Diplomarbeit, 2007
120 Seiten, Note: 1,7
Vorwort
Einleitung
1 Die Wohnungslosenhilfe im Julius-Itzel-Haus Bruchsal
1.1 Die Ambulante Fachberatung für Wohnungslose und ihre Ursprünge
1.2 Entstehung der Begriffe Wohnungslosigkeit, Wohnungslosenhilfe
1.2.1 Definition einheitlich verwendeter Begriffe
1.3 Der „Lebensweltliche Ansatz“
2 Die empirische Untersuchung
2.1 Meine Interviewpartner
2.1.1 Dieter P.: „(..) wegen einer Wohnung meinen Hund aufgeben?!“
2.1.2 Andreas O.: „(..) in der Schulzeit habe ich auch schon mitgetrunken!“
2.1.3 Ralf A.: „(…) obwohl ich eigentlich ein wohl behütetes Kind war, hat sie mich einfach ins Leben geschmissen!“
3 Erklärungsversuche, die Wohnungslosigkeit und Verlauf begründen
3.1 Theoretische individuumorientierte Ansätze früherer Studien in der „Nichtsesshaftenhilfe“
3.1.1 Psychiatrisch-neurologische Erklärungen zur Wohnungslosigkeit
3.1.2 Der psychologische Ansatz für die Ursachenerklärung von Wohnungslosigkeit
3.2 Moderne, gesellschaftlich-strukturelle Erklärungen für Wohnungslosigkeit nach soziologischen Forschungen
3.2.1 Ursachenerklärung von Wohnungslosigkeit anhand des Armutsansatzes
3.2.2 Verdeutlichung des Entstehens und der Aufrechterhaltung von Wohnungslosigkeit anhand des Unterversorgungsansatzes
3.2.3 Darstellung der Manifestierung von Wohnungslosigkeit anhand des Etikettierungs- bzw. Stigmatisierungsansatzes
3.2.4 Neuste Erkenntnisse
3.2.5 Zusammenfassende Darstellung von Anwendbarkeit und Brauchbarkeit der beschriebenen theoretischen Erklärungsansätze
4 Auswertung der subjektiven Interviewaussagen Wohnungsloser
4.1 Zum Anteil der Herkunftsfamilie an der wohnungslosen Lebensweise
4.2 Die Auswirkungen des Verlustes von sozialen Beziehungen auf Betroffene
4.3 Die Verursachung der Wohnungslosigkeit durch entsprechende Beschäftigungsbereiche oder Arbeitslosigkeit
4.4 Krankheiten und Süchte als Einflussfaktoren
4.5 Der Beitrag von Obdachlosenunterkünften zu einer dauerhaften Wohnungslosigkeit
4.6 Die Auswirkungen eines dauerhaften Straßenlebens auf das weitere Leben
4.7 Abriss der Untersuchungsergebnisse und Interpretation
5 Zusammenfassung und Reflexion
6 Ausblick für die Wohnungslosenhilfe am Beispiel des Julius-Itzel-Hauses
Die Arbeit untersucht die Ursachen von Langzeitwohnungslosigkeit und beleuchtet die Lebenswelten betroffener Männer. Ziel ist es, durch eine Verknüpfung von theoretischen Erklärungsansätzen und qualitativen Interviews, die Faktoren aufzudecken, die ein Leben auf der Straße verfestigen, und Ansätze für eine verbesserte Handlungspraxis in der Wohnungslosenhilfe, speziell am Beispiel des Julius-Itzel-Hauses, abzuleiten.
3.2.1 Ursachenerklärung von Wohnungslosigkeit anhand des Armutsansatzes
Als arm sind diejenigen Menschen zu bezeichnen, die nach Empfehlung der EG-Kommission weniger als die Hälfte des Durchschnitteinkommens des entsprechenden Landes als Einnahme zu verzeichnen haben (vgl. Einleitung). Menschen die von Wohnungslosigkeit betroffen sind, haben diese Armutsgrenze in den meisten Fällen bei weitem unterschritten und müssen ihre Grundbedürfnisse, u. a. auch im geistigen wie kulturellen Sinne, großteils unbefriedigt lassen. Genau von diesem Sachverhalt geht der folgend dargestellte Armutsansatz aus. Er belegt, dass wohnungslose Menschen von einem erträglichen Leben, mit der Grundlage eines angemessenen Existenzminimums, grundsätzlich ausgeschlossen sind. Meist existieren die Betroffenen gesellschaftlich ausgegrenzt, u. a. ohne Eingebundenheit in soziale Beziehungen, Arbeit oder Wohnung. Oft können diese aufgrund der Herkunft aus armen Familien bei einer nicht seltenen Zugehörigkeit zur untersten gesellschaftlichen Schicht, auch von ihnen kaum einen finanziellen Beistand erwarten, weshalb von „materieller Unterversorgung“, sprich von „struktureller Armut“ bei Wohnungslosen gesprochen werden kann.
Nach Specht (1985) bezieht der Armutsansatz, welcher oft mit dem „Unterversorgungsansatz“ (vgl. Kapitel 3.2.2) gemeinsam in Erscheinung tritt, in wechselseitiger Wirkung einige Erklärungsperspektiven ein: Einkommensarmut, Unterschicht, Mobilität, sowie die Theorien des gespaltenen Arbeitsmarktes und des Wohnungsverlustes nach Arbeitslosigkeit.
Davon ausgehend, sind Wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit Bedrohte mit unterbezahlten, psychisch und physisch erschwerten, sowie mit schnell wechselnden Arbeitsplätzen oder veralteten Berufen ausgestattet und stammen wie oben schon erwähnt meist aus der Unterschicht, mit schlechteren Aussichten auf Jobs aufgrund der unterdurchschnittlichen Bildung und oft auch wegen fehlender Berufsausbildung der Betroffenen. Sie verfügen daher in der Regel über ein äußerst niedriges Einkommen und laufen aufgrund der entsprechenden Arbeitsstellen in Gefahr, den Job zu verlieren. Ein Arbeitsverlust bzw. nur befristete oder ungesicherte Arbeitsverhältnisse sind für ein gesteigertes, mobiles Verhalten der Betroffenen verantwortlich, da sich diese unter erhöhter Flexibilität völlig der Suche nach neuen Arbeitsstellen widmen. So ist ein notwendiges, der Situation des Arbeitsmarktes entsprechendes Mobilitätsverhalten der Arbeitslosen schon vor einem Verlust der eigenen Wohnung festzuhalten. Eine längerfristige Arbeitslosigkeit verursacht dann oft in Folge von Verschuldung den Wohnungsverlust. Damit kommt in der Allgemeinheit die Bezeichnung der „Nichtsesshaftigkeit“ zum Vorschein.
1 Die Wohnungslosenhilfe im Julius-Itzel-Haus Bruchsal: Vorstellung der Einrichtung, ihrer Arbeitsweise und der theoretischen Einbettung in den lebensweltlichen Ansatz.
2 Die empirische Untersuchung: Methodische Darlegung der qualitativen Interviewstudie mit drei Langzeitwohnungslosen zur Erforschung ihrer Lebenswirklichkeit.
3 Erklärungsversuche, die Wohnungslosigkeit und Verlauf begründen: Theoretische Auseinandersetzung mit psychiatrischen, psychologischen und modernen soziologischen Erklärungsansätzen für Wohnungslosigkeit.
4 Auswertung der subjektiven Interviewaussagen Wohnungsloser: Analyse der persönlichen Interviewergebnisse im Abgleich mit den aufgestellten Hypothesen zu Ursachen und Verlauf der Wohnungslosigkeit.
5 Zusammenfassung und Reflexion: Synthese der Forschungsergebnisse und kritische Betrachtung der Hilfspraxis sowie des eigenen Vorgehens.
6 Ausblick für die Wohnungslosenhilfe am Beispiel des Julius-Itzel-Hauses: Aufzeigen von Perspektiven zur Weiterentwicklung der ambulanten Arbeit und Wohnungsvermittlung.
Wohnungslosigkeit, Langzeitwohnungslosigkeit, Julius-Itzel-Haus, Armutsansatz, Unterversorgungsansatz, Stigmatisierung, Sozialarbeit, Lebensweltorientierung, Wohnungsnotfall, soziale Ausgrenzung, Wohnungslosenhilfe, Biografieforschung, Arbeitslosigkeit, Prävention, Ambulante Fachberatung.
Die Diplomarbeit untersucht die Ursachen und Lebenswelten von Langzeitwohnungslosen in Deutschland und analysiert, wie ein Leben auf der Straße dauerhaft verfestigt wird.
Im Mittelpunkt stehen die Entstehung von Wohnungslosigkeit, die Rolle der Herkunftsfamilie, der Einfluss von Sucht und Krankheit, die Funktion von Obdachlosenunterkünften sowie die Bedeutung sozialer Netzwerke für die Wohnsituation.
Das Ziel ist es, die spezifischen Faktoren zu identifizieren, die zur Verfestigung einer wohnungslosen Lebensweise beitragen, um daraus Empfehlungen für eine effektivere Unterstützung durch die Wohnungslosenhilfe abzuleiten.
Es handelt sich um eine qualitative Sozialforschung, bei der mittels problemzentrierter Interviews mit drei langjährig wohnungslosen Klienten subjektive Sichtweisen und biografische Erfahrungen erhoben und analysiert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung verschiedener Erklärungsmodelle zur Wohnungslosigkeit und eine empirische Auswertung der geführten Interviews, in der Hypothesen zu Ursachen wie Familiengeschichte, Arbeitsmarkt und Stigmatisierung überprüft werden.
Wohnungslosigkeit, Lebensweltorientierung, Armutsansatz, Stigmatisierung, Wohnungslosenhilfe, soziale Ausgrenzung, Langzeitarbeitslosigkeit und Biografieforschung.
Die Interviewten berichten von katastrophalen hygienischen Bedingungen, hoher Kriminalität, Drogenhandel und Gewalt in den Unterkünften, was ein Leben auf der Straße für sie als die „angenehmere“ oder sicherere Alternative erscheinen lässt.
Die Befragten identifizieren die Herkunftsfamilie als prägenden Faktor, wobei frühe Erfahrungen von Misshandlung, mangelnder Unterstützung, instabilen Verhältnissen und eine soziale Prägung durch die Unterschicht oft den Grundstein für spätere prekäre Lebenslagen legten.
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