Wissenschaftlicher Aufsatz, 2007
18 Seiten
1. Einleitende Bemerkungen
2. Grotewohl und die Stunde Null
3. Erste politische Initiativen – der Schöneberger Kreis
4. Der vorbereitende Ausschuss der SPD und die Konstituierung des Zentralausschusses
5. Grotewohls Beitrag am Zustandekommen des ZA-Aufrufes vom 15. Juni 1945
6. Die Rede Otto Grotewohls auf der Funktionärskonferenz am 17.6.1945
Die vorliegende Arbeit analysiert die politische Rolle Otto Grotewohls während der Gründungsphase des Zentralausschusses der SPD in Berlin im Frühjahr und Sommer 1945. Dabei wird untersucht, wie Grotewohl innerhalb weniger Wochen nach Kriegsende vom lokalen Funktionär zum zentralen Akteur aufstieg und welchen Einfluss er auf die programmatische Ausrichtung der Partei sowie das Verhältnis zur KPD ausübte.
6. Die Rede auf der Funktionärskonferenz am 17.6.1945
Nach der Veröffentlichung seines Aufrufes beantragte der ZA, die offizielle Registrierung der SPD bei den sowjetischen Militärbehörden und beschloss, am 17. Juni 1945 eine erste offizielle Nachkriegsfunktionärskonferenz der Berliner SPD im Deutschen Hof in der Luckauer Strasse in Berlin-Kreuzberg abzuhalten, um die personelle Zusammensetzung des Zentralausschusses und den Aufruf offiziell durch die Mitgliedschaft bestätigen zu lassen.
Nach einigen Schwierigkeiten gelang es den Sozialdemokraten, die Erlaubnis zur Abhaltung der Versammlung von der sowjetischen Besatzungsmacht zu erlangen. Nachdem Max Fechner die Funktionärskonferenz eröffnet hatte, hielt Otto Grotewohl als Sprecher des ZA, vor mehr als 1000 Zuhörern, die Rede zum Aufruf des ZA. Das zeugt von Vertrauen der anderen ZA-Mitglieder und dem Stellenwert, den Otto Grotewohl im ZA genoss.
Die Ansprache Grotewohl stand in enger gedanklicher Verknüpfung zum Aufrufentwurf, den er in die Programmkommission eingebracht hatte. Somit kann die Rede nicht losgelöst von dieser Vorlage betrachtet werden. Es ist anzunehmen, dass die Kernpunkte der Ansprache Grotewohls zum ZA-Aufruf das Resultat gemeinsamer Beratungen waren, die Akzentsetzung hingegen von Grotewohl selbst vorgenommen wurde. Grotewohl umriss in seiner Ansprache die Problemfelder, die nach seiner und der anderen ZA-Mitglieder Auffassung zur Lösung anstanden. Dazu bestimmte er zentrale Positionen des ZA. Im Ergebnis der Außenwirkung dieser Ansprache erschien es notwendig, einen positiven Eindruck bei der sowjetischen Besatzungsmacht zu hinterlassen, um die SPD als kompetenten politischen Ansprechpartner zu präsentieren und sich gleichzeitig von der KPD abzugrenzen.
1. Einleitende Bemerkungen: Einführung in die historische Bedeutung Grotewohls und die unterschiedliche Wahrnehmung seiner Rolle in Ost- und Westdeutschland nach 1945.
2. Grotewohl und die Stunde Null: Darstellung von Grotewohls politischer Tätigkeit in der Weimarer Republik, seinem Leben während der Zeit des Nationalsozialismus und seinen ersten Schritten nach Kriegsende.
3. Erste politische Initiativen – der Schöneberger Kreis: Analyse der informellen Zusammenschlüsse sozialdemokratischer Funktionäre im Raum Schöneberg zur Vorbereitung des Parteiwiederaufbaus.
4. Der vorbereitende Ausschuss der SPD und die Konstituierung des Zentralausschusses: Schilderung des Zusammenwachsens verschiedener Gründerkreise zum provisorischen Zentralausschuss der SPD.
5. Grotewohls Beitrag am Zustandekommen des ZA-Aufrufes vom 15. Juni 1945: Untersuchung der redaktionellen Beteiligung Grotewohls und der programmatischen Debatten innerhalb der Kommission für den Gründungsaufruf.
6. Die Rede Otto Grotewohls auf der Funktionärskonferenz am 17.6.1945: Analyse von Grotewohls öffentlichem Auftreten vor über 1000 Zuhörern und dessen Bedeutung für die Positionierung des ZA gegenüber den Besatzungsmächten und der KPD.
Otto Grotewohl, SPD, Zentralausschuss, Nachkriegsgeschichte, sowjetische Besatzungszone, KPD, Einheitsfront, 1945, Antifaschismus, politische Neugründung, Berliner Magistrat, Arbeiterbewegung, Erich W. Gniffke, Parteienzulassung, politische Führung
Die Arbeit befasst sich mit dem politischen Wirken von Otto Grotewohl in der kritischen Phase des Wiederaufbaus der SPD in Berlin unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Im Zentrum stehen die Konstituierung des Zentralausschusses (ZA), die interne Parteiprogrammatik, das Spannungsverhältnis zur sowjetischen Militäradministration und das komplizierte Verhältnis zur KPD.
Ziel ist es, die oft verkürzte oder einseitige historische Wahrnehmung von Grotewohl zu korrigieren und seine maßgebliche Rolle bei der organisatorischen und inhaltlichen Neuausrichtung der SPD 1945 wissenschaftlich aufzuarbeiten.
Die Untersuchung basiert auf einer intensiven Analyse von Primärquellen, darunter Sitzungsprotokolle, Entwürfe zum ZA-Aufruf, zeitgenössische Redemanuskripte sowie Korrespondenzen aus Archivbeständen.
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch: von den ersten informellen Kontakten im „Schöneberger Kreis“ über die offizielle Konstituierung des Zentralausschusses bis hin zur weithin beachteten Funktionärskonferenz am 17. Juni 1945.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem "Zentralausschuss", "Stunde Null", "sozialdemokratische Identität" sowie die "Einheit der Arbeiterbewegung".
Der Schöneberger Kreis diente als erste informelle Anlaufstelle für überlebende SPD-Funktionäre und war der organisatorische Ausgangspunkt für Grotewohls politische Arbeit im zerstörten Berlin.
Die Rede festigte Grotewohls Position als führender Sprecher des Zentralausschusses und half dabei, die SPD gegenüber der sowjetischen Besatzungsmacht als handlungsfähigen und eigenständigen politischen Partner zu etablieren.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

