Magisterarbeit, 2008
163 Seiten
1. Fragestellungen
1.1. Forschungsgeschichte
1.2. Erkenntnistheoretische Überlegungen zu Untersuchungen der Sozialstruktur im Neolithikum anhand des archäologischen Materials
1.2.1. Prestige, Status und regionale Zentren
1.2.2. Die Rolle des Rituals – Übergangsriten
1.2.3. Kommunikatives Handeln
1.2.4. Modell des Begräbnisses als kommunikative Handlung
1.3. Datengrundlage
1.4. Methodik
1.5. Die Trichterbecherkultur (TBK)
1.5.1. Definition und Phasen
1.5.2. Siedlungen
1.5.3. Gräber und deren Grabtypen
1.5.4. Funde: Keramik, Silexbeile, etc.
1.6. Vorkommen und Bildung des Bernsteins
1.7. Räumliche Verteilung des Bernsteins der TBK
2. Bernsteintypen in Gräbern und Hortfunden
2.1. Datierung der Bernsteinperlen
3. Quantitative Untersuchungen – Merkmalsanalyse
3.1. Nichtmegalithische Gräber / Megalithische Gräber
3.2. Regionaler Vergleich - Bernstein und andere Faktoren der Bestattungen in kleinräumigen Regionen
3.2.1. Grabtyp / Bernstein
3.2.2. Besonderheiten bei den einzelnen Fundkategorien
3.2.3. GrabkammergrößenVerteilung der Hauptkategorien der Fundtypen: Schmuck, Metall, Steinwerkzeuge, Keramik und Knochengeräte
3.2.4. Grabkammergrößen
3.3. Ein Vergleich zwischen den Regionen
3.4. Vergleich nach dem Vorhandensein von Bernstein
3.5. Geschlechtsdifferenzierte Gräber
4. Analyse nach Foucaults Machtbegriff
4.1. Fähigkeiten – Kommunikation – Handeln – Macht
5. Hortfunde mit Bernstein
6. Vergleich der Hortfunde mit den Gräbern
6.1. Bernstein in der Trichterbecherkultur Südskandinaviens und Norddeutschlands
7. Die Frage der sozialen Stratifizierung und die Komponente der Macht
8. Nachnutzung und Nachbestattungen bei Primär-gräbern der TBK
8.1. Typologischer Vergleich des Bernsteins der TBK und der EGK
8.2. Typologische Vergleiche zur Differenzierung von Nach-bestattungen in der TBK
8.2.1. Kriterien und Kategorien für Nachbestattungen
8.3. Nachbestattungen in TBK Gräbern und Formen und Nachnutzung
8.4. Definition und Auffälligkeiten von Nachbestattungen
8.5. Nachbestattungen im Kontext des Bernsteins der TBK Gräber
8.5.1. Limfjordregion
8.5.2. Seeland und Fünen
8.5.3. Ostjütland
9. Die Bedeutung der Nachbestattungen in der neolithischen Gesellschaft
9.1. Nachnutzungen und Nachbestattungen als Schlüssel zur Kontinuität und Wandel?
9.2. Intentionen und nicht- intentionelle Konsequenzen
10. Korrespondenzanalysen – Analyse zur Differenzierung der Regionen
10.1. Beigabenindices
10.2. Korrespondenzanalyse der Gräber aus der Limfjordregion
10.3. Korrespondenzanalyse der Gräber in Seeland
10.4. Vergleich zwischen den Regionen
10.5. Korrespondenzanalyse der Fundkategorien
11. Interpretation der Merkmalsanalyse zur Kontinuität im Neolithikum
11.1. Ausblick
Die Arbeit untersucht die soziale Struktur und gesellschaftliche Organisation im neolithischen Südskandinavien, indem sie die Bestattungsrituale und die Verteilung von Bernstein als Beigabe in Trichterbecherkultur-Gräbern analysiert. Dabei steht die Frage im Vordergrund, inwiefern der Bernstein als Indikator für soziale Prestigeunterschiede, kommunikative Handlungen oder regionale Kontinuitäten innerhalb der neolithischen Gesellschaft dienen kann.
1. Fragestellungen
Gleichermaßen wie Gold in der Bronzezeit, so entbehrt Bernstein rein funktional gedacht jeglicher praktischen Funktion. Es taugt weder als Nahrungsmittel noch als Material für die Werkzeugherstellung, anders aber zur Schmuckherstellung ausschließlich durch den Eigenwert an sich. Daher deutet sein Vorkommen in archäologischen Zusammenhängen immer auf Aspekte, die außerhalb der rein Funktionalen liegen. Gerade diese Aspekte lassen sich in der Archäologie jedoch am schwierigsten erfassen – sind aber von höchstem Interesse. Sobald die Forschung über eine rein deskriptive Stufe hinauskommen will, drängen sich förmlich Fragen der gesellschaftlichen Organisation und des geistigen Lebens vergangener Kulturen auf. Diese Arbeit will die gesellschaftliche Struktur im Zusammenhang mit der Erörterung der Frage nach der Bedeutung des Bernsteins in der Trichterbecherkultur (TBK) vorrangig in Dänemark behandeln. Dabei wird die unterschiedliche Verteilung und Häufigkeit von Bernstein in Gräbern und Hortfunden in das in Regionen aufgeteilte Arbeitsgebiet Dänemark, untersucht (Abb. 3). Es soll untersucht werden, welche Aussagekraft der Bernstein bezüglich der Möglichkeit hat, soziale Kontexte und die gesellschaftliche Organisation zu rekonstruieren. Insbesondere ist bei der Untersuchung der TBK wichtig, ob eine Differenzierung von Gräbern mit Bernstein und Nachbestattungen, zwischen Gräbern bei denen keine Bernsteinbeigaben und/oder Nachbestattungen oder Nachnutzungen dokumentiert sind, zu erkennen ist. Als Ergebnis der Aussagen über die Gesellschaft wird eine Differenzierung von fünf verschiedenen definierten Regionen, durch mehrfache Eigenschaften und Merkmale erwartet.
Weiter soll der Frage nachgegangen werden, mit welchen anderen Beigabentypen Bernstein korreliert und ob sich unterschiedliche Niederlegungsgebräuche bezüglich der unterschiedlichen Typen von Bernstein z. B. zwischen „Unbestimmte Bernsteinperle“ und „Bernsteinscheiben“ beobachten lassen. Sofern möglich, wurden bei der Analyse der Gräber anthropologische Daten mit einbezogen, um zu klären, ob es sich beim Bernstein als Grabbeigabe um eine geschlechtsspezifische Beigabe handelt. Hierzu liegen jedoch für die TBK nur sehr wenige Daten vor (siehe Geschlechtsdifferenzierte Gräber).
1. Fragestellungen: Einleitung in die Bedeutung von Bernstein als funktionsloses Prestigegut und Formulierung der zentralen Forschungsfragen hinsichtlich der sozialen Struktur der TBK.
2. Bernsteintypen in Gräbern und Hortfunden: Systematische Typologie der verschiedenen Bernsteinobjekte und ihre zeitliche Einordnung im Neolithikum.
3. Quantitative Untersuchungen – Merkmalsanalyse: Detaillierte statistische Analyse von Grabtypen, Beigaben und Grabkammergrößen in den untersuchten Regionen.
4. Analyse nach Foucaults Machtbegriff: Theoretische Anwendung des Foucaultschen Machtbegriffs zur Interpretation sozialer Verhältnisse in prähistorischen Kontexten.
5. Hortfunde mit Bernstein: Übersicht und Analyse der Bernstein-Deponierungen in Dänemark und ihre regionale sowie zeitliche Verteilung.
6. Vergleich der Hortfunde mit den Gräbern: Gegenüberstellung der Bernsteinvorkommen in Gräbern und Hortfunden zur Identifikation unterschiedlicher Nutzungskontexte.
7. Die Frage der sozialen Stratifizierung und die Komponente der Macht: Diskussion der sozialen Hierarchien basierend auf der Beigabenausstattung in Megalithgräbern.
8. Nachnutzung und Nachbestattungen bei Primär-gräbern der TBK: Untersuchung der diachronen Nutzung von Grabbauten und deren Bedeutung für die Kontinuität der Bestattungspraktiken.
9. Die Bedeutung der Nachbestattungen in der neolithischen Gesellschaft: Interpretation der Nachbestattungen als Kommunikationsmittel und Ausdruck sozialer Wandlungsprozesse.
10. Korrespondenzanalysen – Analyse zur Differenzierung der Regionen: Statistische Clusteranalysen zur Differenzierung gesellschaftlicher Gruppen anhand ihrer materiellen Hinterlassenschaften.
11. Interpretation der Merkmalsanalyse zur Kontinuität im Neolithikum: Synthese der Ergebnisse zur sozialen Organisation und abschließende Reflexion der Untersuchungsmethodik.
Trichterbecherkultur, Bernstein, Sozialstruktur, Bestattungsrituale, Korrespondenzanalyse, Nachbestattungen, Prestige, Machtstrukturen, Neolithikum, Dänemark, Grabbeigaben, soziale Stratifizierung, Archäometrie, Siedlungsmuster, Kontinuität.
Die Arbeit untersucht die soziale Struktur und gesellschaftliche Organisation der Trichterbecherkultur (TBK) in Südskandinavien, mit einem besonderen Fokus auf der Rolle von Bernstein als Grabbeigabe.
Die Themen umfassen die Typologie von Bernsteinperlen, die statistische Analyse von Grabfunden, die Kontinuität von Bestattungsriten durch Nachnutzungen und die theoretische Interpretation von Machtstrukturen.
Das Hauptziel besteht darin, anhand von Bestattungsdaten zu rekonstruieren, ob und wie soziale Hierarchien und Prestigeunterschiede in der TBK-Gesellschaft existierten und wie Bernstein diese widerspiegelt.
Es werden quantitative Methoden wie die Korrespondenzanalyse eingesetzt, gepaart mit einer archäologisch-typologischen Auswertung und der Anwendung sozialtheoretischer Konzepte, insbesondere von Michel Foucault.
Der Hauptteil analysiert die regionale Verteilung von Bernstein, vergleicht Gräber und Hortfunde und untersucht die diachrone Entwicklung von Bestattungen durch Nachnutzungen und Nachbestattungen in verschiedenen dänischen Regionen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Trichterbecherkultur, Sozialstruktur, Bernstein, Bestattungsrituale, Korrespondenzanalyse und Stratifizierung definieren.
Die Limfjordregion wird als spezifische Testregion behandelt, da sie eine besonders hohe Dichte und Varianz an Bernsteinbeigaben aufweist, die für die Analyse der sozialen Stratifizierung entscheidend ist.
Die Analysen zeigen, dass Bernsteinbeigaben nicht zufällig verteilt sind, sondern mit bestimmten Grabtypen und potenziell sozial höher gestellten Individuen oder Gruppen korrelieren, wobei die statistische Signifikanz je nach Region variiert.
Unter Anwendung von Foucaults Machtbegriff wird argumentiert, dass Macht in der TBK nicht institutionell starr war, sondern ein dynamischer, durch Kommunikation und rituelle Handlungen kontinuierlich neu ausgehandelter Prozess.
Nachbestattungen werden als Schlüsselphänomen interpretiert, das Kontinuität und Wandel in der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Ahnen und der eigenen Identität über Generationen hinweg widerspiegelt.
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