Magisterarbeit, 2007
182 Seiten, Note: 1,0
1. Einführung
1.1 Warum eine weitere Arbeit über rechtsextreme Einstellungen?
1.2 Was ist die Zielstellung der Untersuchung?
1.3 Wie sollen die Fragestellungen beantwortet werden?
1.4 Von welchen Prämissen wird bei der Untersuchung ausgegangen?
1.5 Zum Inhalt der Arbeit
Teil I: DIE THEORETISCHEN GRUNDLAGEN
2. Rechtsextreme Einstellungen
2.1 Abgrenzung von Rechtsextremismus zu konkurrierenden Begriffen
2.2 Ideologiefragmente des Rechtsextremismus: Merkmale rechtsextremer Einstellungen
2.3 Rechtsextremismus und rechtsextreme Einstellungen als aktuelles Problem
2.4 Zwischenfazit I: Eigenes Begriffsverständnis rechtsextremer Einstellungen
3. Ursachen rechtsextremer Einstellungen
3.1 Primäre Beziehungserfahrungen
3.2 Deprivation und/ oder Desintegration
3.3 Politische Kultur
3.4 Integration individualpsychologischer und gesellschaftlicher Bedingungen
3.5 Genetik
Exkurs Rechtsextreme Einstellungen als Problem männlicher Jugendlicher aus Ostdeutschland!? Anmerkungen zu populären Thesen
4. Bildung
4.1 Historischer Abriss zur Begriffsgeschichte
4.2 Aktuelle Bildungskonzeptionen
4.3 Abgrenzung von Bildung zu Erziehung und Sozialisation
4.4 Zwischenfazit II: Eigenes Begriffsverständnis von Bildung
Teil II: BILDUNG ALS SCHUTZFAKTOR!? DIE UNTERSUCHUNG IMMUNISIERENDER BILDUNGSINHALTE
5. Der Bildungseffekt aus Sicht der Wissenschaft: Die Literaturrecherche
5.1 Bildung als immunisierende soziodemographische Variable?
5.2 Interpretationen des Immunisierungseffektes institutionalisierter Bildung
5.3 Zwischenfazit III: Ein Arbeitsmodell zum Einfluss von Bildung auf die Entstehung rechtsextremer Einstellungen
5.4 Bildung als Prävention: Die pädagogische Auseinandersetzung mit rechtsextremen Einstellungen
5.5 Zwischenfazit IV: Erste Anhaltspunkte immunisierender Bildungsinhalte und ihrer Einflussfaktoren
6. Leitfadeninterviews mit Pädagogen: Die qualitative Studie
6.1 Das Forschungsdesign
6.2 Darstellung des Leitfadens
6.3 Vorstellung der Interviewpartner
6.4 Erläuterung der Auswertungstechnik
6.5 Zwischenfazit V: Immunisierende Bildungsinhalte und ihre Einflussfaktoren laut Interviews
6.6 Grundsätzliche Probleme der Studie: Bemerkungen zur Gültigkeit der Ergebnisse
7. Die Untersuchungsergebnisse im Überblick: Die Synthese aus Literaturrecherche und Studie
7.1 Immunisierende Bildungsinhalte und ihre Einflussfaktoren in der Zusammenfassung
7.2 Abschließende Hypothesen
TEIL III: IMMUNISIERENDE BILDUNGSINHALTE! DIE DISKUSSION DER UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE
8. Bestimmte Bildung kann rechtsextreme Einstellungen verhindern helfen
9. Abschließende Anmerkungen zur Arbeit
Die Arbeit untersucht explorativ, welche spezifischen Bildungsinhalte und sozialpsychologischen Grundfähigkeiten geeignet sind, rechtsextreme Einstellungsmuster zu verhindern oder ihnen entgegenzuwirken. Dabei wird Bildung nicht als universelles Allheilmittel, sondern als eine intervenierende Variable im Sozialisationsprozess verstanden, deren immunisierendes Potential durch verschiedene gesellschaftliche und individuelle Faktoren beeinflusst wird.
1.1 Warum eine weitere Arbeit über rechtsextreme Einstellungen?
Rechtsextreme Einstellungen sind nicht nur an den gesellschaftlichen Rändern zu finden, sondern ebenso in der „Mitte der Gesellschaft“ (Decker/ Brähler 2006, S. 55). Zumindest einzelne Aspekte des „rechtsextremen Einstellungssyndroms“ (Kleinert/ de Rijke 2000, S. 184) werden auch aktuell von sehr vielen Menschen vertreten (vgl. hierzu die Studien von Decker/ Brähler 2006 und Heitmeyer 2006). Für eine demokratisch verfasste, auf dem „Prinzip der Volkssouveränität“ (Schultze 2001, S. 51) sich gründende Gesellschaft stellen solche antidemokratischen (vgl. Arzheimer/ Schoen/ Falter 2000, Aschwanden 1995), gleichsam in der gesellschaftlichen und politischen Mitte etablierten Orientierungen ein ernsthaftes Problem für deren Stabilität dar (vgl. Butterwegge/ Häusler 2002). Besonderer Aufmerksamkeit bedarf die sich abzeichnende „Normalität“ (Heitmeyer 2006, S. 27) rechtsextremer Einstellungselemente deshalb, weil „alles, was als normal gilt, (..) sich nur schwer problematisieren“ und daher „nur noch mit großen Anstrengungen verändern“ (ebd.) lässt.
Spätestens seit internationalen Schulleistungstests wie PISA ist auch Bildung wieder ein Thema, das nicht nur wissenschaftlich, sondern v.a. auch politisch und medial neu diskutiert wird (vgl. Otto/ Oelkers 2006). Gegenwärtig wird Bildung als „Feuerwehr und ‚Joker’“ (Lindner 2003, S. 47) gegen sämtliche sozialen Probleme bemüht; eben auch um rechtsextreme Orientierungen zurückzudrängen. Abgesehen davon, dass eine solche Sichtweise politisch fatal sein dürfte, da das strukturelle Problem rechtsextremer Einstellungen in unzulässiger Weise individualisiert und als Problem bildungsbenachteiligter Gruppen gedeutet wird (vgl. Butterwegge/ Häusler 2002, Hafeneger 1993), ist der damit zumindest implizit behauptete Wirkungszusammenhang auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten äußerst fragwürdig. Aufgrund ihrer „multifaktoriellen“ (Aschwanden 1995, S. 10) Bedingtheit können rechtsextreme Orientierungen nicht allein durch ein Mehr an Bildung reduziert werden. Übersehen wird außerdem, dass zwischen (höherer) Bildung und liberaler und toleranter Einstellung „kein Automatismus“ (Hopf 1999, S. 848) besteht.
1. Einführung: Die Einleitung begründet das Forschungsinteresse an rechtsextremen Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Rechtsextreme Einstellungen: Dieses Kapitel definiert und grenzt rechtsextreme Einstellungen theoretisch ab und beschreibt diese als ein Syndrom verschiedener Ideologeme.
3. Ursachen rechtsextremer Einstellungen: Hier werden wissenschaftlich populäre Ursachen für die Entstehung rechtsextremer Einstellungen wie Sozialisation, Deprivation, Desintegration und politische Kultur diskutiert.
4. Bildung: Das Kapitel widmet sich der historischen und aktuellen theoretischen Bestimmung des Bildungsbegriffs und grenzt diesen von Erziehung und Sozialisation ab.
5. Der Bildungseffekt aus Sicht der Wissenschaft: Die Literaturrecherche: Dieser Teil analysiert bestehende wissenschaftliche Literatur und empirische Studien zum Zusammenhang von Bildung und Rechtsextremismus und entwirft ein Arbeitsmodell.
6. Leitfadeninterviews mit Pädagogen: Die qualitative Studie: Hier wird das qualitative Forschungsdesign der Studie, die Methodik der Datenerhebung sowie die Vorstellung der interviewten Pädagogen dargelegt.
7. Die Untersuchungsergebnisse im Überblick: Die Synthese aus Literaturrecherche und Studie: Die theoretischen Erkenntnisse und die empirischen Ergebnisse der Interviews werden zusammengeführt und in Hypothesen überführt.
8. Bestimmte Bildung kann rechtsextreme Einstellungen verhindern helfen: Diese Diskussion reflektiert die Chancen und Grenzen einer Immunisierung durch Bildung.
9. Abschließende Anmerkungen zur Arbeit: Das letzte Kapitel rundet die Arbeit mit einer kritischen Reflexion über die Komplexität der Thematik ab.
Rechtsextremismus, rechtsextreme Einstellungen, Bildung, Sozialisation, Immunisierung, politische Bildung, Interkulturelle Bildung, Vorurteile, autoritäre Staatsauffassung, Ideologie, Prävention, Pädagogik, Identitätsbildung, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit.
Die Arbeit untersucht, inwiefern Bildung als Schutzfaktor gegen die Entstehung rechtsextremer Einstellungen fungieren kann und welche inhaltlichen Ausgestaltungen von Bildung dafür relevant sind.
Zentral sind die Analyse rechtsextremer Ideologiefragmente, die Rolle von Bildung im Sozialisationsprozess, die Bedeutung politischer und interkultureller Bildung sowie die kritische Auseinandersetzung mit dem sogenannten "Bildungseffekt".
Das Ziel ist die Identifizierung immunisierender Bildungsinhalte und deren Einflussfaktoren, um Implikationen für die pädagogische Prävention rechtsextremer Einstellungen abzuleiten.
Die Untersuchung nutzt einen explorativen Ansatz, der eine theoretische Literaturrecherche mit einer qualitativen Studie in Form von leitfadengestützten Interviews mit sechs Pädagogen kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Rechtsextremismus und Bildung, eine Literaturrecherche zum Bildungseffekt sowie die qualitative empirische Untersuchung und deren Diskussion.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rechtsextremismus, Bildungsbegriff, soziale Sozialisation, Immunisierungspotential, politische Bildung und interkulturelle Pädagogik charakterisiert.
Nein. Die Arbeit unterstreicht, dass Bildung kein automatischer Garant gegen rechtsextreme Einstellungen ist, sondern deren Wirkung stark von individuellen Sozialisationsfaktoren und der gesellschaftlichen politischen Kultur abhängt.
Die Familie wird als primäre Sozialisationsinstanz identifiziert, die die Grundlagen für Persönlichkeitsentwicklung und Bildungsfähigkeit legt und damit maßgeblich das Immunisierungspotential von Bildung beeinflusst.
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