Magisterarbeit, 2007
129 Seiten, Note: 1,8
A. Einleitung
1. Vorgehensweise und Gliederung der Arbeit
B. Neue Kriege
1. Darstellung der Theorie Münklers: Ökonomisierung, Asymmetrisierung, Entstaatlichung/Privatisierung
1.1 Ökonomisierung
1.2 Asymmetrisierung
1.3 Entstaatlichung/Privatisierung
2. Die Kritik an der Theorie Münklers: Eine kurze Darstellung der politikwissenschaftlichen Debatte
3. Die Rolle von Kindersoldaten in der Theorie der Neuen Kriege
C. Neue Krieger – Kindersoldaten
1. Definitionen, Zahlen und Fakten
1.1 Waffentechnische Entwicklungen als eine zentrale Voraussetzung für den Einsatz von Kindersoldaten
2. Rekrutierung: Zwangsrekrutierung vs. „freiwillig“
3. Rolle in Konflikten (Gender-Betrachtung)
4. Wer sind die Kindersoldaten?
5. Demobilisierung/Resozialisierung
D. Fallstudie Norduganda
1. Der Konflikt in Norduganda als Fallbeispiel
1.1 Ist Ugandas Bürgerkrieg ein Neuer Krieg?
2. Eine kurze Einführung in die Geschichte Ugandas und die aktuelle politische Situation
3. Die Geschichte und Ursprünge des Konflikts und aktuelle Entwicklungen
3.1 Aktuelle Situation und neuere Entwicklungen des Bürgerkriegs im Norden Ugandas
3.2 Geschichte Ugandas und Hintergründe und Ursprünge des Konflikts
4. Darstellung der Konfliktparteien und „Ideologie“ der LRA
5. Vorgehensweise der Fallstudie
5.1 Rekrutierung
5.2 Rolle im Konflikt/Wer sind die Kindersoldaten?
5.3 (Individuelle) Post-Konflikt Phase
5.4 Empirische Basis
6. Ergebnisse
6.1 World Vision International
6.2 GUSCO I
6.3 GUSCO II
6.4 GUSCO III
6.5 CPA
6.6 Caritas
6.7 Abductee
6.8 War Child Holland
7. Auswertung der Fallstudie
E. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Kindersoldaten im Kontext der politikwissenschaftlichen Diskussion um "Neue Kriege" und stellt die zentrale These auf, dass der Einsatz von Kindern eine essenzielle Voraussetzung für diese entstaatlichte, asymmetrische und ökonomisierte Kriegsführung darstellt. Am Beispiel des Bürgerkriegs in Norduganda wird induktiv geprüft, inwieweit diese Praxis nicht nur ein Symptom, sondern ein aktives Element der Strategie gegen die Zivilbevölkerung ist.
1.1 Ökonomisierung
Unter dem Aspekt der Ökonomisierung der Neuen Kriege ist auf die Akteure einzugehen und damit zusammenhängend auf das Entstehen von Kriegsökonomien.
Durch diese Ökonomisierung treten nicht-staatliche Akteure wie „Warlords, Paramilitärs oder sonstige irreguläre bewaffnete Gruppen auf, die ein sich selbst erhaltendes Regime von Kriegsökonomien antreiben, das auf der Kontrolle der Ausbeutung von Bodenschätzen, Raub oder Schmuggel beruht, während Staatlichkeit im Sinne der Aufrechterhaltung eines Gewaltmonopols in diesen Regionen zunehmend unterminiert wird.“
Es bleibt jedoch die Frage bestehen, inwieweit Ökonomisierung und Gewalt zusammenhängen. Es ist unklar, ob es „sich bei den ökonomischen Interessen von Gewaltakteuren um die primären Ursachen der Kriege oder eher um sekundäre Begleiterscheinungen und Folgen kriegerischer Gewalt“ handelt. Zum einen leuchtet es ein, dass Kriege nur dann geführt werden können, wenn die Akteure in der Lage sind, diese zu finanzieren. Es gibt somit ökonomische Voraussetzungen, die geschaffen werden müssen, um Kriege zu führen – auch wenn die Schwelle der Kriegsführungsfähigkeit in den Neuen Kriegen deutlich gesenkt wurde:
„Kriegerische Gewalt, ganz gleich mit welcher Motivation, kann sich nur dann entfalten, wenn die Akteure die ökonomischen Voraussetzungen verlässlich schaffen können. Eine Kriegspartei kann nur dann erfolgreich sein, wenn ihre militärischen Handlungen mit den wirtschaftlichen Reproduktionserfordernissen der Akteure vereinbar sind.“
A. Einleitung: Einführung in die Thematik der Kindersoldaten und Einbettung in die Diskussion um Neue Kriege.
B. Neue Kriege: Theoretische Darlegung der Merkmale Neuer Kriege und kritische Auseinandersetzung mit dieser Debatte.
C. Neue Krieger – Kindersoldaten: Analyse der Definitionen, Rekrutierungsmethoden und der Rolle von Kindern in Konflikten unter Berücksichtigung waffentechnischer Faktoren.
D. Fallstudie Norduganda: Empirische Untersuchung des Konflikts in Norduganda als Referenzfall zur Überprüfung der Arbeitsthese.
E. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung der These, dass der Einsatz von Kindern ein zentrales und essenzielles Element moderner Kriegsstrukturen ist.
Neue Kriege, Kindersoldaten, Norduganda, LRA, Kriegsökonomie, Asymmetrisierung, Entstaatlichung, Zivilbevölkerung, Zwangsrekrutierung, Resozialisierung, Gewaltmärkte, Krieg gegen die Zivilgesellschaft, failed states, Menschenrechte, Lord’s Resistance Army.
Die Magisterarbeit untersucht die Bedeutung von Kindersoldaten im theoretischen Rahmen der „Neuen Kriege“ und analysiert deren Funktion als essenzielle Akteure in modernen bewaffneten Konflikten.
Die Arbeit behandelt die Theorie der Neuen Kriege, die Ursachen und Formen der Rekrutierung von Minderjährigen sowie die Auswirkungen auf Zivilgesellschaften und die Schwierigkeiten bei der Reintegration.
Das Hauptziel ist es, die politikwissenschaftliche Debatte um Neue Kriege zu erweitern, indem der Einsatz von Kindersoldaten als notwendige Bedingung und strukturelles Element dieser Kriegsform nachgewiesen wird.
Die Autor arbeitet primär mit einer induktiven Fallstudie, basierend auf leitfadengestützten Experteninterviews und Feldforschung in Norduganda, sowie einer systematischen Literaturanalyse.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu den Neuen Kriegen, eine Analyse der Rekrutierungsbedingungen für Kindersoldaten und eine detaillierte Untersuchung des Bürgerkriegs in Norduganda.
Zu den zentralen Begriffen gehören unter anderem Ökonomisierung, Entstaatlichung, Gewaltmärkte, Rekrutierung, Kindersoldaten, LRA und Resozialisierung.
Der Autor unterscheidet zwischen formaler Wehrpflicht (vernachlässigbar), freiwilliger Meldung (oft durch sozioökonomische Zwänge motiviert) und der massenhaften, gewaltsamen Zwangsrekrutierung.
Norduganda dient als Fallbeispiel, da der Konflikt die Merkmale der Neuen Kriege (Privatisierung, Entstaatlichung, Ökonomisierung) deutlich aufweist und die LRA den Einsatz von Kindern systematisch als Kriegsstrategie gegen die Zivilbevölkerung nutzt.
Die Reintegration gestaltet sich als extrem schwierig, da die Zerstörung zivilgesellschaftlicher Strukturen durch den langjährigen Krieg kaum nachhaltige Ausbildungsperspektiven zulässt, was das Risiko einer erneuten Rekrutierung erhöht.
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