Diplomarbeit, 2000
104 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1 Zur Anthropozentrik Ludwig Feuerbachs (1804 - 1872)
1.1 Die „Rückholung Gottes“ auf die Erde
1.2 Eine Religion der Liebe in Form eines sozialen Humanismus
2 Überblick über Leben und Werk von Günter Grass
2.1 Ein Leben als Ehrung eines Autors
2.2 Politisches Engagement: Sozialdemokratie und christliche Perspektiven
3 Die Danziger Trilogie: Die Blechtrommel, Katz und Maus, Hundejahre
3.1 Hintergrund und Entstehung
3.2 Die Blechtrommel: Roman über den Antichristen?
3.2.1 Konzeption eines Gegenmessias’
3.2.2 Nachfolge und Jüngerschar
3.2.3 Der Dritte Prozess Jesu
3.2.4 Obszönitäten, Respektlosigkeiten und moralische Bedenken
3.3 Katz und Maus: eine Messiaserzählung?
3.3.1 Der scheiternde „zweite Adam“
3.3.2 Ödipaler Marienkult als Gottesersatz
3.4 Hundejahre: Moralismus oder Blasphemie?
3.4.1 Frühschichten
3.4.2 Liebesbriefe
3.4.3 Materniaden
3.4.4 Gottsucher Walter Matern und Erlöser Eduard Amsel
Schluss: Grass’ Auseinandersetzung mit dem Menschlichen und dem Göttlichen
Die Diplomarbeit untersucht die religionskritischen Elemente in Günter Grass’ „Danziger Trilogie“ unter besonderer Berücksichtigung der anthropozentrischen Philosophie von Ludwig Feuerbach. Ziel ist es, die Konfrontation des Irdischen mit dem Göttlichen und den Aspekt des Humanismus in den ausgewählten Romanen zu analysieren, um zu klären, inwieweit Grass das Christliche in Frage stellt oder als soziale Komponente neu interpretiert.
3.2.1 Konzeption eines Gegenmessias’
Die Figur des Oskar Matzerath ist im Grunde genommen recht ambivalent angelegt. Mag der Leser einerseits vielleicht von Anfang an einige Sympathie für den Erzähler, der in heiterer bis amüsanter Weise seine Geschichte erzählt, hegen, so wirft bereits der erste Satz des Romans einen kleinen Schatten auf diese Figur: „Zugegeben: ich bin Insasse einer Heil und Pflegeanstalt, mein Pfleger beobachtet mich, läßt mich kaum aus dem Auge; denn in der Tür ist ein Guckloch, und meines Pflegers Auge ist von jenem Braun, welches mich, den Blauäugigen, nicht durchschauen kann“ (BT, 7). Man weiß bis zu den letzten Kapiteln nicht, warum und wie Oskar in diese Anstalt gelangt ist, aber der Umstand, dass der Erzähler aus dieser Sicht heraus - noch dazu „blauäugig“! - agiert, führt von vorne herein dazu, alles, was von ihm in weiterer Folge an Informationen an den Leser vermittelt wird, zu hinterfragen.
Volker Neuhaus meint dazu: Wenn Oskar am Ende seines Buches von seiner ,fragwürdige[n] Existenz’ [.] spricht, so ist das, ähnlich den mythischen Parallelen, eine Aufforderung, über ihn nachzudenken, sich mit Oskar die Frage zu stellen, ob man bereit ist, in ihm ,einen Menschen zu sehen’[.].
Doch Oskar ist nicht nur ein vermeintlich psychisch Kranker, er ist in gewissem Sinne auch eine diabolische Figur, ein Gnom, der das Teuflische in sich bewahrt und von Zeit zu Zeit mit Christus zu konkurrieren versucht.
Einleitung: Der Autor erläutert seine Motivation, das Werk von Günter Grass aus der Perspektive seiner beiden Studienfächer Religionspädagogik und Germanistik zu untersuchen.
1 Zur Anthropozentrik Ludwig Feuerbachs (1804 - 1872): Dieses Kapitel bietet eine philosophische Grundlage über Feuerbachs Religionskritik und die Rückholung Gottes auf die Erde.
2 Überblick über Leben und Werk von Günter Grass: Es wird die Biographie des Autors beleuchtet, insbesondere seine politische Entwicklung und sein Verhältnis zur Sozialdemokratie.
3 Die Danziger Trilogie: Die Blechtrommel, Katz und Maus, Hundejahre: Der Hauptteil der Arbeit untersucht die drei Romane im Hinblick auf religionskritische und messianische Züge sowie deren Bezug zum Feuerbachschen Menschenbild.
Schluss: Grass’ Auseinandersetzung mit dem Menschlichen und dem Göttlichen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert Grass’ kritische Haltung gegenüber kirchlichen Institutionen und dem christlichen Glaubensverständnis.
Günter Grass, Danziger Trilogie, Ludwig Feuerbach, Religionskritik, Anthropozentrik, Messias, Sozialdemokratie, Christentum, Existentialismus, Schuld, Erlösung, Humanismus, Oskar Matzerath, Joachim Mahlke, Walter Matern
Die Arbeit untersucht religionskritische Aspekte in Günter Grass’ „Danziger Trilogie“ und setzt diese in Beziehung zur Philosophie von Ludwig Feuerbach.
Zentrale Themen sind die menschliche Konfrontation mit dem Göttlichen, das Konzept des Messias in der Literatur sowie die Verbindung zwischen sozialdemokratischem Engagement und christlichen Werten.
Das Ziel ist eine literaturwissenschaftliche Analyse, die klärt, ob Grass’ Werke als bloße Religionskritik oder als Suche nach einer säkularisierten Sinnhaftigkeit zu verstehen sind.
Der Autor nutzt vorwiegend eine textimmanente Interpretationsmethode unter Berücksichtigung des anthropozentrischen Materialismus von Ludwig Feuerbach als Vergleichsfolie.
Der Hauptteil analysiert die drei Romane „Die Blechtrommel“, „Katz und Maus“ und „Hundejahre“ und untersucht die Hauptfiguren Oskar Matzerath, Joachim Mahlke und Walter Matern hinsichtlich ihrer messianischen und blasphemischen Züge.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Religionskritik, Anthropozentrik, Humanismus und Vergangenheitsbewältigung.
Obwohl es keine direkten schriftlichen Belege für eine Orientierung Grass’ an Feuerbach gibt, dient dessen materialistische Sichtweise, in der der Mensch den Mittelpunkt darstellt, als idealer Rahmen für die Analyse von Grass’ säkularer Religionskritik.
Die Arbeit betont, dass Sexualität in der Trilogie oft als Gegenentwurf zur kirchlichen Moral dargestellt wird und eng mit der Identitätssuche der Protagonisten verknüpft ist.
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