Bachelorarbeit, 2020
39 Seiten, Note: 1
A. Einleitung
B. Begriffsbestimmung
I. Diskurs
II. Dispositiv
III. Subjekt
C. Sexualität, Repression und Norm
I. Die Gestalt der Repression
II. Normen der Sexualität und die sich entfaltende Macht
D. Die Macht und das Wissen
I. Der Zwang des Geständnisses
E. Der Wille zum Wissen
I. Die sich verschleiernde Macht
II. Die Macht als Handlung
III. Die Produktion der Sexualität
F. Die Macht des Lebens
G. Konklusion
H. Bibliographie
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Macht, Wissen und dem Subjekt im Kontext der westlichen Gesellschaftsstruktur unter Anwendung der Analysen Michel Foucaults, insbesondere dessen Werk "Der Wille zum Wissen". Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Macht nicht als rein unterdrückende Instanz, sondern als formende Kraft wirkt, die durch Diskurse über Sexualität Subjekte produziert und Dispositive etabliert.
I. Die Gestalt der Repression
»Um den Sex breitet sich Schweigen. Das legitime, sich fortpflanzende Paar macht Gesetz. Es setzt sich als Modell durch, es stellt die Norm auf und verfügt über die Wahrheit, es bewahrt das Recht zu sprechen, in dem es sich das Prinzip des Geheimnisses vorbehält.«
Das Aufstellen einer Norm, die das Sagbare und das Unsagbare über den Sex definiert, ist ein tragendes Element des Diskurses der Repression der Sexualität. Foucault lässt seine Anschauung im 17. Jahrhundert beginnen, welches generell als dasjenige wahrgenommen wird, in welchem die Unterdrückung ihren Ausgang findet und es durch Verbote, durch Kontrolle, schwierig geworden ist, über den Sex sprechen zu können und ferner angenommen wird, dass die entstandenen, repressiven Strukturen sich bis heute erhalten haben. Bei der Betrachtung dieser Entwicklung entsteht jedoch ein paradox erscheinendes Bild, denn obgleich eine Zensur des Sprechens über den Sex zu beobachten ist, nehmen gleichzeitig die Diskurse über diesen zu:
»[...] institutioneller Anreiz, über den Sex zu sprechen, und zwar immer mehr darüber zu sprechen, von ihm sprechen zu hören und ihn zum Sprechen zu bringen in ausführlicher Erörterung und endloser Detailanhäufung.«
Das Bestehen zweier differenter, sich wechselseitig bedingender Prozesse kann hierbei beobachtet werden. Auf der einen Seite wird der Sex in einer gewissen Art tabuisiert, eine Norm des Sprechens über ihn wird aufgestellt, gleichzeitig wird auf der anderen Seite verlangt, dass von dem Sex gesprochen wird, er ins Licht gestellt wird, um ihn analytisch betrachten zu können. Der Diskurs um den Sex erscheint somit in einer eigentümlichen Gestalt: Nicht wird das Reden über den Sex gänzlich verboten, sondern wird umgekehrt dadurch auf diesen eingewirkt, dass über ihn bis ins kleinste Detail geredet werden muss. Das was er ist, soll analytisch festgehalten werden. Entgegen der Repressionshypothese ist weniger eine Verneinung der Sexualität zu beobachten, sondern das Entstehen eines breitgefächerten, analytischen Diskurses über den Sex. Wie in dieser Arbeit noch aufgezeigt werden wird, stellt diese Art des Diskurses über den Sex ein entscheidendes Element von Machtmechanismen dar, die auf eine Kontrolle und eine Formung von Subjekten abzielen.
A. Einleitung: Die Einleitung führt in das Foucaultsche Denken ein und skizziert das Ziel der Arbeit, das Verhältnis von Macht, Wissen und Subjekt durch eine Neubetrachtung der Sexualität zu analysieren.
B. Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel klärt die zentralen Begriffe Diskurs, Dispositiv und Subjekt im Sinne Foucaults, um das Fundament für die weitere philosophische Analyse zu legen.
C. Sexualität, Repression und Norm: Hier wird die klassische Repressionshypothese kritisch hinterfragt und die Entstehung einer spezifischen Normierung der Sexualität im 19. Jahrhundert aufgezeigt.
D. Die Macht und das Wissen: Der Fokus liegt auf der Verflechtung von Macht und Wissen, wobei das Geständnis als ein zentrales Instrument der Wissensproduktion über das Subjekt untersucht wird.
E. Der Wille zum Wissen: Dieses Kapitel vertieft die Analyse der Macht als operativen Prozess, der seine eigene Gestalt verhüllt und durch Handlungsanreize subtil auf Individuen einwirkt.
F. Die Macht des Lebens: Die Arbeit schließt mit einer Betrachtung der "Macht des Lebens" (Bio-Macht), die nicht mehr nur über Tod entscheidet, sondern das Leben und die Bevölkerung produktiv lenken und kontrollieren will.
G. Konklusion: Das Fazit fasst zusammen, wie sich die Macht von einer strafenden souveränen Form zu einer das Leben formenden Kraft gewandelt hat, und unterstreicht die Notwendigkeit, neue Formen der Subjektivität jenseits dieser Mechanismen zu suchen.
H. Bibliographie: Ein umfassendes Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur, die der philosophischen Herleitung der Arbeit dient.
Foucault, Macht, Wissen, Sexualität, Subjekt, Dispositiv, Repression, Bio-Macht, Normalisierung, Geständnis, Subjektivierung, Gesellschaftsstruktur, Diskurs, Kontrolle, Widerstand.
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen Macht, Wissen und gesellschaftlicher Struktur, wobei der Fokus auf Foucaults Analyse der Sexualität und der Transformation von Machtmechanismen liegt.
Die Arbeit behandelt die Machttheorie, das Verständnis von Sexualität als Konstrukt, die Rolle des Wissens bei der Subjektbildung und die historische Entwicklung der Bio-Macht.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Macht in modernen Gesellschaften nicht durch Unterdrückung, sondern durch eine subtile, formende Einwirkung (Subjektivierung) auf Individuen ausgeübt wird.
Es wird eine diskursanalytische Vorgehensweise gewählt, die sich primär auf die philosophischen Schriften Michel Foucaults, insbesondere "Sexualität und Wahrheit", stützt.
Der Hauptteil analysiert, wie Diskurse über Sexualität zur Etablierung von Machtinstrumenten führen, warum das Geständnis ein zentrales Machtritual darstellt und wie die Macht zur "Macht des Lebens" mutiert ist.
Die zentralen Schlagworte sind Foucault, Macht, Wissen, Sexualität, Subjekt, Dispositiv, Bio-Macht und Subjektivierung.
Während klassische Machtmodelle Macht als etwas betrachten, das von einem Souverän ausgeht und untersagt, denkt Foucault Macht als ein immanentes Netz operativer Kräfte, das formt und produziert.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass selbst die Freiheit in modernen Gesellschaften als ein in die Subjekte eingedrungener Mechanismus der Macht fungieren kann, was eine kritische Rückbesinnung auf unser Verständnis von Individualität erfordert.
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