Bachelorarbeit, 2017
45 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Die methodologische Grundlage Bourdieus für die Entwicklung des Habitus
2.1 Der Konflikt der Distanz zum Forschungsgegenstand
2.2 Die Schwierigkeiten des Objektivismus und Subjektivismus
2.3 Die praxeologische Erkenntnisweise als Lösungsvorschlag
3. Die Habitus-Theorie als Erklärung für das soziale Verhalten von Gruppen
3.1 Die Definition und Funktion des Habitus
3.2 Die Entstehung kultureller Unterschiede
3.3 Bourdieus Anwendung des Konzepts in der empirischen Forschung
4. Weiterführende Rezeption: Beispiele aus dem Alltag
4.1 Der Körper in der Soziologie: Programmieren
4.2 Die Musik als Legitimationsmittel für Geschmack
5. Ein kritischer Ausblick
6. Fazit
Diese Bachelorarbeit verfolgt das Ziel, den Habitus-Ansatz von Pierre Bourdieu zu analysieren, um dessen Erklärungspotenzial für das soziale Verhalten von Gruppen sowie die Entstehung kultureller Unterschiede kritisch zu bewerten. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie objektive Strukturen und individuelle Praxis durch den Habitus vermittelt werden und wie dieser soziale Prozesse prägt.
3.1 Die Definition und Funktion des Habitus
Der Ausdruck „Habitus“ im bourdieuschen Sinn beschreibt die Stellung eines Subjekts innerhalb der sozialen Welt. Diese Positionierung impliziert die Lebensweise, Einstellungen, Werte und Gewohnheiten des Individuums, wodurch sein Handeln und Denken erfasst werden. Dabei agiert der Mensch weder aufgrund seiner inneren Selbstbestimmung, wie es beim Subjektivismus der Fall ist, noch nach festgelegten Normen, wie bei der objektivistischen Theorie. Demgegenüber ist das Innere des Subjekts durch Vergesellschaftung geformt, infolgedessen das Individuum beschränkte Verhaltens- und Denkmuster aufweist, die im Rahmen der sozialen Praxis mitwirken.
Bourdieu verwendet den Begriff des Habitus nicht als Merkmal der Individualität eines Subjekts, sondern das Individuelle ist immer mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten verbunden. Er spiegelt somit die Subjektivität der Sozialisation wider. Dadurch unterliegt der Habitus eines Individuums der ständigen Wechselbeziehung zwischen subjektiven Zielvorstellungen und objektiven Gelegenheiten. Zum Beispiel kann ein Mensch mithilfe seines eigenen Ehrgeizes die Aussicht auf einen hohen Schulabschluss in Erwägung ziehen oder er richtet seine Handlungen nach den objektiven Optionen aus, ohne ein subjektives Ziel vor Augen zu haben.
Neben dem gesellschaftlichen Kriterium hängt der Habitus auch von historischen Bedingungen ab, zumal er nicht seit Geburt vorhanden ist, sondern sich aus individuellen und kollektiven Erfahrungen zusammenfügt. Entsprechend der Erklärung von Bourdieu legt der Akteur auf Grund seiner erlebten Primärerfahrungen eine praktische Beurteilung fest, welche die Habitusformen generiert. All dies ist zudem an den jeweiligen ökonomischen und sozialen Konditionen, wie zum Beispiel Verbote oder Vorlieben, die in einer Familie vorgelebt werden, gebunden. Mit anderen Worten wird einem Menschen, der in einer bestimmten Familie unter den dazugehörigen kulturellen Mitteln groß wird, die Möglichkeiten oder die Grenzen bei Wahrnehmungen oder Handlungen vorgegeben, die sich aber in seinem zukünftigen Leben noch ändern können. Dem Habitus an sich widerfährt keine Veränderung und neue Erfahrungen werden mit aufgenommen. Generell zeichnet er sich durch eine gewisse Stabilität aus, indem er versucht die vertrauten Zustände zu bewahren.
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die biografischen Hintergründe von Pierre Bourdieu und führt in die Fragestellung ein, inwiefern sein Habitus-Konzept das soziale Verhalten von Gruppen erklären kann.
2. Die methodologische Grundlage Bourdieus für die Entwicklung des Habitus: Dieses Kapitel erörtert die Grenzen von Objektivismus und Subjektivismus und stellt Bourdieus praxeologische Erkenntnisweise als integrierende Alternative vor.
3. Die Habitus-Theorie als Erklärung für das soziale Verhalten von Gruppen: Hier werden Definition und Funktion des Habitus sowie der Einfluss von Kapitalsorten und Klassenstrukturen auf die Entstehung kultureller Unterschiede theoretisch und empirisch untersucht.
4. Weiterführende Rezeption: Beispiele aus dem Alltag: Das Kapitel veranschaulicht die praktische Anwendbarkeit der Habitus-Theorie anhand von Fallbeispielen aus der Arbeitswelt und der musikalischen Geschmackskultur.
5. Ein kritischer Ausblick: Diese Sektion setzt sich mit zentralen Kritikpunkten an der Praxistheorie auseinander, insbesondere mit dem Vorwurf des Determinismus, der mangelnden zeitlichen Flexibilität und der Vernachlässigung von Emotionen.
6. Fazit: Das Fazit resümiert die theoretische Fruchtbarkeit von Bourdieus Konzept, weist jedoch auf notwendige Überarbeitungen hin, um den Anforderungen einer hochgradig differenzierten modernen Gesellschaft gerecht zu werden.
Pierre Bourdieu, Habitus, Praxistheorie, Soziales Feld, Soziale Klasse, Kulturelles Kapital, Geschmack, Lebensstil, Distinktion, Inkorporierung, Sozialisation, Sozialer Sinn, Sozialstruktur, Soziale Ungleichheit, Körpersoziologie
Die Arbeit untersucht das Habitus-Konzept von Pierre Bourdieu und dessen Eignung, das soziale Verhalten von Gruppen sowie die Herausbildung kultureller Differenzen zu erklären.
Die zentralen Themen umfassen die Praxistheorie, die Rolle von Kapitalformen, die Dynamik von Geschmack und Lebensstilen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der soziologischen Rezeption Bourdieus.
Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern der Habitus-Ansatz das soziale Verhalten von Gruppen erklären kann und wie die theoretischen Annahmen in der empirischen Forschung Anwendung finden.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturrecherche und der kritischen Rekonstruktion von Bourdieus Schriften sowie soziologischer Anschlussdiskurse basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die methodologischen Grundlagen, die theoretische Ausarbeitung des Habitus, eine empirische Veranschaulichung anhand von Beispielen (Programmieren, Musik) und eine kritische Diskussion.
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Habitus, Praxistheorie, kulturelles Kapital, soziale Distinktion und Lebensstil charakterisieren.
Bourdieu nutzt den Nahrungsmittelkonsum, um aufzuzeigen, wie Klassenlagen durch einen „Notwendigkeitsgeschmack“ der Unterschicht im Vergleich zum „Luxusgeschmack“ der höheren Klassen den Körper und die Lebensführung prägen.
Kritiker werfen Bourdieu vor, Artefakte nur auf ihren Statuswert zu reduzieren, während sie für Individuen eine tiefere, persönliche Bedeutung und emotionale Bindung besitzen, die über bloße Klassensymbole hinausgeht.
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