Magisterarbeit, 2007
116 Seiten, Note: 2,1
1. Einleitung
2. Entwicklung des amerikanischen Re-education-Programmes und Errichtung der Militärregierungen
2.1 Psychologischer und psychiatrischer Ansatz
2.2 Vorbereitungen zur Errichtung der Militärregierungen
2.2.1 Planung bis 1944
2.2.2 Planung und Durchführung ab 1944
2.3 Richtlinien zur Umsetzung des Umerziehungsprogramms
2.3.1 Bayern: Die Direktiven des Jahres 1945
2.3.2 Salzburg: Das I. Alliierte Kontrollabkommen
3. Umerziehung im Bildungswesen
3.1 Der Beginn
3.1.1 Entnazifizierung an den Schulen
3.1.2 Entnazifizierung an den Hochschulen
3.1.3 Schulbücher und Curriculum
3.1.4 SWNCC 269 und das II. Alliierte Kontrollabkommen
3.2 Umstrukturierung des Bildungssystems
3.2.1 Hochschulreform
3.2.2 Zook-Kommission und Schulreform
3.3 Prioritätenwechsel
3.3.1 Von der Re-education zur Re-orientation
3.3.2 Von der Re-education zum Antikommunismus
3.3.3 Kulturstreit in Bayern
3.3.4 Laisser-Faire in Salzburg
3.4 Ergebnisse der Umerziehungsbemühungen im Bildungswesen
4. Umerziehung in außerschulischen Jugendaktivitäten
4.1 Maßnahmen der Militärregierung
4.1.1 Entnazifizierung der Jugendorganisationen
4.1.2 Jugendarbeit und Jugendförderung
4.2 Maßnahmen der Armee
4.2.1 GYA
4.2.2 AYA
4.3 Ergebnisse der Umerziehungsbemühungen durch die Jugendaktivitäten
5. Resumee
Die Arbeit untersucht vergleichend die amerikanische Umerziehungspolitik ("Re-education") für die Jugend in Bayern und Salzburg im Zeitraum von 1945 bis 1949, mit dem Ziel zu klären, warum trotz unterschiedlicher Voraussetzungen und Vorgehensweisen der Militärregierungen in beiden Regionen nahezu identische Ergebnisse erzielt wurden.
2.1 Psychologischer und psychiatrischer Ansatz
Der Ursprung des amerikanischen Programms der Re-education lag in den Theorien des Pädagogen und Philosophen John Dewey (1859-1952). Bereits 1942 verfasste er ein Werk über Deutsche Philosophie und Deutsche Politik, in dem er die Möglichkeit einer Umerziehung des deutschen Volkes erörtert. Dewey war der Ansicht, dass - ebenso wie Hitler die Deutschen auf den Weg des Nationalsozialismus gelenkt habe - es auch möglich sei, der Bevölkerung Deutschlands Demokratie zu „lehren“. Grundvoraussetzung dafür seien zum einen die völlige Beseitigung der alten Strukturen und zum anderen ein umfassender Kulturwandel der Deutschen. Dewey nimmt dabei die Amerikaner in die Pflicht, diesen Wandel herbeizuführen und nicht in einen Isolationismus wie nach dem Ersten Weltkrieg zurückzuverfallen, der dem Nationalsozialismus in Deutschland erst den Weg geöffnet habe. Eine wirkungsvolle Umorientierung des deutschen Denkens müsse auf allen Ebenen erfolgen und gerade dort einsetzen, wo die NSDAP eine besonders wirksame Steuerung der öffentlichen Meinung ausgeübt hatte. Dewey spricht sich für eine strenge, wirkungsvolle „[…] Kontrolle der Presse, der Kanzel, der öffentlichen Versammlungen, des Rundfunks, der Schule und jeder Tätigkeit der Meinungsäußerung und –bildung […] (einschliesslich, soweit möglich, der privaten Unterhaltung)“ aus.
In den Theorien Deweys wurde somit zum ersten Mal eine kulturelle Umerziehung des deutschen Volkes, weg von Nationalismus und Militarismus, hin zur Demokratie erörtert und zugleich die wichtigsten Bereiche des Einwirkens zur Durchsetzung eines effektiven Wandels dargestellt. Seiner Meinung nach sollten die erforderlichen Demokratisierungsbemühungen nach Beendigung des Krieges so angelegt werden, dass die zur erzielende Demokratie nicht nur „ […] eine Staats- sondern vielmehr eine Lebensform sei, die im Idealfall von jedem einzelnen Bürger ausgehe.“ Deweys Konzept der Neuausrichtung des deutschen Denkens durch „Umerziehung“ und Kontrolle war die Initialzündung der Umerziehungsdebatte; von seinen Thesen ausgehend wurden weitergehende Maßnahmen erörtert und diskutiert.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das "Re-education"-Programm ein, benennt die Forschungsfrage nach dem Vergleich zwischen Bayern und Salzburg und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie den Forschungsstand.
2. Entwicklung des amerikanischen Re-education-Programmes und Errichtung der Militärregierungen: Dieses Kapitel behandelt die theoretischen Grundlagen des Umerziehungsprogramms durch Vordenker wie Dewey und Lewin sowie die Planung und organisatorische Etablierung der Militärregierungen in den beiden Besatzungszonen.
3. Umerziehung im Bildungswesen: Das Kapitel analysiert die praktische Umsetzung der Umerziehung in Schulen und Hochschulen, angefangen bei Entnazifizierungsmaßnahmen über Reformversuche bis hin zum Prioritätenwechsel infolge des beginnenden Kalten Krieges.
4. Umerziehung in außerschulischen Jugendaktivitäten: Hier wird der bislang wenig beachtete Bereich der Jugendarbeit beleuchtet, einschließlich der Rolle der Militärregierung und der amerikanischen Armee bei der Förderung der organisierten und unorganisierten Jugend.
5. Resumee: Das abschließende Kapitel fasst die Maßnahmen und Ergebnisse zusammen und evaluiert, warum das ehrgeizige Ziel einer umfassenden Umerziehung trotz unterschiedlicher Voraussetzungen in beiden Zonen weitestgehend scheiterte.
Re-education, Umerziehung, Besatzungspolitik, Militärregierung, Bildungswesen, Entnazifizierung, Re-orientation, Bayern, Salzburg, Jugendorganisationen, Kalter Krieg, Demokratisierung, GYA, AYA, Schulreform.
Die Arbeit analysiert und vergleicht die amerikanische Umerziehungspolitik, bekannt als "Re-education", die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Besatzungszonen Bayern und Salzburg an der Jugend durchgeführt wurde.
Zentrale Themen sind die theoretischen Hintergründe des Umerziehungskonzepts, die Entnazifizierung im Bildungssektor, die Reformversuche des Schulsystems sowie die Einflussnahme auf die Jugend in außerschulischen Aktivitäten.
Das Ziel ist es, zu klären, warum die Ergebnisse der Umerziehungsbemühungen in den beiden geographisch und politisch unterschiedlich behandelten Gebieten am Ende trotz divergierender Herangehensweisen nahezu identisch waren.
Es handelt sich um einen deskriptiven Vergleich der Besatzungspolitik beider Zonen, wobei Akten der Militärregierungen ausgewertet und mit den ursprünglichen Zielsetzungen der Besatzungsmächte evaluiert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Bildungswesens (Schulen, Hochschulen, Lehrpläne) und der außerschulischen Jugendarbeit (durch Militärregierungen und Armee) im Zeitraum von 1945 bis 1949.
Wichtige Begriffe sind Re-education, Entnazifizierung, Demokratisierung, Militärregierung, Bildungspolitik, Bayern, Salzburg und das Re-orientation-Programm.
In Bayern agierte die Militärregierung restriktiver und versuchte, Reformen gegen Widerstände durchzusetzen. In Salzburg verlief die Besatzung liberaler, und die amerikanische Politik zog sich dort früher zugunsten eines "Laisser-Faire"-Ansatzes und des Antikommunismus zurück.
Mit der Verschlechterung der Beziehungen zur Sowjetunion ab 1947 verschob sich der Fokus: In Salzburg wurde "Re-education" zunehmend durch einen aggressiven Antikommunismus ersetzt, um die Österreicher als Partner im Kalten Krieg zu gewinnen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

