Diplomarbeit, 2004
136 Seiten, Note: 1,0
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1. Einleitung
2. Die Situation der Freiwilligen Feuerwehr im Landkreis Marburg-Biedenkopf (Stand 31.12.2002)
3. Theorie
3.1. Die Posttraumatische Belastungsstörung aus historischer Sicht
3.2 Gegenwärtige Nosologie
3.2.1 Diagnosekriterien der PTBS
3.2.1.1 Das Ereigniskriterium
3.2.1.2 Die Hauptsymptomgruppen (B, C und D)
3.2.1.3 Das Zeitkriterium E
3.2.1.4 Das Kriterium F
3.2.2 Auswirkungen der Unterschiede zwischen DSM-IV und ICD-10 auf die erhobenen Prävalenzen
3.2.3 Subsyndromale PTBS
3.3 Verlauf
3.4 Komorbidität
3.5 Epidemiologie
3.5.1 Prävalenz traumatischer Ereignisse und der PTBS in der Normalbevölkerung
3.5.2 Prävalenz der PTBS in Risikopopulationen
3.5.3 Prävalenz der PTBS bei der Berufsfeuerwehr
3.5.4 Prävalenz der PTBS bei der Freiwilligen Feuerwehr
3.6 Ätiologie
3.6.1 Lerntheoretische Ansätze
3.6.2 Das Modell der chronischen PTBS von Ehlers und Clark (1999)
3.6.3 Das biopsychosoziale Modell nach Barlow (1988)
3.6.4 Psychobiologische Ansätze
3.6.5 Die Dual Representation Theory
3.7 Prädiktoren der PTBS
3.7.1 Definition von Stress aus kognitiver Perspektive
3.7.2 Das Stressverarbeitungsmodell von Lazarus
3.7.3 Prädiktoren
3.7.3.1 Kontrollüberzeugungen
3.7.3.2 Generalisierte Selbstwirksamkeitserwartung
3.7.3.3 Soziale Unterstützung
3.7.3.4 Coping-Strategien
3.7.3.5 Coping als Mediatorvariable
3.7.3.6 Kritische Lebensereignisse und Alltagsbelastungen
3.7.3.7 Peritraumatische Dissoziationen
3.8 Zusammenfassung
4. Fragestellungen und Hypothesen
4.1 Epidemiologische Fragestellungen zur Traumaexposition und PTBS-Prävalenz
4.2 Fragestellungen und Hypothesen zu den einzelnen Prädiktoren
4.3 Fragestellungen zum Zusammenwirken der einzelnen Prädiktoren
5. Methoden
5.1 Durchführung
5.2 Beschreibung der Stichprobe
5.3 Untersuchungsverfahren
5.3.1 Allgemeine Angaben zur Person und Tätigkeit in der Freiwilligen Feuerwehr
5.3.2 Die Posttraumatic Diagnostic Scale (PDS)
5.3.3 Der Peritraumatic Dissociative Experiences Questionnaire (RAND PDEQ)
5.3.4 Fragebogen zu Kompetenz- und Kontrollüberzeugungen (FKK)
5.3.5 Der Fragebogen zur Sozialen Unterstützung – eine eigene Entwicklung
5.3.6 Der Fragebogen zum Umgang mit traumatischen Erlebnissen (FUTE)
5.3.7 Die „Social Readjustment Rating Scale“ (SRRS)
5.3.8 Fragebogen zur Erfassung emotional relevanter Alltagsereignisse (ATE 36)
5.3.9 Das Brief Symptom Inventory (BSI)
5.4 Statistische Verfahren
5.5 Datenanalyse
6. Ergebnisse
6.1 Ergebnisse zur Fragestellung 1
6.1.1 Potentiell traumatisierende Einsätze
6.1.2 Potentiell traumatische Ereignisse aus anderen Bereichen
6.1.3 Das belastendste Ereignis
6.1.4 Traumaprävalenz
6.1.4.1 Konservatives DSM-IV-Kriterium
6.1.4.2 Liberales Traumakriterium
6.1.4.3 Sehr liberales Traumakriterium
6.2 Ergebnisse zur Fragestellung 2
6.3 Testtheoretische Ergebnisse
6.4 Ergebnisse zu den Fragestellungen 3 bis 10
6.5 Ergebnisse zu den Fragestellungen 11 bis 16
6.5.1 Puffermodell (Moderatorhypothese)
6.5.2 Potenzierungsmodell
6.5.3 Mediatorhypothese
6.5.4 Soziale-Unterstützungs-Aktivierungs-Hypothese
6.5.5 Schutzschildmodell
6.5.6 Coping-Aktivierungs-Hypothese
6.6 Zusatzauswertung
6.6.1 Komorbiditäten
6.6.2 Allgemeine Beschwerden als abhängige Variable
6.7 Zusammensfassung der Ergebnisse
7. Diskussion
7.1 Epidemiologische Ergebnisse
7.2 Ergebnisse zu den Prädiktoren
7.3 Methodische Einschränkungen
8. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht das Ausmaß der psychischen Belastung bei Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr im Landkreis Marburg-Biedenkopf, insbesondere im Hinblick auf traumatische Einsätze. Das primäre Ziel ist die Erhebung epidemiologischer Daten zu Traumaexposition und PTBS-Prävalenz sowie die Identifikation von Risikofaktoren, die die Vulnerabilität für die Entwicklung einer PTBS beeinflussen.
3.1. Die Posttraumatische Belastungsstörung aus historischer Sicht
Schon seit vielen Jahrhunderten gibt es Berichte über die psychischen Folgen traumatischer Ereignisse. Dabei wurden häufig Symptome beschrieben, die heute als charakteristisch für eine Posttraumatische Belastungsstörung angesehen werden und mit den Kriterien übereinstimmen, die gegenwärtig bei der Vergabe einer solchen Diagnose vorhanden sein müssen. So berichtete Samuel Pepys, der im Jahre 1666 Zeuge des Großbrandes in London war, in seinem Tagebuch sechs Monate später, dass er „bis zum heutigen Tag keine Nacht schlafen kann, ohne von großer Angst vor dem Feuer erfasst zu werden“ und dass ihn nachts „die Gedanken an das Feuer nicht losließen“ (Daly, 1983, S. 66). In dieser Schilderung werden ganz klar die für die PTBS typischen Schlafstörungen und das ungewollte Wiedererleben von bestimmten Traumaaspekten deutlich.
Einige Zeit später wurden vom Psychiater Emil Kraeplin (1899) ähnliche Symptome unter den Begriff „Schreckneurose“ subsumiert, der „ein aus mannigfaltigen nervösen und psychischen Erscheinungen zusammengesetztes Krankheitsbild [darstellt], welches sich in Folge von heftigen Gemüthserschütterungen [sic], plötzlichem Schreck, grosser [sic] Angst ausbildet und daher nach schweren Unfällen und Verletzungen, besonders nach Feuersbrünsten, Explosionen, Entgleisungen oder Zusammenstößen auf der Eisenbahn u. dergl. beobachtet wird“ (S. 520, zitiert nach Saigh, P.A., 1995, S.11).
Im Gefolge der beiden Weltkriege kamen mit „shell shock“ (Southard, 1919), „Kriegsneurose“ (Jones, 1919) und „Gefechtsneurose“ (Grinker & Spiegel, 1945) weitere Begriffe hinzu, die dieselbe Störung bezeichneten. Zurückgekehrte Kriegsteilnehmer, die an einer „Gefechtsneurose“ oder „Kampfstressreaktion“ (`combat stress reaction`) litten, wiesen dabei folgende Symptome auf: Unruhe, Aggressionen, Depressionen, Verwirrungen, Überaktivität des sympathischen Nervensystems, Konzentrationsstörungen, Stottern, Alpträume, Übelkeit und Misstrauen. Überlebende von Konzentrationslagern der Nazis klagten über ein ähnliches Störungsbild. Hier konnten noch über 15 Jahre später Symptome wie chronische Müdigkeit, Konzentrationsmangel und erhöhte Reizbarkeit festgestellt werden (Eitinger, 1962, zitiert nach Saigh, P.A., 1995, S.14).
1. Einleitung: Einführung in die klinisch-psychologische Forschung zu PTBS, die historische Vernachlässigung traumatisierter Helfer und die Relevanz der Untersuchung für die Freiwillige Feuerwehr.
2. Die Situation der Freiwilligen Feuerwehr im Landkreis Marburg-Biedenkopf (Stand 31.12.2002): Analyse der Einsatzstruktur und demografischen Gegebenheiten der Freiwilligen Feuerwehren im Untersuchungsgebiet.
3. Theorie: Detaillierte Darstellung der historischen Entwicklung, Nosologie, Epidemiologie, Ätiologie und der relevanten Prädiktoren der PTBS.
4. Fragestellungen und Hypothesen: Ableitung der konkreten Forschungsfragen sowie der zu prüfenden Hypothesen hinsichtlich der Prädiktoren.
5. Methoden: Beschreibung des Studiendesigns, der Stichprobeneigenschaften und der eingesetzten diagnostischen Instrumente.
6. Ergebnisse: Darstellung der erhobenen Daten zu Traumaexposition, PTBS-Prävalenz sowie der statistischen Analysen zu den Prädiktoren und deren Zusammenwirken.
7. Diskussion: Interpretation der epidemiologischen und prädiktiven Ergebnisse unter kritischer Würdigung methodischer Einschränkungen.
8. Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung der Studienergebnisse und Bewertung der Hypothesen.
Posttraumatische Belastungsstörung, PTBS, Freiwillige Feuerwehr, Traumaexposition, Prädiktoren, Stressverarbeitung, Kontrollüberzeugungen, Soziale Unterstützung, Coping-Strategien, Peritraumatische Dissoziationen, Alltagsbelastungen, Life Events, Psychopathologie, Risikopopulation, Resilienz.
Die Arbeit untersucht das psychische Wohlbefinden und die PTBS-Prävalenz bei ehrenamtlichen Feuerwehrleuten im Landkreis Marburg-Biedenkopf und identifiziert Risikofaktoren für die Belastung.
Zentrale Themen sind die Traumaexposition im ehrenamtlichen Feuerwehrdienst sowie der Einfluss von individuellen und sozialen Risikofaktoren wie Kontrollüberzeugungen, sozialer Unterstützung und Bewältigungsstrategien.
Ziel ist es, epidemiologische Daten zur Traumaexposition zu gewinnen und zu prüfen, ob bestimmte Risikofaktoren die Entwicklung einer PTBS bei Feuerwehrleuten begünstigen oder verhindern.
Es handelt sich um eine Querschnittsstudie mit psychometrischen Fragebögen zur Erfassung von PTBS, Stress, Bewältigungsverhalten und sozialer Unterstützung, ausgewertet durch statistische Verfahren wie Korrelations- und Regressionsanalysen.
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung zur PTBS, die Beschreibung der eingesetzten Untersuchungsinstrumente, die empirische Datenauswertung zu den Prädiktoren und deren Einfluss auf die psychische Gesundheit.
Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie PTBS, Freiwillige Feuerwehr, Coping-Strategien, Peritraumatische Dissoziationen und Kontrollüberzeugungen.
Die Arbeit fokussiert spezifisch auf die Freiwillige Feuerwehr, deren ehrenamtlicher Charakter eine geringere Einsatzhäufigkeit und möglicherweise andere Selektionseffekte aufweist, die in der Literatur bisher kaum beachtet wurden.
Die Studie identifiziert peritraumatische Dissoziationen als einen der bedeutsamsten Prädiktoren für die PTBS, was die zentrale Rolle der kognitiven Verarbeitung während und unmittelbar nach dem traumatischen Ereignis unterstreicht.
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