Bachelorarbeit, 2020
73 Seiten, Note: 1,3
1 Einführung
1.1 Literatururteil
1.2 Arbeitsziel
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Armut, Ungleichheit und Armutsbekämpfung
2.1 Begriffsklärung
2.2 Entstehung von Sozialsicherung und Wohlfahrtsstaatmodelle in Europa
2.3 Was ist sozial an der Sozialpolitik
2.3.1 Gemeinsamkeiten zwischen Sozialpolitik und Soziale Arbeit
2.3.2 Mandate der Sozialen Arbeit
3 Historische Entwicklung der sozialen Sicherung in Brasilien
3.1 Das brasilianische Sozialschutzmodell: Von der Militärdiktatur bis zur Gegenwart
3.2 Instrumente der brasilianischen staatlichen Grundsicherungen
3.3 Historische Betrachtung der Armutsentstehung in Brasilien
3.4 Die Sozialhilfe als Hilfsmittel zur Armutsbekämpfung
3.5 Zentralisierung und Dezentralisierung der Sozialhilfe
4 Das Programm „Bolsa Família“ als gegenwärtiges sozialpolitisches Bestreben
4.1 Zentralregister als Zutrittsgarantie in die sozialpolitischen Maßnahmen des Programms „Bolsa Família“
4.2 Das Programm „Bolsa Família“: Definition der Hilfeleistung
4.2.1 Die Finanzierung des Programms „Bolsa Família“
4.2.2 Voraussetzungen für die Aufnahme
4.2.3 „Bolsa Família“ als Rettungsschirm und Sozialsicherung
4.2.4 Das Profil der Begünstigten des Programms „Bolsa Família“
4.3 Ergebnisse und Wirkung des Programms „Bolsa Família“ auf verschiedene Lebensbereiche
4.3.1 Gesundheit / Ernährung
4.3.2 Bildung
4.3.3 Erwerbstätigkeit / Kinderarbeit
4.3.4 Soziale Arbeit / Soziale Inklusion und Exklusion
4.3.5 Armutslinderung
4.3.6 Einkommensungleichheit
5 Eigene Forschung, Datenerhebung, Ergebnisteil
5.1 Methoden der wissenschaftlichen Arbeit
5.2 Darstellung des Geltungsbereichs und der Zielgruppe
5.3 Datenvalidierung: Erkenntnisse aus der Befragung
5.4 Reflexion über die Forschungsmethode bzw. -ergebnisse
6 Fazit
7 Literaturverzeichnis
Anhang
Anhang 1: Fragebogen – Frage 1 bis 30
Anhang 2: Dimensionen des Wohlbefindens und Indikatoren der sozialen Benachteiligung
Anhang 3: Bolsa Família - Auszahlung 2016-2019 nach Bundesland
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, zu untersuchen, wie durch das Zusammenspiel von Sozialpolitik, Sozialhilfe und Sozialer Arbeit die Armutsbekämpfung und soziale Inklusion in Brasilien gefördert werden können, wobei das Programm „Bolsa Família“ als zentrales Untersuchungsobjekt dient.
3.1 Das brasilianische Sozialschutzmodell: Von der Militärdiktatur bis zur Gegenwart
In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts herrschte in Brasilien nicht nur das Militärregime, sondern auch der Kampf um die Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung. Dies erfolgte durch Assoziationspakte mit dem Staat. Der Mangel an sozialer Unterstützung für das Volk führte zur Schaffung von bisher nichtexistierenden sozialen Diensten, wie Wohnungsprogrammen, Berufsbildung und Heimeinrichtung (Vgl. da Silva & Ramos Silveira, 2017, S. 185). Solche Dienstleistungen wurden vom Staat mit Unterstützung von Geschäftsleuten geschaffen, aber von Zivilgesellschaf ausgeführt (Vgl. Mestriner, 2001, S. 45-46).
Zwischen 1964 bis 1985 wurden die Bestrebungen in diesem Bereich durch eine Stagnation beeinträchtigt. Erst gegen Ende der Militärdiktatur fand die „Wiedereinführung des demokratischen Rechtstaates und eine Reform der Sozialpolitik statt“ (Menezes & Brait-Poplawski, 2012, S. 21). Soziale Bewegungen, neue Gewerkschaften, Studentenbewegungen und öffentliche Proteste im Gesundheits- und Sozialwesen galten in der Zeitspanne zwischen 1985-1988 als Auslöser für die Verabschiedung der brasilianischen Verfassung im Jahr 1988 (Vgl. Mestriner, 2001, S. 45-46). Die Erlassung der Magna Carta trieb den Fortschritt im sozialpolitischen Entwicklungsfeld maßgebend an. Erst ab diesem Zeitpunkt wird die Sozialhilfe in der öffentlichen Politik legitimiert. Über die Errungenschaften der Bundesverfassung hinaus bildeten sich die drei Säulen der sozialen Sicherheit, nämlich das Gesundheitswesen, die Sozialhilfe und die Sozialversicherung. Dadurch wurde ein Raum für die Beteiligung der Zivilgesellschaft sowie Sozialkontrolle eröffnet (Vgl. Paiva, Falcão, & Bartholo, 2013, S. 28).
Das brasilianische Schutzmodell wurde sowohl durch das „Bismarck’sche als auch durch das Beveridge‘sche Modelle beeinflusst. Das bedeutet, dass die Sozialversicherung abhängig ist von der Ausführung einer formellen Beschäftigung und der damit geleisteten Pflichtbeiträge.
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die soziale Ungleichheit in Brasilien und definiert das Forschungsziel sowie den Aufbau der Arbeit zur Analyse von Sozialpolitik und Sozialer Arbeit.
2 Armut, Ungleichheit und Armutsbekämpfung: Dieses Kapitel definiert Armut in ihren verschiedenen Ausprägungen und diskutiert theoretische Ansätze zur Wohlfahrtsstaatlichkeit und zum Verhältnis von Sozialpolitik und Sozialer Arbeit.
3 Historische Entwicklung der sozialen Sicherung in Brasilien: Es wird die Entwicklung des Sozialschutzes von der Militärdiktatur bis zur modernen Verfassung von 1988 sowie die Entstehung der Sozialhilfe und Dezentralisierungsprozesse erläutert.
4 Das Programm „Bolsa Família“ als gegenwärtiges sozialpolitisches Bestreben: Dieses Kapitel analysiert detailliert die Struktur, Finanzierung und Wirkung des „Bolsa Família“-Programms sowie seine Bedeutung für verschiedene Lebensbereiche wie Gesundheit, Bildung und Arbeit.
5 Eigene Forschung, Datenerhebung, Ergebnisteil: Der methodische Teil beschreibt die durchgeführte Befragung von Fachkräften in Belo Horizonte und präsentiert deren Erkenntnisse zur Validierung der Forschungsfrage.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert das Potenzial sowie die Herausforderungen des Programms „Bolsa Família“ im Kontext der sozialen Inklusion in Brasilien.
Sozialpolitik, Sozialarbeit, Sozialhilfe, soziale Sicherung, Bolsa Família, Brasilien, Armutsbekämpfung, Armut, soziale Inklusion, Gini-Koeffizient, Zentralregister, SUAS, Referenzzentrum, Sozialraumorientierung, Empowerment.
Die Arbeit untersucht die Effektivität sozialpolitischer Maßnahmen in Brasilien, insbesondere des Geldtransferprogramms „Bolsa Família“, und deren Zusammenspiel mit der Sozialen Arbeit zur Förderung der sozialen Inklusion armer Bevölkerungsschichten.
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung der sozialen Sicherung in Brasilien, die Funktionalität des „Bolsa Família“-Programms, die Rolle der Sozialen Arbeit bei der Armutsbekämpfung und die Auswirkungen dieser Maßnahmen auf Bildung und Gesundheit.
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, wie durch das Zusammenwirken von Sozialarbeit, Sozialhilfe und dem Programm „Bolsa Família“ eine nachhaltige Armutsreduktion und soziale Inklusion in Brasilien gefördert werden kann.
Die Autorin kombiniert eine umfangreiche bibliografische Literaturanalyse mit einer empirischen Untersuchung in Form einer Befragung von 35 Fachkräften (Sozialarbeiter und Psychologen) aus der Metropolregion Belo Horizonte.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Armut und Sozialpolitik, eine historische Analyse der brasilianischen Sozialhilfe sowie eine detaillierte Untersuchung der Struktur und Wirkmechanismen des Programms „Bolsa Família“ inklusive eigener Forschungsergebnisse.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Bolsa Família“, „Soziale Inklusion“, „Armutsbekämpfung“, „Soziale Arbeit“ und „Sozialschutzmodell“ charakterisiert.
Die Referenzzentren fungieren als zentrale operative Einheiten vor Ort, die durch Soziale Arbeit die Identifizierung von Bedürftigen ermöglichen, das „Bolsa Família“-Programm begleiten und eine Brücke zwischen staatlichen Leistungen und den Lebenswelten der Familien schlagen.
Die Autorin sieht das Programm als lebensnotwendig für die Ärmsten an, warnt jedoch vor der Unsicherheit durch den fehlenden gesetzlichen Status als kontinuierliche Leistung, was bei Regierungswechseln zu Kürzungen oder zur Instrumentalisierung führen kann.
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