Magisterarbeit, 2007
119 Seiten, Note: 1,0
1. Einführung
2. Schreiben als interdisziplinäres Handeln: Welchen Beitrag können Angewandte Linguistik und Soziologie zur Reflexion über die Entwicklung wissenschaftspropädeutischer Schreibkompetenz leisten?
3. Propädeutisches, Begriffsbestimmungen und Allgemeines
3.1 Der Textbegriff
3.1.1 Zur Herausbildung des pragmatisch begründeten Textbegriffs
3.1.2 Zum kognitiv ausgerichteten Textbegriff
3.2 Schreiben
3.2.1 Allgemeines
3.2.2 Zur Theorie des Schreibenlernens und –lehrens: Ein Abriss der geschichtlichen Entwicklung des Schreibunterrichts – von der Aufsatzdidaktik zur Schreibforschung
3.3 Wissenschaftssprachliche Schreibkompetenz – Versuch einer Begriffsbestimmung
3.3.1 Wissenschaftliche Schreibkompetenz: problemlösend fortschreitender Aufbau von Strukturen oder Habitusanpassung
3.3.2 Kompetenzarten
3.4 Schreibprobleme im Studium - Hochschulsozialisation als Schreib- und Sprachsozialisation
4. Der Schreibprozess als komplexes Selbstmanagement
4.1 Zur Bedeutung der kognitiven Wende für die Schreibforschung
4.2 Exkurs I: Wie werden Informationen über den Schreibprozess gewonnen?
4.2.1 „Thinking- Aloud- Protocols“
4.2.2 Erhöhung der Validität durch Methodenpluralismus
4.2.3 Empirischer Datengewinn und Modellkonstruktion
4.3 Schreibprozessmodelle – Ausgewählte Arbeiten zur Textproduktion
4.3.1 Das rekursive Modell zur schriftlichen Textproduktion von Hayes und Flower
4.3.1.1 Grundannahmen
4.3.1.2 Anmerkungen zur Reichweite des Modells von Hayes und Flower
4.3.2 Das Modell der Entwicklung von Schreibstrategien nach Bereiter und Scardamalia
4.3.2.1 “Knowledge Telling” vs. “Knowledge Transforming”
4.3.2.2 Relativierung und Reflexion
4.3.3 Zusammenfassung
4.4 Relevanz der Schreibprozessforschung für die Entwicklung von Schreibkompetenz
5. Der Kontext – die soziale Determiniertheit des Schreibens
5.1 Hinführung
5.2 Bedeutung des Konzeptes der sozialen Welten und kommunikativen Stile für die Bewusstmachung des diskursiven Charakters der Wissensproduktion
5.2.1 Soziale Welten
5.2.2 Kommunikative Stile
5.3 Zur Relevanz des Selbstdarstellungs- und Beziehungsaspekts für die Textproduktion
5.4 Wissenschaftssprache und kommunikative Stile - Warum Stil über Erfolg und Misserfolg wissenschaftlicher Texte entscheidet?
5.5 Wissenschaftskommunikation – Ein Zwischenergebnis
5.6 Zur Rolle des Subjekts bei der Generierung wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns
5.6.1 Zum Subjektbegriff – Ist der Verfasser einer wissenschaftlichen Arbeit noch Subjekt seiner Handlung?
5.6.2 Die Undeterminiertheit des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses und daraus resultierende Probleme für Studierende
5.7 Zur Normkonzeption und -problematik
5.7.1 Performanz und Auflösung der 2 Welten- Ontologie
5.7.2 Norm und Normautoritäten
5.7.3 Konventionen der Wissenschaft – Die Textsorte als Wegweiser und Handlungsmaxime?
5.7.4 Verengung und Musterbildung contra Notwendigkeit sozial abgesicherter Standards
5.8 Schlussfolgerungen
5.8.1 Desiderata und Anforderungen an eine verbesserte propädeutische Ausbildung
5.8.2 Exkurs II: Schreibprobleme konstruktiv nutzen - Synkretismus und Gestaltung
5.9 Exkurs III: Lernformen an der Universität
5.10 Zusammenfassung
6. Zur normorientierten Seite des Schreibens – die Produktperspektive
7. Zur inhaltlichen Dimension des Schreibens
7.1 Textproduktion und wissenschaftliche Erkenntnis
7.2 Epistemisches und emanzipiertes Schreiben
8. Perspektivenintegration und Schlussbetrachtung
8.1 Multiperspektivität als Chance
8.2 Zur Dekomponierung des Komplexphänomens „Schreiben“
8.3 Produkt und Prozess im Spannungsverhältnis – Zur Produkt- Prozess Ambiguität
8.4 „Schwarze Spuren auf weißem Grund“
9. Ausblick
Die Arbeit untersucht die Entwicklung wissenschaftspropädeutischer Schreibkompetenz bei Jugendlichen an der Schnittstelle von Schule und Universität und plädiert für einen interdisziplinären, prozessorientierten Ansatz zur Überwindung der Diskrepanz zwischen schulischer Aufsatzdidaktik und universitären Anforderungen.
3.1.1 Zur Herausbildung des pragmatisch begründeten Textbegriffs
Was als Resultat, als Produkt des akademischen Schreibens hervortreten soll, ist unzweifelhaft ein Text. Um die Vorraussetzungen und notwendigen Handlungen zum Entstehen desselben zu ergründen, muss eine Definition, eine Bestimmung des Begriffes „Text“ vorhanden sein. Was ist ein Text? Dass es bis heute keine einheitliche, abschließende Definition von Text gibt liegt u. a. darin begründet, dass bisher kein Konsens hinsichtlich entwickelter Textmodelle und ihrer stets differenten Gebrauchsweisen existiert. Rosemarie Behnert spricht in ihrem 1997 erschienenen Aufsatz von circa 30 Textdefinitionen. Bedenken wir, dass in den vergangenen zehn Jahren Forschungstätigkeit etliche hinzugetreten sind, veranschaulicht diese Zahl das Problem sehr nachdrücklich.
Stand bis zur Mitte der 60er Jahre ausschließlich der Satz im Fokus linguistischer Analysen und Betrachtungen, so lässt sich danach ein rapide gestiegenes sprachwissenschaftliches Interesse an der Untersuchung von Texten registrieren. Galt bisher der Satz als größte linguistische Einheit, also als größte „überschaubare und daher einer linguistischen Erklärung zugängliche Einheit“, so entstanden nun unter dem Fokus auf den Text verschiedene linguistische Forschungsrichtungen mit zum Teil unterschiedlichen Konzeptionen, wie die „Textlinguistik“, die „Texttheorie“ oder die „Textgrammatik“. Diese waren Resultat einer Perspektivenerweiterung. Die Annahme jedoch, die Textbildung würde sich analog zur Satz- oder Wortbildung allein durch das Regelsystem der Sprache vollziehen, hat sich als untauglich erwiesen. Es reicht nicht aus, sprachliche Einheiten unterhalb der Satzgrenze zu segmentieren und klassifizieren und die Regeln der Kombination zu Sätzen aufzuzeigen. Erste Versuche, die Einzelsatzanalyse zu einer Satzpaaranalyse zu erweitern, scheiterten. Ein Text komme offenbar eher durch den inhaltlichen Zusammenhang als durch die Verwendung spezifischer syntaktischer Verknüpfungsmittel zustande. Aufgrund der Begrenztheit der Satzbeschreibungsmodelle entstand die Notwendigkeit, „die Domäne der Linguistik über die auf den Satz begrenzte Systemlinguistik hinaus zu erweitern, die traditionelle Satzlinguistik zu einer Textlinguistik/ Übersatzlinguistik auszuweiten“. Das primäre Zeichen sollte nicht mehr der Satz, sondern der Text sein.
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung schriftlicher Kommunikation in der Wissensgesellschaft und identifiziert die Kluft zwischen gymnasialer Vorbildung und universitären Anforderungen als Kernproblem.
2. Schreiben als interdisziplinäres Handeln: Welchen Beitrag können Angewandte Linguistik und Soziologie zur Reflexion über die Entwicklung wissenschaftspropädeutischer Schreibkompetenz leisten?: Dieses Kapitel diskutiert die Notwendigkeit eines interdisziplinären Ansatzes, der Schreiben nicht nur als linguistisches, sondern als gesellschaftliches Handeln begreift.
3. Propädeutisches, Begriffsbestimmungen und Allgemeines: Hier werden zentrale theoretische Grundlagen wie der Textbegriff, die Geschichte des Schreibunterrichts und das Modell wissenschaftlicher Schreibkompetenz als problemlösendes Handeln dargelegt.
4. Der Schreibprozess als komplexes Selbstmanagement: Dieses Kapitel analysiert Schreiben als kognitiven Prozess und stellt bekannte Prozessmodelle vor, um die Notwendigkeit metakognitiver Steuerung hervorzuheben.
5. Der Kontext – die soziale Determiniertheit des Schreibens: Im Zentrum der Arbeit wird dargelegt, wie soziale Welten und kommunikative Stile das wissenschaftliche Schreiben beeinflussen und warum Kontextreflexion für den Erkenntnisgewinn essentiell ist.
6. Zur normorientierten Seite des Schreibens – die Produktperspektive: Dieser Abschnitt thematisiert die Rolle von Normen und Standards in der akademischen Textproduktion kritisch.
7. Zur inhaltlichen Dimension des Schreibens: Hier wird die epistemische Funktion des Schreibens betont, bei der die Textproduktion selbst zur Konstruktion von neuem Wissen beiträgt.
8. Perspektivenintegration und Schlussbetrachtung: Das Abschlusskapitel führt die verschiedenen Dimensionen des Schreibens zusammen und plädiert für eine multiperspektivische Sichtweise sowie eine verbesserte propädeutische Ausbildung.
9. Ausblick: Der Ausblick resümiert die theoretische Arbeit und fordert zukünftige empirische Studien sowie eine stärkere Verzahnung von Schule und Universität.
Wissenschaftliches Schreiben, akademische Schreibkompetenz, Schreibprozessforschung, Soziale Welten, kommunikative Stile, Textproduktion, wissenschaftspropädeutische Ausbildung, Hochschulsozialisation, Metakognition, Erkenntnisgewinn, Schreibdidaktik, Wissenschaftssprache, Intertextualität, Normkonzeption, Wissensgenerierung.
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen beim wissenschaftlichen Schreiben und entwickelt Strategien zur Förderung wissenschaftspropädeutischer Schreibkompetenz bei Jugendlichen am Übergang zur Universität.
Die zentralen Felder sind der Schreibprozess als Selbstmanagement, der Einfluss sozialer Kontexte auf die Textproduktion sowie die epistemische (erkenntnisgenerierende) Funktion des Schreibens.
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für das wissenschaftliche Schreiben zu schaffen und zu zeigen, dass die Entwicklung akademischer Schreibfähigkeit eine systematische, interdisziplinäre Förderung erfordert.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Synthese linguistischer, soziologischer und schreibdidaktischer Theorien und Ansätze.
Im Hauptteil werden der Schreibprozess, die soziale Determiniertheit des Schreibens sowie die Bedeutung von Normen und Inhalten für die Textproduktion detailliert analysiert.
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie wissenschaftliches Schreiben, Prozessorientierung, soziale Welten, Schreibkompetenz und Wissensgenerierung charakterisieren.
Es dient dazu, das Schreiben als eingebettet in spezifische soziale Erwartungen und Kommunikationsformen zu beschreiben, in denen der Schreiber erst durch die Reflexion dieser Kontexte sein volles Potential ausschöpfen kann.
Sie beschreiben eine problematische Strategie der Wissenschaftssprache, die Sprache unsichtbar zu machen, und dienen als Gegenentwurf, um die Notwendigkeit des Autors als handelndes Subjekt hervorzuheben.
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