Doktorarbeit / Dissertation, 2007
254 Seiten, Note: cum laude
I Einleitung
Biographischer Exkurs: Historiker - Poet - Publizist
1. Die innerhalb des Sacher-Masochschen Œuvres dominierenden Linien
2. Forschungslage
3. Ansatz des Dissertationsprojektes und Aufbau der vorliegenden Arbeit
3.1. Die theoretische Untermauerung der Dissertation
3.2. Forschungsziel und Literaturrecherche
3.3. Der interpretative Hauptteil der Arbeit - die praktische Anwendung des theoretischen Konzeptes
II Der Mythos der weiblichen Verführung - Bestimmung und Repräsentationsformen der femme fatale
Vorgehensweise
1. Femme fatale: Dämon, Verführerin, ästhetischer Typus
1.1. Katalog der femme fatale-Merkmale
1.2. Motivkomplexe und Merkmale
1.2.1. Rache, Opfer und Tod
1.2.2. Aufspaltung, Verknüpfung und Verschiebung von Motiven: der ungreifbare, chimären- und rätselhafte Charakter der femme fatale
1.2.3. Narzissmus und Voyeurismus
1.2.4. Bildlichkeit - gegenseitige Abhängigkeit von Literatur und Malerei
1.2.5. Künstlichkeit und tödliche Liebe
1.2.6. Resümee
2. Die Repräsentationsformen der weiblichen Verführerin innerhalb ausgewählter Zeit- und thematischer Räume: Kurzer historischer Abriss
2.1. Die biblischen Verführerinnen: Potifars Frau, Salome und Delila als „Vorfahrinnen“ des femme fatale-Typus
2.2. Sacher-Masochs Zeitgenossen: 19. Jahrhundert
2.2.1. Théophile Gautier: Eine Nacht der Kleopatra (1845)
2.2.2. Prosper Mérimée: Carmen (1845)
III Der Transfer des theoretischen Konzeptes auf die Literatur Sacher-Masochs: von der femme fatale zur femme cruelle
IV „Die Liebe ist der Krieg der Geschlechter“
1. Tigerinnen in Samt und Pelz
1.1. Repräsentativität der amourösen Erzählungen (Organ und Zeitraum der Publikationen)
1.2. Das äußere Erscheinungsbild der von Sacher-Masoch konzipierten Frauenfigur in Verbindung mit der inhaltlichen Bestimmung der Novellen - Die Technik des fragmentierenden Erzählens
1.2.1. Die Attribute Kleidung und Schmuck
1.2.2. Femme fatale par excellence
1.3. Die „das innere Erscheinungsbild“ der Sacher-Masochschen Frauenfigur konstituierenden Motivkomplexe (Eigenschaften)
1.3.1. Die drei Modelle - Traditionelle Rollenanpassung oder Negierung der gesellschaftlichen Werte? Schicksal oder Fügung?
Modell 1: äußere Umstände
Modell 2: äußere Umstände und Charakter
Modell 3: Charakter
1.3.2. Berechnung - Intrige - Überlegenheit
1.3.3. Egomanie
1.3.4. Das Modell der zwei Frauenideale
1.3.4.1. femme fatale
1.3.2. bon femme
1.3.5. Rache - Opfer - Tod
1.3.6. Tiermetaphorik
1.4. Definition der femme cruelle
2. Eine galizische Geschichte. 1846 (1858): Wanda vs. Minia oder wie eine femme fatale zugunsten einer bon femme vor einer historischen Kulisse geopfert wird
2.1. Merkmale des Textes, historischer Hintergrund, Inhalt
2.1.1. Die wichtigsten Merkmale
2.1.2. Historischer Exkurs: Die Polnische Revolution 1846
2.1.3. Der Inhalt des Romans
2.2. Geschlechtergruppierungen der Galizischen Geschichte (1858): Liebespaare im Roman
2.2.1. Hauptpaare
2.2.1.1. Figurenarsenal
2.2.1.1.1. Stanislaus Donski
2.2.1.1.2. Wanda Solnikoff
2.2.1.1.3. Minia Rozminska
2.2.1.1.4. Julian Mislecki
2.2.1.2. Typologien der weiblichen Figuren
2.2.1.2.1. Frauentypologie: femme fatale vs. bon femme
2.2.1.2.2. Die politisch-nationale Typologie: Vorkämpferin vs. Vorbereiterin
2.2.1.3. Geschlechterverhältnisse - Beziehungsanalysen
2.2.1.3.1. Wanda und Donski
2.2.1.3.2. Minia und Julian
2.2.1.3.3. Resümee
2.2.2. Nebenpaare
2.2.2.1. Typologien der Milieus
2.2.2.1.1. Die Jüdin
2.2.2.1.2. Die Gattin des Beamten: Die Technik des entkonkretisierenden Erzählens
2.2.2.1.3. Die Geliebte des Mandatars
2.2.2.1.4. Die polnische Adlige
2.2.2.2. Geschlechterverhältnisse - Beziehungsanalysen
2.2.2.2.1. Malke und Isaak Mendel
2.2.2.2.2. Therese und Karl Kern
2.2.2.2.3. Fräulein Juzia Kowalska und Wincenty Kaczorowski
2.2.2.2.4. Jadwiga und Felician Rozminski
2.2.2.3. Resümee
3. Don Juan von Kolomea (1866) und Marzella oder Das Märchen vom Glück (1870): Demetrius und Alexander oder wie sich das in der Ehe realisierte Geschlechterverhältnis real gestaltet und wie sich das Geschlechterverhältnis ideal gestalten sollte
3.1. Textuelle Bestimmung: Publikationsdaten, Merkmale, Inhaltsskizzen
3.1.1. Publikationsdaten und Merkmale
3.1.2. Inhaltsskizzen
3.2. Figurenarsenal
3.2.1. Demetrius
3.2.2. Alexander
3.2.3. Marzella
3.2.4. Nikolaja
3.3. Ist-Zustand: Demetrius und Nikolaja im Don Juan von Kolomea (1866) (Bestandsnovelle)
3.3.1. Konstituierung der Ehe (Phasenverlauf)
3.3.2. Das Scheitern der Ehe
3.3.2.1. Leons Theorie
3.3.2.2. Phasenverlauf
3.4. Soll-Zustand: Alexander und Marzella in Marzella oder Das Märchen vom Glück (1870) (Lösungsnovelle)
3.4.1. Konstituierung der Ehe (Phasenverlauf)
3.4.2. Konsolidierung der Ehe (Maximen)
3.4.2.1. Alexanders Theorie eines dauerhaften Bündnisses zwischen Mann und Frau und die darin enthaltene Betrachtung der weiblichen Emanzipation aus männlicher Perspektive
3.4.2.2. Alexanders Theorie in der praktischen Umsetzung
3.4.2.3. Alexanders neugewonnene Erkenntnisse und die Severin Kusiemski-Episode
3.5. Resümee
V Hollywoods Film noir/Neo-Noir als neuer Raum für die Inszenierung der femme fatale-Figur
Die Arbeit untersucht die Konstruktion des Weiblichen und Männlichen im literarischen Werk von Leopold von Sacher-Masoch. Ziel ist es, die vielseitige Dichtung des Autors abseits seiner Reduktion auf den „Masochismus“ neu zu bewerten und dabei insbesondere die Typologie der „femme fatale“ sowie deren Weiterentwicklung zur „femme cruelle“ im Kontext des Geschlechterkampfes zu analysieren.
Die „das innere Erscheinungsbild“ der Sacher-Masochschen Frauenfigur konstituierenden Motivkomplexe (Eigenschaften)
Bei näherer Betrachtung der Minimaldefinition der femme fatale, lässt sich eindeutig feststellen, dass die Frau, die die erotischen Novellen Sacher-Masochs bevölkert, gänzlich dem Bild des Dämons entspricht. Sie ist jung und betört mit Sinnlichkeit. Die Begegnung mit einer solchen Frau kann für den Mann tödlich enden. Im Mittelpunkt stehen ihre Verführungskünste und sie übernimmt oft die Rolle des Rachengels. Der die femme fatale zum Ende hin oftmals ereilende Tod hat die Bedeutung einer Ahndung ihrer Andersartigkeit.
Im Hinblick auf die Entwicklung der vorgestellten Frauenfiguren zu einer femme fatale erkenne ich innerhalb des vorliegenden Novellenzyklus’ drei Modelle: 1. äußere Umstände, 2. äußere Umstände und Charakter, 3. Charakter. Im ersten Modell kreiert Sacher-Masoch eine Frau, die erst durch den Einfluss von außen zu einer femme fatale wird (Leonore und Matrena). Das zweite Modell bezeichnet die Entwicklung der Frau, die durch den Einfluss von außen und durch den zugrunde liegenden Charakter in der femme fatale-Figur mündet (die namenlose Sängerin und Marina). Die femme fatale des dritten Modells hingegen ist bereits von Beginn an ein Tod und Verderben bringendes Wesen (Bella, Isabeau, Narda und Anna-Sarolta).
I Einleitung: Diese Einleitung führt in das Leben und Schaffen Leopold von Sacher-Masochs ein, beleuchtet seine kontroverse Rezeption und definiert den methodischen Ansatz, der die masochistische Komponente zugunsten einer literaturwissenschaftlichen Analyse der Frauenfiguren ausklammert.
II Der Mythos der weiblichen Verführung - Bestimmung und Repräsentationsformen der femme fatale: Dieser theoretische Teil arbeitet den kulturellen Mythos der femme fatale auf, analysiert deren archetypische Merkmale und zeigt ihre literarische sowie biblische Herkunft auf.
III Der Transfer des theoretischen Konzeptes auf die Literatur Sacher-Masochs: von der femme fatale zur femme cruelle: Hier wird der theoretische Rahmen auf die spezifischen Frauenfiguren Sacher-Masochs übertragen und der Übergang von der klassischen femme fatale zur femme cruelle als eigenständige literarische Schöpfung des Autors hergeleitet.
IV „Die Liebe ist der Krieg der Geschlechter“: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die verschiedenen Frauenmodelle in den Erzählungen, die Technik des fragmentierenden Erzählens und die Geschlechterbeziehungen in den Werken, unterteilt in Ist-Zustand (Bestandsnovellen) und Soll-Zustand (Lösungsnovelle).
V Hollywoods Film noir/Neo-Noir als neuer Raum für die Inszenierung der femme fatale-Figur: Der abschließende Ausblick vergleicht die literarischen Frauenfiguren Sacher-Masochs mit den Darstellungskonventionen der femme fatale im Film noir und Neo-Noir.
Leopold von Sacher-Masoch, femme fatale, femme cruelle, Geschlechterverhältnis, Krieg der Geschlechter, Masochismus, Literatur des 19. Jahrhunderts, literarische Typologie, Geschlechterpolarität, Narratologie, Fragmentierung, Film noir, Neo-Noir, Emanzipation, Geschlechterrolle
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Frauen in ausgewählten Werken von Leopold von Sacher-Masoch, insbesondere vor dem Hintergrund des Mythos der femme fatale und seiner eigenen Weiterentwicklung zur femme cruelle.
Die zentralen Themen sind die literarische Konstruktion von Weiblichkeit, die Dynamik zwischen den Geschlechtern, der Einfluss gesellschaftlicher Rollenbilder auf die Literatur sowie die Rezeption Sacher-Masochs im Kontext der Literatur- und Filmgeschichte.
Das Ziel ist die Wiederentdeckung und Analyse der Sacher-Masochschen Werke jenseits der Reduktion auf den „Masochismus“, um zu zeigen, wie der Autor komplexe Geschlechterbeziehungen und deren Transformation gestaltet.
Es wird eine hermeneutische Analyse angewandt, die durch kulturhistorische Kontexte und Vergleiche der Erzählstrukturen (fragmentierendes Erzählen) die Texte Sacher-Masochs detailliert ausleuchtet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Bestimmung der femme fatale, die Analyse von Frauenfiguren in verschiedenen Modellen (Entwicklungsstufen) und die Untersuchung spezifischer Erzählungen wie „Don Juan von Kolomea“ oder „Eine galizische Geschichte“.
Besonders prägend sind Begriffe wie femme fatale, femme cruelle, Geschlechterpolarität, Sacher-Masoch und die literarische Technik des fragmentierenden Erzählens.
Eine femme cruelle ist eine schöne, junge Frau von auffallender Sinnlichkeit, die despotisch, berechnend und grausam agiert. Sie ist unfähig zu positiven Gefühlen wie Liebe oder Mitleid und verschleißt Männer, die ihr als ökonomische Mittel dienen.
Während die femme cruelle als dämonisches, aktives und machtstrebendes Gegenstück zur Hure fungiert, verkörpert die bon femme das traditionelle, asexuelle und passive Madonnen-Ideal, das sich dem Mann unterordnet.
Die Autorin führt diesen Begriff ein, um Sacher-Masochs spezifische Variation der femme fatale zu beschreiben, da seine Figuren oft eine aktive Bosheit und eine weitergehende Grausamkeit besitzen, die über den klassischen Typus hinausgehen.
Die Autorin argumentiert, dass Sacher-Masoch durch seine Charakterisierung der Frau und die Technik der Fragmentierung (Fokus auf einzelne Körperteile) Ästhetiken vorweggenommen hat, die Jahrzehnte später im Film noir zur Standarddarstellung der femme fatale wurden.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

