Magisterarbeit, 2008
79 Seiten, Note: 2,5
1 Einleitung
2 Postkoloniale Theorieansätze
2.1 Edward W. Said Orientalismus
2.2 Homi K. Bhabha Die Verortung der Kultur
Exkurs: Deutscher Kolonialismus in Deutsch-Südwestafrika
3 Drei Romane aus postkolonialer Perspektive
3.1 Gustav Frenssen: Peter Moors Fahrt nach Südwest
3.1.1 Analyse der Figur des Peter Moor
3.2 Uwe Timm: Morenga
3.2.1 Analyse der Figur des Johannes Gottschalk
3.3.1 Analyse der Figur der Arabella Weber
3.4 Vergleich
4 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion des „fremden“ Afrikabildes in drei ausgewählten deutschsprachigen Romanen, die vor dem Hintergrund der deutschen Kolonialherrschaft in Deutsch-Südwestafrika spielen. Ziel ist es, anhand postkolonialer Theorieansätze die Fremd- und Selbstwahrnehmung der Hauptfiguren zu analysieren und aufzuzeigen, wie diese Figuren innerhalb des (post)-kolonialen Diskurses agieren und sich in ihren Identitätsentwürfen zwischen den Polen von Anpassung und Widerstand bewegen.
3.1.1 Analyse der Figur des Peter Moor
Die Hauptfigur der Erzählung heißt Peter Moor. Der Nachname „Moor“ hat Ähnlichkeit mit dem Terminus Mohr, der in Deutschland lange Zeit eine durchaus übliche Bezeichnung für dunkelhäutige Menschen war. Vielleicht liegt darin Moors Fernweh begründet, das sich wie ein roter Faden durch sein Leben zieht, gab es „fremde“ Menschen doch in jener Zeit höchstens auf dem Jahrmarkt zu bestaunen. Er wünscht sich schon seit frühester Kindheit einen Beruf, der ihn in die Ferne bringt.
Als ich ein kleiner Junge war, wollte ich Kutscher oder Briefträger werden; das gefiel meiner Mutter sehr. Als ich ein großer Junge war, wollte ich nach Amerika; da schalt sie mich. So um die Zeit, als die Schuljahre zu Ende gingen, sagte ich eines Tages, ich möchte am liebsten Seemann werden; da fing sie an zu weinen. Meine drei kleinen Schwestern weinten auch. (Peter Moors Fahrt nach Südwest 3)
Moor will die Welt erfahren. Sie macht einen bedrohlichen Eindruck, insbesondere aufgrund der Reaktionen der Frauen aus seiner Familie, die sich um seine Sicherheit sorgen. Weil die Fremde so gefährlich erscheint, kann Moor sich als mutiger und starker Mann inszenieren. Das verweist auf Saids Annahme, dass der koloniale Diskurs mehr über den Sprechenden aussagt, als über seinen Gegenstand. Moor wurde Mitte der achtziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts geboren und wuchs in einer Zeit auf, in der eigene Kolonien selbstverständlich für das Deutsche Reich waren.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die literarische Darstellung fremder Welten ein und erläutert den postkolonialen Ansatz zur Analyse des Afrikabildes in drei spezifischen deutschen Kolonialromanen.
2 Postkoloniale Theorieansätze: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Entwicklung des Postkolonialismus und stellt die Ansätze von Edward W. Said sowie Homi K. Bhabha vor, ergänzt durch einen historischen Exkurs zum deutschen Kolonialismus in Deutsch-Südwestafrika.
3 Drei Romane aus postkolonialer Perspektive: Das Hauptkapitel untersucht die Darstellung der „Fremde“ in den Werken von Frenssen, Timm sowie Paluch/Habeck, indem die Hauptfiguren und ihre Identitätskrisen im kolonialen Kontext analysiert werden.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und stellt fest, dass das Afrikabild in den untersuchten Romanen keineswegs einheitlich ist, sondern je nach literarischer Darstellung stark variiert.
Postkolonialismus, Deutsch-Südwestafrika, Kolonialroman, Fremdwahrnehmung, Identität, Gustav Frenssen, Uwe Timm, Andrea Paluch, Robert Habeck, Edward W. Said, Homi K. Bhabha, Hybridität, Mimikry, Kolonialismus, Afrika-Bild.
Die Arbeit analysiert, wie das Bild Afrikas und das Selbstbild der Protagonisten in drei deutschsprachigen Romanen, die in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika spielen, konstruiert und reflektiert werden.
Es handelt sich um „Peter Moors Fahrt nach Südwest“ von Gustav Frenssen, „Morenga“ von Uwe Timm sowie den Roman „Der Schrei der Hyänen“ von Andrea Paluch und Robert Habeck.
Ziel ist die Anwendung postkolonialer Literaturtheorien, um zu verstehen, wie die Figuren in diesen Werken ihre Identität in einer „fremden“ Umgebung definieren und wie sie auf die Herausforderungen kolonialer Machtstrukturen reagieren.
Die Untersuchung stützt sich primär auf postkoloniale Theorieansätze, insbesondere auf Edward W. Saids Konzept des Orientalismus sowie auf Homi K. Bhabhas Theorien zu Mimikry und Hybridität.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der postkolonialen Theorien sowie die detaillierte Figurenanalyse der Protagonisten Peter Moor, Johannes Gottschalk und Arabella Weber, gefolgt von einem vergleichenden Abschnitt.
Zentrale Begriffe sind neben Postkolonialismus und Kolonialismus vor allem Hybridität, Fremdwahrnehmung, Mimikry, Identitätskonstruktion sowie die eurozentristische Weltsicht der Protagonisten.
Arabella Weber bringt keine vorgefassten kolonialen Ambitionen mit, sondern strebt primär nach ökonomischer Selbstbestimmung, was ihr eine differenziertere, wenngleich nicht gänzlich vorurteilsfreie Auseinandersetzung mit der lokalen Bevölkerung ermöglicht.
Der historische Kontext ist essentiell, da der deutsche Kolonialbesitz in Deutsch-Südwestafrika, insbesondere die Aufstände der Herero und Nama, die Reaktionen und psychischen Entwicklungen der literarischen Figuren direkt beeinflusst und teilweise erst ermöglicht.
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