Diplomarbeit, 2004
87 Seiten, Note: 1,15
1 HINFÜHRUNG ZUM THEMA
1.1 WOZU MEETINGS?
1.2 DEFINITION DER KONSENSFIKTION
1.3 HIERARCHIE VERSUS EGALITÄT
1.4 ZU DEN KAPITELN
2 VORGEHENSWEISE
2.1 VERWENDUNG VON WISSENSCHAFTLICHER LITERATUR UND VON „RATGEBERLITERATUR“
2.2 DIE METHODE DER FUNKTIONALEN ANALYSE
2.2.1 Unterscheidung latenter und manifester Funktionen
2.2.2 Unterscheidung instrumenteller und expressiver Orientierung
2.2.3 Unterscheidung direkter und indirekter Kommunikation
2.2.4 Unterscheidung formaler und informaler Rollen
3 ZUM VERWENDETEN BEGRIFF „MEETING“ UND ZU SEINER SOZIOLOGISCHEN VERORTUNG
3.1 EINSCHRÄNKUNG DER UNTERSUCHUNGSEINHEIT
3.2 SOZIOLOGISCHE VERORTUNG
4 ERWARTUNGSSTRUKTUREN IM MEETING
4.1 DEFINITION DER ERWARTUNGSSTRUKTUREN
4.2 DIE ENTSTEHUNG VON ERWARTUNGSSTRUKTUREN IM MEETING
4.2.1 Der Einfluss vorangegangener Sitzungen
4.2.2 Der Einfluss der jeweiligen Interaktionsvergangenheit
4.3 HIERARCHISCHE ERWARTUNGSSTRUKTUREN
4.3.1 Formaler Rang
4.3.2 Informaler Rang
4.4 EGALITÄRE ERWARTUNGSSTRUKTUREN
4.4.1 „Organisationsrationalität“
4.4.2 Taktregeln
5 KONSENSFIKTION IM MEETING: DETAILANALYSE
5.1 KONSENSFIKTION DURCH EXPRESSIVE ORIENTIERUNG
5.1.1 Vorauswahl der Teilnehmer
5.1.2 Konfliktvermeidung
5.1.3 Nebenengagement
5.1.4 Eingeworfene Scherze
5.1.5 Bereitschaft sich zu beteiligen
5.2 KONSENSFIKTION DURCH INDIREKTE KOMMUNIKATION
5.2.1 Indirekt ausschließende Kommunikation
5.2.1.1 Kompetenz
5.2.1.2 Gemeinsamer Code
5.2.2 Ehrerbietungsrituale
5.2.3 Körpersprache
5.3 KONSENSFIKTION DURCH INANSPRUCHNAHME FORMALER UND INFORMALER ROLLEN
5.3.1 Informale Vorabsprachen
5.3.1.1 Vorabsprache in Wartezeiten
5.3.1.2 Vorabsprache durch Netzwerke
5.3.2 Vorstrukturierte Themengeschichte
5.3.2.1 Themengeschichte mit Tagesordnung
5.3.2.2 Themengeschichte ohne Tagesordnung
6 DISKURS VERSUS DISKUSSION
7 DIE UNGLEICHEN CHANCEN DER BETEILIGTEN
8 SCHLUSSGEDANKEN
Die Arbeit untersucht das soziologische Phänomen der Konsensfiktion in Firmenmeetings. Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch das Zusammenspiel von hierarchischen und egalitären Erwartungsstrukturen eine Situation erzeugt wird, in der Beschlüsse als konsensuell wahrgenommen werden, obwohl sie faktisch stark von den Interessen der Ranghöheren geprägt sind.
4.2.1 Der Einfluss vorangegangener Sitzungen
Jedes Meeting hat eine Vergangenheit, die bestimmtes Verhalten in der jeweiligen Konferenzsituation wahrscheinlich macht und anderes unwahrscheinlich. Erklärbar sind entsprechende Erwartungsstrukturen durch den Zwang zu konsistent dargestelltem Verhalten über verschiedene Interaktionen hinweg. Hat jemand sich zum Beispiel in den vorherigen Sitzungen mit der Übernahme einer bestimmten Aufgabe für die folgenden Besprechungen einverstanden erklärt und diese daraufhin auch ausgeführt, muss er es gut begründen, wenn er plötzlich die Aufgabe in einer weiteren Meetingrunde nicht mehr erledigt. Es wird erwartet, dass man sich in einer Sitzung relativ widerspruchsfrei zur der Selbstdarstellung verhält, die man in den vergangenen Runden gezeigt hat. Denn das Verhalten in den vergangenen Sitzungen macht das Verhalten für die aktuelle Sitzung erwartbar und erleichtert somit die Handlungsorientierung:
„Jeder menschliche Kontakt erfordert eine gewisse Selbstdarstellung der Teilnehmer. Sie sagen in ihrem Handeln, Stellung nehmen, Entscheiden unvermeidlich etwas über sich selbst aus und legen sich damit vor Partnern, die ein Gedächtnis haben, auf bestimmte Ansichten oder Qualitäten fest. Wiederholte Kontakte festigen auf diese Weise im Laufe der zeitsozialen Beziehungen, an die sich Kontinuitätserwartungen knüpfen, kleine Systeme mit eigenen Normen, darunter in der Hauptsache der: so zu bleiben, wie man sich gezeigt hat.“
1 HINFÜHRUNG ZUM THEMA: Einführung in die Problematik von Meetings, Definition der zentralen Konsensfiktion und Erläuterung des Spannungsfeldes zwischen Hierarchie und Egalität.
2 VORGEHENSWEISE: Darlegung der theoretischen Basis (Soziologie, Systemtheorie) und der methodischen Herangehensweise, insbesondere der funktionalen Analyse.
3 ZUM VERWENDETEN BEGRIFF „MEETING“ UND ZU SEINER SOZIOLOGISCHEN VERORTUNG: Abgrenzung des Forschungsgegenstandes und soziologische Einordnung des Meetings als Interaktionssystem innerhalb einer Organisation.
4 ERWARTUNGSSTRUKTUREN IM MEETING: Analyse der Entstehung von Erwartungen durch Organisationskontext und Interaktionsgeschichte sowie Differenzierung in hierarchische und egalitäre Strukturen.
5 KONSENSFIKTION IM MEETING: DETAILANALYSE: Detaillierte Untersuchung von Mechanismen wie expressiver Orientierung, indirekter Kommunikation und Rollenspielen zur Herstellung der Konsensfiktion.
6 DISKURS VERSUS DISKUSSION: Theoretische Auseinandersetzung mit Habermas' Diskursbegriff und Darstellung, warum dieser auf die organisationale Praxis nicht übertragbar ist.
7 DIE UNGLEICHEN CHANCEN DER BETEILIGTEN: Zusammenführende Betrachtung der Machtungleichgewichte und ihrer stabilisierenden Funktion für die Organisation.
8 SCHLUSSGEDANKEN: Resümee über die Dysfunktionalität einer Überharmonisierung und Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Konsensfiktion, Firmenmeeting, Organisationssoziologie, Erwartungsstrukturen, Machtstrukturen, Hierarchie, Egalität, Funktionale Analyse, Selbstdarstellung, Interaktion, Organisationsrationalität, Rollendistanz, Führungskultur.
Die Arbeit untersucht, warum Meetings in Unternehmen trotz der weit verbreiteten Kritik an ihrer Ineffizienz eine zentrale Rolle spielen und welche verborgenen Funktionen sie für die Organisation erfüllen.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Soziologie der Organisation und Interaktion, die Analyse von Erwartungsstrukturen in Arbeitsbesprechungen sowie die Mechanismen, durch die Macht und Hierarchie im beruflichen Alltag kommuniziert werden.
Die zentrale Forschungsfrage ist, wie es in einem Meeting möglich ist, Beschlüsse als konsensuell darzustellen, obwohl diese in Wirklichkeit stark durch den Ranghöheren dominiert werden. Ziel ist die Dekonstruktion dieser "Konsensfiktion".
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die funktionale Analyse nach Robert K. Merton und die Systemtheorie von Niklas Luhmann, um manifeste und latente Funktionen innerhalb der Meetinginteraktion freizulegen.
Im Hauptteil werden verschiedene Dimensionen der Meetinginteraktion analysiert, darunter die Vorauswahl der Teilnehmer, Konfliktvermeidung, Körpersprache, die Bedeutung von informellen Vorabsprachen und die Rolle von speziellen Sprachcodes ("Elite"-Sprache).
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Konsensfiktion, Organisationssoziologie, Hierarchie, Egalität, Machtasymmetrie und interaktionale Erwartungsstrukturen charakterisieren.
Ein informaler Rang bezeichnet ein Ansehen oder eine Einflussmöglichkeit innerhalb eines Meetings, das nicht auf der offiziellen Hierarchieebene basiert, sondern sich durch Geschick in der Kommunikation, Expertenwissen oder Vernetzung im Laufe der Zeit in der Interaktion herausbildet.
Eine ideale Sprechsituation, wie sie etwa bei Habermas beschrieben wird, würde unendlich viel Zeit kosten, da jeder Beitrag unbegrenzt hinterfragt werden könnte. Dies würde die Organisationsziele und die für das Funktionieren von Meetings notwendige Komplexitätsreduktion durch den Vorgesetzten behindern.
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