Bachelorarbeit, 2020
49 Seiten
1 Einleitung
2 Tapferkeits- und Feigheitsideale im gesellschaftlichen Kontext
2.1 Prinzipien der Tapferkeit als Tugend
2.2 Soziale Konnotation von Feigheit als Laster
2.3 „The shame of being known as a coward“ – Reziprozität von Feigheit und Tapferkeit
3 US-Gesellschaft und Militär im Zweiten Weltkrieg: Konfliktfeld Eddie Sloviks
3.1 Die Notwendigkeit und Bedingung des Befehls
3.2 US-amerikanischer Militärkultur
3.3 Stigmatisierung Sloviks – Soldatische Zuschreibungen im Schatten des good war
3.3.1 „To avoid hazardous duty“ - Diskrepanz von Konformität und Individualisierung
3.4 Symbolischer Patriotismus: zivile Loyalität vs. militärische Feigheit
3.5 Soziale Zuschreibungen des Deserteurs
4 Court-Martial und Untersuchungausschuss
4.1 Bewusste Befehlsverweigerung als Vorwurf der Feigheit
4.2 Das Geständnis‘ Sloviks im Zwiespalt von Tapferkeits- und Feigheitskonnotationen
4.3 „And I’ll run away again“ – Provokation und Desertion
5 Fazit
Die Arbeit untersucht anhand des Falls von Eddie Slovik, wie gesellschaftliche Deutungsmuster von Tapferkeit und Feigheit im US-amerikanischen Militär des Zweiten Weltkriegs konstruiert und instrumentalisiert wurden, um Konformität zu erzwingen und abweichendes Verhalten zu sanktionieren.
3 US-Gesellschaft und Militär im Zweiten Weltkrieg: Konfliktfeld Eddie Sloviks
„The popular narrative surrounding World War II is that the United States desired only to be left alone but was forced to fight in the face of Axis aggression.“ Mit seiner These vertritt der US-amerikanische Historiker John Schuessler die Auffassung der Rückbesinnung auf einer – ähnlich der Monroe-Doktrin – isolierten Stellung der Vereinigten Staaten und einer kriegsneutralen Außenpolitik. Der Eintritt in den Ersten Weltkrieg galt, nicht nur wegen der hohen Soldatenverluste gesellschaftlich weit verbreitet als Fehler. Auch wurden Vorwürfe laut, die US-amerikanische Waffenindustrie habe aus rein wirtschaftlichen Gründen den Kriegseintritt gefördert. So erfolgte nach der Machtergreifung Hitlers und dem Beginn innereuropäischer Spannungen eine Vielzahl amerikanischer Neutrality Acts. Zur Verhinderung einer kapitalistischen Zweckentfremdung von Kriegshandlungen erließ die US-amerikanische Regierung im Februar 1936 das Verbot von Kriegsanleihen und untersagte schließlich im Mai 1937 Reisen und Schiffsfahrten in potenzielle Kriegsgebiete aufgrund des Kriegseintritts im Ersten Weltkrieg. Mit dem Überfall auf Polen begannen Zweifel im Kongress, die Neutralitätsgesetze Roosevelts könnten für Hitler und das Deutsche Reich eine passive Unterstützung ihrer Kriegsziele darstellen. War die Zustimmung zur Kriegsbeteiligung 1939 noch bei 83 Prozent seitens der Bevölkerung, erhöhte sie sich mit der Niederlage Frankreichs rasant.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Stigmatisierung von Feigheit und der Idealisierung von Tapferkeit ein und stellt den Fall Eddie Slovik als zentrales Untersuchungsbeispiel vor.
2 Tapferkeits- und Feigheitsideale im gesellschaftlichen Kontext: Das Kapitel erörtert die soziologischen und anthropologischen Grundlagen von Tapferkeit als Tugend und Feigheit als gesellschaftlich sanktioniertes Laster.
3 US-Gesellschaft und Militär im Zweiten Weltkrieg: Konfliktfeld Eddie Sloviks: Hier werden der Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg und die militärkulturellen Rahmenbedingungen analysiert, in denen Slovik als Deserteur stigmasiert wurde.
4 Court-Martial und Untersuchungausschuss: Dieses Kapitel untersucht den Prozess gegen Eddie Slovik, sein Geständnis und die juristische sowie gesellschaftliche Verwertung seines Falls durch das Militärgericht.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zur Instrumentalisierung von Tapferkeits- und Feigheitsdeutungsmustern zusammen und ordnet den Fall Slovik historisch ein.
Eddie Slovik, Tapferkeit, Feigheit, Militärsoziologie, Zweiter Weltkrieg, Desertion, Court-Martial, Soldatische Identität, Stigmatisierung, US-amerikanisches Militär, Kriegsmoral, Patriotismus, Befehlsgehorsam, Heroisierung, soziale Konstruktion
Die Arbeit analysiert die gesellschaftliche und militärische Konstruktion von Tapferkeit und Feigheit anhand des historischen Falls des US-amerikanischen Soldaten Eddie Slovik, der während des Zweiten Weltkriegs wegen Desertion hingerichtet wurde.
Zentrale Themen sind die militärische Sozialisation, die Stigmatisierung von Deserteuren, die Bedeutung von Patriotismus im Kontext der US-Kriegsführung sowie die Machtstrukturen innerhalb der militärischen Justiz.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese Deutungsmuster instrumentalisiert wurden, um das soldatische Verhalten zu disziplinieren und eine moralische Legitimierung für den Kriegseinsatz in der US-Gesellschaft zu schaffen.
Die Arbeit nutzt einen kulturhistorisch-anthropologischen Ansatz sowie eine soziologische Analyse, um militärkulturelle Phänomene und die Bedeutung individueller Sinnstiftung zu untersuchen.
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der US-Militärkultur, dem Prozessverlauf gegen Eddie Slovik sowie der Rolle, die ihm als abschreckendes Beispiel für andere Soldaten zugeschrieben wurde.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Desertion, Tapferkeitsideale, Stigmatisierung, militärische Identität und die soziale Konstruktion von Feigheit.
Slovik ist der einzige US-Soldat seit dem Amerikanischen Bürgerkrieg, der wegen Desertion hingerichtet wurde, was ihn zu einem einzigartigen Fallbeispiel für die Disziplinierungspraktiken des US-Militärs macht.
Die Arbeit stellt dar, dass das Militärgericht im Falle Slovik weniger als konservative Rechtsinstanz, sondern primär als Disziplinierungs- und Sanktionsinstitution fungierte, um Konformität zu erzwingen.
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