. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die Analysen zu den Vermischungen von Religion und Politik sowie den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der untersuchten Gruppen zusammen und zieht ein Fazit.
Terrorismus, religiös motivierter Terrorismus, politisch motivierter Terrorismus, Al Qaida, Hamas, ETA, Rote Armee Fraktion, Ideologie, Dschihad, Transnationaler Terrorismus, Fundamentalismus, Radikalisierung, Netzwerke, Gewalt, Kommunikation.
Die Arbeit befasst sich mit dem Terrorismus heute, insbesondere mit der Frage, wie sich religiös motivierter Terrorismus islamistischer Prägung von traditionellen, politisch motivierten Formen unterscheidet.
Zentrale Themen sind die Entstehung terroristischer Organisationen, deren Ideologien, die Rolle von Religion und Politik als Motivationsfaktoren sowie die Wandlung der Organisationsstrukturen von nationalen Gruppen hin zu transnationalen Netzwerken.
Das Ziel ist es darzustellen, dass der moderne religiös motivierte Terrorismus in seinen zentralen Charakteristika keineswegs immer so neu ist, wie oft propagiert wird, und dass er sich nicht so grundlegend von politisch motiviertem Terrorismus unterscheidet.
Die Arbeit nutzt eine exemplarische Gegenüberstellung von Vertretern des politisch motivierten Terrorismus (ETA, RAF) und des religiös motivierten Terrorismus (Al Qaida, Hamas), um deren Ideologien und Vorgehensweisen zu vergleichen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der vier ausgewählten Organisationen sowie eine Untersuchung der Vermischung von religiösen und politischen Motiven und der Bedeutung von Netzwerkstrukturen.
Zu den prägenden Begriffen zählen Terrorismus, Dschihad, Ideologie, Fundamentalismus, Transnationaler Terrorismus sowie die spezifischen Namen der untersuchten Organisationen.
Die RAF wird als prominentes Beispiel für sozialrevolutionären Terrorismus betrachtet, das Parallelen in der ideologischen Radikalisierung und bei der Zielsetzung zur Zielgruppe mit modernen terroristischen Gruppierungen aufweist.
Die Muslimbruderschaft dient als ideologischer Ankerpunkt für die Hamas und beeinflusst maßgeblich die religiös-politische Gedankenwelt islamistischer Terroristen, was auch bei Al Qaida sichtbare Spuren hinterlassen hat.
Der Autor steht der These einer völlig neuen Ära des Terrorismus skeptisch gegenüber und betont, dass viele Merkmale des sogenannten neuen Terrorismus bereits in traditionellen, politisch motivierten Formen angelegt waren oder eine logische Weiterentwicklung darstellen.
Terrorismus wird als Mittel verstanden, um Aufmerksamkeit zu erregen und Botschaften zu vermitteln, wobei bei religiös motiviertem Terrorismus die psychologische Kriegsführung und die Stärkung der eigenen Anhängerschaft gegenüber einer breiteren medialen Wirkung an Bedeutung gewinnen können.
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