Bachelorarbeit, 2020
58 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Parentifizierung
2.1 Rollen parentifizierter Kinder
2.2 Formen der Parentifizierung
2.3 Erklärungsansätze für die Entstehung von Parentifizierungen
2.3.1 Psychische Erkrankungen der Eltern
2.3.2 Konflikte und Trennungen der Eltern
2.3.3 Transgenerationale Weitergabe
2.4 Auswirkungen von Parentifizierungen auf die Kindheit
2.5 Gefährdung des Kindeswohl durch emotionale Parentifizierung
3. Bindungstheorie
3.1 Geschichtlicher Hintergrund
3.2 Bindung und Bindungsverhalten
3.3 Explorationsverhalten und Bindungsmuster
3.4 Bindungsstörungen
3.5 Zusammenhang Parentifizierung und Bindung
4. Erziehungskompetenzen
4.1 Erziehungskompetenz nach Petermann und Petermann
4.2 Beziehungs- und Erziehungskompetenzen nach Schneewind
5. Sozialpädagogische Familienhilfe
6. Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Parentifizierung und deren Einfluss auf die Entwicklung von Kindern innerhalb des Familiensystems. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Chancen und Risiken eine solche Rollenumkehr für die kindliche Entwicklung birgt, wobei insbesondere die destruktiven Auswirkungen durch inadäquate Verantwortungsübertragung kritisch beleuchtet werden.
2.3.1 Psychische Erkrankungen der Eltern
Einen starken Einfluss, der eine Parentifizierung am häufigsten begünstigt, sind psychische Erkrankungen der Eltern (vgl. Lenz 2014: 184). „Verantwortung zu übernehmen und bestimmte Rollen und Aufträge zu erfüllen, sind die am häufigsten zu beobachtenden Beiträge der Kinder zur gemeinsamen Bewältigung der familiären Belastungen, die mit der psychischen Erkrankung eines Elternteils verbunden sind“ (Lenz 2014: 184). Besonders Kinder psychisch erkrankter Eltern, dienen als wichtige Unterstützungsquelle für den familiären Alltag (vgl. ders., S.: 185). In Krisensituationen psychisch Erkrankter erleben betroffene Kinder oft, dass die verlässlichen Alltagsstrukturen in der Familie nicht aufrechterhalten werden können und das komplette System Familie ins Ungleichgewicht gerät. Durch diese Veränderungen im Familienalltag kommt es häufig zu einer Parentifizierung des Kindes, da die Heranwachsenden in den Aufgaben zunehmend eingebunden werden. (vgl. Pass/ Wiegand-Grefe 2012: 27f)
In den Jahren 2001-2003 wurde in einem zweijährigen Forschungsprojekt von Lenz und Daldrup (vgl. 2003; Lenz 2005: 79ff) in den psychiatrischen Kliniken Paderborn und Herne eine qualitative Forschung mit Kinder und Jugendlichen im Alter von 7-18 Jahren durchgeführt, die sich mit den Auswirkungen des Zusammenlebens einer psychischen Erkrankung von Eltern befasste. In den 22 leitfadengestützten Interviews beschrieben die Kinder und Jugendlichen ihre Gefühle, Gedanken, Sorgen und Ängste, die aufgrund der psychischen Erkrankung eine emotionale Verstrickung mit dem kranken, sowie auch mit dem gesunden Elternteil darstellte (vgl. Lenz/ Daldrup 2003; Lenz 2005: 82).
1. Einleitung: Definiert das familiäre Umfeld als Lebensraum und führt in das Konzept der Parentifizierung sowie die Forschungsfrage ein.
2. Parentifizierung: Analysiert Rollen, Formen und Ursachen der Rollenumkehr sowie deren Auswirkungen auf die Kindheit und die Gefährdung des Kindeswohls.
3. Bindungstheorie: Untersucht den Zusammenhang zwischen Bindungserfahrungen, Bindungsmustern und dem Entstehen von Parentifizierungsprozessen.
4. Erziehungskompetenzen: Gegenüberstellung der Konzepte von Petermann & Petermann sowie Schneewind, um die präventive Rolle von Elternkompetenzen aufzuzeigen.
5. Sozialpädagogische Familienhilfe: Erläutert Interventionsansätze und systemische Methoden der SPFH zur Unterstützung betroffener Familien.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Synthetisiert die Ergebnisse der Arbeit und beantwortet die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich der Chancen und Risiken.
Parentifizierung, Rollenumkehr, Bindungstheorie, Kindeswohl, Destruktive Parentifizierung, Sozialpädagogische Familienhilfe, Erziehungskompetenz, Familienloyalität, Systemische Therapie, Transgenerationale Weitergabe, Psychische Erkrankungen, Kinderschutz, Familienentwicklung, Bindungsstörungen, Kindheit.
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Parentifizierung, bei dem Kinder die Rolle ihrer Eltern übernehmen, und analysiert die damit verbundenen Chancen und Risiken für die kindliche Entwicklung.
Zentrale Themen sind die psychodynamischen Hintergründe der Rollenumkehr, der Einfluss von Bindungserfahrungen, notwendige Erziehungskompetenzen der Eltern und Interventionsmöglichkeiten durch die Soziale Arbeit.
Die Forschungsfrage lautet: „Welche Chancen und Risiken entstehen bei einer Parentifizierung für die kindliche Entwicklung?“
Es handelt sich um eine reine Theoriearbeit, die aktuelle Studien und einschlägige Fachliteratur (u.a. zur systemischen Familientherapie und Bindungstheorie) analysiert und zusammenführt.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Parentifizierung und Bindungstheorie, die Analyse von Erziehungskompetenzen sowie die praktische Darstellung der Sozialpädagogischen Familienhilfe als Interventionsmethode.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Parentifizierung, Bindungstheorie, Kindeswohl, Systemische Methoden und Erziehungskompetenz charakterisieren.
Eine adaptive Form kann zur Kompetenzentwicklung beitragen, wenn sie zeitlich begrenzt ist und von elterlicher Anerkennung begleitet wird. Destruktive Formen hingegen überfordern das Kind durch unangemessene Rollenzuweisungen und beeinträchtigen seine Entwicklung nachhaltig.
Die Bindungstheorie verdeutlicht, dass unsichere Bindungserfahrungen der Eltern das Risiko erhöhen, das eigene Kind zur Kompensation von emotionalen Bedürfnissen zu parentifizieren, was wiederum die Bindungsqualität des Kindes gefährdet.
Die SPFH nutzt systemische Ansätze wie die Mehrgenerationenperspektive, Mediation sowie die Familienlageplanung und Skulpturarbeit, um verhärtete Rollenmuster sichtbar zu machen und neue Strukturen im Familiensystem zu etablieren.
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