Magisterarbeit, 1995
133 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung und Problemstellung
2 Allgemeiner Teil
2.1 Die Agenda-Setting-Forschung 1995: Theoretische Konzepte und empirische Befunde
2.1.1 Theoretische Hintergründe, Hypothese und Einordnung des Konzepts
2.1.2 Definitionen der Grundbegriffe: Agenda, Thema
2.1.3 Empirische Befunde und Differenzierungen der Hypothese
2.2 Die Variable Zeit in der Agenda-Setting-Forschung
2.2.1 Theoretische Überlegungen zur Rolle der Zeit im Agenda-Setting-Prozeß
2.2.2 Operationalisierungen der Dynamik
2.2.3 Analyse-Methoden
2.2.4 Ergebnisse
2.2.4.1 Time-Lags
2.2.4.2 Themen
2.3 Fazit: Gibt es eine adäquate Behandlung der Zeit-Komponente im Agenda-Setting-Prozeß?
3 Die Studie
3.1 Beschreibung der Primärerhebung
3.2 Fragestellung der Sekundäranalyse und Reoperationalisierung von Medien- und Rezipientenagenda
3.3 Methode
3.3.1 Zur Methode der Zeitreihenanalyse: ‘Mehr Kausalität’ durch Zeitreihen-Verfahren?
3.3.2 Die ‘Analyse-Strategie’ nach Box/Jenkins
3.3.3 Das Analyse-Modell
4 Ergebnisse zum Thema ‘Rechtsradikalismus / Ausländerfeindlichkeit’
4.1 Beschreibung der Zeitreihen und graphische Analyse
4.2 Univariate ARIMA-Modelle
4.3 Transferfunktionen für die Zusammenhänge zwischen Medieninhaltsanalyse-Variablen und Medienthemenwahrnehmung
4.4 Fehlermodelle
4.5 Bivariate Gesamtmodelle der Zusammenhänge zwischen Medieninhalt und Medienwahrnehmung
4.6 Multivariates Gesamtmodell der Zusammenhänge zwischen Medieninhalt und Medienwahrnehmung
4.7 Transferfunktion für den Zusammenhang zwischen Medienthemenwahrnehmung und Problembewußtsein
4.7.1 Exkurs: Untersuchung der Gegenhypothese
4.8 Fehlermodell
4.9 Gesamtmodell der Zusammenhänge zwischen Medienthemenwahrnehmung und Problembewußtsein
4.10 Diagnose
4.11 Interpretation
4.12 Multivariate Operationalisierung des Medien-Inputs?
4.13 Der Agenda-Setting-Effekt in Abhängigkeit vom Bildungsniveau
4.13.1 Univariate ARIMA-Modelle
4.13.2 Transferfunktionen
4.13.3 Fehlermodelle
4.13.4 Gesamtmodelle
4.13.5 Diagnose
4.13.6 Interpretation
5 Ergebnisse zum Thema ‘Wirtschaftliche Lage in Deutschland’
5.1 Beschreibung der Zeitreihen und graphische Analyse
5.2 Univariate ARIMA-Modelle
5.3 Transferfunktion
5.4 Fehlermodell
5.5 Gesamtmodell
5.6 Diagnose
5.7 Interpretation
6 Diskussion
Die Arbeit untersucht die Dynamik von Agenda-Setting-Effekten durch die Modellierung zeitreihenanalytischer Daten, um ein tieferes Verständnis der Rolle der Zeit im Medienwirkungsprozess zu erlangen und intervenierende Variablen in eine Längsschnittanalyse zu integrieren.
Die Variable Zeit in der Agenda-Setting-Forschung
Die ‘Väter’ des (empirischen) Agenda-Setting-Ansatzes, Maxwell E. McCombs und Donald L. Shaw, bezeichnen ihr Konstrukt im Abschlußsatz ihrer Pionierstudie The Agenda-Setting Function of Mass Media sinngemäß als ein „Kommunikationskonzept, das zur Untersuchung des Prozesses der politischen Meinungsbildung bzw. Konsensfindung nützlich ist“ (vgl. McCombs/Shaw 1972, 187). Damit wird schon in der Ursprungsformulierung deutlich, daß Agenda-Setting eine zeitliche Komponente besitzt.
Sowohl die Medien- als auch die Rezipientenagenda sind keine monolithischen Konzepte, die als konstant über die Zeit bezeichnet werden könnten. Sie werden vielmehr als „volatile“ beschrieben (Behr/Iyengar 1985, 53): „unbeständig“, „flüchtig“, „flatterhaft“. Die Medienberichterstattung weist starke, oft geradezu dramatische und sehr kurzfristige Schwankungen in ihrer Themenstruktur auf. Unterstellt man eine Beziehung dieser Strukturen zur Rezipientenagenda, so ist auch auf der Publikumsseite mit heftigen Oszillationen der Themenwahrnehmungen zu rechnen. Und nur wenn diese ‘Schwingungen’ der Berichterstattung und der Wahrnehmung vollkommen zeitgleich abliefen, wäre eine Vernachlässigung der Zeit statthaft. Theoretisch wie empirisch ist aber die Annahme eines simultanen Ablaufs absolut unrealistisch. So ist z.B. aus der Lerntheorie oder der Diffusionsforschung bekannt, daß die Verbreitung und Verarbeitung von Informationen kein punktuelles Ereignis darstellt, sondern mit einem (zeitlichen) Prozeß charakterisiert werden kann.
Der Agenda-Setting-Effekt ist ein zeitabhängiger Medieneffekt. Eine valide Identifikation und Schätzung dieses Effekts kann nur unter Einbeziehung der zeitlichen Ordnung der Modellvariablen geschehen. Agenda-Setting ist ein dynamischer Prozeß per definitionem, die Vernachlässigung der dynamischen Komponente führt zu (bestenfalls) unvollständigen Ergebnissen.
1 Einleitung und Problemstellung: Hier wird die zentrale Fragestellung der Arbeit vorgestellt, die Dynamik von Agenda-Setting-Effekten mittels Zeitreihenanalyse zu untersuchen und intervenierende Variablen zu berücksichtigen.
2 Allgemeiner Teil: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über den Forschungsstand, die Rolle der Zeit in der Agenda-Setting-Forschung und diskutiert die methodischen Herausforderungen.
3 Die Studie: Hier werden die Datenbasis (DFG-Projekt) sowie das methodische Vorgehen, insbesondere die Box/Jenkins-Strategie, detailliert beschrieben.
4 Ergebnisse zum Thema ‘Rechtsradikalismus / Ausländerfeindlichkeit’: Dieses Kapitel präsentiert die empirischen Ergebnisse der Zeitreihenanalyse für dieses spezifische Themenfeld unter Berücksichtigung verschiedener Bildungsniveaus.
5 Ergebnisse zum Thema ‘Wirtschaftliche Lage in Deutschland’: Hier werden die Zeitreihenanalysen für das zweite Themenfeld durchgeführt, wobei sich methodische Herausforderungen bei der Identifikation eines Modells zeigen.
6 Diskussion: Die Ergebnisse werden übergreifend interpretiert, der Erfolg der dynamischen Modellierung bewertet und ein Ausblick für zukünftige Forschung gegeben.
Agenda-Setting, Zeitreihenanalyse, Medienwirkungsforschung, ARIMA-Modell, Transferfunktion, Problemwahrnehmung, Zeitdynamik, Medieninhalt, intervenierende Variablen, Box-Jenkins-Methode, politische Kommunikation, Forschungsdesign, multivariate Analyse, Bildungsniveau, Kausalität.
Die Arbeit befasst sich mit der dynamischen Modellierung von Agenda-Setting-Effekten, um zu untersuchen, wie Medienberichterstattung über einen längeren Zeitraum hinweg die Wahrnehmung von Themen durch die Bevölkerung beeinflusst.
Die Arbeit analysiert zwei Themenkomplexe: 'Rechtsradikalismus / Ausländerfeindlichkeit' sowie die 'Wirtschaftliche Lage in Deutschland'.
Das Ziel ist es, die Rolle der zeitlichen Komponente im Medienwirkungsprozess tiefergehend zu untersuchen und zu zeigen, wie durch multivariate Zeitreihenmodelle kausale Zusammenhänge zwischen Medieninhalt und Wahrnehmung präziser modelliert werden können.
Es werden zeitreihenanalytische Verfahren angewendet, insbesondere die Box/Jenkins-Methode (ARIMA-Modelle und Transferfunktionsanalysen), um die Dynamik und Zeitverzögerungen (Time-Lags) der Medienwirkung abzubilden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Forschungsstands, eine detaillierte methodische Herleitung und die empirische Analyse der beiden Themengebiete unter Einbeziehung von Faktoren wie dem Bildungsniveau.
Zentrale Begriffe sind Agenda-Setting, Zeitreihenanalyse, ARIMA-Modelle, Transferfunktionen, Medienwirkungsforschung und dynamische Modellierung.
Da Medienwirkungen selten sofort oder simultan eintreten, ist die Berücksichtigung von Zeitverzögerungen (Time-Lags) essenziell, um nicht zu verfälschten Ergebnissen zu gelangen, die eine Kausalität fälschlicherweise annehmen oder ausschließen.
Die Box/Jenkins-Methode dient als zentrales Instrument, um den dynamischen Prozess der Meinungsbildung statistisch abzubilden, indem sie Trends und Autokorrelationen in den Zeitreihendaten kontrolliert.
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