Bachelorarbeit, 2020
49 Seiten, Note: 1,8
1. Einleitung
2. Theoretische Erkenntnisse
2.1 Interdependenztheoretischer Ansatz
2.2 Energiesicherheit als Versorgungssicherheit
2.3 Die Relevanz von Energiesicherheit in der Außenpolitik
3. Energie in der Bundesrepublik Deutschland
3.1 Der deutsche Energiemix
3.2 Importe und Bedeutung von Erdgas für Deutschland
3.3 Zwischenfazit und ein Wort zur Versorgungssicherheit
4. Gasversorger Russland
4.1 Ausgangssituation
4.2 Die deutsch-russische Erdgasbeziehungen
4.3 Gazprom
5. Importabhängigkeit und Energiewende
5.1 Importabhängigkeit als ökonomisches Problem
5.2 Energiewende und Importabhängigkeit
6. Die Ostseepipeline Nord Stream 2
6.1 Sicherheitspolitische Bedenken
6.2 Die „Gaswaffe“: Eine Gefahr für Deutschlands Versorgungssicherheit?
7. Die deutsch-russische Interdependenz
8. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Pipeline Nord Stream 2 auf die deutsche Energiesicherheit unter Anwendung des interdependenztheoretischen Ansatzes nach Keohane und Nye. Dabei wird die Forschungsfrage beantwortet, ob durch die Energiebeziehungen eine einseitige Abhängigkeit Deutschlands von Russland besteht oder ob von einer wechselseitigen Interdependenz ausgegangen werden kann.
2.1 Interdependenztheoretischer Ansatz
Das analytische Konzept der Interdependenz, welches 1977 von Keohane und Nye in die Internationalen Beziehungen eingeführt wurde, besaß vorher bereits eine lange Begriffsgeschichte (Muir, 1932; Morse, 1972: 132ff.). Jedoch wird der Begriff der Interdependenz in unterschiedlichen Zusammenhängen mit unterschiedlichen Sinninhalten in Verbindung gebracht.
Laut Elias (1977: 336f.) steht hinter dem Begriff der Interdependenz das ökonomische Phänomen der sich im Zivilisationsprozess beständig ausweitenden Spezialisierung und Arbeitsteilung. Diese wurde durch die Industrialisierung verstärkt und hat sich im Zuge des 20. Jahrhunderts zunehmend transnational organisiert. Die kapitalistische Produktionsweise sowie die Ausweitung und Entgrenzung der Wirtschaftsprozesse, in Verbindung mit einer internationalen Arbeitsteilung, begünstigen seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Auflösung der nationalstaatlichen Gebundenheit des Wirtschaftens und führten somit zu transnationalen wechselseitigen Abhängigkeiten. Einerseits wurde dieser Prozess durch politische Entscheidungen, den freien Handel zu institutionalisieren, sprich den Handel über Grenzen hinweg zu erleichtern, und andererseits durch den technologischen Wandel vorangetrieben (Morse, 1972: 135f., 146). Die politischen Entscheidungen sind auf Konzepte des Wirtschaftsliberalismus zurückzuführen. Somit beschreibt der Interdependenzbegriff eine Folge liberalen Denkens und widerspricht daher der Annahme von Waltz (1970: 206), dass „[e]ach state regulates its own affairs and supplies largely out of its own resources the food, clothing, housing [...] consumed and used by its citizens” – vielmehr wird das Gegenteil angestrebt.
Es wird zwischen drei Formen der Interdependenz unterschieden (de Wilde, 1991: 17ff.): Als integrative Interdependenz bezeichnet man Beziehungen, welche auf den ökonomischen Transaktionen und der Arbeitsteilung zwischenstaatlich verfasster Gesellschaften beruhen. Diese Form der Interdependenz zeichnet sich dadurch aus, dass Akteure aus einer Interdependenzbeziehung austreten können, was jedoch Konsequenzen für die anderen Teilnehmer zur Folge hat. Die funktionalistische Interdependenz bezeichnet jenen Typus, bei welchem einzelne Akteure durch eine Struktur – wie etwa ein staatliches Gewaltmonopol oder IGOs – miteinander verbunden sind. Der dritte Typus ist die systemische Interdependenz. Bei diesem Typus sind die einzelnen Akteure bereits durch ihre Existenz mit dem Gesamtsystem verbunden. Zwar sind die Interdependenzbeziehungen sozial veränderbar, jedoch können sie nicht aufgelöst werden.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Nord Stream 2 Pipeline vor dem Hintergrund internationaler politischer Spannungen und Definition der zentralen Forschungsfrage.
2. Theoretische Erkenntnisse: Erarbeitung des interdependenztheoretischen Ansatzes nach Keohane und Nye sowie Definition des Begriffs der Energiesicherheit als Versorgungssicherheit.
3. Energie in der Bundesrepublik Deutschland: Analyse des deutschen Energiemixes mit Fokus auf die Bedeutung und Importabhängigkeit von Erdgas.
4. Gasversorger Russland: Untersuchung der russischen Position als Energieexporteur und die historische sowie ökonomische Einordnung der Gasbeziehungen und des Gazprom-Konzerns.
5. Importabhängigkeit und Energiewende: Bewertung der Importabhängigkeit als ökonomisches Problem und Analyse der Auswirkungen der Energiewende auf den Import von fossilen Brennstoffen.
6. Die Ostseepipeline Nord Stream 2: Vorstellung des Pipeline-Projekts sowie Diskussion der sicherheitspolitischen Bedenken und der Debatte um die sogenannte „Gaswaffe“.
7. Die deutsch-russische Interdependenz: Zusammenfassende Analyse der asymmetrischen Interdependenzbeziehung zwischen Deutschland und Russland unter Berücksichtigung der beiderseitigen Kosten bei einem Abbruch der Handelsbeziehungen.
8. Schlussbetrachtung: Zusammenführung der Kapitel-Ergebnisse zur Beantwortung der Forschungsfrage und Bestätigung der Hypothese, dass eine asymmetrische Interdependenz zugunsten der BRD besteht.
Nord Stream 2, Energiesicherheit, Interdependenz, Deutschland, Russland, Gasimporte, Gazprom, Versorgungssicherheit, Energiewende, Außenpolitik, internationale Beziehungen, Erdgas, Importabhängigkeit, asymmetrische Interdependenz, geopolitische Risiken.
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 auf die Energiesicherheit Deutschlands unter Berücksichtigung der politischen und ökonomischen Beziehungen zu Russland.
Die Schwerpunkte liegen auf der interdependenztheoretischen Analyse von Energiebeziehungen, der Struktur des deutschen Energiemixes, der Rolle Russlands als Gaslieferant sowie der kritischen Diskussion um sicherheitspolitische Bedenken bei Energieimporten.
Das Ziel ist es zu klären, welche Auswirkungen Nord Stream 2 auf die deutsche Energiesicherheit hat und ob Deutschland von einer einseitigen Abhängigkeit von Russland betroffen ist oder eine wechselseitige Interdependenz vorliegt.
Die Arbeit nutzt den interdependenztheoretischen Ansatz nach Robert Keohane und Joseph Nye, um die ökonomischen und politischen Verflechtungen zwischen Deutschland und Russland systematisch zu untersuchen.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Energiesicherheit, der Analyse der deutschen Abhängigkeit von Energieimporten, der Untersuchung der ökonomischen Interessen Russlands und Gazproms sowie der Evaluierung der politischen Kontroverse um die Pipeline Nord Stream 2.
Zentrale Begriffe sind Energiesicherheit, asymmetrische Interdependenz, Versorgungssicherheit, Erdgasimporte und geopolitische Handelsbeziehungen.
Der Autor argumentiert auf Basis des Interdependenzansatzes, dass eine einseitige Ausnutzung der Gaslieferungen durch Russland als Waffe aufgrund der hohen ökonomischen Kosten für Russland selbst und der vertraglichen Bindungen im Pipelinetransport unwahrscheinlich ist.
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass keine einseitige gefährliche Abhängigkeit Deutschlands besteht, sondern eine asymmetrische Interdependenz vorliegt, bei der Deutschland aufgrund seiner hohen Importmengen und der ökonomischen Bedeutung des europäischen Marktes für Russland langfristig die Oberhand behält.
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