Doktorarbeit / Dissertation, 2000
259 Seiten, Note: cum laude
1. Kommunitarismus und Rational Choice als Gegensatzpaar
1.1. Was ist Kommunitarismus?
1.2. Gehen Kommunitaristen von einer Handlungstheorie aus?
1.3. Normative Tendenzen und Befangenheiten bei Rational Choice und Kommunitarismus
2. Das Problem der sozialen Ordnung: synchrone, objektive Merkmale der Situation
2.1. Ist unsere Gesellschaft krank und Moral die Medizin? Robert Bellah und Amitai Etzioni klagen an
2.1.1. Über die Gewohnheiten unserer Herzen
2.1.2. Die Bedeutung der Verantwortung für das Gemeinwesen
2.1.3. Beispiele moralischen Handelns bei Etzioni
2.2. Was ist eigentlich Moral?
Exkurs über Sprache
2.3. Die Antworten von Rational Choice auf das Problem der sozialen Ordnung
2.3.1. Spieltheorie: Die Evolution der Kooperation
2.3.2. Norm, Sanktion und Gruppengröße: Die Logik kollektiven Handelns
2.3.3. Das Konzept des sozialen Kapitals
2.3.4. Das Konzept der Haushaltsproduktionsfunktion
2.3.5. Das Konzept der sozialen Produktionsfunktion
2.3.6. Recht als Konsens
3. Handlungstheorie zwischen Kommunitarismus und Rational Choice: diachrone, subjektive Merkmale der Situation
3.1. Handlungstheorie aus der Sicht kommunitaristischer Autoren
3.1.1. Amitai Etzionis normativ-affektive Faktoren
3.1.2. Alasdair MacIntyres Reformulierung des Tugendbegriffs
3.1.3. Charles Taylors Projekt der Bestimmung der (neuzeitlichen) Identität
Exkurs: Was die Gegner der Nutzentheorie immer besonders ärgert
3.2. Welche Erklärungen für moralisches Verhalten bietet Rational Choice bzw. die ökonomische Verhaltenstheorie?
3.2.1. Der dispositionelle Nutzenmaximierer (M. Baurmann)
3.2.2. Vertrauen auf Mutter Natur (R. Frank)
3.2.3. Wandlungsprozesse im Akteur (J. Coleman)
3.2.4. Gary Beckers Ergänzungsprinzip
3.2.5. Die Frame-Selection-Theory (H. Esser)
3.2.6. Regelbefolgung als rationale Wahl (V. Vanberg)
4. Ergebnisse und Schlußfolgerungen: Ein Plädoyer für eine wieder stärkere Einbeziehung der Lerntheorie in sozialwissenschaftliche Erklärungen
4.1. George Homans individualistischer Ansatz
4.2. Grundlagen und Möglichkeiten der Lerntheorie
4.3. Spieltheorie mit moralischen Spielern
4.4. Bekannte Probleme bei Rational Choice Erklärungen
4.5. Identität oder was nützt dem Pawlowschen Hund seine konditionierte Reaktion?
4.6. Rational Choice und Sozialisation
Die Arbeit untersucht die theoretischen Zusammenhänge zwischen Handlungstheorie, Kommunitarismus und Rational Choice mit dem Ziel, moralische Handlungen zu erklären, die auf vorgegebene soziale Strukturen zurückgeführt werden können. Dabei wird insbesondere untersucht, ob ein ökonomischer Ansatz die "Dimension des Sozialen" befriedigend erfassen kann.
Ein Beispiel für kommunitaristisches Denken
Die kommunitaristische Denkweise ist kollektivistisch. Als ein daraus resultierendes Prinzip könnte man die Maximierung des Nutzens der Gruppe bzw. des Kollektivs ableiten. Im Gegensatz dazu geht eine individualistische Sichtweise von der Maximierung des Nutzens eines Individuums aus. Damit korrespondieren jeweils verschiedene handlungstheoretische Vorstellungen. In diesem Abschnitt soll beispielhaft anhand einer kontroversen politischen Diskussion gezeigt werden, wie sich eine individualistische und eine kollektivistische Denkweise in ihren normativen Schlußfolgerungen unterscheiden: Die immer noch aktuelle politische Kontroverse zwischen Anhängern einer 100%igen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Befürwortern einer – wie im einzelnen auch immer geregelten – verminderten Lohnfortzahlung.
In der alltäglichen, politischen Diskussion gewinnt man den Eindruck, daß es sich hierbei - vor allem durch Äußerungen von Gewerkschaftsvertretern bzw. des linken Flügels der SPD - um ein Relikt marxistischen Klassenkampfes handelt. In dieser Sichtweise stehen auf der einen Seite die Gruppe der Arbeiter oder Arbeitnehmer mit ihren gewerkschaftlichen Interessenvertretungen der Gruppe der Arbeitgeber oder den Kapitalisten und ihren Verbänden in einem typischen Interessengegensatz gegenüber. Die Interessen der Arbeitnehmer und die Interessen der Arbeitgeber scheinen klar definiert zu sein und unverrückbar fest zu stehen: Jede „Klasse“ will für sich aus dem Produktionsprozeß so hohe Erträge wie möglich schöpfen. Diese Sichtweise setzt aber voraus, daß es innerhalb der Mitgliedern beider Gruppen hierzu keine Interessengegensätze gibt und es für jedes Mitglied deshalb rational ist, sich mit den Zielen seiner Gruppe zu identifizieren und für sie einzutreten. Von genau diesen Voraussetzungen gehen Vertreter kommunitaristischer Ansätze implizit immer aus, wobei einzuräumen ist, daß die ihnen vorschwebenden Gruppen üblicherweise nicht Klassen in Sinne von Marx sind, sondern (Kultur-)Nationen oder allgemein gesellschaftliche Vereinigungen, seien sie lokal nachbarschaftlich, religiös oder politisch motiviert. Die „Güter“, um die es Kommunitaristen geht, sind auch nicht Profit oder kurze Arbeitszeiten, sondern z.B. geringe Kriminalitäts- und Scheidungsraten, politisches Engagement von Bürgern und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Es geht aber immer um Kollektivgüter.
1. Kommunitarismus und Rational Choice als Gegensatzpaar: Einführung in die begrifflichen Gegensätze und die Zielsetzung der Arbeit, die Spannung zwischen individuellem Eigennutz und kollektiven moralischen Grundlagen zu untersuchen.
2. Das Problem der sozialen Ordnung: synchrone, objektive Merkmale der Situation: Vorstellung der kommunitaristischen Kritik am Individualismus sowie der Rational-Choice-Antworten auf das Ordnungsproblem, unter Beschränkung auf synchrone Merkmale der sozialen Situation.
3. Handlungstheorie zwischen Kommunitarismus und Rational Choice: diachrone, subjektive Merkmale der Situation: Vertiefung der Handlungstheorie durch Einbeziehung diachroner und subjektiver Merkmale sowie Prüfung, wie Vertreter der Nutzentheorie moralisches Verhalten erklären.
4. Ergebnisse und Schlußfolgerungen: Ein Plädoyer für eine wieder stärkere Einbeziehung der Lerntheorie in sozialwissenschaftliche Erklärungen: Synthese der Ergebnisse und Begründung der Notwendigkeit, lerntheoretische Erkenntnisse zur Überwindung von Schwächen in bestehenden rationalen Erklärungsmodellen zu integrieren.
Handlungstheorie, Kommunitarismus, Rational Choice, soziale Ordnung, Moral, Nutzenmaximierung, Lerntheorie, Sozialisation, Identität, soziales Kapital, Kollektivgüter, Methodologischer Individualismus, Verhaltenstheorie, Konditionierung, RREEMM-Man.
Die Arbeit untersucht die theoretischen Verbindungen und Spannungsfelder zwischen Kommunitarismus und Rational Choice, insbesondere im Hinblick auf die Erklärung von Handlungen, die scheinbar über den individuellen Eigennutz hinausgehen.
Die Themen umfassen die Soziologie der Handlungstheorie, die Bedeutung moralischer Normen, die Logik kollektiven Handelns sowie die Rolle von Lerntheorien bei der Entstehung individueller Präferenzen und Identitäten.
Die zentrale Frage ist, ob moralische Handlungen, die auf soziale Strukturen zurückzuführen sind, nutzentheoretisch erklärt werden können oder ob hierfür ein lerntheoretischer Ansatz zur Ergänzung notwendig ist.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die bestehende Modelle (Rational Choice, Kommunitarismus, Lerntheorie) gegenüberstellt, kritisiert und eine integrative, lerntheoretisch fundierte Perspektive vorschlägt.
Der Hauptteil analysiert das Problem der sozialen Ordnung sowohl unter synchronen (objektiven) als auch diachronen (subjektiven) Merkmalen und diskutiert spezifische Theorien, darunter die Frame-Selection-Theory und das Konzept des sozialen Kapitals.
Die zentralen Begriffe sind Handlungstheorie, Rational Choice, Kommunitarismus, Sozialisation, Identität und Lerntheorie.
Der Autor argumentiert, dass eine reine Nutzentheorie, die nur auf synchronen, objektiven Anreizen basiert, moralisches Handeln nicht ausreichend erklären kann, da sie die diachrone, subjektive Dimension der Sozialisation und erlernter Verhaltensmuster vernachlässigt.
Es ist ein vom Autor vorgeschlagenes Modell, das eine Mischform aus Homo oeconomicus (Eigeninteresse) und Homo sociologicus (Gewissen/Normen) darstellt, um menschliches Verhalten realitätsnäher abzubilden.
Der Autor schlägt vor, dass moralische Handlungen, die ursprünglich als Mittel zum Zweck erlernt wurden, durch Konditionierungsprozesse zu Selbstzwecken werden können, was die intrinsische Motivation hinter diesen Handlungen erklärt.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Problem der sozialen Ordnung in großen, modernen Gesellschaften durch externe Anreize (Sanktionen) und die Internalisierung von Werten gelöst wird, wobei die Einbeziehung der Lerntheorie notwendig ist, um die Internalisierungsprozesse wissenschaftlich fundiert zu erklären.
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