Bachelorarbeit, 2015
50 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Theorie: Was bedeutet Diskriminierung?
2.1 Abgrenzung der Begriffe Stereotype, Vorurteile und Stigmatisierung
2.2 Definitionen des Diskriminierungsbegriffes
2.3 Entstehung von Diskriminierung
2.4 Ausprägungen von Diskriminierung
2.5 Wirkungsweisen und Folgen von Diskriminierung
2.6 Rechtliche Aspekte
3 Theorie: Entwicklung von der Bettelei zur Obdachlosigkeit
3.1 Definitionen von Obdachlosigkeit
3.2 Ursachen von Obdachlosigkeit
3.3 Ohne Obdach in Zeiten der Armenfürsorge (Mittelalter bis Kaiserzeit)
3.4 Vom Bettler und Landstreicher zum Asozialen und Arbeitsscheuen – Entwicklung in der Weimarer Republik bis zum Ende des Weltkrieges
3.4.1 Obdachlose in der Weimarer Republik
3.4.2 Obdachlose im Nationalsozialismus
3.5 Parallelwelten in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg – DDR/BRD
3.5.1 Obdachlose in der DDR
3.5.2 Vom Begriff der „Nichtseßhaftigkeit“ zur Wohnungslosigkeit in der BRD
4 Empirischer Teil – Obdachlosigkeit im Jahr 2015 (Experteninterview)
5 Diskussion
6 Zusammenfassung/Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Obdachlosigkeit und Diskriminierung. Ziel ist es, historisch sowie anhand eines aktuellen Experteninterviews aufzuzeigen, wie Obdachlose von der Vergangenheit bis in die Gegenwart durch gesellschaftliche und institutionelle Prozesse ausgegrenzt und diskriminiert wurden und welche rechtlichen Schutzmöglichkeiten existieren.
3.3 Ohne Obdach in Zeiten der Armenfürsorge (Mittelalter bis Kaiserzeit)
Menschen ohne Obdach wurden die meiste Zeit in der Geschichte der Menschheit nicht als besondere Gruppe der Gesellschaft, sondern einfach als arm angesehen. Die Art, mildtätig mit den Betroffenen von Armut umzugehen, stellte eine gewisse Tugend dar, die zum großen Teil damit zusammenhing, dass die christlichen Kirchen Armut mit dem Status eines Gutmenschen gleichsetzten. Zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert setzte in Europa eine erhöhte Verstädterung aufgrund von beginnender Warengesellschaft ein. Die „Verlierer der Erneuerung“ waren die Armen, die, je nach Zustand, zunehmend in neu gegründeten Bettelorden, karitativen Stiftungen, Spitälern und Siechenhäusern Hilfe fanden. Sowohl die Kirche als auch der Staat begannen zunehmend Hilfsbedürftige nach ihrer Art zu unterscheiden. Müßiggang wurde von der Kirche als gewaltiges Laster verurteilt und Städte, wie z.B. die Stadt Köln um 1370, gingen dazu über, Bettelordnungen zu erlassen und Almosenzeichen, z.B. ein Stadtwappen aus Blech, an die Personen zu verteilen, die moralisch gut genug erschienen, z.B. weil sie aus Sicht des Staates nicht arbeitsfähig waren und einen festen Wohnsitz inne hatten. Diese Abzeichen implizierten gleichzeitig eine Art von „Berechtigungsnachweis“ für staatliche Almosen und Stigmata der Armut, so dass sich etliche Menschen entschieden, lieber „im Stillen“ zu betteln, statt einen öffentlich sichtbaren „sozialen Offenbarungseid“ abzulegen. Andererseits blieb vielen Personen, die kein Bettelabzeichen erhielten, insbesondere Menschen ohne festen Wohnsitz, nichts anderes übrig, als weiter zu wandern und zu betteln, soweit sie dazu gesundheitlich in der Lage waren. Die damalige Art von staatlicher Ausgrenzung verzeichnete ein Spektrum vom Schutz der Träger öffentlicher Bettelabzeichen über die brutale Vertreibung viele anderer fremdstädtischer Bettler und Familien ohne Obdach bis hin zu deren Stigmatisierung mittels Brandzeichen durch ein und dieselbe Stadt. Selbst städtische Krankeneinrichtungen schlossen wandernde Bettler und Fremde von der Versorgung aus.
1 Einleitung: Die Verfasserin erläutert ihre Motivation, sich mit der Ausgrenzung von Obdachlosen zu befassen, und beschreibt den Aufbau der Arbeit von der Theorie über den historischen Abriss bis hin zum empirischen Experteninterview.
2 Theorie: Was bedeutet Diskriminierung?: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Stereotype, Vorurteile und Stigmatisierung und erörtert verschiedene Dimensionen, Formen und rechtliche Aspekte von Diskriminierung.
3 Theorie: Entwicklung von der Bettelei zur Obdachlosigkeit: Hier wird der historische Wandel der Sicht auf Obdachlose vom Mittelalter über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus bis hin zur DDR und BRD anhand soziologischer und politischer Ansätze nachgezeichnet.
4 Empirischer Teil – Obdachlosigkeit im Jahr 2015 (Experteninterview): Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse eines Experteninterviews mit einer Teamleiterin einer Krisenwohnung, das die aktuelle prekäre Lebenslage obdachloser Menschen verdeutlicht.
5 Diskussion: In der Diskussion werden Theorie und Empirie zusammengeführt, um zu belegen, dass ein deutlicher Zusammenhang zwischen Obdachlosigkeit und Diskriminierung besteht.
6 Zusammenfassung/Fazit: Das Fazit resümiert die wesentlichen Erkenntnisse und plädiert für eine rechtliche Angleichung, um Obdachlose besser vor Diskriminierung zu schützen.
Obdachlosigkeit, Diskriminierung, Stigmatisierung, Asoziale, Wohnungslosigkeit, Armenfürsorge, Menschenrechte, Experteninterview, soziale Ausgrenzung, Gewalt gegen Obdachlose, Rechtliche Normen, Grundgesetz, Minderheiten, Soziale Arbeit.
Die Arbeit analysiert, inwieweit Obdachlose historisch und in der heutigen Zeit von Diskriminierung betroffen sind und welche Rolle gesellschaftliche Machtverhältnisse dabei spielen.
Die Arbeit verbindet soziologische Theorien zu Diskriminierung und Stigmatisierung mit einer historischen Aufarbeitung des Begriffs Obdachlosigkeit sowie einer aktuellen empirischen Untersuchung.
Das primäre Ziel ist es, zu ergründen, ob Obdachlose in Vergangenheit und Gegenwart diskriminiert werden und inwiefern sie rechtliche Möglichkeiten haben, sich gegen diese Ausgrenzung zu wehren.
Es handelt sich um eine theoriegestützte Bachelorarbeit, die durch ein Experteninterview mit einer Fachkraft aus der Obdachlosenhilfe empirisch untermauert wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Begriffsklärung der Diskriminierung, einen historischen Abriss der Behandlung von Obdachlosen seit dem Mittelalter und die Darstellung der aktuellen Lebenssituation mittels Expertenwissen.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Stigmatisierung, menschenfeindliche Einstellungen, soziale Marginalisierung sowie der juristische Schutzstatus von Menschen ohne festen Wohnsitz.
Die Arbeit verdeutlicht, dass Diskriminierung historisch oft durch Gesetze gegen „Asoziale“ institutionalisiert war, während sie heute primär durch strukturelle Ausgrenzung und mangelnden Schutz im Rahmen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) erfolgt.
Das Interview liefert aktuelle Fallbeispiele und verdeutlicht, dass Obdachlose trotz bestehender Gesetze im Alltag häufig keinen Zugang zu notwendiger medizinischer oder wohnungspolitischer Versorgung finden.
Die Verfasserin stellt fest, dass das AGG für viele Gruppen ein Fortschritt ist, für Obdachlose jedoch als Instrument gegen Diskriminierung oft ungeeignet bleibt, da der „soziale Status“ dort nicht ausreichend berücksichtigt wird.
Die Arbeit zeigt auf, dass Diskriminierung nicht nur abstrakt ist, sondern zunehmend mit realer Gewalt und Menschenverachtung einhergeht, was die Dringlichkeit einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema unterstreicht.
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