Masterarbeit, 2019
220 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Einführung in das Thema: Sexismus auf YouTube?
1.2 Relevanz von und Blick auf Geschlecht
1.3 Relevanz von YouTube als Untersuchungsgegenstand
1.4 Untersuchtes YouTube-Video und forschungsleitende Fragen
1.5 Das Problem der Reifizierung
1.6 Aufbau der Arbeit
2 Theoretischer Rahmen
2.1 YouTube als Teil jugendlicher Medienwelten und -sozialisation
2.1.1 Einfluss der Medien auf die Identitätsentwicklung und -konstruktion Jugendlicher
2.1.2 YouTube als sozialer und medialer Raum im Web 2.0
2.2 Die soziale Konstruktion der Wirklichkeit
2.2.1 Geschlecht als Konstruktion
2.2.2 Die Unterscheidung von sex und gender
2.2.3 Konstruktion von Geschlecht: Von Geschlechterdifferenzen zu Geschlechterdifferenzierungen
2.2.4 Frühe ethnomethodologische Studien zum doing gender
2.2.5 Die Konstruktion von Sexualität bei Michel Foucault
2.2.6 Performativität von Geschlecht und Konstruktion von geschlechtlicher Identität bei Judith Butler
2.3 Selbstdarstellung
2.3.1 Selbstdarstellung im Alltag
2.3.2 Selbstdarstellung auf YouTube
2.4 Technologie und Geschlecht
3 Repräsentationen von Geschlecht in den Medien
3.1 Geschlecht und Internet/Cyberfeminismus
3.2 Geschlecht und Soziale Medien
3.3 Geschlecht und YouTube
4 Methodische Vorüberlegungen und methodisches Vorgehen
4.1 Diskursanalyse
4.2 Kritische Diskursanalyse nach Siegfried Jäger
4.2.1 Analytische Kategorien der Kritischen Diskursanalyse
4.2.2 Vorgehensweise der Kritischen Diskursanalyse
4.3 Wissenssoziologisch-hermeneutische Videoanalyse
4.4 Methodisches Vorgehen
4.4.1 Feldabgrenzung und Fallauswahl
4.4.2 Datenerhebung als Theoretical Sampling für die Analyse der Anschlusskommunikation
4.4.3 Videotranskription als Interpretationsarbeit
5 Ergebnisse
5.1 Videoanalyse: Die Handlung hinter der Kamera
5.1.1 Der Kanal „Melina Sophie“ und das Video „Coming Out“
5.1.2 Herstellung von Intimität und Nähe durch die Handlung der Kamera
5.1.3 Zusammenfassung der Analyse der Handlung hinter der Kamera
5.2 Videoanalyse: Die Handlung vor der Kamera
5.2.1 „Fuck“: Kampf und Schwere durch Anpassungsdruck
5.2.2 „das Gefühl […] mein persönliches lebenslanges Geheimnis, endlich mitteilen zu müssen“: Das Geständnis
5.2.3 „[…] verdammt viel Zeit gekostet das zu akzeptieren“: Coming Out als langwieriger und schmerzhafter Prozess der Befreiung
5.2.4 „ich bin lesbisch“: Identität als Bezeichnungspraxis
5.2.5 „woran ich das gemerkt habe […] und ob ich mir wirklich sicher bin“: Heteronormativität
5.2.6 „Ich stehe nicht auf Männer“: Definition als Person über die Abweichung von der Norm
5.2.7 „Hier bin ich“: Selbstinszenierung
5.2.8 Zusammenfassung der Handlung vor der Kamera
5.3 Analyse der Anschlusskommunikation
5.3.1 Der Geschlechterdiskurs
5.3.2 Der Sexualitätsdiskurs
5.3.3 Zusammenfassung der Analyse der Anschlusskommunikation
5.4 Zusammenführung und Diskussion der Ergebnisse
6 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
7 Kritische Reflexion und Fazit
Diese Masterarbeit untersucht die Konstruktion von Geschlecht und Sexualität auf der Videoplattform YouTube. Das primäre Ziel ist es, mittels einer qualitativen Einzelfallanalyse des Videos „Coming Out“ der YouTuberin Melina Sophie sowie der dazugehörigen Anschlusskommunikation (Kommentare) aufzudecken, wie geschlechtliche Identität performativ hergestellt wird und inwieweit heteronormative Normalitätsvorstellungen in diesem digitalen Raum diskursiv verhandelt, reproduziert oder subversiv irritiert werden.
5.2.1 „Fuck“: Kampf und Schwere durch Anpassungsdruck
Das Video beginnt mit einem langen geräuschvollen Ausatmen von Melina Sophie. Dabei presst sie die Luft durch die fast geschlossenen Lippen. Die linke Hand ist erhoben, der Zeigefinger abgespreizt (Abbildung 5).
Das ist die Geste von jemandem, der etwas zu sagen hat. Die hochgezogenen Schultern werden mit dem Ausatmen fallengelassen, der gesamte Oberkörper scheint so zusammenzusacken. Auch die erhobene Hand fällt geräuschvoll auf die Beine. Die Augen wandern von rechts nach links an der Kamera vorbei, als ob sie einen Punkt zum Festhalten suchen, aber keinen finden. Der Kopf bewegt sich dabei nicht mit. Der Blick in die Kamera, um an dieser Stelle bereits Kontakt mit dem Publikum herzustellen, wie sonst im Genre Vlogs üblich, scheint keine Option für Melina Sophie zu sein.
Bereits in der ersten Sekunde werden so eine große Anspannung und Schwere, aber auch Ratlosigkeit deutlich, die auf Melina Sophie lasten. Diese zunächst nonverbal ausgedrückte Gefühlslage wird im nächsten Take sprachlich durch „Fuck“ unterstrichen (00:02). Dabei ist der Blick ganz kurz in die Kamera gerichtet, wodurch sich das Publikum das erste Mal direkt angesprochen fühlt, wenn auch nur flüchtig. Melina Sophie lächelt dabei etwas gequält (Still Nr. 2), was aber eher den Eindruck der Schwere und Ratlosigkeit unterstützt und zusätzlich den von Unsicherheit erweckt.
1 Einleitung: Einführung in das Forschungsfeld und Darlegung der Relevanz einer geschlechterperspektivischen Analyse der Plattform YouTube sowie Definition der Forschungsfragen.
2 Theoretischer Rahmen: Umfassende theoretische Fundierung, unter anderem durch Konzepte wie doing gender, performative Geschlechtsidentität nach Judith Butler und die Theorie der Selbstdarstellung von Erving Goffman.
3 Repräsentationen von Geschlecht in den Medien: Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu Geschlechterbildern in traditionellen Medien, dem frühen Internet und den Sozialen Medien.
4 Methodische Vorüberlegungen und methodisches Vorgehen: Erläuterung der angewandten Methodik, insbesondere die Kombination aus Kritischer Diskursanalyse nach Siegfried Jäger und wissenssoziologisch-hermeneutischer Videoanalyse.
5 Ergebnisse: Detaillierte Darstellung der Videoanalyse (Handlung vor und hinter der Kamera) und der Analyse der Anschlusskommunikation bezüglich Geschlechter- und Sexualitätsdiskursen.
6 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse: Synthese der gewonnenen Erkenntnisse und Rückbezug auf die theoretischen Annahmen zur Heteronormativität und Identitätsarbeit.
7 Kritische Reflexion und Fazit: Kritische Auseinandersetzung mit dem methodischen Vorgehen und dem Forschungsprozess sowie ein abschließendes Resümee.
YouTube, Geschlecht, Sexualität, Gender, Doing Gender, Coming Out, Selbstdarstellung, Heteronormativität, Diskursanalyse, Videoanalyse, Identitätskonstruktion, Soziale Medien, Performativität, Anschlusskommunikation, Empowerment.
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Konstruktionsprozessen von Geschlecht und Sexualität auf der Videoplattform YouTube am Beispiel des „Coming Out“-Videos von Melina Sophie.
Die Arbeit verknüpft Identitätsarbeit im Internet, performative Selbstdarstellung und die Wirksamkeit gesellschaftlicher Normen (Heteronormativität) in digitalen Kommunikationsräumen.
Das Ziel ist es, diskursiv aufzuzeigen, wie Jugendliche im digitalen Raum Identität aushandeln und welche Rolle dabei die Kamera-Inszenierung sowie das Feedback der Community spielen.
Es wird ein Methodenmix aus Kritischer Diskursanalyse (nach Jäger) und wissenssoziologisch-hermeneutischer Videoanalyse (nach Reichertz) angewandt, ergänzt um Ansätze der Grounded Theory.
Neben dem theoretischen Fundament und dem Forschungsstand enthält der Hauptteil eine detaillierte Analyse der Kamerahandlung, der Darstellung vor der Kamera und der anschließenden plattforminternen Kommentar-Diskussion.
Schlüsselbegriffe sind YouTube, Doing Gender, Coming Out, Heteronormativität und Identitätskonstruktion.
Die Handlung vor der Kamera umfasst die sichtbaren Sprech- und Darstellungspraxen von Melina Sophie, während die Handlung der Kamera die bewusste Bildgestaltung und technische Rahmung beschreibt.
Die Anschlusskommunikation dient als Feld für die Analyse diskursiver Aushandlungsprozesse; sie spiegelt wider, wie die Community auf das „Coming Out“ reagiert und dabei gesellschaftliche Normen produziert oder hinterfragt.
Es wurde aufgrund seiner hohen Reichweite, der expliziten Thematisierung von Sexualität und der darauf folgenden umfangreichen, kontroversen Diskussionen als besonders aussagekräftiger Einzelfall für die Analyse ausgewählt.
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