Examensarbeit, 2008
103 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Das Fragment
2.1 Der Begriff des Fragments
2.1.1 Textfragmente aus germanistischer Perspektive
2.1.2 Körperfragmente aus medizinischer Perspektive
2.1.3 Die Reliquie
2.2 Fragmentarische Wahrnehmungen
2.3 Das Fragment als ästhetische Kategorie nach einer Arbeit von Eberhard Ostermann
2.3.1 Die Idee der vollkommenen Ganzheit
2.3.2 Status einer verhinderten Ganzheit
2.3.3 Distanzierung von der idealistischen Ganzheitsidee
3 Perspektiven des Fragmentarischen in der Kunstgeschichte
3.1 Fragment als Ergebnis einer Zerstörung
3.1.1 Natürliche Vergänglichkeit der Dinge
3.1.2 Kriegerische Zerstörung und ihre Spuren
3.2 Die Schönheit des Fragmentes
3.3 Die Utopie der Totalität und ihre Auflösungstendenzen
3.4 Fragmentarische Strukturen der zeitgenössischen Medien Fotografie, Film und Video
3.4.1 Mediale Differenzen
3.4.2 Formen der Fragmentierung beim Aufnahmeprozess
3.4.3 Formen der Fragmentierung durch Nachbearbeitung
3.5 Zusammenfassung: Formen fragmentarischer Strukturen in der Kunst
4 Das künstlerische Werk Nan Hoovers
4.1 Biografie Nan Hoovers
4.2 Fragmentarische Strukturen im Werk Nan Hoovers
4.2.1 grafisches und malerisches Werk
4.2.2 Installation und Performance
4.2.3 fotografisches Werk und Video
4.3 Werkanalyse der Videoarbeit ‚Half Sleep’ (1984)
4.3.1 Erster Eindruck
4.3.2 Werkbeschreibung mit Blick auf fragmentarische Strukturen
4.3.3 Das Phänomen der Synästhesie in Bezug zum Werk
4.3.4 Das Motiv der Zeit im Werk
4.3.5 Das Motiv des Lichtes im Werk
4.4 Interpretation der Videoarbeit ‚Half Sleep’ in Bezug zur Grundannahme fragmentarischer Strukturen und ihrer Funktion im Werk Nan Hoovers
5 Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht das Phänomen des „Fragments“ als ästhetische Kategorie und analysiert dessen Manifestation im künstlerischen Werk von Nan Hoover, insbesondere anhand ihrer Videoarbeit „Half Sleep“. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob fragmentarische Strukturen in Hoovers Werk präsent sind, welche spezifischen Formen diese annehmen und welche funktionale Bedeutung sie für die sinnlich-taktile Erfahrung der Kunstwerke haben.
4.3.2 WERKBESCHREIBUNG MIT BLICK AUF FRAGMENTARISCHE STRUKTUREN
Die Videoarbeit Half Sleep (siehe DVD) aus dem Jahr 1984 entsteht während der Zeit als Hoover in Amsterdam lebt. Die Künstlerin kann zu diesem Zeitpunkt bereits auf zehn Jahre Erfahrung mit dem Medium zurückschauen. Das insgesamt 16,5 Minuten lange Werk, wobei die Zeitangaben variieren, ist mit einem Makroobjektiv aufgenommen und wird in Zeitlupe abgespielt.
Zu sehen ist ein Ausschnitt des Gesichts der Künstlerin selbst. Das in orange rötlichem Ton gehaltene Bild weist einen starken Hell-Dunkelkontrast auf, der durch die Lichtinszenierung hervorgerufen wird. Auf dem Gesicht ist eine klare Trennlinie zwischen Licht und Schatten erkennbar, was darauf hin deutet, dass die Lichtquelle zur Hälfte abgedeckt wurde. Die so entstehende Linie, bricht sich an den Konturen des Gesichtes. Mit der langsamen Bewegung des Kopfes beginnt die Künstlerin die Form jener Linie zu variieren, so wie das Verhältnis der Schatten- und Lichtfläche zueinander. Durch die Makroaufnahme nimmt der Bildgegenstand fast die gesamte Bildfläche ein. Aufgrund der Intensität der Lichtquelle ist der Übergang von Bildhintergrund zu Bildvordergrund fließend. Eine räumliche Differenzierung in Vordergrund und Mittelgrund des Bildes ist nur im Bereich des Gesichtes durch die Modulierung der Schatten vorhanden. Der geringe Schärfebereich der Makrolinse lässt den vorderen und hinteren Teil des Bildes unscharf, diffus werden. Rückt die Künstlerin ihren Kopf näher an die Kamera, löst sich das Bild in reine Farbflächen auf und wird zu einem abstrakt malerischen Bild. Befindet sich das Gesicht hingegen genau im Fokus, werden durch die stark vergrößernde Wirkung des Objektivs einzelne Härchen und Poren der Haut sichtbar. Im Rahmen dieses minimalen Ausschnitts, entwickeln sich diese zu grafischen Elementen wie Linien und Punkten, die wiederum unter dem Einfluss der Bewegung ihre Erscheinung verändern.
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Fragment als allgegenwärtigen Faktor des Lebens und der Kunst und formuliert die zentrale Forschungsfrage zur Rolle fragmentarischer Strukturen im Werk von Nan Hoover.
2 Das Fragment: Dieses Kapitel klärt den Begriff des Fragments aus germanistischer, medizinischer und religiöser Perspektive und beleuchtet die ästhetischen Kategorien nach Eberhard Ostermann.
3 Perspektiven des Fragmentarischen in der Kunstgeschichte: Das Kapitel untersucht das Fragment in der Kunstgeschichte als Ergebnis von Zerstörung, als ästhetische Schönheit und in Bezug auf zeitgenössische Medien wie Fotografie, Film und Video.
4 Das künstlerische Werk Nan Hoovers: Dieser Hauptteil analysiert die Biografie und das Werk Nan Hoovers, mit einem Schwerpunkt auf der detaillierten Werkanalyse der Videoarbeit ‚Half Sleep’ hinsichtlich ihrer fragmentarischen Gestaltung.
5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Ergebnisse der Arbeit und bestätigt die These, dass fragmentarische Strukturen als werkverbindende Ästhetik in Nan Hoovers Schaffen fungieren.
Fragment, Fragmentierung, Nan Hoover, Half Sleep, Ästhetik, Videokunst, Wahrnehmung, Taktilität, Synästhesie, Zeit, Licht, Bildausschnitt, Kunstgeschichte, Moderne, Ganzheit
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung und Verwendung des Begriffs „Fragment“ als ästhetisches Gestaltungsmittel in der Kunst, mit besonderem Fokus auf die Werke der nordamerikanischen Künstlerin Nan Hoover.
Die zentralen Themen umfassen die kunsthistorische Herleitung des Fragments, die mediale Fragmentierung durch Fotografie und Film sowie die spezifische Anwendung dieser Strukturen in Nan Hoovers grafischen, installativen und videobasierten Arbeiten.
Ziel ist es, die Hypothese zu prüfen, dass fragmentarische Strukturen eine werkverbindende Ästhetik in Hoovers Schaffen bilden und als visuelles Mittel zur Erzeugung einer sinnlich-taktilen Erfahrung dienen.
Die Autorin nutzt eine kunsthistorische und philosophische Analyse, die theoretische Grundlagen des Fragmentbegriffs mit einer detaillierten Werkanalyse, insbesondere der Videoarbeit „Half Sleep“, verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Begriffsklärung des Fragments, eine kunsthistorische Einordnung fragmentarischer Ansätze und eine tiefgehende Analyse der Arbeitsweise und spezifischer Werke von Nan Hoover.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Fragmentarizität, die „Taktilität“ des Sehens, die Rolle des Lichts und der Zeit als Naturmotive sowie die mediale Auflösung von Identität und Ganzheit.
Die Arbeit verweist auf ihre isolierte Kindheit und ihre Legasthenie, die eine voyeuristische Beobachtungshaltung sowie den frühen Wunsch nach einer autonomen visuellen Ausdrucksweise förderten.
„Half Sleep“ dient als Fallbeispiel, um zu demonstrieren, wie Hoover durch extreme Verlangsamung und gezielte Ausschnittwahl die Sehgewohnheiten des Betrachters bricht und eine synästhetische, taktile Wahrnehmungsebene provoziert.
Das Licht fungiert nicht nur als Medium zur Sichtbarmachung, sondern als eigenständiges Gestaltungsmittel, das durch Schattenbildung und Kontraste Gegenstände fragmentiert und den Betrachter zur Imagination anregt.
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