Masterarbeit, 2018
97 Seiten, Note: 1,0
Didaktik für das Fach Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1. Einleitung
2. Sprache – Eine komplexe menschliche Fähigkeit & wie man sie lernt
2.1 Spracherwerb als Verarbeitung sprachlichen Inputs & die Kreativität des Lerners
2.2 Theoretische Ansätze zur Erklärung von Spracherwerb
2.3 Anatomische Grundlagen menschlicher Sprach(lern)-fähigkeit
2.3.1 Anatomische Grundlagen und Funktionsweisen des Gehirns im Hinblick auf Sprache
2.3.2 Anatomische Grundlagen der Sprachperzeption
2.3.3 Anatomische Grundlagen der Sprachproduktion
3. Der Erstspracherwerb
3.1 Spracherwerb – Beginn, Voraussetzungen & Aufgaben
3.2 Phonetik-Phonologie-Erwerb
3.2.2 (Frühe) Lautproduktion
3.2.3 Variation als wichtiges Charakteristikum früher phonologischer Entwicklung
4. Der Zweitspracherwerb
4.1 Früher natürlicher Zweitspracherwerb und eine Möglichkeit der Implementierung – Bilinguale Kindergärten
4.2 Zweitspracherwerb und wie er sich vom Erstspracherwerb unterscheidet
4.3 Phonetik-Phonologie-Erwerb in der Zweitsprache
4.3.1 Sprachperzeption im Zweitspracherwerb
4.3.2 Sprachproduktion im Zweitspracherwerb
4.4 Transfer – die Interaktion zweier phonetischer Systeme
5. Variationen in der Zielsprache
5.1 Nicht zielgerechte Sprachproduktion im Zweitspracherwerb sowie ihre Ursachen
5.2 Kontrastive Analyse: Deutsch – Englisch
5.3 Analyse der kontrastierenden Laute sowie sich daraus ergebende mögliche Variationen der Zielsprache
5.3.1 Der labial-velare Approximant [w]
5.3.2 Das Phonem /r/ und seine Allophone
5.3.3 Die (inter)dentalen Frikative [θ] und [ð]
5.3.4 Der Vokal [æ]
5.4 Zusammenfassung und theoriegestützte Antwort auf die Forschungsfrage
6. Empirischer Teil
6.1 Forschungsdesign
6.1.1 Erhebungsdesign
6.1.2 Probanden
6.1.3 Durchführung
6.1.4 Gütekriterien
6.2 Ergebnisse
6.2.1 Überblick der gesamten Daten
6.2.2 Ergebnisse der einzelnen Ziel-Laute und weitere Variationen
6.3 Interpretation der Ergebnisse
6.3.1 Kontrastive / Fehler-Analyse nach Wode 1988
6.3.2 Analyse der erhobenen Daten
7. Abschlussdiskussion, Reflexion, Ausblick
Die vorliegende wissenschaftliche Hausarbeit untersucht die phonetischen und phonologischen Aspekte des Zweitspracherwerbs bei drei- bis sechsjährigen Kindern, die in bilingualen Kindertagesstätten Englisch in einem natürlichen Kontext erlernen. Ziel ist es, durch eine empirische Untersuchung kindlicher Aussprachevarianten zu verstehen, wie diese Lernenden mit den Anforderungen der fremden Lautsprache umgehen und ob bzw. in welcher Weise systematische phonetische Variationen im Vergleich zur Zielsprache auftreten.
1. Einleitung
In der zunehmend globalisierten Welt gehört der selbstverständliche sowie sichere Umgang mit Fremdsprachen mittlerweile zu basalen Fähigkeiten. Daher wird heute bereits in der Grundschule (vgl. MKJS 2016: 3) oder bilingualen Kindertagesstätten (KiTas) (vgl. Burmeister 2016) ein Grundstein für lebenslanges Fremdsprachenlernen sowie die Auseinandersetzung mit kultureller Vielfalt gelegt.
In Bezug auf die Zielsetzung im Fremdsprachenunterricht hat in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel stattgefunden (vgl. Müller-Hartmann & Schocker-v. Ditfurth 2016: 20). Heute gilt daher eine allgemeine Interkulturelle Kompetenz als das übergeordnete Ziel jeden Fremdsprachenlernens. Diese geht über die schlichten Fähigkeiten des Lesens, Schreibens, Verstehens und Sprechens hinaus und folgt dem Prinzip „Fluency before Accuracy“ (vgl. ebd.: 18ff.; Council of Europe 2001: 43; MKJS 2016: 3). Auf Grund dieses kommunikativen Ansatzes steht heute die gelingende Kommunikation gegenüber einer akkuraten Aussprache im Vordergrund. Die Bedeutsamkeit von zielgerechter Aussprache darf jedoch keinesfalls gänzlich missachtet werden, denn sie kann als unmittelbare Barriere von Kommunikation betrachtet werden, wenn sie nicht einen gewissen Grad an zielgerechter Genauigkeit hat (vgl. Marks 2011: 65). Die Tatsache, dass die meisten Kommunikationen daran scheitern, dass Nicht-Muttersprachler nicht zielgerechte Aussprache aufweisen, und nicht etwa durch grammatikalische oder lexikalische ‚Fehler‘ bedingt sind, zeigt die Bedeutung einer zielgerechten bzw. professionellen sprachlichen Performanz (vgl. Jenkins 2000: 84-91).
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die wachsende Bedeutung bilingualer Erziehung und die Verschiebung des Fokus im Fremdsprachenunterricht von reiner grammatikalischer Akkuratesse hin zu kommunikativer Kompetenz.
2. Sprache – Eine komplexe menschliche Fähigkeit & wie man sie lernt: Das Kapitel bietet eine theoretische Fundierung über die Natur von Sprache als System und beleuchtet die komplexen anatomischen sowie kognitiven Prozesse, die dem Spracherwerb zugrunde liegen.
3. Der Erstspracherwerb: Hier werden die Mechanismen der Lautentwicklung beim Erstspracherwerb analysiert, wobei besonders der Übergang von intuitiver Wahrnehmung zur bewussten Lautproduktion im Vordergrund steht.
4. Der Zweitspracherwerb: Dieses Kapitel vergleicht den natürlichen Zweitspracherwerb mit dem Erstspracherwerb und diskutiert die Rolle des Transfers sowie phonetische Herausforderungen in einer Zweitsprache.
5. Variationen in der Zielsprache: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der Gründe für nicht zielgerechte Sprachproduktion sowie eine kontrastive Untersuchung spezifischer deutscher und englischer Laute.
6. Empirischer Teil: In diesem Hauptteil wird das Forschungsdesign der Fallstudie beschrieben, die Ergebnisse der kindlichen Sprachproduktionen präsentiert und diese interpretativ in den Kontext der theoretischen Fehleranalyse gestellt.
7. Abschlussdiskussion, Reflexion, Ausblick: Die Ergebnisse werden zusammenfassend bewertet, die Forschungsfrage beantwortet und der Forschungsverlauf kritisch reflektiert.
Spracherwerb, Zweitspracherwerb, Phonetik, Phonologie, Interferenz, Kontrastive Analyse, Sprachperzeption, Sprachproduktion, Bilinguale Kindertagesstätten, Lautvariation, Transfer, Linguistik, Kindliche Sprachentwicklung, Interkulturelle Kompetenz, Sprachinput.
Die Arbeit untersucht, wie deutsche Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren, die Englisch als Zweitsprache in einem natürlichen Kontext erlernen, bestimmte englische Laute produzieren und welche phonetischen Variationen dabei auftreten.
Die zentralen Themen sind der phonetische Zweitspracherwerb bei Kindern, die Rolle von Sprachinput in bilingualen Kitas, kontrastive Linguistik zwischen Deutsch und Englisch sowie die systematische Analyse von Aussprachevariationen.
Das primäre Ziel ist es, die kindliche Sprachproduktion in einer Zweitsprache zu analysieren, um zu verstehen, ob und wie der Transfer von der Muttersprache (Deutsch) die Aussprache in der Zielsprache (Englisch) beeinflusst.
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign in Form einer Fallstudie gewählt, basierend auf empirischen Daten aus Video- und Tonaufnahmen von Interviews mit Kindern in einer bilingualen Kindertagesstätte.
Der Hauptteil umfasst sowohl die theoretische Aufarbeitung der Sprachwissenschaft und des Spracherwerbs als auch den empirischen Teil, in dem konkrete Sprachbeispiele der Kinder analysiert und interpretiert werden.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Spracherwerb, Interferenz, phonetische Variation, kontrastive Analyse, bilinguale Kitas und Sprachperzeption charakterisiert.
Der TRAP-Vokal [æ] dient als exemplarisches Beispiel für einen Laut, der im Deutschen nicht existiert. Die Untersuchung zeigt, dass Kinder diesen Vokal systematisch durch deutsche Vokale wie [ε] ersetzen, was die Assimilationshypothese stützt.
Das Alter von drei bis sechs Jahren ist eine sensible Phase für den phonologischen Erwerb. Die Studie betrachtet, ob in diesem Alter bereits eine phonologische Bewusstheit vorhanden ist, die zu systematischen Ersetzungsstrategien führt.
Transfer bezeichnet den Prozess, bei dem Lernende ihr sprachliches Wissen aus der bereits erlernten Muttersprache nutzen, um die neue Zielsprache zu strukturieren oder zu produzieren, was oft zu den beobachteten phonetischen Variationen führt.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Qualität des sprachlichen Inputs durch die Erzieher und zeigen, dass "Fehler" im kindlichen Spracherwerb keine Defizite sind, sondern als Teil des natürlichen Lern- und Reorganisationsprozesses betrachtet werden sollten.
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