Masterarbeit, 2020
166 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
Teil I: Theoretische Grundlagen
1. Geborgenheit und Ungeborgenheit
1.1 Der Begriff der Geborgenheit
1.2 Geborgenheit als universelles Bedürfnis
1.3 Geborgenheitsgewichtung in verschiedenen Lebensabschnitten
1.4 Ungeborgenheit
1.5 Überwindung von Ungeborgenheit
2. Grundbedingungen für Geborgenheit
2.1 Bindungstheorie nach Bowlby und Ainsworth
2.2 Die „fördernde Umwelt“ nach Donald Winnicott
2.2.1 Von der Abhängigkeit zur Unabhängigkeit
2.2.2 Übergangsobjekte
2.2.3 Die Entwicklung eines Glaubens nach Winnicott
2.3 Modifikation frühkindlicher Erfahrung
3. Zwischenfazit
4. Spiritualität
4.1 Blick aus der Wissenschaft auf die Spiritualität
4.2 Relevante Definitionen von Spiritualität für diese Arbeit
4.3 Spiritualität und Religion in Deutschland
4.3.1 Spiritualität und Religion im Wandel der Zeit
4.3.2 Spiritualität und Religiösität in Deutschland heute – Statistische Erhebungen
4.4 Spirituelle Wege aus der Ungeborgenheit
4.4.1 Geborgenheit durch den Glauben
4.4.2 Christlicher Ansatz zum Umgang mit Leid als Form der Ungeborgenheit
4.4.3 Buddhistischer Ansatz zum Umgang mit Leid, als Form der Ungeborgenheit
4.4.4 Spirituelle Praxis: Geborgenheit durch Meditation
4.4.5 Spiritualität und Gesundheit/Resilienz als ein Weg aus der Ungeborgenheit
4.4.6 Spiritualität und der Einfluss der Psychologie
5. Zusammenfassung und Vorbereitung für die qualitative Forschung
6. Untersuchung
6.1 Ziel der Untersuchung
6.2 Methode: Qualitative Inhaltsanalyse
6.3 Das leitfadengestützte Interview
6.3.1 Erstellung des Leitfadens
6.3.2 Auswahl der Interviewpartner*innen
6.3.3 Teilnehmendenbeschreibung
6.3.4 Durchführung und Setting
6.4 Vorbereitung der Auswertung: Inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse
6.5 Kategorienbasierte Auswertung
6.5.1 Selbstbeschreibung
6.5.2 Assoziationen Geborgenheit
6.5.3 Geborgenheit Kindheit
6.5.4 Innere Geborgenheit
6.5.5 Methoden Selbstwirksamkeit
6.5.6 Faktoren für das erfolgreiche Zurückgreifen auf Innere Geborgenheit
6.5.7 Herausforderungen für das erfolgreiche Zurückgreifen auf Innere Geborgenheit
6.5.8 Quelle: Spiritualität oder Psychologie?
6.5.9 Bezug zur Bindungstheorie?
7. Zusammenfassung und Ausblick
7.1 Zusammenfassung
7.2 Reflexion der Methodologie
7.3 Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie spirituelle Menschen in Momenten der Ungeborgenheit auf ihre innere Geborgenheit zugreifen und welche Rolle dabei ihr Glaube, ihre Spiritualität sowie psychologische Konzepte spielen. Die Forschungsfrage fokussiert auf die Verankerung dieser Geborgenheit und ihre dynamische Entwicklung bei emotionalen Herausforderungen.
1.1 Der Begriff der Geborgenheit
Auf der Suche nach dem Ursprung des Begriffes Geborgenheit fällt auf, dass dieses Wort von Autor*innen (Mogel 1995/2016; Baer/Frick-Baer 2012; Reuter 2013; Wahrig 2017) in erster Linie umschrieben wird und kaum etwas zur Etymologie und zum Ursprungs dieses Wortes zu finden ist. Nach meinen Recherchen haben lediglich Ahlborn und in Ansätzen auch Mogel etwas zur Etymologie des Wortes geschrieben. Laut Ahlborn (1986, S. 11) lässt sich das Wort auf das vorgermanische „bherg“ zurückführen, das bedeute „sich irgendwo in Sicherheit niederlegen“. Zudem bezieht es sich auf das gotische „bairgan“, was „bewahren“ meint, sowie auf das althochdeutsche „bergan“ und das mittelhochdeutsche „bergen“, dessen germanische Wurzeln im „berg“ und in der „burg“ liegen. Mogel greift die Worte „borgen“ und „bürgen“ heraus und verweist auf den Sicherheitsbezug dieser Begriffe (vgl. Mogel 1995, S.28). Auch der Berg beinhaltet nach Mogel einerseits einen bergenden Moment. Zum anderen kann dieser allerdings auch Gefahren und somit ein Gefühl der Ungeborgenheit auslösen (vgl. Mogel 2016, S. 7; mehr dazu in Kapitel 1.4). Das Adjektiv `geborgen` kann ebenso mit einem Gefühl der Sicherheit einhergehen, aber auch verwendet, wenn Menschen z.B. nach einem Unfall sicher „geborgen“ werden.
Laut dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) beschreibt Geborgenheit „ein Gefühl, sicher und gut aufgehoben zu sein in einem Umfeld enger Verbundenheit.“ (Wahrig 2017), die Psycholog*innen Baer/Frick-Baer erläutern die Schwierigkeit das Wort wissenschaftlich zu benennen, indem sie sagen: „Geborgenheit ist nicht messbar, aber wir erleben [...] Wir würden sie am ehesten als eine emotionale Befindlichkeit beschreiben, an der maßgebliche Erfahrungen mit anderen Menschen beteiligt sind“ (2012, S. 11). Nach Mogel handelt es sich bei dem Gefühl der Geborgenheit um ein „positives, förderliches Grundgefühl“, das ganzheitlich, also psychisch und körperlich erlebt wird, existentiell das Überleben sichert und somit bereits in der Evolutionsgeschichte des Homo Sapiens verankert ist (vgl. Mogel 2016, S.3/S. 80ff.; Mogel 1996 S.6).
1. Geborgenheit und Ungeborgenheit: Dieses Kapitel definiert den Kernbegriff der Arbeit, untersucht Geborgenheit als universelles Bedürfnis und beleuchtet das Gegenstück, die Ungeborgenheit.
2. Grundbedingungen für Geborgenheit: Hier werden bindungstheoretische Ansätze (Bowlby/Ainsworth) und das Modell der fördernden Umwelt (Winnicott) vorgestellt, um die Grundlagen emotionaler Sicherheit zu verstehen.
3. Zwischenfazit: Eine Synthese der theoretischen Grundlagen, die verdeutlicht, dass Geborgenheit ein dynamischer Prozess und kein linearer Zustand ist.
4. Spiritualität: Dieses Kapitel widmet sich dem Verständnis von Spiritualität in Deutschland und untersucht, wie christliche und buddhistische Ansätze als Auswege aus der Ungeborgenheit dienen.
5. Zusammenfassung und Vorbereitung für die qualitative Forschung: Ein Brückenschlag, der die theoretischen Erkenntnisse für die anstehende empirische Untersuchung strukturiert.
6. Untersuchung: Das Kernstück der Arbeit: Es beschreibt das Ziel, die qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz und das Vorgehen bei den leitfadengestützten Experteninterviews.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Hier werden die Forschungsergebnisse reflektiert, die Methodik kritisch hinterfragt und zukünftige Forschungsbedarfe identifiziert.
Geborgenheit, Ungeborgenheit, Spiritualität, Bindungstheorie, Donald Winnicott, Qualitative Inhaltsanalyse, Meditation, Achtsamkeit, christlicher Glaube, Buddhismus, Resilienz, Selbstwirksamkeit, emotionale Sicherheit, Existenzielle Sinnsuche, Interviewforschung.
Die Arbeit untersucht das menschliche Bedürfnis nach Geborgenheit und wie spirituelle Menschen diesen Zustand in Momenten der Unsicherheit oder Ungeborgenheit aktiv herstellen oder wiederfinden.
Die zentralen Themen umfassen die Bindungstheorie, das Konzept der "fördernden Umwelt" nach Winnicott, die Rolle der Spiritualität (insb. Christentum und Buddhismus) sowie die psychologische Resilienz.
Das Ziel ist es, mittels qualitativer Interviews herauszufinden, wie spirituelle Menschen ihre innere Geborgenheit erfahren und auf welche Weise sie in Momenten der Ungeborgenheit auf diese zurückgreifen können.
Die Arbeit nutzt die qualitative Inhaltsanalyse nach Udo Kuckartz sowie leitfadengestützte Experteninterviews mit vier spirituell geprägten Personen.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über Bindung, Spiritualität und Psychologie sowie einen empirischen Teil, der die Interviews auswertet und kategorisiert.
Geborgenheit, Spiritualität, Bindungstheorie, Meditation, Resilienz und qualitative Forschung.
Während im Christentum der Glaube an einen Gott und das Vertrauen in dessen Begleitung im Leid im Vordergrund steht, zielt der Buddhismus auf die Überwindung des Leids durch Einsicht, Achtsamkeit und die Auflösung von Anhaftungen mittels Meditation ab.
Übergangsobjekte helfen dem Kleinkind bei der Ablösung von der Mutter und unterstützen die Entwicklung von Autonomie, indem sie in Abwesenheit der Bezugsperson Sicherheit und Halt vermitteln.
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