Examensarbeit, 2007
14 Seiten, Note: 1,4
I.
II.
Das Ziel der Arbeit ist die kritische Analyse des europäischen Bologna-Reformprozesses im Hochschulwesen, indem dieser mit der Theoriefigur der Gouvernementalität von Michel Foucault konfrontiert wird, um die damit einhergehende Kommerzialisierung von Bildung zu untersuchen.
II.
Die Theoriefigur der Gouvernementalität stellt eine Weiterentwicklung der ursprünglichen Machtanalyse Foucaults dar. Denn zunächst geht Foucault davon aus, das sich Macht allein durch die Zurichtung des Subjekts herstellt und fortsetzt. Foucault bleibt dafür zunächst auf einer äußerlichen Ebene, d.h. es ist der Körper des Subjekts, welcher durch verschiedene Disziplinierungs- und Kontrolltechniken beherrschbar gemacht wird. Um dies zu verdeutlichen skizziert Foucault dies anhand der Praxis in Institutionen wie Gefängnis und Krankenhaus. In diesen würden Dimensionen wie Zeit und Raum zu immer kleineren Fragmenten und Parzellen zerlegt, welche durch je bestimmte Übungen und Regelmuster auszufüllen sind. Abweichungen werden Sanktioniert. In dem Foucault das Subjekt auf seine physische Materialität reduziert, streicht er letztlich das Subjekt als cogito radikal durch. Das Subjekt erscheint dem gemäß als Objekt seiner eigenen Herrschaftsform (vgl. Foucault 1997: 31f.).
Unklar bleibt für Foucault aber aus dieser Perspektive, wie sich das Subjekt als Denkendes konstituiert und wie Macht Einfluss auf das Denken nimmt. Foucault versucht nun in seinen späteren Werken diesen Subjektivierungsprozess plausibel zu machen, indem er den Blick auf die Rolle des Staates bzw. der Regierung richtet. Die Gemeinsamkeiten der beiden Termini erkennt Foucault in dem Führen der Subjekte. Kennzeichen des modernen Staates seien dann eben nicht nur institutionellen Herrschaftstechniken wie Disziplinierung und Kontrolle, sondern vielmehr Macht, die auf das Innere des Subjekts ausgeübt wird – auf die Seele des Subjekts. Verantwortlich dafür macht Foucault die christliche Ethik. Diese verspreche dem Subjekt jenseitiges Heil, wenn dieses das Leben in je bestimmter Weise führe. Foucault spricht hier von Pastoral-Techniken.
I.: Dieses Kapitel zeichnet die Entstehung und den Verlauf des Bologna-Prozesses sowie seine Verzahnung mit der Lissabon-Strategie nach und beleuchtet die damit verbundene Kritik an einer neoliberalen Umgestaltung der Hochschullandschaft.
II.: Dieses Kapitel führt den theoretischen Rahmen der Gouvernementalität nach Michel Foucault ein, um die Machtstrukturen und den Subjektivierungsprozess innerhalb des modernen Bildungsreformkontexts kritisch zu hinterfragen.
Bologna-Prozess, Hochschulreform, Gouvernementalität, Michel Foucault, Bildungspolitik, Lissabon-Strategie, Kommerzialisierung, Neoliberalismus, Machtanalyse, Subjektivierung, Bildungsideal, Humboltd, Arbeitsmarkt, Studiengebühren, ECTS
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Untersuchung des Bologna-Reformprozesses an europäischen Hochschulen und dessen Einfluss auf das Verständnis von Bildung.
Im Zentrum stehen die europäische Bildungspolitik, die Ökonomisierung von Hochschulbildung, der Einfluss der Lissabon-Strategie sowie Foucaults Machttheorie.
Das Ziel ist es, die von der EU vorangetriebene Hochschulreform mit Foucaults Gouvernementalitätsbegriff theoretisch zu hinterfragen und die Veränderung von Bildungsbegriffen zu beleuchten.
Der Autor nutzt eine politikwissenschaftliche und bildungstheoretische Analyse unter Heranziehung des theoretischen Instrumentariums von Michel Foucault.
Der Hauptteil analysiert die Implementierung des Bologna-Prozesses, die Koppelung mit wirtschaftlichen Interessen und die anschließende theoretische Reflexion mittels der Gouvernementalität.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bologna-Prozess, Kommerzialisierung, Gouvernementalität, neoliberale Modernisierung und Bildung als Ware definiert.
Das ECTS-System wird als Kontrollinstrument und eine Art "Studienwährung" interpretiert, das der Überwachung der Qualität von Lehrenden und Studierenden dient.
Der Autor diskutiert, ob das tradierte Bildungsideal in der heutigen Zeit als "Zukunftsvision" oder "Parodie" gegenüber der Macht erhalten bleiben kann, auch wenn Bildung zunehmend funktionalisiert wird.
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