Examensarbeit, 2008
98 Seiten, Note: 1,0
1 Autismus
1.1 Begriffklärung und historische Betrachtung
1.2 Autismus als tiefgreifende Entwicklungsstörung
1.3 Diagnostische Merkmale des autistischen Syndroms
1.3.1 Soziale Interaktion
1.3.2 Kommunikation
1.3.3 Stereotypien und Sonderinteressen
1.3.4 Kognitive Fähigkeiten
1.3.5 Verhaltensauffälligkeiten
1.4 Zugehörige Merkmale und Störungen
1.5 Differentialdiagnose
1.6 Epidemiologie
1.7 Der Verlauf des autistischen Syndroms
1.8 Prognose
1.9 Ursachen
2 Der Spracherwerb
2.1 Lautäußerungen im Säuglingsalter
2.2 Die Lallphase
2.3 Erste bedeutungstragende Lautgebilde und Holophrasen
2.4 Beginn der Zweiwortsätze
2.5 Erste Mehrwortsätze
2.6 Haupt- und Nebensatzkonstruktionen
3 Auffälligkeiten im Sprachverständnis und Sprachgebrauch
3.1 Kommunikation über Entfernungen
3.2 Sprachverständnis
3.3 Echolalie
3.3 Pronominale Umkehr
3.4 Paraphrasien und Neologismen
4 Sprachliche Förderung- lebenslange Förderung
4.1 Früherkennung und Frühförderung
4.2 Förderung im Elternhaus
4.2 Schulische Förderung
4.2.1 Inhalte der schulischen Förderung
4.3 Berufliche Förderung
4.4 Leben außerhalb des Elternhauses
5 Ansätze zur Förderung
5.1 Verhaltenstherapie
5.1.1 Applied Behavior Analysis (ABA)
5.1.2 Der TEACCH-Ansatz
5.1.3 Das Bremer Elterntrainingsprogramm (BET)
5.1.4 Die kommunikative Sprachtherapie
5.2 Körperbezogene Therapieansätze
5.2.1 Sensorische Integrationstherapie
5.2.2 Psychomotorik
5.2.3 Audiosensorische Therapie
5.3 Psychotherapeutische Förderansätze
5.3.1 Die Aufmerksamkeits-Interaktions-Therapie (AIT)
5.3.2 Festhaltetherapie
5.4 Förderung von nonverbalen Kommunikationsformen
5.5 Ergänzende Maßnahmen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, Möglichkeiten der sprachlichen Förderung bei Kindern mit Autismus aufzuzeigen. Da Autismus ein lebenslanges Syndrom ist, wird dabei der Fokus nicht nur auf das Kindesalter, sondern auf eine lebenslange Förderperspektive gelegt, um den Betroffenen ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen.
1.1 Begriffklärung und historische Betrachtung
Die etymologische Wurzel des Begriff „Autismus“ liegt im griechischen Wort „autós“, das übersetzt „selbst“, „eigen“ oder „persönlich“ bedeutet. Wortwörtlich versteht man unter „Autismus“ also eine „Ich-Bezogenheit“ oder „Zurückgezogenheit auf sich selbst.“ Der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler verwendete diesen Ausdruck erstmals 1911 für schizophrene Menschen, die sich von der Umwelt abkapselten und in ihre psychische Welt zurückzogen.
Der amerikanische Kinder- und Jugendpsychiater Leo Kanner und der österreichische Kinderarzt Hans Asperger beobachteten 1943 und 1944 unabhängig voneinander eine Gruppe von Kindern mit schweren Beziehungs- und Kommunikationsstörungen.
Kanner bezeichnete diese Kinder als „frühkindliche Autisten“ und beschrieb folgende Kardinalsymptome: Die Kinder kapseln sich von ihrer personalen Umwelt ab und beharren auf Gleicherhaltung der dinglichen Umwelt, sowohl in der räumlichen als auch in der zeitlichen Dimension. Mit diesen Grundstörungen hängen Beeinträchtigungen oder Auffälligkeiten der Sprache wie Echolalie, pronominale Umkehr und Wortneuschöpfungen zusammen. Darüber hinaus weisen die betroffenen Kinder häufig Bewegungsstereotypien und bizarre Bewegungsabläufe auf. Häufig sind sie erheblich retardiert oder verfügen über ein sehr uneinheitliches Intelligenzniveau. Ihr Gefühlsleben wirkt oft disharmonisch, sie neigen zu Wutausbrüchen oder apathischem Verhalten, viele Kinder leiden unter Ängsten. Häufig zeigen die Betroffenen Sonderinteressen auf unterschiedlichem kognitivem Niveau. Des Weiteren ist ihr Spielverhalten eher stereotyp, sie erkennen oft den Aufforderungscharakter des Spielzeugs nicht.
1 Autismus: Das Kapitel bietet eine begriffliche und historische Einordnung des autistischen Syndroms, beleuchtet die diagnostischen Kriterien und grenzt verschiedene Störungsbilder ab.
2 Der Spracherwerb: Hier wird der normale Spracherwerb von Kleinkindern beschrieben, um darauf basierend die spezifischen Verzögerungen und Störungen bei autistischen Kindern aufzuzeigen.
3 Auffälligkeiten im Sprachverständnis und Sprachgebrauch: Dieses Kapitel analysiert zentrale sprachliche Defizite wie Echolalie, pronominale Umkehr und Schwierigkeiten in der pragmatischen Kommunikation.
4 Sprachliche Förderung- lebenslange Förderung: Die Arbeit betont die Notwendigkeit einer frühzeitigen und lebenslangen Förderung in verschiedenen Lebensbereichen wie dem Elternhaus, der Schule und im Berufsleben.
5 Ansätze zur Förderung: Ein detaillierter Überblick über diverse Therapiemethoden, einschließlich verhaltenstherapeutischer, körperbezogener und psychotherapeutischer Ansätze.
Autismus, Autistisches Syndrom, Sprachliche Förderung, Kommunikation, Echolalie, Pronominale Umkehr, Frühförderung, Verhaltenstherapie, TEACCH-Ansatz, Sensorische Integration, Psychomotorik, Sonderinteressen, Frühkindlicher Autismus, Sprachverständnis, Integration
Die Arbeit untersucht das autistische Syndrom mit einem spezifischen Fokus auf die sprachlichen Beeinträchtigungen und die daraus resultierenden Notwendigkeiten für eine lebenslange Förderung.
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Definition von Autismus, dem Vergleich von normalem und autistischem Spracherwerb sowie einer umfassenden Darstellung verschiedener Therapie- und Fördermethoden.
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie autistische Menschen in ihrer Sprachentwicklung und Kommunikation individuell gefördert werden können, um eine bestmögliche gesellschaftliche Teilhabe und Selbstständigkeit zu erreichen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Forschungsberichte, Studien und Klassifikationssysteme (wie ICD-10 und DSM-IV), um den aktuellen Stand der Autismusforschung zusammenzufassen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das Störungsbild, den Spracherwerb, eine genaue Analyse sprachlicher Auffälligkeiten sowie eine detaillierte Vorstellung zahlreicher pädagogischer und therapeutischer Förderansätze.
Wesentliche Begriffe sind Autismus, Sprachförderung, Kommunikation, Verhaltenstherapie, TEACCH, Sensorische Integration, Festhaltetherapie und schulische/berufliche Integration.
Die Eltern werden als Experten für ihr Kind angesehen, deren Einbeziehung für den Erfolg der Therapie entscheidend ist, da sie das Kind im Alltag begleiten und die im therapeutischen Setting erlernten Strategien in den häuslichen Kontext übertragen können.
Die Arbeit nimmt eine sehr kritische Haltung gegenüber der Festhaltetherapie ein und führt Argumente von Experten wie Georg Feuser an, die das Verfahren aufgrund der Verletzung der Würde des Kindes und der möglichen negativen Auswirkungen auf die psychische Struktur ablehnen.
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