Diplomarbeit, 1999
111 Seiten, Note: 1,8
1. Einleitung
2. Delinquente Menschen
2.1. Einführende Gedanken zu delinquenten Menschen und ihrer Situation
2.1.1. Begriffsdefinitionen
2.1.2. Lebensalter und Delinquenz
2.1.3. Die Situation des gefangenen delinquenten Menschen
2.1.3.1. Stigmatisierung
2.1.3.2. Isolierung
2.1.3.3. Abhängigkeit
2.1.3.4. Individualitätsverlust
2.1.3.5. Infantilisierung
2.2. Lebensgeschichtliche Bedingungen für Delinquenz
2.2.1. Sozialisationsbedingungen
2.2.2. Multiple Erziehungsformen und -bedingungen
2.2.2.1. Familiäre Auslöse-Situationen für frühkindliche Schädigungen
2.2.2.1.1. Unvollständige Familie
2.2.2.1.2. „Uneheliche“ Geburt
2.2.2.1.3. Scheidung (Verwaisung)
2.2.2.1.4. Multiproblemfamilie
2.2.2.1.5. Erziehungsunfähigkeit
2.2.2.1.6. Fremderziehung
2.2.2.1.7. Heimeinweisung
2.2.2.1.8. „Unerwünschte“ Geburt
2.2.3. Folgen defizitärer Entwicklung im Kindes- und Jugendalter
2.2.3.1. Frühkindliche Schädigungssymptome
2.2.3.1.1. Soziale Resignation
2.2.3.1.2. Bindungsunfähigkeit
2.2.3.1.3. Mangelnde Frustrationstoleranz
2.2.3.1.4. Neigung zu Ersatzhandlungen
2.2.3.1.5. Aktivitätshemmung
2.2.4. Delinquenz als Prestigemanagement
2.3. Einzelne kontextuelle Theorieansätze zu Delinquenzuntersuchungen
2.3.1. Kognitive Dissonanz bei delinquenten Menschen
2.3.1.1. Die Technik der Schuldabwälzung in der Schuld und im Schulderleben
2.3.2. Das Phänomen der Gewissensatrophie
2.3.3. Anerkennung der Strafe
2.3.4. Der Fassadenbegriff der Sühne
2.3.5. Schuldtilgung und Wiedergutmachung
2.4. Die Psychodynamik des Delinquenten
2.4.1. Schuldgefühle bei Delinquenten
2.4.1.1. Der Irrglaube, Straftäter seien unfähig, Schuldgefühle zu haben
2.4.1.1.1. Wahrnehmung von Straftätern als Persönlichkeiten
2.4.1.1.2. Aggressive oder defensive Emotionalität der Gesellschaft
2.4.1.1.3. Der Delinquente als Projektionsobjekt der Gesellschaft
2.4.1.1.4. Definitionsschwierigkeiten der Begriffe
2.4.1.2. Die Abwehr von Schuldgefühlen bei Delinquenten
2.4.1.2.1. Tiefenpsychologische Erkenntnisse über die Verborgenheit von Schuldgefühlen
2.4.1.2.2. Exkurs: Abwehrmechanismen des Ichs
2.4.1.2.3. Affektisolierung
2.4.1.2.4. Projektion
2.4.1.2.5. Versuch zum Ungeschehenmachen
2.4.1.2.6. Rationalisierung
2.4.1.3. Gewissensbildung bei Delinquenten
2.4.1.3.1. Die Maßnahme der Strafe im Kontext vom Schuld- und Strafbedürfnis
2.4.1.3.2. Behinderte Genese des Basis-Gewissens
2.4.1.3.3. Sozialisationsschäden und Gewissensdeformation
2.5. Abschließende zusammenfassende Bemerkungen
3. Theologie von Schuld und Vergebung
3.1. Annäherungen an die relevanten Begriffe
3.1.1. Schuld und Sünde
3.1.1.1. Reale Schuld durch Tun oder Unterlassen
3.1.1.2. Schuld aus der Endlichkeit, Unvollkommenheit und Unzulänglichkeit
3.1.1.3. Schuld aus dem Selbst, aus der Existenz des einzelnen
3.1.2. Vergebung
3.1.3. Sühne und Versöhnung
3.2. Schuld
3.2.1. Dimensionen der Schuld
3.2.1.1. Äußere Dimensionen von Schuld
3.2.1.2. Die innere Dimension des Abgrunds von Schuld
3.2.1.2.1. Exkurs 1: Strafe und Sühne aus theologischer Sicht
3.2.1.2.2. Exkurs 2: Sollte Strafe ganz abgeschafft werden? Das Spannungsverhältnis zwischen Strafe und Versöhnung
3.2.2. Abschließende Bemerkungen
3.3. Vergebung von Schuld und Sünde und Versöhnung mit Gott und den Mitmenschen
3.3.1. Sündenvergebung im Neuen Testament
3.3.1.1. Umkehr als Antwort auf das Versöhnungsangebot in Gottes Vergebung
3.3.2. Vergebung als Befreiung zur Zukunft
3.4. Abschließende Bemerkungen
4. Religionspädagogische Aspekte im Kontext der Arbeit
4.1. Einführende Gedanken zum religionspädagogischen Teil
4.2. Glauben im Erwachsenenalter
4.2.1. Stabile, emotionale Zuwendung und soziale Anerkennung
4.2.2. Offene Konfrontation mit religiösen oder religiös zu erschließenden sozialen Problemen und Konflikten
4.2.3. Gelegenheit zur Teilnahme an Kommunikationsprozessen
4.2.4. Möglichkeit, an kooperativen Entscheidungen mitzuwirken
4.2.5. Gelegenheiten, Verantwortung für die Gestaltung des eigenen (religiösen) Lebens und für andere Personen zu übernehmen
4.2.6. Abschließende Bemerkungen
4.3. Religionspädagogische Aspekte für die Arbeit im Strafvollzug
4.3.1. Vom Vergeltungsdenken zum Versöhnungsdenken
4.3.2. Notwendige Veränderungen im Strafvollzug
4.3.3. Vertrauensvoller Umgang als Gnadenhandeln im Strafvollzug
4.3.4. Jesu Umgang mit Vorurteilen und Stigmatisierungen
4.3.5. Neue Wertzuteilung im Hilfehandeln Jesu
4.3.6. Religionspädagogisches Handeln und Sozialarbeit mit Straffälligen
4.4. Biblische Gesprächsgruppen als Form religionspädagogischen Handelns in JVA’s
4.4.1. Der Begriff der Gruppe
4.4.2. Die Bedeutung der untersuchten lebensgeschichtlichen Bedingungen Delinquenter für die Gesprächsgruppe
4.4.3. Stabilisierungsfunktionen
4.4.4. Offenheit des Denkens in der Gesprächsgruppe
4.4.5. Erfahrungsnähe im biblischen Gespräch
4.4.6. Seelsorgerlich methodische Aspekte für die Arbeit in der Gesprächsgruppe
4.4.7. Sprachliche Kommunikation in der Gesprächsgruppe
4.5. Aspekte zur biblischen Gesprächsgruppe aus dem eigenen Erfahrungsbereich und den Ergebnissen dieser Arbeit
4.6. Abschließende Bemerkungen
5. Anhang A
5.1. Literaturverzeichnis
6. Anhang B
6.1. Exemplarischer Entwurf einer Stunde in der biblischen Gesprächsgruppe
6.1.1. Begründung des Themas und der Methodenwahl
6.1.2. Grob- und Feinziele der Gruppenstunde
6.1.3. Methode und Ablauf
6.1.3.1. Einstieg / Begrüßung
6.1.3.2. Aufwärmphase
6.1.3.3. Hinführung zum Thema
6.1.3.4. Übungen / Spiele / Schritte mit Begründung
6.1.3.5. Höhepunkt
6.1.3.6. Schluß, evtl. mit Auswertung durch die Gruppe
6.1.4. Medien
6.1.4.1. M1 - Meditation zum Thema „Schale“
6.1.4.2. M2 - Gebet
6.1.4.3. M3 - Einleitung
6.1.4.4. M4 - Arbeitsblatt „Die Höhle des Löwen...“
6.1.4.5. Exegetische Überlegungen und Verkündigungsinhalte
6.1.4.5.1. Vers 1-3
6.1.4.5.2. Vers 4-10
6.1.4.5.3. Vers 11-18
6.1.4.5.4. Vers 19-24
6.1.4.5.5. Vers 25-29
6.1.4.5.6. Bezug zum NT
6.1.4.6. Zentrale Aussagen
6.1.4.6.1. Ein Aufsteiger, der „auf dem Teppich bleibt“
6.1.4.6.2. Von der positiven Macht „frommer Gewohnheit“
6.1.4.6.3. Gott bewahrt seine Leute nicht vor, aber in der Bedrängnis
6.1.4.7. M6 - Abschlußfragen
7. Anhang C
7.1. Interviews in der Justizvollzugsanstalt
7.1.1. Grundsätzliches zu den durchgeführten Interviews
7.1.2. Gespräch 1 (Strafgefangener A)
7.1.3. Gespräch 2 (Strafgefangener B)
7.1.4. Gespräch 3 (Gefängnispfarrer)
Die Diplomarbeit untersucht religionspädagogische Ansätze zur Unterstützung delinquenter Menschen im Strafvollzug, wobei insbesondere die Themen Schuld und Vergebung im Fokus stehen. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Inhaftierte durch die christliche Botschaft und begleitende Gespräche eine neue Lebenshoffnung finden und sich mit ihrer persönlichen Schuld auseinandersetzen können.
2.1. Einführende Gedanken zu delinquenten Menschen und ihrer Situation
Der Mensch hinter Gittern – abgeschirmt von der Öffentlichkeit, sich selbst überlassen mit seiner Einsamkeit, mit seinen Verletzungen, mit seiner Schuld, mit seinen Wünschen, mit seiner Sexualität, mit seiner Sehnsucht nach dem, was Leben in Freiheit heißt.
Wer gegen die Rechtsordnung verstößt und verurteilt wird, landet unter bestimmten Umständen im Knast. Es heißt Abschied nehmen von Familie und Freunden, von der gewohnten Umgebung, vom evtl. vorhandenen Arbeitsplatz. Es heißt sofortige Umstellung auf eine andere Welt, in der eine andere Sprache und ein ganz eigener Tagesrhythmus gilt.
Die Situation in unseren deutschen Justizvollzugsanstalten ist weniger als ideal. Überfüllte Anstalten, wenige Sozialarbeiter, nur selten wird sozialtherapeutisch mit Gefangenen gearbeitet, Gefängnispfarrer, Straffälligenhilfeinstitutionen und christlich-diakonische Einrichtungen wie z.B. das Schwarze Kreuz (Gefangenenmission) können nur punktuell Hilfestellung geben.
Was sind das für Menschen, die hinter Gittern sitzen, von denen wir gewiß sein können, dass auch sie Gott liebt? Wie sehen die Biografien delinquenter Menschen aus? Was ist das Besondere an ihnen? Gibt es Kausalzusammenhänge für Delinquenz, wie äußern sich diese bzw. was sind deren Folgen? Diese und weitere Fragen möchte ich im nachfolgenden näher untersuchen, wobei zunächst einige Begriffe zu klären sind:
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Situation von Inhaftierten und formuliert die Forschungsfrage, wie durch das Evangelium sowie religionspädagogische Arbeit neue Wege der Versöhnung und Lebenshoffnung erschlossen werden können.
2. Delinquente Menschen: Dieses Kapitel analysiert lebensgeschichtliche Faktoren, psychodynamische Hintergründe und die Stigmatisierung, die zur Entstehung von Delinquenz beitragen.
3. Theologie von Schuld und Vergebung: Hier werden zentrale Begriffe wie Schuld und Sünde theologisch differenziert und in Bezug zu christlichen Versöhnungskonzepten gesetzt.
4. Religionspädagogische Aspekte im Kontext der Arbeit: Dieser Abschnitt überträgt die theologischen Erkenntnisse auf die praktische Arbeit im Strafvollzug, insbesondere durch die Leitung biblischer Gesprächsgruppen.
5. Anhang A: Enthält das umfassende Literaturverzeichnis der Diplomarbeit.
6. Anhang B: Dient als praktisches Beispiel für die methodische Gestaltung einer biblischen Gesprächsgruppe in der Justizvollzugsanstalt.
7. Anhang C: Dokumentiert geführte Experteninterviews mit inhaftierten Personen und einem Gefängnispfarrer.
Delinquenz, Strafvollzug, Schuld, Vergebung, Religionspädagogik, Gefängnisseelsorge, Resozialisierung, Sühne, biblische Gesprächsgruppe, Stigmatisierung, Lebensgeschichte, christliche Ethik, Versöhnung, Sozialisation, Haftwirkung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit den religionspädagogischen Möglichkeiten, inhaftierten Menschen im Gefängnis durch biblische Inhalte und seelsorgerliche Begleitung bei der Bewältigung ihrer Schuld und der Suche nach Versöhnung zu unterstützen.
Die zentralen Felder umfassen die Entstehungsbedingungen von Delinquenz, die psychologische Dynamik von Schuldgefühlen bei Tätern sowie die theologische Auslegung von Schuld und Vergebung in der Praxis des Strafvollzugs.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Mitarbeiter in der Straffälligenhilfe und Gefängnisseelsorge den delinquenten Menschen religionspädagogisch begegnen können, damit diese durch das Evangelium eine neue Lebenshoffnung finden.
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse psychologischer und theologischer Theorien sowie auf eigene praktische Erfahrungen aus seiner Arbeit als Praktikant in der Gefängnisseelsorge und der Sozialberatung.
Im Hauptteil werden zunächst die Biografien und Entwicklungsprobleme von Delinquenten beleuchtet, anschließend wird der theologische Begriff der Schuld und Vergebung erörtert, und schließlich werden konkrete religionspädagogische Handlungsoptionen für die Arbeit hinter Gittern entwickelt.
Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Resozialisierung, bedingungslose Annahme, Schuldabwälzung, Gewissensbildung und die Bedeutung biblischer Gesprächsgruppen geprägt.
Er kritisiert eine einseitige Fokussierung auf Vergeltung und fordert eine stärkere Akzentuierung des Versöhnungsgedankens, um eine reale Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen.
Sie fungiert als geschützter Raum innerhalb des starren Vollzugssystems, in dem Inhaftierte als Personen ernst genommen werden und durch den Austausch über den Glauben an eigener Stabilität und Lebensperspektive arbeiten können.
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