Masterarbeit, 2020
45 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das deutsche bürgerliche Trauerspiel des 18. Jahrhunderts
2.1 Die Ständegesellschaft
2.2 Gesellschaftliche Strukturen im bürgerlichen Trauerspiel
2.3 Familienstrukturen und Hausväter
2.4 Tochterfiguren und Tugendhaftigkeit
3. Miss Sara Sampson
3.1 Sara und der Tugenddiskurs
3.2 Patriarch oder empfindsamer Vater? – Sir Williams Einfluss auf seine Tochter
3.3 Traum und Tod – Sara als Spiegel der Marwood?
4. Emilia Galotti
4.1 Bürgerliches Trauerspiel mit politischem Impuls
4.2 Emilias Sinnlichkeit als Gefahr für Odoardos Familienverständnis
4.3 Familienordnung als Schutzraum gegen potenzielle Verlockungen
4.4 Emilias Tod: Flucht vor der potenziellen Verführbarkeit und Wiederherstellung der Familienordnung
5. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht die komplexe Vater-Tochter-Beziehung in Gotthold Ephraim Lessings bürgerlichen Trauerspielen "Miss Sara Sampson" und "Emilia Galotti". Dabei wird analysiert, wie gesellschaftliche Normen des 18. Jahrhunderts, insbesondere das Konzept des patriarchalischen Familienoberhauptes und bürgerliche Tugendvorstellungen, die Protagonistinnen beeinflussen und in existenzielle Konflikte führen, die letztlich in deren Tod münden.
3.3 Traum und Tod – Sara als Spiegel der Marwood?
Analysiert man die Rolle der Sara, ist auch die Betrachtung ihrer Nebenbuhlerin Marwood interessant, denn genauso wie Saras Traum und ihr Tod, sollte man auch die beiden Frauen in einem Zusammenhang betrachten. Beschäftigt man sich mit der Marwood, findet man sich erneut in der Tugendthematik wieder, denn beim ersten Blick auf die Handlung, scheint das Muster klar: „die Figuren heben sich nach dem Prinzip des Kontrastes voneinander ab“ (Fick, 2016, S. 139). Zunächst lässt sich eine Verbindung von Marwood und Sir William Sampson erkennen, denn von Beginn an gehen sie dem gleichen Ziel nach, nämlich Sara und Mellefont auseinanderzubringen. Während Sir William jedoch mit übereifrigen Versöhnungsversuchen und Emotionen versucht, seine Tochter zu sich nach Hause zu holen, wird die Marwood, die ihren früheren Geliebten Mellefont wieder zurückhaben möchte, vor allem rachsüchtig, intrigant und aufbrausend dargestellt. Sie war es auch, die Saras und Mellefonts Aufenthaltsort an Sir William verriet.
Ebenfalls in einer Beziehung stehen die beiden weiblichen Hauptfiguren des Stücks. Durch ihr Verhalten spiegeln sie den Kontrast, der typisch ist für das bürgerliche Trauerspiel – nämlich der zwischen dem öffentlichen Bereich und dem privaten Bereich, stellvertretend für den Kontrast zwischen Bürgertum und Hof (Schönenborn, 2004, S. 129). Auch die Sprache der männlichen Rollen zeigt diesen Gegensatz, da Sara häufig als „Frauenzimmer“ (MSS, 1, 2, S. 7) beschrieben wird und Marwood als „Weibsbild“ (MSS, 1, 4, S. 9). Schönenborn (2004, S. 128) bezieht diese Bezeichnungen auf die Darstellung des sexuellen Verhaltens der Frauen. Mit Sara werden auf Textebene keinerlei sexuelle Handlungen in Verbindung gebracht, weder durch ihre Aussagen noch durch die Handlung. Demgegenüber steht Marwood, die zum Beispiel von Mellefonts „feurigen Umarmungen“ (MSS, 2, 3, S. 30) spricht. Mellefont bezeichnet seine ehemalige Geliebte sogar als „wollüstig“ (MSS, 2, 3, S. 29) und wirft ihr ein lasterhaftes Leben vor.
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Forschungsinteresse an der Vater-Tochter-Beziehung in Lessings Dramen und skizziert den methodischen Ansatz unter Einbeziehung gesellschafts- und sozialpsychologischer Aspekte.
2. Das deutsche bürgerliche Trauerspiel des 18. Jahrhunderts: Dieses Kapitel analysiert die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, Familienstrukturen und Konzepte wie "Haus" und "Tugend", die das bürgerliche Trauerspiel als Gattung prägten.
3. Miss Sara Sampson: Die Analyse von Lessings erstem Trauerspiel beleuchtet Saras Tugenddiskurs, das Verhalten Sir Williams als Vater und die symbolische Spiegelung Saras in ihrer Gegenspielerin Marwood.
4. Emilia Galotti: Dieses Kapitel untersucht den politischen Kontext, Odoardos rigide Familienmoral und wie Emilias Erziehung zur Unfähigkeit führt, ihre moralische Integrität anders als durch den Tod zu bewahren.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit stellt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Dramen heraus, insbesondere hinsichtlich der scheiternden Familienkonzepte und der Zerrissenheit der Töchter unter dem Druck väterlicher Erwartungen.
bürgerliches Trauerspiel, Lessing, Vater-Tochter-Beziehung, Familienordnung, Tugendhaftigkeit, Patriarchat, Empfindsamkeit, Miss Sara Sampson, Emilia Galotti, Schuld, Mitleidsdramatik, Ehe, Sexualität, moralische Erziehung, gesellschaftliche Strukturen
Die Masterarbeit befasst sich mit der Repräsentation von Vater-Tochter-Beziehungen in Gotthold Ephraim Lessings Dramen "Miss Sara Sampson" und "Emilia Galotti" innerhalb der gesellschaftlichen Strukturen des 18. Jahrhunderts.
Im Zentrum stehen die Konzepte von Familie, Ehe und Tugend, der sozio-historische Wandel von Familienstrukturen sowie die patriarchale Autorität des Vaters gegenüber den Töchtern.
Die Arbeit untersucht, welche Rollenbilder Väter und Töchter einnehmen, wie ihre Handlungsweisen in ihre Familienvorstellungen eingebettet sind und inwiefern der Tod der Töchter zwangsläufig aus diesen gestörten Familienstrukturen resultiert.
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse unter Einbeziehung gesellschafts- und sozialpsychologischer Perspektiven, um das Verhalten der Protagonisten vor dem Hintergrund zeitgenössischer gesellschaftlicher Leitkonstruktionen zu deuten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über das bürgerliche Trauerspiel sowie die detaillierten Werkanalysen von "Miss Sara Sampson" und "Emilia Galotti", wobei insbesondere die Konfliktlinien zwischen individuellem Gefühlsanspruch und autoritärem Familienethos hervorgehoben werden.
Neben gattungsspezifischen Begriffen wie "bürgerliches Trauerspiel" und "Mitleidsdramatik" sind "patriarchalischer Hausvater", "Tugenddiskurs" und "familiäre Schutzraumkonzeption" entscheidend.
Während Sir William durch eine empfindsame, aber dennoch machtvolle Vergebungsstrategie seine Tochter an sich bindet, agiert Odoardo als rigider Tugendwächter, dessen Vernachlässigung der väterlichen Präsenz zur Handlungsunfähigkeit und schließlich zur Katastrophe beiträgt.
Die Legende dient Emilia als antikes Vorbild, um den passiven Odoardo zum Handeln zu bewegen und ihren Tod als Akt der Wahrung ihrer Tugend und der Wiederherstellung der Familienordnung zu rechtfertigen.
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