Diplomarbeit, 2007
106 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Kleider, Trachten, Mode – Begriffsabgrenzung und Funktionalitäten
2.1 Begriffsabgrenzung
2.2 Funktion und Wirkung der Mode
2.2.1 Mode als Differenzierungsmedium
2.2.2 Mode als Mittel zur Koketterie
2.2.3 Mode als Mediateur der Persönlichkeit und Psyche
3 Kostümhistorische Betrachtung der Recherche
3.1 Historische Einordnung der Recherche
3.2 Historischer Abriss des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts unter kritischer Betrachtung der Lebensart der mondänen Gesellschaft
3.3 Die Entwicklung der Mode im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert
3.3.1 Externe Einflussfaktoren der modischen Entwicklung
3.3.2 Die Damenmode von 1870 bis 1919
3.3.3 Die Herrenmode von 1870 bis 1919
4 Marcel Proust, sein Verhältnis zur Mode und die Umsetzung in der Recherche
4.1 Marcel Proust – mondäner Dandy, Modejournalist oder Künstler?
4.2 Die Mode in der Recherche
4.2.1 Die Mode und die Figuren der Recherche
4.2.2 Die Mode und die Räume der Recherche
4.2.2.1 Der soziale Raum
4.2.2.2 Der geografische Raum
4.2.3 Die Mode und die Zeit der Recherche
4.2.4 Die Mode und die schönen Künste
5 Die Funktion der Modedarstellung in der Recherche am Beispiel ausgewählter Figuren
5.1 Odette
5.1.1 Herkunft und sozialer Status Odettes
5.1.2 Odettes vestimentäre Inszenierung
5.1.2.1 La dame en rose
5.1.2.2 Odette, Swann und Botticelli – Der Aufstieg einer Kokotte
5.1.2.3 Ein Kreislauf schließt sich - von der dame en blanc zurück zur dame en rose
5.2 Charlus
5.2.1 Herkunft und sozialer Status
5.2.2 Charlus’ vestimentäre Inszenierung
5.3 Albertines
5.3.1 Herkunft und sozialer Status Albertines
5.3.2 Albertines vestimentäre Inszenierung
5.3.2.1 Von Balbec nach Paris – von der jeune cycliste zur dame élégante
5.3.2.2 Sexuelle Performanz – modisch inszeniert
5.3.2.3 Die Farbsymbolik in Albertines Mode
5.3.2.4 Albertine, Fortuny und die Sehnsucht nach Venedig
6 Schlussbetrachtung
Diese Arbeit untersucht die zentrale Rolle der Mode als komplexes Zeichensystem und Mittel zur Charakterisierung von Figuren in Marcel Prousts Hauptwerk À la recherche du temps perdu. Das primäre Ziel ist es, die Verknüpfung von Persönlichkeitsbildern mit der vestimentären Inszenierung der Protagonisten zu analysieren, um aufzuzeigen, wie Proust Kleidung als literarischen Code zur Offenbarung von Charakter und Wesensart nutzt.
4.2.1 Die Mode und die Figuren der Recherche
Proust nutzt die Symbolik der Mode, um die Charakterzüge ihrer Trägerinnen und Träger auszumalen und dadurch die sonst versteckt bleibenden Persönlichkeitsmerkmale seiner Figuren zu vermitteln. Mit dieser Vorgehensweise unterscheidet sich Proust einmal mehr vom gemeinen Mondänen oder vom Modeautor. Er interessiert sich nicht für die Oberflächlichkeit der ständig wechselnden Moden und sein literarisches Pendant Marcel gibt nicht vor, von Natur aus über sämtliche modische Kenntnisse zu Verfügen. Dem Vorgehen seines Schöpfers ähnlich, befragt auch Marcel seine Bekannten über das ihm bis dahin noch verborgene Geheimnis der Mode. Während Marcel damit hauptsächlich die Befriedigung Albertines anstrebt, versucht Proust mit Hilfe seines modischen Wissens, das Geheimnis der Frauen (und bisweilen auch der Männer) zu lüften, die die Mode tragen oder sie in der Recherche mit einem solchen auszustatten. Proust ist sich der ambivalenten Wirkung der Mode bewusst. Er weiß, dass sie als Mittel der Verführung, der Maskerade oder als Spiegel der Seele und Persönlichkeit dienen kann und setzt sie unter anderem als solche in der Recherche ein.
Bevor im Kapitel 5 diese Funktionen an konkreten Figuren der Recherche ausführlich dargestellt werden, soll an dieser Stelle ein querschnitthafter Überblick darüber gegeben werden, wie Proust die Modedarstellung und die Identität seiner Figuren verknüpft. Fest steht, „sowohl in Balzacs ‚Comédie humaine’ als auch in Prousts ‚À la recherche du temps perdu’ kommt der Beschreibung der Garderobe bzw. der Mode für die Konstitution der Figuren eine grundlegende erzählerische Funktion zu – vor allem den weiblichen, die immer dann von besonderem Interesse sind, wenn eine erotische Beziehung ins Spiel kommt oder aber das Geschlecht selbst auf dem Spiel steht.“ So tritt die Mode als Mittel der Verführung vor allem bei Odette in Kraft. Proust lässt die Kokotte in der erotischen Farbe rosa auftreten. Diese verfehlt ihre Wirkung nicht, denn sowohl Marcels Onkel Adolphe als auch Swann erliegen Odettes Charme. Nachdem Odette Swanns Frau geworden ist, nutzt sie den modischen Auftritt aber auch, um zu täuschen. „Die Kleidung oder Verkleidung einer Lebedame, ihre Maskierung, war existenziell bedingte Verstellung“, wollte sie doch ihre pikante Vergangenheit hinter sich lassen und als ehrbare Frau Zugang zu den höheren Gesellschaftskreisen finden.
1 Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsfrage zur Funktion der Mode in Prousts Recherche.
2 Kleider, Trachten, Mode – Begriffsabgrenzung und Funktionalitäten: Theoretische Grundlagen zur Differenzierung von Kleidung, Tracht und Mode sowie deren soziologische Funktionen.
3 Kostümhistorische Betrachtung der Recherche: Historische Einordnung des Romans und Analyse der modischen Entwicklungen und Einflussfaktoren zwischen 1870 und 1919.
4 Marcel Proust, sein Verhältnis zur Mode und die Umsetzung in der Recherche: Untersuchung von Prousts eigenem Verhältnis zur Mode und der Funktion der Modedarstellung im Roman.
5 Die Funktion der Modedarstellung in der Recherche am Beispiel ausgewählter Figuren: Detaillierte Analyse der vestimentären Inszenierung von Odette, Charlus und Albertine als Träger psychologischer und symbolischer Bedeutung.
6 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Reflexion der Bedeutung der Mode als intertextuelles und psychologisches Element in Prousts Werk.
Marcel Proust, À la recherche du temps perdu, Mode, vestimentäre Inszenierung, Literatur, Belle Époque, Soziologie, Symbolik, Identität, Odette, Charlus, Albertine, Fortuny, Maskerade, Psyche.
Die Diplomarbeit untersucht, wie Marcel Proust Mode als komplexes literarisches Instrument einsetzt, um die Charaktere seiner Figuren und deren psychologische Tiefe innerhalb seines Hauptwerks À la recherche du temps perdu zu offenbaren.
Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle zwischen Literatur und Modegeschichte, der soziologischen Bedeutung von Kleidung in der Oberschicht der Belle Époque sowie der Rolle von Mode als Ausdrucksmittel der Psyche.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Proust Kleiderbeschreibungen nicht als dekoratives Beiwerk nutzt, sondern als bewusste „vestimentäre Inszenierung“, die dem Leser das Wesen und die verborgenen Absichten der Figuren entschlüsseln hilft.
Die Arbeit basiert auf einer werkimmanenten Analyse in Verbindung mit literatur- und kostümhistorischen Kontextualisierungen, gestützt durch soziologische und psychoanalytische Ansätze.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung der Modetheorie und eine historische Einordnung, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Figuren Odette, Charlus und Albertine, deren persönliche Entwicklung maßgeblich über ihre Kleidung gezeichnet wird.
Die wichtigsten Begriffe sind Proust, Recherche, vestimentäre Inszenierung, Modegeschichte, Belle Époque, soziale Differenzierung, psychologische Symbolik und Androgynität.
Die Roben des Couturiers Fortuny dienen in der Arbeit als zentrales Symbol für die Sehnsucht des Erzählers nach Venedig und unterstreichen die Verbindung zwischen Mode, Kunst und dem Streben nach vergänglicher Schönheit.
Ihre modische Wandlung – von sportlich-unangepassten Outfits am Strand bis hin zur eleganten, aber melancholischen Kleidung in ihrer Gefangenschaft – fungiert als Spiegelbild ihres Verlusts an Freiheit und Identität.
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