Magisterarbeit, 2007
147 Seiten, Note: 1,0
Geschichte Deutschlands - Erster Weltkrieg, Weimarer Republik
1 EINLEITUNG
1.1 FRAGESTELLUNG
1.2 FORSCHUNGSSTAND UND QUELLEN
1.3 METHODIK
2 STRUKTURELLE RAHMENBEDINGUNGEN
2.1 DIE PRESSE IM DEUTSCHEN KAISERREICH IM VORFELD UND WÄHREND DES WELTKRIEGES
2.1.1 Die Presselandschaft im Kaiserreich
2.1.2 Pressekontrolle und Zensur
2.1.3 Kriegsberichterstatter
2.2 DIE BEZIEHUNGEN ZWISCHEN BULGARIEN UND DEUTSCHLAND IN DEN JAHREN 1912 – 1918
2.2.1 Die erste Phase: 1912 – 1914
2.2.2 Die zweite Phase: 1914 – 1918
3 BULGARIEN IN DER DEUTSCHEN PRESSE
3.1 DIE KRITISCHE PHASE 1912-1914
3.1.1 Statistik
3.1.2 „Seltsame Mischung aus Barbarentum und dem schon von Europa Übernommenen“
3.1.3 „Russische und bulgarische Flinten schießen nicht aufeinander“
3.1.4 „Die bulgarische Soldateska und ihre viehischen Offiziere“
3.2 DIE POSITIVE PHASE 1914 – 1918
3.2.1 Statistik
3.2.2 „Eine Umwertung des landläufigen Bulgarienbildes ist notwendig“
3.2.3 „Hier drängt eine Art Verwandtschaft zur Brüderschaft auf den Schlachtfeldern“
3.2.4 „Soldaten in deutschem Sinne“
3.3 RÜCKKEHR ZUM ALTEN MUSTER? – DER BULGARISCHE ZUSAMMENBRUCH
4 RESÜMEE
Das Hauptziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist die Untersuchung des Bulgarienbildes in der deutschen Presse während des Ersten Weltkrieges, wobei insbesondere die diachrone Gegenüberstellung der Phasen 1912–1914 und 1914–1918 im Fokus steht, um Gemeinsamkeiten, Unterschiede und die Gründe für den Wandel in der Wahrnehmung zu analysieren.
3.1.4 „Die bulgarische Soldateska und ihre viehischen Offiziere“
Bereits zu Beginn der ersten Phase wurde der bulgarischen Armee aufgrund der großen Erfolge im 1. Balkankrieg von der Mehrheit der deutschen Journalisten ein äußerst positives Urteil insbesondere im Hinblick auf ihre Leistungsfähigkeit attestiert: „Intensive Ausnützung des Menschenmaterials, vorzügliche Ausbildung, ebensolche Disziplin, gewissenhafteste Vorbereitung der Mobilisierung in allen Teilen kennzeichnen das bulgarische Heerwesen. Die Armee – in stetigem Fortschritte – ist jetzt schon die beste unter den Balkanarmeen und der gewichtigste Faktor bei den kriegerischen Ereignissen am Balkan.“
Bei einigen Journalisten steigerten sich die Elogen sogar noch, wenn sie die Effizienz der Armee in Relation zu ihrem erst relativ kurzem Bestehen und ihren recht kümmerlichen Anfängen als Miliz unter weitgehend russischer Kontrolle setzten. So beschrieb Hugo von Köller, der als Kavallerieoffizier in den Jahren der Unabhängigkeitskriege Bulgariens von 1879 bis 1882 in der bulgarischen Armee gekämpft hatte, genüsslich seine amüsanten Erfahrungen mit den Soldaten des Balkanlandes. Einmal seien seine Soldaten damals, so Köller, gar bei einem selbst nur simulierten Feuerüberfall panikartig geflohen - „So war es vor dreißig Jahren! Wie anders ist es heute!“
Nichtsdestominder offenbarten viele Autoren bei der Beurteilung der Vorgänge über die gesamte erste Untersuchungsphase doch eine gewisse Ambivalenz, die maßgeblich aus dem Glauben an die eigene Überlegenheit resultierte. So gestand z.B. ein Autor in der Kölnischen Volkszeitung vom 20. Juni 1913 den Balkanslawen durchaus zu, dass sie fähige Feldherren besessen hätten, „ [...] ob sie aber gegen europäische Heerführer erfolgreich kämpfen würden, bleibe dahingestellt.“ Schon die Verwendung des Begriffes „europäische Heerführer“ in Abgrenzung zu den bulgarischen Generälen zeigt deutlich, dass der Autor nicht nur vom eigenen Überlegenheitsgefühl geprägt war, sondern dass er unter Benutzung eines klassischen Heterostereotyps „die Bulgaren“ nur bedingt zu Europa zählte.
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die gravierenden Umschläge in der deutschen Bulgarienberichterstattung zwischen 1912 und 1918 und definiert das Forschungsdesiderat sowie die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2 STRUKTURELLE RAHMENBEDINGUNGEN: Dieses Kapitel analysiert die Entwicklung der deutschen Presselandschaft im Kaiserreich sowie die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Bulgarien in den untersuchten Jahren.
3 BULGARIEN IN DER DEUTSCHEN PRESSE: Im Hauptteil werden die Berichterstattung über Bulgarien in den zwei Phasen 1912-1914 und 1914-1918 anhand statistischer Auswertungen sowie inhaltlicher Analysen auf kultureller, politischer und militärischer Ebene untersucht.
4 RESÜMEE: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und hebt den Zusammenhang zwischen realpolitischer Entwicklung, Medienecho und den zugrundeliegenden Wahrnehmungsfiltern der deutschen Presse hervor.
Bulgarien, Deutsches Kaiserreich, Erster Weltkrieg, Balkankriege, Presseberichterstattung, Bulgarienbild, Stereotypenforschung, Mediengeschichte, Propaganda, Zensur, Kriegsberichterstatter, Außenpolitik, Fremdwahrnehmung, Mittelmächte, Orient.
Die Arbeit untersucht das Bild, das die deutsche Presse im Zeitraum von 1912 bis 1918 über Bulgarien zeichnete, und wie sich dieses Bild im Verlauf der politischen Ereignisse veränderte.
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der deutschen Presselandschaft, den deutsch-bulgarischen politischen Beziehungen, der Berichterstattung über den bulgarischen Volkscharakter, die Politik und das Militär sowie der Nutzung von Stereotypen.
Das primäre Ziel ist eine diachrone Gegenüberstellung der Berichterstattung in den Jahren 1912–1914 und 1914–1918, um zu klären, ob und warum sich das deutsche Bild von „den Bulgaren“ vor dem Hintergrund der veränderten militärischen und politischen Beziehungen änderte.
Die Arbeit basiert primär auf einer systematischen Auswertung von Zeitungsartikeln und Karikaturen aus den wichtigsten deutschen Tages- und Satirezeitungen der Zeit, basierend auf bibliografischen Verzeichnissen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Phase (1912–1914) und eine positive Phase (1914–1918). Er behandelt statistische Daten zum Medieninteresse und analysiert die Darstellung auf kultureller, politischer und militärischer Ebene.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Bulgarien, Deutsches Kaiserreich, Erster Weltkrieg, Presseberichterstattung, Bulgarienbild, Mediengeschichte und Stereotypenforschung.
In der ersten Phase wurde der bulgarischen Armee trotz einiger Vorbehalte aufgrund ihrer Erfolge im ersten Balkankrieg eine hohe Leistungsfähigkeit attestiert, jedoch blieb eine gewisse Ambivalenz bestehen, da die bulgarischen Generäle oft nicht als „europäische Heerführer“ betrachtet wurden.
Ferdinand wurde anfangs in Karikaturen oft negativ dargestellt, wandelte sich aber während des Krieges in der Berichterstattung zu einer positiven Figur, die oft als „Schmied von Sofia“ und tatkräftiger Staatslenker idealisiert wurde, um die Bündnistreue zu unterstreichen.
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