Bachelorarbeit, 2019
46 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Erkenntnisinteresse
1.2 Forschungsfragen
1.3 Forschungsdesign
1.4 Aufbau der Arbeit
2 Methodologie
2.1 Literaturrecherche nach vorab formulierten Kriterien
2.2 Textanalyse gemäß Themenanalyse nach Lueger
3 Historischer Überblick
3.1 Aschkenas
3.1.1 Der Begriff Aschkenas
3.1.2 Die Beziehung zwischen dem christlichen und dem jüdisch-aschkenasischen Volk
3.1.3 Wirtschaftliche Tätigkeiten von Juden im spätmittelalterlichen Aschkenas
3.2 Situation jüdischer Frauen im Spätmittelalter
3.2.1 Bildung der jüdischen Frau
3.2.2 Soziale Stellung der jüdischen Frau
3.2.3 Geschäftstätigkeit der jüdischen Frau
4 Theoretische Hintergrundmodelle
4.1 Textanalyse auf Basis paradigmatisch sozialer Aspekte nach Gabrielle Spiegel
4.2 Rolle aus soziologischer Sicht
4.3 Vermögen im Sinne prozeduraler Macht nach Foucault
4.3.1 Spätmittelalterliche jüdische Gemeinde in möglichen Machtbeziehungen nach innen
4.3.2 Spätmittelalterliche jüdische Gemeinde in möglichen Machtbeziehungen nach außen
5 Zu beforschende historische Subjekte
6 Ergebnisse
6.1 Analyseraster
6.2 Interpretation
6.3 Limitation der Ergebnisse
7 Conclusio
Die vorliegende Arbeit untersucht die sozialen Rollen, die jüdische Frauen in der Öffentlichkeit im spätmittelalterlichen Aschkenas einnahmen. Dabei wird analysiert, welche gemeinsamen Faktoren zum Erlangen dieser Rollen führten und inwiefern der prozedurale Machtbegriff nach Michel Foucault geeignet ist, um das Handeln dieser Frauen in ihrem historischen Kontext zu erklären.
3.2.3 Geschäftstätigkeit der jüdischen Frau
Das Aufscheinen jüdischer Geschäftsfrauen in Quelleneditionen und Sekundärliteratur war bis in die 1980er Jahre mangelhaft beziehungsweise nicht existent. Erst 1993 publizierte Michael Toch die Ergebnisse seiner Quantifizierungen jüdischer Geschäftsurkunden für Germania Judaica, ein jüdisches Ortslexikon. Die Sichtung der Quellen erzielte bahnbrechende neuartige Erkenntnisse zur Geschäftsaktivität jüdischer Frauen im Spätmittelalter. Die größte Gruppierung stellte dabei die der Geldleiherinnen dar. Ein Viertel des deutschen Darlehensgeschäfts wurde von jüdischen Frauen geführt. Danach kamen die Mägde, die oft als Köchinnen oder Dienstmädchen in Haushalten arbeiteten. Von diesen verdiente jedoch vermutlich ein Großteil ihr Haupteinkommen mit der Geldleihe. Ebenso schien es einige Frauen im Berufsfeld der Medizin, allen voran Hebammen und Augenärztinnen, gegeben zu haben. Frauen arbeiteten als Sennerinnen, Gänsehändlerinnen, Weinschenkerinnen, Lohnwäscherinnen, Schleiererzeugerinnen, Weberinnen, Stickerinnen, Putzmacherinnen oder Näherinnen, aber auch als Spielweiber, Prostituierte oder Bettlerinnen. Hierbei sind deutliche Unterschiede im Hinblick auf soziale Schichten zu erkennen.
Toch betonte außerdem, dass die „Angaben zu den Frauenberufen als Spitze eines Eisberges verstehen [zu verstehen sind], dessen wahre Ausmaße sich unter den Besonderheiten der Quellenüberlieferung verbergen.“ Er kam auf das verblüffende Ergebnis, dass 25 % aller in Dokumenten aufscheinende Geschäftstätigkeit von Frauen ausgeübt wurde. Frauen bildeten auch einen Teil der Kundschaft weiblicher Geldleiherinnen. Deren Tätigkeit als weibliche Darlehensgeberin unterschied sich aber nicht wesentlich von jener des männlichen Geldleihers. Sowohl Männer als auch Frauen, die diesen Beruf ausübten, mussten zum Beispiel lesen und schreiben können.
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert das Erkenntnisinteresse an jüdischen Frauen im spätmittelalterlichen Aschkenas und formuliert die zentralen Forschungsfragen sowie das methodische Forschungsdesign der Arbeit.
2 Methodologie: Hier wird die Vorgehensweise dargelegt, die auf einer fundierten Literaturrecherche und einer interpretativen Themenanalyse nach Lueger zur Untersuchung der Primärquellen basiert.
3 Historischer Überblick: Dieser Abschnitt bietet den notwendigen Kontext über das aschkenasische Judentum, die wirtschaftlichen Tätigkeiten von Juden sowie die spezifische Lebenssituation jüdischer Frauen, inklusive Bildung und sozialer Stellung.
4 Theoretische Hintergrundmodelle: Das Kapitel führt die theoretischen Konzepte ein, insbesondere die Textanalyse nach Gabrielle Spiegel, soziologische Rollentheorien und Foucaults Machtbegriff, die der empirischen Analyse zugrunde liegen.
5 Zu beforschende historische Subjekte: Hier werden die vier Fallbeispiele – Kändlein von Regensburg, Joseppine von Regensburg, Zorline von Frankfurt und Gutrad von Regensburg – detailliert vorgestellt.
6 Ergebnisse: Die Ergebnisse der Themenanalyse werden in einem Raster kategorisiert, interpretiert und hinsichtlich ihrer Limitationen evaluiert.
7 Conclusio: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfragen und gibt einen Ausblick auf weitere Forschungspotenziale.
Jüdische Frauen, Spätmittelalter, Aschkenas, Geldleihe, Parnasset, Prozedurale Macht, Michel Foucault, Themenanalyse, Soziale Rolle, Regensburg, Frankfurt, Geschlechterforschung, Historische Quellen, Wirtschaftliche Tätigkeit, Öffentliche Rolle.
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle jüdischer Frauen in der Öffentlichkeit im spätmittelalterlichen Aschkenas und analysiert, wie diese Frauen durch ihr wirtschaftliches Handeln prozedurale Macht erlangten.
Die Arbeit verbindet Geschichtswissenschaft und Sozialwissenschaft, um das Leben und Wirken jüdischer Frauen, ihre wirtschaftliche Tätigkeit und ihre Stellung innerhalb ihrer Gemeinden sowie in der nicht-jüdischen Umwelt zu untersuchen.
Ziel ist es zu klären, welche Rollen die untersuchten Frauen einnahmen, welche Faktoren ihr Handeln begünstigten und inwiefern der Machtbegriff von Foucault dazu beiträgt, ihre Handlungsspielräume zu verstehen.
Die Autorin nutzt eine qualitative Themenanalyse nach Manfred Lueger, um historische Primärquellen systematisch zu erfassen, zu kategorisieren und in ihrem sozio-historischen Kontext zu interpretieren.
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Überblick über Aschkenas, die theoretische Fundierung mittels soziologischer und machttheoretischer Modelle, die Vorstellung der historischen Subjekte sowie eine methodische Analyse und Interpretation der Quellen.
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Jüdische Frauen, Spätmittelalter, Geldleihe, Parnasset, Machttheorie (Foucault) und Wirtschaftsgeschichte definieren.
Es handelt sich um Kändlein von Regensburg, Joseppine von Regensburg, Zorline von Frankfurt und Gutrad von Regensburg, die als einflussreiche Akteurinnen in historischen Dokumenten belegt sind.
Historisch gesehen galt die Ausübung von Ämtern wie der Parnasset (Gemeindebeamtin) durch Frauen als unvorstellbar, weshalb ihr Erscheinen in Urkunden bahnbrechende Einblicke in die Geschlechterrollen dieser Zeit ermöglicht.
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