Examensarbeit, 2007
95 Seiten, Note: 2,0
Didaktik für das Fach Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen
1. Theoretische Grundlagen
1.1 Realismus in der Jugendliteratur
1.1.1 Kurzer historischer Abriss der Entwicklung des realistischen Jugendromans
1.2 Konstituenten der Mädchenliteratur
1.2.1 Das Mädchenbuch und seine Leserschaft
1.2.2 Entwicklung der Mädchenbücher: vom traditionellen Mädchenroman zur modernen, emanzipatorischen Mädchenliteratur
2. Rollenbilder im Mädchenroman der 1980er Jahre
2.1 Familiale Strukturen im Mädchenroman
2.1.1 Mutter- und Tochterbilder
2.1.2 Vater- und Männerbilder
2.1.3 Beziehung zwischen den jugendlichen Eltern und erwachsenen Jugendlichen
2.2 Konstituenten der Rolle der Protagonistin
2.2.1 Partnerschaft
2.2.2 Körperbild und weibliche Sexualität
2.2.3 Mädchenfreundschaften
2.2.4 Charakter und Identität der Protagonistinnen
3. Realisierung der Rollenbilder in Christine Nöstlingers „Gretchen Sackmeier“- Trilogie
3.1 Biographisches zu Christine Nöstlinger und kurze Charakteristik ihres Werkes
3.2 Inhaltliche Zusammenfassung der Gretchen-Trilogie
3.3 Familiale Rollenbilder
3.3.1 Das Rollenbild der Mutter
3.3.2 Die Rolle des Vaters
3.3.3 Gretchens Bruder Hänschen
3.3.4 Oma und Mädi als Gegenpole weiblicher Identität
3.4 Außerfamiliale Rollenbilder
3.4.1 Die Rolle der Freundin
3.4.2 Entscheidung zwischen zwei Rollenbildern Hinzel und Florian
3.5 Gretchen Sackmeier
Die Arbeit untersucht die Darstellung und Entwicklung von Rollenbildern in der realistischen Mädchenliteratur der 1980er Jahre am Beispiel von Christine Nöstlingers „Gretchen Sackmeier“-Trilogie, um den Einfluss gesellschaftlicher Veränderungen auf diese Literaturform aufzuzeigen.
3.3.1 Das Rollenbild der Mutter
Die Gretchen-Trilogie bietet verschiedene Mutterbilder an. Im Zentrum steht Gretchens Mutter, Elisabeth Sackmeier, die gleich zu Beginn der Geschichte eine große Veränderung vollzieht. Auslöser dieser Veränderung ist ein Klassentreffen, 15 Jahre nach dem Abitur der Mutter. Verglichen mit dem Alter Gretchens, sie ist zu Beginn 14 Jahre, lässt sich die Vergangenheit der Mutter rekonstruieren. Elisabeth, die gleich nach ihrem Schulabschluss schwanger geworden ist und inzwischen 3 Kinder hat, ist erst 33 Jahre alt. Das zu Beginn geschilderte Mutterbild lässt, im Gegensatz zum Alter der Mutter vermuten, man habe es mit einer wesentlich älteren Frau zu tun, so z.B. wenn die Nachbarsfamilie die Mutter beim Einsteigen in den Sackmeierschen Mini Cooper beschreibt: Wetten, dass die Sackfrau heute nicht durch das Mini-Türl reinkommt (I, S. 18), oder in der Beschreibung der Lieblingsbeschäftigung der Mutter, dem Cremetortenbacken, dem sie ihre volle kreative Energie widmet:
Manchmal machte sie eine Torte aus drei verschiedenen Teigarten und füllte sie mit zwei verschiedenen Cremesorten und verzierte sie mit Marzipan und kandierten Kirschen. Ganz ohne irgendeinen Anlass machte sie das. (I, S. 19)
Die Mutter, die zu Beginn das Klischee des traditionellen Mutterbildes verkörpert, wird sich ihrer Frustriertheit erst bewusst, als sie in Form des Klassentreffens mit ihrer Vergangenheit und so mit der Diskrepanz zwischen ihren einstigen Träumen und der jetzigen Realität konfrontiert wird.
1. Theoretische Grundlagen: Erläutert die Debatte um Realismus in der Jugendliteratur und die historische Entwicklung der Mädchenliteratur hin zur Emanzipation.
2. Rollenbilder im Mädchenroman der 1980er Jahre: Analysiert den soziologischen Begriff der Rolle und überträgt ihn auf familiale Strukturen sowie auf die Konstituenten der Protagonistinnen.
3. Realisierung der Rollenbilder in Christine Nöstlingers „Gretchen Sackmeier“- Trilogie: Untersucht konkret anhand der Romantrilogie, wie Mutter-, Vater- und weitere Rollenbilder im Kontext der 1980er Jahre realisiert werden.
Mädchenliteratur, 1980er Jahre, Christine Nöstlinger, Gretchen Sackmeier, Rollenbilder, Emanzipation, Realismus, Adoleszenz, Familienstrukturen, Identitätssuche, Geschlechterrollen, Jugendliteraturforschung, Partnerwahl, Selbstverwirklichung.
Die Arbeit analysiert die Wandlung und Ausgestaltung von männlichen und weiblichen Rollenbildern sowie Familienstrukturen in der realistischen Mädchenliteratur der 1980er Jahre.
Im Fokus stehen die familiale Situation, die Suche nach weiblicher Identität, der Einfluss der Emanzipation auf Jugendliche und die partnerschaftlichen Konzepte in der Jugendliteratur.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Christine Nöstlingers Gretchen-Trilogie als typisches Beispiel für den realistischen Mädchenroman der 80er Jahre fungiert und moderne Rollenmuster thematisiert.
Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Analyseansätze, um Rollenbilder und deren gesellschaftliche Einbettung im Kontext des Realismus und der Adoleszenzliteratur zu dekonstruieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine Analyse der Rollenbilder im Genre allgemein und eine spezifische Untersuchung der Gretchen-Trilogie hinsichtlich der Rollen von Mutter, Vater, Bruder und der Protagonistin selbst.
Wesentliche Begriffe sind Mädchenliteratur, Emanzipation, Realismus, Adoleszenz, Rollenbilder und Identitätsentwicklung.
Die Mutter durchlebt einen Emanzipationsprozess, der sie von der traditionellen Hausfrau zur Sozialarbeiterin und Freundin wandelt, was die familiäre Struktur stark belastet.
Florian repräsentiert den konventionellen, machohaften Typus, während Hinzel als unkonventioneller, empathischer „Softie“ dargestellt wird, an dem sich die Suche Gretchens nach modernen Werten entzündet.
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