Magisterarbeit, 2005
109 Seiten, Note: 1,5
1 Vorüberlegungen zu dieser Arbeit
2 Das Andere, das Fremde und das Eigene
2.1. Fremdheit auf individueller Ebene
2.1.1. Intrapersonelle Fremdheit
2.1.2. Interpersonelle Fremdheit
2.2. Fremdheit auf gesellschaftlicher Ebene
3 Die Wahrnehmung des Fremden
3.1. Kulturelle Fremdheit
3.2. Produzierte vs. Erfahrene Fremde
3.3. Strukturelle Fremdheit
3.4. Radikale Fremdheit
3.5. Die Ferne Fremde
3.6. Welche Bedeutung hat die Fremdwahrnehmung für die KJL?
4 Das Verstehen des Fremden
4.1. Verstehen
4.2. Fremdverstehen
4.3. Literarisches vs. Lebensweltliches Fremdverstehen
4.4. Fremdverstehen durch Einnahme von Innen- und Außenperspektive
4.5. Fremdverstehen durch Perspektivübernahme und -koordination
4.6. Fremdverstehen durch Empathie und Mitfühlen
4.7. Fremdverstehen durch soziales Lernen
4.8. Zusammenfassung des Fremdverstehensbegriffs
5 Fremdverstehen durch Kinder- und Jugendliteratur?
5.1. Fremdverstehensförderung durch Literatur
5.2. Ansprüche an fremdverstehensfördernde Kinder- und Jugendliteratur
5.3. Kulturelle Fremdbilder in der KJL
5.4. Zwischenfazit
6 Die Kinder- und Jugendliteratur der 1960er Jahre der DDR – Aufbau aus Ruinen?
6.1. Ausgangslage nach 1945
6.2. Überlegungen zur Schaffung einer neuen Kinder- und Jugendliteratur
6.3. Konkrete Umsetzung, Maßstäbe und Anforderungen an die Schriftsteller
6.4. Edith Klatt und ihr Werk ‚Neitah’
7 Die Kinder- und Jugendliteratur der 1990er Jahre der BRD – interkulturelles Verständnis durch Bücher?
7.1. Ausgangslage Anfang der 1990er Jahre in der BRD
7.2. Wie wurde versucht, Multikulturalität und Fremdverstehen zu vermitteln?
7.3. Lutz Van Dijk und ‚Feinde fürs Leben?’
8 Untersuchung der ausgewählten Bücher
8.1. Edith Klatts Neitah
8.1.1. Handlung
8.1.2. Formale Ebene
8.1.3. Inhaltliche Ebene
8.1.3.1. Die Darstellung des Fremden
8.1.3.2. Die Darstellung des Eigenen
8.1.3.3. Interkulturelle Konflikte und ihre Lösungen
8.2. Lutz Van Dijks ‚Feinde fürs Leben?’
8.2.1. Handlung
8.2.2. Formale Ebene
8.2.3. Inhaltliche Ebene
8.2.3.1. Das Fremde
8.2.3.2. Das Eigene
8.2.3.3. Interkulturelle Konflikte und ihre Lösungen
8.3. Zwischenfazit Textanalyse
9 Empirische Untersuchung zur Wirksamkeit von Literaturvermitteltem Fremdverstehen
9.1. Entwicklung von Fragestellung und Hypothesen
9.2. Entwicklung des Untersuchungsdesigns
9.3. Untersuchungsergebnisse und Auswertung
10 Fazit und Schlussbetrachtung
12 Auswahltexte für Empirische Erhebung
13 Fragebogen für Empirische Erhebung
14 Datenblätter
15 Auswertung insgesamt
15.1. Tabelle 1
15.2. Tabelle 2
15.3. Tabelle 3
15.4. Tabelle 4
15.5. Tabelle 5
15.6. Tabelle 6
15.7. Tabelle 7
15.8. Tabelle 8
15.9. Tabelle 9
15.10. Tabelle 10
15.11. Tabelle 11
15.12. Tabelle 12
Die Arbeit untersucht, wie kulturelle Fremdbilder in der Kinder- und Jugendliteratur konstruiert werden und inwiefern diese Literatur das Fremdverstehen bei Kindern und Jugendlichen fördern kann. Anhand der exemplarischen Analyse zweier Jugendbücher aus unterschiedlichen historischen Phasen der deutschen Geschichte wird der Frage nachgegangen, welche literarischen Mechanismen und Darstellungsweisen den Rezeptions- und Verstehensprozess beeinflussen und ob diese theoretischen Ansätze empirisch bestätigt werden können.
Edith Klatt: Neitah, ein Mädchen im hohen Norden ( Auszug)
„Nach vielen Stunden erst wurde Sara wieder auf die Beine gestellt. Der Mann zog ihr den Sack über den Kopf und strich ihr beruhigend über die Wangen. Dazu sagte er etwas in einem Dialekt, den Sara nicht verstand. Wahrscheinlich tröstete er sie, sagte, sie solle nicht weinen, es geschehe ihr nichts Böses – irgend so etwas vielleicht. So klang es wenigstens. Aber Sara konnte vor Kummer und eingefrorenem Schreck nicht mehr schreien. Auch zum Weinen war sie zu erfroren, denn der Mann hatte sie ja den ganzen Tag durch die Kälte getragen, ohne dass sie irgendwelchen Schutz vor dem Wind gehabt hatte. Sie war ganz steif und stumpfsinnig vor Kälte geworden. Eine Lappenfrau griff nach ihr, nahm sie auf den Arm und trug sie in das Zelt, vor dem sie der Mann abgesetzt hatte. Die Frau zog sie vorsichtig aus, wie ihre eigene Mutter, und rieb sie mit Schnee ab, bis das Blut wieder zu kreisen begann. Was die Frau dabei sagte, konnte Sara nicht verstehen, aber es klang tröstlich und herzlich, gar nicht beängstigend. Dann zog sie ihr andere, fremde Kleider an und gab ihr zu essen. Als die Frau sie nach dem Essen in einen Winkel des Zeltes legte und warm einpackte, schlief sie schnell ein. Am anderen Morgen wachte Sara auf von so viel Lärm, Lachen, Getriebe, Durcheinanderwuseln von Kindern und Hunden, Männern, Frauen, Jungtieren, wie sie es in ihrem Leben noch nicht gesehen hatte. Sie war noch ganz betäubt aus dem tiefen Schlaf aufgefahren, hatte nach der Mutter gerufen und konnte sich lange gar nicht zurechtfinden. Sara sah sich um.
Das Zelt war eng und düster, obgleich der helle Tag durch das Rauchloch und die hochgeschlagene Türöffnung hereinschien, und es war ein Kommen und Gehen, ein Rufen und Lachen unter all den vielen Leuten, dass Sara zuerst nichts Einzelnes unterscheiden konnte. Sie verstand ja auch kein Wort. Zum Weinen war keine Zeit da, das merkte sie, und verzagen durfte sie auch nicht. Es galt, sich unter ihnen zu behaupten.
Sie waren alle gutmütig, es war kein einziges unter ihnen, das bösartig gewesen wäre. Aber sie waren so sehr vielen und gehörten alle zusammen. Und sie waren fremd: sie verstanden ihre Sprache nicht und kannten ihre Spiele nicht. Allein stand sie unter ihnen, wie ein verlaufenes Tierchen. Alles, was sie wusste und konnte, galt hier nicht. Alles, was sie gehabt hatte, so sicher, als gehörte es zum Leben selber, war ihr verloren gegangen, war irgendwo in der Welt zurückgeblieben, unerreichbar fern.
1 Vorüberlegungen zu dieser Arbeit: Einführung in die Thematik der kulturellen Fremdbilder und Formulierung der Forschungsabsicht, Fremdbilder durch Literatur zu analysieren.
2 Das Andere, das Fremde und das Eigene: Theoretische Bestimmung der zentralen Begriffe und Erläuterung der relationalen Natur von Fremdheit auf individueller und gesellschaftlicher Ebene.
3 Die Wahrnehmung des Fremden: Systematisierung der Arten von Fremdheit und Analyse der Bedeutung dieser Wahrnehmung für die Kinder- und Jugendliteratur.
4 Das Verstehen des Fremden: Untersuchung der kognitiven und emotionalen Verstehensprozesse, einschließlich Empathie und Perspektivübernahme als zentrale Mechanismen.
5 Fremdverstehen durch Kinder- und Jugendliteratur?: Theoretische Diskussion der Eignung literarischer Medien zur Förderung interkultureller Kompetenz.
6 Die Kinder- und Jugendliteratur der 1960er Jahre der DDR – Aufbau aus Ruinen?: Historische Einordnung der DDR-Kinderliteratur und Analyse der Rolle von Edith Klatt.
7 Die Kinder- und Jugendliteratur der 1990er Jahre der BRD – interkulturelles Verständnis durch Bücher?: Betrachtung des Paradigmenwechsels in der BRD-Jugendliteratur und Vorstellung von Lutz Van Dijk.
8 Untersuchung der ausgewählten Bücher: Systematische textanalytische Gegenüberstellung von Klatts und Van Dijks Werken hinsichtlich Handlung, Form und Inhalt.
9 Empirische Untersuchung zur Wirksamkeit von Literaturvermitteltem Fremdverstehen: Darstellung des methodischen Designs und der Durchführung einer Befragungsstudie mit Schülern.
10 Fazit und Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der theoretischen und empirischen Ergebnisse und Bestätigung des Potentials von Jugendbüchern zur Fremdverstehensförderung.
Fremdverstehen, Kulturelle Fremdbilder, Kinder- und Jugendliteratur, Literaturanalyse, Empathie, Perspektivwechsel, Interkulturelles Lernen, Soziale Kompetenz, DDR-Literatur, DDR-Kinderbuch, Identitätsbildung, Fremdwahrnehmung, Textanalyse, Empirische Untersuchung, Identifikation
Die Arbeit untersucht, wie durch Kinder- und Jugendliteratur kulturelle Fremdbilder vermittelt werden und ob und wie diese Texte dazu beitragen können, das Fremdverstehen bei jungen Lesern zu fördern.
Im Mittelpunkt stehen die theoretischen Grundlagen von Fremdheit und Verstehensprozessen sowie deren Anwendung auf literarische Texte, ergänzt durch eine empirische Erhebung zur Wirksamkeit dieser Lektüre.
Das Ziel ist zu beleuchten, wie sich kulturelle Fremdbilder in exemplarischen Texten der DDR- und BRD-Literatur manifestieren und ob diese Texte tatsächlich das pädagogische Ziel des Fremdverstehens unterstützen können.
Die Arbeit kombiniert eine tiefgehende Literatur- und Textanalyse zweier ausgewählter Jugendbücher mit einem empirischen Forschungsdesign in Form einer Befragung von Schulklassen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Begriffen wie Fremdheit und Empathie, eine historische Analyse der Kinderliteratur in DDR und BRD sowie die detaillierte Untersuchung der Bücher von Edith Klatt und Lutz Van Dijk.
Zu den prägenden Begriffen gehören Fremdverstehen, interkulturelles Lernen, Perspektivübernahme, Empathie, Kinder- und Jugendliteratur sowie die Analyse von Fremdbildern in sozialen Kontexten.
Während Klatt in 'Neitah' mit einer auktorialen Erzählweise und emotionaler Tiefe arbeitet, nutzt Van Dijk in 'Feinde fürs Leben?' die Tagebuchperspektive einer 14-Jährigen, um aktuelle politische Konflikte im Nahost-Kontext zu thematisieren.
Beide Bücher sind geeignet, Fremdverstehen zu fördern, wobei Edith Klatts Werk 'Neitah' durch seine differenzierte Darstellung des Fremden als besonders prototypisch für den Abbau von Vorurteilen hervorgehoben wird.
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