Bachelorarbeit, 2020
52 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Thematische Hinführung
1.2 Entwicklung der Problemstellung
1.3 Quellen- und Forschungslage
2. Tiflis und die deutsche Minderheit
2.1 Tiflis – Zeit des Umbruchs
2.2 Überblick über die deutsche Minderheit in Georgien
3. Auswanderung der württembergischen Kolonisten nach Tiflis
3.1 Politischer Bezugsrahmen in Württemberg
3.2 Kolonialisierungspolitik der Zaren
3.3 Auswanderungsgründe der württembergischen Siedler
3.4 Entstehung der deutschen Gemeinden um Tiflis
4. Die Entwicklung von Neu-Tiflis
4.1 Die Anfangsjahre
4.2 Die teilweise Integration
5. Die deutsche Unternehmerschaft von Tiflis
5.1 Ortsansässige Entrepreneure
5.2 Ausländische deutsche Firmen
6. Das evangelisch-lutherische Kirchenwesen
6.1 Geschichte der Kirchengemeinde
6.2 Funktionen der Glaubensgemeinschaft
6.2.1 Kirchenrat
6.2.2 Schulwesen
6.2.3 Wohltätigkeit
7. Die deutsche Diaspora und der Erste Weltkrieg
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung der deutschen Diaspora im multiethnischen Tiflis vom Beginn der württembergischen Einwanderung 1817 bis zum Vorabend des Ersten Weltkriegs. Ziel ist es, anhand soziologischer Diaspora-Kriterien zu analysieren, wie sich die Minderheit in einem friedlichen, aber kulturell fremden Kontext organisierte und ihre Identität unter Einfluss von Unternehmertum und kirchlichem Leben bewahrte.
2.1 Tiflis – Zeit des Umbruchs
Georgien, entstanden aus den altehrwürdigen Königreichen Kolchis und Iberien, hatte seit jeher eine bedeutende geostrategische Lage. Die Hauptstadt Tiflis im Besonderen. Ihr alter Name, Tbilis-Kalaki, bedeutet übersetzt „Warmstadt“. Er ist ein Verweis auf die weit über die Grenzen hin bekannten heilenden Thermalquellen der Stadt. Im Kaukasus zwischen Europa und Asien beheimatet, mit Zugang zum Schwarzem Meer sowie Anbindung ans Kaspische Meer war Georgien dank seiner antiken Karawanenwege Teil des globalen Handelsnetzes der alten Seidenstraße. So kam dem, an einer Gabelung der historischen Fernhandelsroute gelegenen, Herrschaftssitz Tiflis bereits früh militärische und wirtschaftliche Relevanz zu.
Das kleine, oft in einzelne Herrschaftsbereiche aufgeteilte Land, war einer andauernden Umklammerung durch seine mächtigen Nachbarn unterworfen. Es musste eine wiederkehrende Zerstörung und Besatzung durch die Osmanen und Perser hinnehmen. Doch trotz der langanhaltenden Fremdherrschaften, die ihre architektonischen Spuren in der Stadt hinterließen, konnten sich die Bevölkerung ihre kulturelle Identität erhalten. Mitte des 18. Jahrhunderts gelang ihnen die Rückeroberung ihrer Hauptstadt. Um einer erneuten Eroberung durch die südlichen Nachbarn zu entgehen, ging man ein Bündnis mit Russland ein.
In der Periode des letzten ostgeorgischen Königs Erekle II. (1744-1798) konnte das Land, vor allem Tiflis, nachhaltig gedeihen. Dies war seiner gut 50-jährigen Herrschaftszeit geschuldet, die wiederum war geprägt von Frieden und den schönen Dingen jener Zeit, farbenprächtige elegante Kleider, feiner Poesie und freudigen Festen. In vielen Berichten von Durchreisenden stellte die unbeschwerte Lebensfreude, welche durch die schmalen Gassen jener Stadt floss, ein wiederkehrendes Motiv dar.
1. Einleitung: Einführung in die außergewöhnliche Geschichte Tiflis als multikulturelles Zentrum und Darlegung der wissenschaftlichen Fragestellung zur deutschen Minderheit.
2. Tiflis und die deutsche Minderheit: Analyse der geopolitischen Lage von Tiflis im 18. Jahrhundert und Überblick über die verschiedenen Gruppen deutschstämmiger Bewohner.
3. Auswanderung der württembergischen Kolonisten nach Tiflis: Untersuchung der politischen, wirtschaftlichen und religiösen Gründe für die Auswanderungswelle sowie der schwierigen Reise in den Kaukasus.
4. Die Entwicklung von Neu-Tiflis: Beschreibung der Anfangsjahre der Siedlung, des Aufbaus und des späteren Integrationsprozesses in die Stadt Tiflis.
5. Die deutsche Unternehmerschaft von Tiflis: Darstellung der Rolle ortsansässiger Unternehmer und ausländischer Firmen bei der Modernisierung und wirtschaftlichen Entwicklung der Region.
6. Das evangelisch-lutherische Kirchenwesen: Erörterung der zentralen Rolle der Kirche für den Zusammenhalt, das Bildungswesen und die soziale Absicherung innerhalb der Diaspora.
7. Die deutsche Diaspora und der Erste Weltkrieg: Zusammenfassende Bewertung der Diaspora-Kriterien anhand der Erkenntnisse des Hauptteils und Ausblick auf das Ende dieser Ära durch den Weltkrieg.
Deutsche Minderheit, Tiflis, Diaspora, Kaukasus, Württembergische Kolonisten, Siedlungsgeschichte, Integrationsprozess, Unternehmertum, Evangelisch-lutherische Kirche, Identitätsbildung, Migration, Modernisierung, Russlanddeutsche, Wirtschaftsgeschichte, Neu-Tiflis.
Die Arbeit untersucht die Geschichte der deutschen Diaspora in der georgischen Hauptstadt Tiflis im 19. Jahrhundert, mit Fokus auf die württembergischen Kolonisten und ihre Entwicklung im multikulturellen Umfeld.
Die zentralen Felder sind Migrationsgeschichte, wirtschaftlicher Einfluss der deutschen Minderheit, religiöse Organisation durch das Kirchenwesen sowie der Prozess der Identitätsbildung in der Fremde.
Das Ziel ist es, unter Anwendung soziologischer Diaspora-Kriterien zu zeigen, wie sich die Minderheit zu einer autonomen Gesellschaft entwickelte und welchen Beitrag sie zur Modernisierung Georgiens leistete.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Auswertung von Primärquellen, wie Archivdokumenten und Reiseberichten, analysiert durch den theoretischen Rahmen der Diasporaforschung von Alois Moosmüller.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Auswanderungsgründe, die Siedlungsgründung von Neu-Tiflis, die wirtschaftlichen Aktivitäten der Entrepreneurs sowie die strukturierende Rolle der evangelisch-lutherischen Kirche.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Diaspora-Identität, württembergische Auswanderung, interkulturelle Kommunikation, wirtschaftliche Modernisierung und evangelisch-lutherisches Kirchenwesen definieren.
Es ordnete die Unterstellung der Gläubigen unter das Moskauer Konsistorium an, zementierte die Sonderstellung der Kolonialsynode und stärkte damit die organisatorische Eigenständigkeit der deutschen Minderheit.
Der Kathedralbau war nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern ein sichtbares Zeichen der wirtschaftlichen Potenz und des sozialen Engagements der deutschen Minderheit, das ihre feste Verankerung in Tiflis unterstrich.
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