Masterarbeit, 2004
98 Seiten, Note: 1,3
0. Einleitung
0.1 Einleitung und Fragestellung
0.2 Aufbau der Arbeit
1. Einführung in das Thema Feindseligkeit
1.1 Definition von Feindseligkeit
1.2 Emotionen in der Soziologie
1.3 Feindseligkeit als soziologisches Phänomen
2. Theorie der Online-Gruppenkommunikation
2.1 Formen der Online-Kommunikation
2.2 Exkurs: Diskussionsforen – Die Schwarzen Bretter des WWW
2.3 Konzepte virtueller Gruppen und Gemeinschaften
2.4 Spezielle Eigenschaften des Mediums Internet und ihre Auswirkungen auf Kommunikationsprozesse
2.4.1 Anonymität
2.4.2 Reduzierung von Sinneseindrücken und Statusmerkmalen
2.4.3 Enthemmung
3. Feindseligkeit in der computervermittelten Kommunikation
3.1 Was ist Feindseligkeit im Netz?
3.2 Unterschiedliche Erscheinungsformen von Feindseligkeit im Internet
3.2.1 Flaming
3.2.2 Hacking
3.2.3 Spamming
3.2.4 Virtuelle Gewalt
3.3 Gegenstrategien des World Wide Web
3.3.1 Moderatoren und andere Ämter im Netz
3.3.2 Die Netiquette – Verhaltenskodex mit Empfehlungscharakter
3.3.3 Sanktionsmöglichkeiten
3.4 Exkurs: Warum es Sinn macht, Feindseligkeit im Web zu untersuchen
3.4.1 Service und Beratung – Gesundheitsplattformen
3.4.2 Wirtschaft und Handel – Kommerzielle Plattformen
3.4.3 Politik und Partizipation – Virtuelle Gemeinschaften als Partizipationsmöglichkeit
4. Forschungsstand zum Thema Feindseligkeit online
4.1 Genereller Überblick
4.2 Preece und Ghozati: “Observations and Explorations of Empathy online”
4.2.1 Begriffliche Definitionen bei Preece
4.2.2 Zusammenfassung der Studie
5. Eigene Forschungsfragen und ihre theoretischen Grundlagen
5.1 Einbettung in Offline-Strukturen
5.2 Ausdruck virtueller Identität
5.3 Vielschichtige Hierarchiestrukturen
5.4 Verweis auf eine Netiquette
6. Empirische Untersuchung
6.1 Anspruch und Ziel dieser Untersuchung
6.2 Methodisches Vorgehen
6.3 Die Anbieter der untersuchten Diskussionsforen
6.4 Grundgesamtheit und Stichprobenziehung
6.5 Kategorisierung der Beiträge
6.6 Durchführung der Erhebung und Auswertung
6.6.1 Einbettung
6.6.2 Netiquette
6.6.3 Mehrschichtige Moderation
6.6.4 Ausdruck virtueller Persönlichkeit
6.6.5 Gesamt
6.7 Probleme im Verlauf der empirischen Untersuchung
7. Ergebnisse und Ausblick
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Feindseligkeit in der Internet-Gruppenkommunikation, insbesondere in Diskussionsforen. Das primäre Ziel ist es zu ergründen, ob und wie verschiedene Merkmale von Online-Communities – wie deren Einbettung in Offline-Strukturen, die Möglichkeit zum Ausdruck einer virtuellen Identität, komplexe Moderationsstrukturen oder explizite Verhaltensregeln (Netiquette) – das Auftreten feindseligen Verhaltens beeinflussen.
3.1 Was ist Feindseligkeit im Netz?
Wo Menschen in sozialen Gruppen zusammen kommen, ist auch mit dem Auftreten von antisozialem Verhalten zu rechnen. In der englischen Literatur über Internetforschung ist teilweise generell von „deviant behaviour“, also von abweichendem Verhalten, die Rede (vgl. z.B. Bruckman 1994, Suler 1998). Abweichendes Verhalten meint in diesem Fall die Abweichung von den Normen und Regeln der entsprechenden Gruppe15. Dieses Verhalten kann sich in vielen Facetten ausdrücken; untersucht werden sollen aber in dieser Arbeit nur diejenigen Phänomene, die tatsächlich feindselig motiviert sind. Von der Gruppennorm abweichendes Verhalten muss nicht automatisch feindselig sein – jemand, der die Gruppenregeln ignoriert und zum Beispiel einen Crosspost16 verfasst, handelt nicht zwingend in feindseliger Absicht, auch wenn dies oftmals nicht gern gesehen wird.
In Kapitel 1.1. wurde Feindseligkeit als eine Haltung definiert, die negative Gefühle gegenüber anderen Personen mit sich bringt – etwa Ärger, Wut, Misstrauen, Hass – und die zu Handlungen führen kann oder sich in Handlungen ausdrückt, mit denen man einer anderen Person Schaden zufügen will, sei es verbal oder physisch.
Im Internet unterscheidet sich die Kommunikationssituation von der des Real Life, weil die beteiligten Personen sich nicht physisch begegnen, sondern im Regelfall auf rein textlicher Basis miteinander kommunizieren. Physische Verletzungen des Gegenübers sind somit ausgeschlossen, Aggression und Wut manifestieren sich in schriftlichen Äußerungen. Grenzfälle bilden feindselige Aktionen in virtuellen Realitäten, etwa in MUDs, in denen zumindest fiktiv körperliche Persönlichkeiten physisch attackiert werden können. Ob dies eine tatsächliche physische Verletzung darstellt – handelt es sich dabei doch um Fantasie-Figuren und nicht um echte Menschen – ist strittig. Fälle virtueller Gewalt werden in Kapitel 3.2.4 angesprochen.
0. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Feindseligkeit in der Internet-Gruppenkommunikation ein und erläutert die zentrale Fragestellung sowie den Aufbau der Arbeit.
1. Einführung in das Thema Feindseligkeit: Das Kapitel definiert Feindseligkeit, beleuchtet die Rolle von Emotionen in der Soziologie und betrachtet Feindseligkeit als soziologisches Phänomen.
2. Theorie der Online-Gruppenkommunikation: Hier werden Formen der Online-Kommunikation, Diskussionsforen als moderne Schwarze Bretter, Konzepte virtueller Gemeinschaften sowie spezifische Eigenschaften des Internets und deren Auswirkungen auf Kommunikationsprozesse erörtert.
3. Feindseligkeit in der computervermittelten Kommunikation: Dieses Kapitel behandelt Formen der Feindseligkeit im Netz, Strategien des World Wide Web zur Konfliktbewältigung sowie die Relevanz der Untersuchung von Feindseligkeit in verschiedenen Anwendungsfeldern.
4. Forschungsstand zum Thema Feindseligkeit online: Das Kapitel gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand und setzt sich ausführlich mit der Studie von Preece und Ghozati auseinander.
5. Eigene Forschungsfragen und ihre theoretischen Grundlagen: Hier werden die forschungsleitenden Hypothesen zur Einbettung in Offline-Strukturen, virtuellen Identitäten, Hierarchiestrukturen und zur Netiquette theoretisch hergeleitet und begründet.
6. Empirische Untersuchung: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen, die Stichprobenziehung, die Kategorisierung der Daten sowie die Ergebnisse der Erhebung und Auswertung.
7. Ergebnisse und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, reflektiert die Limitationen der Studie und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe.
Feindseligkeit, Online-Gruppenkommunikation, Internet-Diskussionsforen, Netiquette, virtuelle Gemeinschaften, Flaming, Moderation, soziale Einbettung, Anonymität, computervermittelte Kommunikation, Online-Disinhibition-Effekt, Identitätsdarstellung, quantitative Inhaltsanalyse, virtuelle Identität, Gruppenkonflikte.
Die Arbeit untersucht das Ausmaß und die Ursachen von feindseligem Verhalten in Online-Gruppen, insbesondere innerhalb von Internet-Diskussionsforen.
Im Fokus stehen die Identifizierung feindseliger Verhaltensweisen im Netz und der Einfluss verschiedener struktureller Merkmale der Foren auf dieses Verhalten.
Die Arbeit möchte klären, ob Faktoren wie die Einbettung in soziale Offline-Strukturen, Identitätsoptionen der User, komplexe Moderationsstrukturen oder existierende Verhaltensregeln einen messbaren Einfluss auf das Vorkommen von Feindseligkeit haben.
Es wurde eine quantitative Inhaltsanalyse von insgesamt 800 Forenbeiträgen durchgeführt, unterstützt durch das Analyseprogramm MaxQDA.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil, der das Phänomen Feindseligkeit und die Rahmenbedingungen der Online-Kommunikation beleuchtet, und einen empirischen Teil, in dem die Hypothesen an Daten aus 40 verschiedenen Foren geprüft werden.
Zu den prägenden Begriffen zählen Feindseligkeit, Online-Gruppenkommunikation, Foren-Netiquette, Anonymität und computervermittelte Kommunikation.
Die Arbeit vermutet, dass Nutzer, die sich auch im realen Leben (z.B. in Vereinen) kennen, eher zu sozialem, konstruktivem Verhalten neigen und ihre Anonymität seltener für feindselige Angriffe missbrauchen.
Die empirische Untersuchung ergab ein erstaunlich geringes Vorkommen von Feindseligkeit (nur 0,75 % der Beiträge), was die Autorin zu dem Schluss führt, dass Internet-Gruppenkommunikation weitaus weniger feindselig ist, als es öffentliche Befürchtungen oft nahelegen.
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