Bachelorarbeit, 2019
55 Seiten, Note: 1,6
Didaktik für das Fach Deutsch - Deutsch als Fremdsprache, DaF
1. Einleitung
2. Bewegungsereignisse im Sprachvergleich
2.1 Typologische Einordnung des Deutschen und Türkischen
2.2 Boundary-Crossing
2.3 Sprachliche Mittel
2.3.1 Deutsch
2.3.2 Türkisch
3. Event Unit Formation
4. Ereignissegmentierung aus kognitiver Perspektive
4.1 Der Einfluss von Aufmerksamkeitsmustern
4.1.1 Manner und Path
4.1.2 Zielgerichtete Bewegung und Endpunktfokussierung
4.2 Psychologische Grundmodelle der Ereignissegmentierung
4.3. Sprachtypologischer Einfluss auf die Ereignissegmentierung
4.3.1 Macro-Event-Property
4.3.2 Manner-Layer und Path-Layer
5. Empirischer Teil der Studie
5.1 Fragestellung und Hypothesen
5.2 Experimentendesign
5.2.1 Probanden
5.2.2 Stimuli
5.2.3 Durchführung
6. Datenanalyse
6.1 Kodierung der Daten
6.2 Anzahl der Äußerungen
6.3 Anzahl und Kombination der Segmente
6.4 Boundary-Crossing und Endpunkt
6.5 Abhängigkeit der Variable
7. Interpretation der Ergebnisse
8. Diskussion
9. Ausblick
Diese Arbeit untersucht die kognitiven und sprachlichen Unterschiede bei der Konstruktion von Bewegungsereignissen im Deutschen und Türkischen, wobei der Fokus insbesondere auf der Segmentierung von Grenzübertritten und Endpunkten liegt. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie Sprecher beider Sprachen Referenzpunkte wahrnehmen und diese sprachlich enkodieren, um Aufschluss über sprachspezifische Aufmerksamkeitsmuster und Hierarchien zu gewinnen.
4.1.1 Manner und Path
Slobin (2006) untersuchte den Grad der auf die Manner-Information gerichteten Aufmerksamkeit. Sprachen, in denen Manner besonders häufig lexikalisiert werden, haben demnach eine hohe Manner-Salienz (Slobin 2006: 64). In einer Sprachvergleichsstudie untersuchte Slobin (2006) die Aussagen von Probanden verschiedener Sprachen. Er betrachtete die Beschreibungen einer bestimmten Szene (owl exit scene) aus der Frog Story. In den Aussagen der Sprecher von Verb-Framed Sprachen, stellte er eine geringe Anzahl an Manner-Verben fest und schloss aus den Ergebnissen, dass diese keine Manner-Salienz aufweisen. Innerhalb der S-Sprachen mit einer hohen Anzahl an Manner-Verben gibt es hingegen eine „Cline of Salience“ (Slobin 2006: 73).
Darunter werden eine graduelle Abstufungen in Abhängigkeit zur Häufigkeit, in der Manner lexikalisiert wird, verstanden (Slobin 2006: 65). In einer zweiten Untersuchung wurden Rückschlüsse auf die Konzeptualisierung von Bewegungsereignissen in Abhängigkeit zur Frequenz der Versprachlichung von Manner-Informationen gemacht. Spanisch- und Englisch-Muttersprachler hatten die Aufgabe, eine Textstelle aus einem Roman mündlich wiederzugeben. Es wurde eine Romanzeile ausgewählt, die keine Manner-Verben enthielt. In den englischen Äußerungen wurden bei der sinngemäßen Wiedergabe deutlich mehr Manner-Verben verwendet. Daraus schlussfolgerte Slobin (2006), dass sich die Konzeptualisierung von Bewegungsereignissen innerhalb der beiden Sprachtypen unterscheidet (Slobin 2006: 14f). Wenn eine Sprache den Path im Hauptverb kodiert, verfügt sie über begrenzte Mittel um Manner zu enkodieren und dies wirkt sich auf die konzeptuelle Repräsentation aus (Slobin 2006: 17).
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Bewegungsereignisse ein und erläutert die Bedeutung sprachstruktureller Unterschiede für das menschliche Denken sowie die Relevanz der Event Segmentation Theory.
2. Bewegungsereignisse im Sprachvergleich: Hier erfolgt die typologische Einordnung von Deutsch und Türkisch nach Talmy, ergänzt durch die Diskussion des Boundary-Crossing Constraints und der spezifischen sprachlichen Mittel beider Sprachen.
3. Event Unit Formation: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Event Unit im Kontext der Sprachproduktion und diskutiert die unterschiedliche Segmentierung von Bewegungsereignissen in den untersuchten Sprachen.
4. Ereignissegmentierung aus kognitiver Perspektive: Der Fokus liegt auf Aufmerksamkeitsmustern, psychologischen Modellen der Ereignissegmentierung und dem Einfluss von Manner- und Path-Layern auf die Wahrnehmung.
5. Empirischer Teil der Studie: Dieser Abschnitt beschreibt die Forschungsfragen, Hypothesen sowie das experimentelle Design, einschließlich der Probandengruppen und des verwendeten Stimulus-Materials.
6. Datenanalyse: Die Datenanalyse präsentiert die methodische Kodierung der transkribierten Äußerungen sowie quantitative Ergebnisse zur Anzahl der Äußerungen und Kombination der Segmente.
7. Interpretation der Ergebnisse: Hier werden die erhobenen Daten ausgewertet und in Bezug auf die Fragestellungen diskutiert, um Rückschlüsse auf die Salienz von Grenzpunkten und Endpunkten zu ziehen.
8. Diskussion: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Studie im Hinblick auf die theoretischen Annahmen und die sprachspezifische Segmentierungspraxis.
9. Ausblick: Der Ausblick zeigt Grenzen der vorliegenden Arbeit auf und gibt Empfehlungen für zukünftige Untersuchungen, beispielsweise durch den Einsatz von Eye-Tracking-Methoden.
Bewegungsereignisse, Ereignissegmentierung, Türkisch, Deutsch, Sprachvergleich, Manner-Information, Path-Information, Event Unit Formation, Boundary-Crossing, kognitive Perspektive, Lexikalisierungsmuster, Aufmerksamkeitsmuster, Zielgerichtetheit, Sprachtypologie, Empirische Untersuchung.
Die Arbeit untersucht, wie deutsch- und türkischsprachige Probanden Bewegungsereignisse in Videos wahrnehmen und sprachlich verarbeiten, insbesondere wenn dabei Grenzen überquert oder Endpunkte angesteuert werden.
Die zentralen Themen umfassen die kognitive Ereignissegmentierung, die sprachtypologischen Unterschiede zwischen S-Sprachen (Deutsch) und V-Sprachen (Türkisch) sowie die Auswirkung von sprachspezifischen Aufmerksamkeitsmustern auf die Äußerungsproduktion.
Ziel ist es zu ermitteln, ob und wie türkische Muttersprachler Grenz- und Endpunkte in Bewegungsereignissen konstruieren und inwiefern sich dies von den Mustern deutschsprachiger Probanden unterscheidet.
Es wurde ein empirisches Experiment mit 20 deutsch- und 20 türkischsprachigen Probanden durchgeführt, denen Videosequenzen gezeigt wurden, deren Beschreibungen anschließend transkribiert und kodiert wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Ereignissegmentierung und Sprachstruktur sowie in einen empirischen Teil, der die Datenanalyse und Interpretation der Ergebnisse enthält.
Wichtige Begriffe sind Ereignissegmentierung, Bewegungsereignisse, Boundary-Crossing, Manner- und Path-Layer sowie der sprachtypologische Kontrast zwischen Deutsch und Türkisch.
Da das Türkische eine V-Sprache ist, die den Path bevorzugt im Verb kodiert, weichen Sprecher bei Grenzübertritten oft auf alternative Strategien wie die Lokalisierung der Entität aus, anstatt den Grenzübertritt explizit zu lexikalisieren.
Der Endpunkt weist für türkische Sprecher eine hohe Salienz auf; oft rückt die Lexikalisierung des Grenzpunktes zugunsten des Endpunktes in den Hintergrund, um ein holistisches Ereignis zu erzeugen.
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