Masterarbeit, 2020
77 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung und Forschungsstand
1.1. Zielsetzung und Leitfaden der Arbeit
1.2. Existenz eines weiblichen Expressionismus
2. Charakteristika der Lyrik im Expressionismus
2.1. Themen, Motive und Merkmale
3. Die Dichterin Henriette Hardenberg
3.1. Leben und Werk
4. Analyse ausgewählter, repräsentativer Gedichte
4.1. Aufbruch- und Ausbruchsgedichte
4.1.1. Mit dem Frühling
4.1.2. Der Vogel
4.1.3. Gewitter am Abend
4.2. Antipathiegedichte
4.2.1. Der Flüchtling
4.2.2. Der Kranke
4.3. Sympathiegedichte
4.3.1. Lied
4.3.2. Die Geliebte
5. Zusammenfassung der formalen und stilistischen Elemente
5.1. Merkmale der Aufbruch- und Ausbruchsgedichte
5.2. Merkmale der Antipathiegedichte
5.3. Merkmale der Sympathiegedichte
6. Resümee der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit befasst sich mit dem literarischen Werk der expressionistischen Dichterin Henriette Hardenberg, insbesondere ihrem Gedichtband Neigungen. Das zentrale Ziel ist es, den spezifischen Beitrag Hardenbergs zur Lyrik des expressionistischen Jahrzehnts zu analysieren, die existenzielle Frage eines „weiblichen Expressionismus“ zu untersuchen und zu erörtern, inwieweit ihre Texte als repräsentativ für diese Epoche gelten können.
4.1.2. Der Vogel
Das zweite zu analysierende Gedicht der Kategorie der Aufbruch- und Ausbruchsgedichte ist mit Der Vogel betitelt und wurde zwischen Mai und Juli des Jahres 1917 verfasst. Erstmals publiziert wurde es schließlich im Oktober desselben Jahres in der Zeitschrift Das Reich, bevor es dann ein Jahr später im Band Neigungen erneut erschien. In diesem Text tritt keinerlei Hauptfigur in der grammatischen Form des Ich, Du, Er oder Sie in Erscheinung, sondern der lyrischer Sprecher präsentiert sich als eine Art neutrale, auktoriale Erzählinstanz, die bis auf den zweiten Vers im Tempus des Präsens eine Großstadtszenerie einfängt und dabei drei aktiv handelnde Figurentypen auftreten lässt: Frauen, Pferde und den Vogel. Dabei lässt der Gedichttitel bereits vermuten, dass der Vogel als Schlüsselfigur im Text fungiert.
Die erste Strophe konnotiert die düstere Atmosphäre einer vom Regen aufgeweichten Stadt. Der erste Vers „Es ist still“ deutet sogleich die bedrückende, trostlose Stimmung an, die sich bei weiterführender Betrachtung beinahe durch das gesamte Gedicht zieht. „Der Regen mauerte zu“ (V. 2) löst möglicherweise die Assoziation eines vom Regenschleier verdunkelten Himmels aus. Der Regen ist wie eine lichtundurchlässige Mauer, wobei die Abwesenheit von Licht zugleich als Abwesenheit von Hoffnung interpretiert werden könnte. Signifikant ist die Tatsache, dass der zweite Vers der einzige des ganzen Gedichtes ist, der im Tempus des Präteritums steht, wodurch mutmaßlich ausgedrückt werden soll, dass der Regen bereits vorüber ist. Dennoch fließt das Regenwasser durch die Stadt, was durch die Metapher der herabfließenden Stadt im dritten Vers ausgedrückt wird: „Auch die Stadt fließt herab“ (V. 3). Durch das Adverb „herab“ wird eine Abwärtsbewegung konnotiert, welche auch im fünften Vers durch das Verb „gleiten“ wieder aufgegriffen wird und zudem auf Untergang oder Zerstörung hinweisen könnte.
1. Einleitung und Forschungsstand: Das Kapitel führt in die Thematik ein, beleuchtet den Forschungsstand zu expressionistischen Dichterinnen und formuliert die Forschungsfrage nach der Existenz eines „weiblichen Expressionismus“.
2. Charakteristika der Lyrik im Expressionismus: Hier werden die zentralen Themen, Motive und Merkmale der Epoche, wie etwa Großstadtthematik, Kriegserfahrung, Naturlyrik und Ich-Zerfall, theoretisch aufbereitet.
3. Die Dichterin Henriette Hardenberg: Dieses Kapitel bietet einen biografischen Einblick in das Leben und das künstlerische Schaffen von Henriette Hardenberg und ordnet sie in das expressionistische Umfeld ein.
4. Analyse ausgewählter, repräsentativer Gedichte: Den Kern der Arbeit bildet die detaillierte Analyse von sieben Gedichten, unterteilt in die Kategorien Aufbruch/Ausbruch, Antipathie und Sympathie.
5. Zusammenfassung der formalen und stilistischen Elemente: In diesem Teil werden die zuvor analysierten formalen und inhaltlichen Befunde der Gedichte miteinander verglichen und zusammengefasst.
6. Resümee der Arbeit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchungen zusammen, beantwortet die eingangs gestellten Forschungsfragen und zieht Bilanz bezüglich des „weiblichen Expressionismus“.
Expressionismus, Henriette Hardenberg, Neigungen, weiblicher Expressionismus, Liebeslyrik, Aufbruchspathos, Großstadtlyrik, Naturmetaphorik, Erste Weltkrieg, Rollenfiktion, Lyrikanalyse, literarische Moderne, Kriegsgegnerin, Körperlichkeit, Identität.
Die Arbeit untersucht das lyrische Werk von Henriette Hardenberg, insbesondere ihren Gedichtband „Neigungen“, um deren Beitrag zum literarischen Expressionismus zu beleuchten.
Im Zentrum stehen die Kategorien Aufbruch- und Ausbruchsgedichte, Antipathiegedichte und Sympathiegedichte sowie die allgemeine Frage nach geschlechtsspezifischen Ausdrucksformen in der expressionistischen Literatur.
Die Arbeit möchte klären, ob es einen „weiblichen Expressionismus“ gibt und inwieweit Hardenbergs Gedichte Merkmale der expressionistischen Epoche aufweisen, trotz ihrer Anbindung an traditionellere lyrische Formen.
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse von sieben repräsentativen Gedichten im Kontext der Sekundärliteratur und epochenspezifischer theoretischer Grundlagen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine biografische Vorstellung der Autorin sowie in die detaillierte Analyse der Gedichte, wobei besonders Motive, Metaphern und die Rollenfiktion des lyrischen Ichs untersucht werden.
Die zentralen Begriffe umfassen den Expressionismus, Henriette Hardenberg, die Thematik des Ersten Weltkriegs, Naturdarstellungen, Liebeserotik und die Frage der Identität im expressionistischen Jahrzehnt.
„Mit dem Frühling“ dient als Exempel für ein klares Aufbruchs- und Ausbruchspathos und verdeutlicht Hardenbergs Widerstand gegen die kriegsbedingten sozialen Verhältnisse jener Zeit.
Hardenbergs Lyrik zeichnet sich durch eine stärkere Rückbindung an die Lyrik-Tradition und eine spezifische Verschränkung von Natur- und Liebesmetaphorik aus, die sich von den oft drastischeren oder rein vitalistischen Darstellungen männlicher Expressionisten abhebt.
Ihre Tätigkeit als Krankenschwester während des Ersten Weltkriegs sowie ihr persönlicher Hintergrund spiegeln sich in vielen ihrer Gedichte wider, insbesondere in der Verarbeitung von Leid, Schmerz und dem Wunsch nach Frieden.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Unterschiede zur Lyrik männlicher Kollegen marginal sind und somit nicht von einer eigenständigen Bewegung eines „weiblichen Expressionismus“ gesprochen werden kann, auch wenn eine spezifische, weiblich geprägte Perspektive erkennbar ist.
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